Merkel wirbt für moderates Burka-Verbot

Verfolgte Christen im Nahen Osten, unterdrückte Muslime in Myanmar: Bei einer Konferenz zur Religionsfreiheit in Berlin ging es vor allem um ferne Länder. Mitten im Burka-Streit erinnerte Kanzlerin Merkel aber auch die Deutschen an das Grundrecht.

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[http://www.evangelisch.de/inhalte/138339/14-09-2016/merkel-wirbt-fuer-moderates-burka-verbot

  1. #1 von K.Brückner am 15. September 2016 - 10:45

    Manchmal ist es schon schwierig unserer Kanzlerin zu folgen.. Religionsfreiheit ist ein Grundrecht, das ja nur wenige abschaffen wollen. Aber Religionsfreiheit bedeutet doch nicht, dass wir jeden religiösen Irrsinn akzeptieren bzw. tolerieren müssen. Es geht um ein Zeichen, das ganz eindeutig signalisiert, für was wir stehen und für was wir nicht stehen. Hinter der Burka steht auch ein bestimmtes Frauenbild. Die Burkaträgerinnen sind Heilige, alle anderen sind Unreine, Prostituierte. Dieses Signal sollten wir in unserer Gesellschaft nicht akzeptieren. Darüber hinaus halte ich die Burka für ein wandelndes Gefängnis in dem die Frauen in der totalen Anonymität verschwinden. Wollen wir das akzeptieren? Auch wenn es bisher nur wenige sind, die eine Burka tragen. Keiner zwingt sie, zu uns zu kommen, aber wenn sie kommen, dann müssen sie bestimmte Grundregeln und Grundwerte akzeptieren. Wenn morgen welche kommen, denen ihre Religion auferlegt prinzipiell nackt zu gehen, dann werden wir das auch nicht akzeptieren. Zu Recht!

    K.Brückner

    .

  2. #2 von Jesinchen am 15. September 2016 - 11:49

    Die Logik muss ich jetzt nicht verstehen:
    „Dieses Stoffgefängnis ist böse, und genau aus diesem Grund muss es verboten werden, und wenn in Zukunft jemand kommt, der gar kein Stoffgefängnis tragen will, ist das auch zu verbieten, denn kein Stoffgefängnis zu tragen gehört genauso verboten wie dieses eine Stoffgefängnis.“

  3. #3 von frater mosses zu lobdenberg am 15. September 2016 - 12:19

    @K. Brückner:

    Wenn morgen welche kommen, denen ihre Religion auferlegt prinzipiell nackt zu gehen, dann werden wir das auch nicht akzeptieren.

    …und wenn ich einfach mal so nackig gehen will?

  4. #4 von Jesinchen am 15. September 2016 - 12:38

    „Die Kleidungsträger sind Heilige, alle Nackten sind Unreine, Prostituierte. Dieses Signal sollten wir in unserer Gesellschaft nicht akzeptieren. Darüber hinaus halte ich die Kleidung für ein wandelndes Gefängnis.“

    Irgendwie passt die Logik halt auch so. Wieso fällt einem das nicht auf wenn man versucht ein einheitliches Begründungsgebäude zu entwickeln?

    Und was ist an totaler Anonymität beengend? Der Versuch Anonymität und Privatssphäre zu bewahren ist eines der wichtigsten Anliegen von Überwachungsgegnern und Datenschützern. Seit wann ist es negativ behaftet wenn man die Möglichkeit hat sich anonym irgendwo bewegen zu können?

  5. #5 von dezer.de am 15. September 2016 - 13:04

    Eine Nacktreligion…. Hmm… keine schlechte Idee. Ich als stramm stalinistisch erzogener Jungpionier hatte das Vergnügen diese Religion im Ansatz miterleben zu dürfen.
    In den Ferien am Ostseestrand.

    (Hinweis: In diesem Kommentar ist möglicherweise Ironie enthalten, dies ist beim Lesen bitte zu beachten.)

  6. #6 von K.Brückner am 15. September 2016 - 14:06

    @ Jesinchen

    Im Augenblick sind die Diskussionen im Forum schwierig. Sie haben nicht wirklich verstanden was es heißt anonym zu sein. Sie existieren als Person überhaupt nicht. Wenn Sie das für erstrebenswert halten, nun ja. Ich auf jeden Fall will als körperliche Person mit einer eigenen Meinung registriert und beachtet werden. Meine Privatsphäre muss natürlich trotzdem geschützt bleiben, das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.

    @dezer, de

    Ich habe verstanden. Ich werde Ihre Kommentare in Zukunft nicht mehr ernst nehmen. Offensichtlich haben Sie meinen Vergleich nicht verstanden, trotz Ihres feinen Gefühls für Ironie und Sarkasmus. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wollen Sie jeden selbst entscheiden lassen, welche Kleidung er trägt. Sie sind zwar gegen die Burka, aber wenn sich jemand die Burka antun will, dann ist es seine Entscheidung. Dann müssen Sie natürlich auch dem FKK – Fan erlauben bei jeder Gelegenheit und bei an jedem Ort nackt zu gehen, wenn er es will. Da sind Sie dann aber für eine Beschränkung der persönlichen Freiheit. Das halte ich für inkonsequent. Ein Kleidungsstück, mit dem Frauen unterdrückt, diffamiert und diskreditiert werden hat in unserer, zum Glück liberalen Gesellschaft keine Berechtigung.

    K.Brückner

  7. #7 von dezer.de am 15. September 2016 - 15:09

    Hallo Herr Brückner, ich habe lediglich mit einem Augenzwinkern getrollt. Ja, Kommentare wie diesen dürfen Sie selbstverständlich nicht ernst nehmen. Andere Kommentare dagegen schon. Wann ein Kommentar eher als Spass gemeint ist und wann er sich inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzt versuche ich eigentlich schon relativ deutlich zu trennen.

    Zum Thema: religiöse Symboliken gehören in die Privatsphäre. Was jemand in seiner Freizeit trägt ist in meinen Augen seine Privatsphäre. Ausnahmen bilden hier selbstverständlich Vorgänge die andere wiederum als persönlichkeitsverletzend empfinden.

    Sollte die Burka tatsächlich verboten werden, hätte das nicht zur Folge, dass diese Frauen sie dann ablegen und sich „normal“ kleiden. Ganz im Gegenteil, die Folge wäre eine komplette Isolierung dieser Frauen. Sie könnten nun garnicht mehr am öffentlichen Leben teilhaben. Damit würden wir das Gegenteil von Integration erreichen. Ich nehme an, es würden den Fundamentalisten neue Argumente an die Hand liefern und zur Radikalisierung beitragen. Zusammengefasst, es wäre kontraproduktiv.

  8. #8 von schiffmo am 15. September 2016 - 15:50

    Beim Lesen dieses Satzes bin ich auf eine Idee gestoßen: „Die Burkaträgerinnen sind Heilige, alle anderen sind Unreine, Prostituierte.“ (K. Brückner, #1). Das ist doch der Aufreger überhaupt, dass man das genauso auffaßt. Nun ist aber diese Interpretation genau eine Aussage, und sie ist falsch und der Tendenz nach verleumderisch, und zwar letztlich für alle Frauen, die keine Gesichtsverschleierung tragen.
    Wie wäre es also damit, dass man die „Selbstheiligung“ durch Tragen von Gesichtsverschleierung, aber auch durch alle anderen Formen von Scheinheiligkeit und Bigotterie als das bezeichnet, was es ist?
    Ich bin weiterhin gegen ein Verbot dieser Art von Bekleidung, aber sehr dafür, ihre Wirkung durch eine andere Deutung zu beeinflussen.
    Im Gegensatz zu Herrn Brückner bin ich überhaupt nicht der Auffassung, dass das Tragen des Kleidungsstückes genau das aussagt, was ich zitiert habe, sondern dass die Aussage des Tragens auch und gerade von der Rezeption dieser Aussage abhängt, und diese Rezeption haben auch wir in der Hand.

  9. #9 von itna am 15. September 2016 - 21:07

    Und ich erinnere Merkel an das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit.

  10. #10 von itna am 15. September 2016 - 21:08

    Ach ja, und an das GR, dass niemand wegen seiner Weltanschauung benachteiligt werden darf.

    Also Merkel, nicht mal so und dann wieder so, wie es ihnen in den Kram passt.

  11. #11 von Simone am 15. September 2016 - 23:24

    @dezer

    Sollte die Burka tatsächlich verboten werden, hätte das nicht zur Folge, dass diese Frauen sie dann ablegen und sich „normal“ kleiden. Ganz im Gegenteil, die Folge wäre eine komplette Isolierung dieser Frauen. Sie könnten nun gar nicht mehr am öffentlichen Leben teilhaben. Damit würden wir das Gegenteil von Integration erreichen. Ich nehme an, es würden den Fundamentalisten neue Argumente an die Hand liefern und zur Radikalisierung beitragen. Zusammengefasst, es wäre kontraproduktiv.

    Wie soll denn jemand, der komplett unter einem Tuch versteckt ist, am öffentlichen Leben teilhaben? Diese Frauen sind bereits komplett isoliert, ob sie nun zu Hause bleiben oder nicht. Sie können sie auf der Strasse ja nicht einmal auseinanderhalten. Angenommen, Sie kennen eine Frau, die sich so kleidet, wie erkennnen sie sie dann? Wissen sie, ob sie die richtige Frau grüssen, wenn sie sie sehen? Wie soll das Personal in der Kinderkrippe sich verhalten, wenn eine Mutter mit Burka kommt. Einfach das Kind aushändigen ohne Identifikation? Was für einen Beruf, was für eine Ausbildung ist mit solcher Kleidung möglich?
    Tut mir leid, aber ich sehe da einfach keine Integrationsmöglichkeit. Kleidervielfalt ist ja schön und gut, aber wenn der normale Umgang zwischen Menschen dadurch massiv behindert wird, hört der Spass irgendwann auf.

  12. #12 von frater mosses zu lobdenberg am 16. September 2016 - 04:30

    @K. Brückner:

    Sie haben nicht wirklich verstanden was es heißt anonym zu sein. Sie existieren als Person überhaupt nicht. Wenn Sie das für erstrebenswert halten, nun ja. Ich auf jeden Fall will als körperliche Person mit einer eigenen Meinung registriert und beachtet werden. Meine Privatsphäre muss natürlich trotzdem geschützt bleiben, das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.

    Aux contraire, das hat sehr viel miteinander zu tun. Privatsphäre, so schützenswert sie ist, verkommt seit Jahren immer mehr, weil die Herrschaft über die eigenen Daten schwindet. Gerade treiben maßgebliche Teile unserer regierung mal wieder Pläne für noch mehr (für den vorgeblichen Zweck sinnlose) Überwachung voran, was u. a. noch mehr Überwachungskameras bedeuten wird. Ich kenne eine Menge Personen, die sich – ohne jeden kriminelle Absicht – diesem Treiben entziehen wollen, imo mit Recht.

    Dann müssen Sie natürlich auch dem FKK – Fan erlauben bei jeder Gelegenheit und bei an jedem Ort nackt zu gehen, wenn er es will.

    … und das Problem wäre genau was? Die Körperfeindlichkeit, die unsere Gesellschaft in den letzten 200 Jahren durchsetzte?

    @Simone

    Wie soll das Personal in der Kinderkrippe sich verhalten, wenn eine Mutter mit Burka kommt. Einfach das Kind aushändigen ohne Identifikation? Was für einen Beruf, was für eine Ausbildung ist mit solcher Kleidung möglich?

    Wieso ohne Identifikation? Es geht doch nur darum, männliche Blicke auszusperren, also bittet eine Erzieherin darum, das Gesicht sehen zu dürfen. Wird hier so gehandhabt. Problem?

  13. #13 von Willie am 16. September 2016 - 04:50

    Ich bringe da mal einen Burkakini ins Spiel 😉

  14. #14 von hans am 16. September 2016 - 09:43

    haben wir nicht schon seit 95/96 ein vermummungsverbot?

  15. #15 von dezer.de am 16. September 2016 - 09:54

    @Simone: „Diese Frauen sind bereits komplett isoliert“ Ist das so? Also ich denke momentan können sie sich in der Öffentlichkeit bewegen, einkaufen, ihre Kinder zum kindergarten bringen, im Park sitzen, spazieren, sich mit anderen Menschen treffen etc. Das alles könnten sie dann nicht mehr, wenn sie die Wohnung nicht mehr verlassen dürften. In meinen Augen die höchste Isolierungsstufe die man ereichen kann. Mir ist klar, dass sie auch jetzt schon auf Grund ihrer Religion und Kleidung viel isolierter sind als andere, aber die Frage sollte doch sein, erreichen wir irgendeinen positiven Effekt, wenn wir diese ohnehin isolierten Frauen noch mehr isolieren? Ich denke nicht. Wir erreichen damit einen negativen Effekt.

  16. #16 von Jesinchen am 16. September 2016 - 10:25

    Etwas sollte nur verboten werden wenn es einen Schaden anrichtet.
    Welchen Schaden richtet denn eine Burka an?

    Wenn sie jemandem aufgezwungen wird, dann richtet sie garantiert einen Schaden an und derjenige, der Menschen dazu zwingt, Burkas zu tragen, gehört bestraft. Aber halt nicht das Opfer, welchem die Burka aufgezwungen wird.
    Hier zielt ein Burkaverbot komplett daneben und greift Opfer und nicht Täter an.
    Das ist so als würde man Diebstahl verbieten und dann nicht die Diebe sondern die Bestohlenen bestrafen.

    Wenn sie freiwillig getragen wird, schadet sie niemandem, höchstens der Person, die sie freiwillig trägt, wie auch rauchen oder Wurst essen. Das ist auch ein Teil der persönlichen Freiheitsrechte, solchen Schaden für sich persönlich in Kauf zu nehmen.
    Wert es zu verbieten ist sowas nur ein einem autoritären, unfreien Nannystaat.

    Um eine Uniform oder ein Zeichen einer verfassungswidrigen und verbotenen Vereinigung handelt es sich auch nicht. Man kann den Trägern höchstens eine ideologische Nähe andichten, so wie Nazis oft Springerstiefel und Bomberjacken getragen haben. Das mag vllt szenetypische Bekleidung sein, aber es ist keine Uniform und die Übergänge sind zu schwammig als das sich daraus ein verfassungsfeindliches Symbol konstruieren ließe.

    Bleibt halt nur das Ästhetikempfinden von besorgten Einheimischen, die es nicht wollen das jemand eine derartige Ideologie vertritt uns sich in sie einfügt, ohne sich selbst als Opfer dieser wahrzunehmen, und die deswegen verbieten wollen das man sich so im öffentlichen Raum zeigt, damit sie sich nicht mehr damit auseinander setzen müssen.
    In meinen Augen ist das ein bisschen zu wenig um etwas zu verbieten.