Wie Rechtspopulisten das Thema Abtreibung instrumentalisieren

September 2015: Der „Marsch für das Leben“ zieht als wandernder Schilderwald mit süßen Babybildern und frommen Psalmen durch die Berliner Innenstadt. Viele Demonstranten tragen weiße Kreuze—damit wollen sie symbolisch die ungeborenen Kinder beerdigen, die im Jahr zuvor abgetrieben wurden. Für sie: ein Massenmord, über den keiner spricht. Die Polizei zählt 5.000 Menschen, die vor allem gegen Schwangerschaftsabbrüche auf die Straße gehen. Sogar aus Polen sind Gruppen angereist. An der Spitze der Demo marschiert die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch.

Den „Marsch für das Leben“ gibt es seit 2002, zuerst zweijährig, ab 2008 jedes Jahr. Richtig groß geworden ist er aber erst, seitdem nicht nur strenggläubige Christen, sondern auch Rechtspopulisten und Neurechte das Thema für sich entdeckt haben. Die Veranstalter erwarten 7.000 Menschen beim Schweigemarsch am Samstag in Berlin.

[http://www.vice.com/de/read/wie-rechtspopulisten-das-thema-abtreibung-instrumentalisieren

  1. #1 von Noch ein Fragender am 16. September 2016 - 13:35

    Klärt die jungen Menschen auf und verteufelt nicht die Empfängnisverhütung, beteiligt euch an ergebnisoffener Schwangerschaftsberatung – dann tut ihr mehr zur Senkung der Abtreibungen als wenn ihr mit frommen Psalmen durch die Innenstadt latscht und aller Welt eure moralinsaure Bigotterie vorführt.

    Es ist übrigens bezeichnend, dass die Evangelische Kirche von einer Beteiligung an dem Marsch abrät, während AfD-Leute mitlaufen.

  2. #2 von Hässliche Wahrheit am 16. September 2016 - 16:55

    @Noch ein Fragender Als ob die diese Fundispinner ein erkennbares Interesse daran haben, die Leute aufzuklären. Das würde doch dem biblischen „Wachset und mehret euch“ zuwiderlaufen. Außerdem braucht es doch frisches Kanonenfutter zum Kreuzzug gegen den Muselmann.

  3. #3 von oheinfussel am 16. September 2016 - 19:04

    Ich frag mich, wie viele von denen für Kinder marschieren, die ungewollt und ungeliebt vor sich hinleben oder von religiösen Pfaffen um ihre Kindheit gebracht wurden, sei es durch physische oder/und psychische Gewalt. Davon hört man irgendwie nie was – seltsam oder?

  4. #4 von Netizen am 17. September 2016 - 02:36

    Ich kann mir diesmal wahrscheinlich aus Zeitgründen den Irrsinn nicht antun (da fällt mir auf – ich hab noch nicht mal meinen Bericht vom letzten Jahr veröffentlicht … egal, ist ja vermutlich austauschbar), aber fürs nächste Jahr behalte ich mal die Idee eines mit hunderten gelben Punkten gespickten Kreuzes für all die abgegangenen befruchteten Eizellen im Hinterkopf.

    Eines steht nach meinen Erlebnissen des letzten Jahres aber fest: Ein Schweigemarsch wirds ganz sicher nicht. Macht Euch auf was gefaßt, Ihr Bibelscheißer! Und richtet Euch unterwegs auf längere Wartezeiten ein. Letztes Jahr gabs so massive Blockaden im Bereich Unter den Linden (ja ich weiß, ist ein heikles Thema, selbst die Gestörten haben ein Recht auf ihre Demo – aber hey, der Protest war trotz aller Entschlossenheit friedlich und nicht verhindernd, sondern nur verzögernd), so daß der traurig dreinschauende und mißgelaunte Rest nur noch in strömendem Regen den abgesperrten Lustgarten zum Abschlußgottesdienst erreichte. Was für ein Zeichen! Durchnäßte, genervte Moralapostel – mehr konnte sich selbst Gott nicht erhoffen als Samstagabend-Unterhaltung. Bin gespannt, was dieses Jahr geht. Wünsche wieder einen fröhlichen Untergang, Ihr realitätsfremden Spinner!

  5. #5 von Willie am 17. September 2016 - 04:34

    @Netizen

    Man sollte die teilnehmenden Frauen befragen, ob sie gerade ihre Regelblutung haben. Lutz van der Horst bitte übernehmen Sie.

  6. #6 von Yeti am 17. September 2016 - 10:25

    @Willie:
    Wenn ich mir Photos von solchen Veranstaltungen ansehe, komme ich zu dem Schluss, dass die meisten Teilnehmer entweder niemals eine Regelblutung hatten (Männer) bzw. falls doch, dass die letzte schon ein paar Jährchen her ist.