Abendmahl beim Atheisten

Ein sehr guter Freund bat mich darum, eine Feier zur Firmung seines Sohnes zu ermöglichen, indem ich die Kosten übernehme. Finanziell wäre das für mich unproblematisch und das Fest würde der Familie eine große Freude bereiten. Ich bin aber überhaupt nicht religiös und stehe der katholischen Kirche sehr kritisch gegenüber. Darf ich trotzdem für das Fest aufkommen?

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[http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44969/

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  1. #1 von Skydaddy am 15. September 2016 - 09:07

    Ich würde mich erst mal mit dem Kind unterhalten. Wenn es wirklich gefirmt werden will, könnte man sagen, man ermöglicht dem Kind und der Familie eine schöne Feier.

    Wenn aber deutlich wird, dass das Kind an der Firmung selbst, also an dem religiösen Aspekt, kein Interesse hat, oder dazu gedrängt wird, würde ich meine „Hebelwirkung“ durchaus im Sinne des Kindes nutzen und eine Feier nur unterstützen, wenn sie ohne Firmung erfolgt. (Einfach so oder z.B. mit Jugendweihe.) In dem Fall wäre auch zu überlegen, ob man – insbesondere, falls die Eltern keine Feier ohne Firmung wollen – das Geld nicht direkt dem Kind schenkt, sozusagen als Ausgleich für entgangene Firmungsgeschenke.

  2. #2 von Skydaddy am 15. September 2016 - 09:09

    Übrigens interessant, dass der katholische Bekannte es nicht dabei beließ, für das benötigte Geld zu beten, sondern dass er ausgerechnet seinen nichtreligiösen Freud um Hilfe bat.

  3. #3 von Gerry am 15. September 2016 - 09:23

    @ Skydaddy

    Halte ich für die sinnvollste Variante. Natürlich sollte man sich mit dem Kind fernab der Eltern unterhalten, vielleicht auf nem Ausflug in entspannter Stimmung oder was das Kind sonst gern macht.

  4. #4 von omnibus56 am 15. September 2016 - 09:31

    »Darf« ist IMO das falsche Wort, da es gesetzlich nicht verboten ist. Eine andere Frage ist jedoch, ob die Person die Kostenübernahme vor sich selbst verantworten kann.

    Wenn sie es so sieht wie Richard Dawkins (dem ich mich voll anschließe), dass Zwangsreligiotisierung von Kindern eine Form des Kindesmissbrauchs ist, dann kann man eine Kostenübernahme (Unterstützung des Missbrauchs) nicht verantworten. Ich würde daher weder Taufe noch Kommunion, Firmung, Konfirmation oder jedes beliebige andere religiöse Aufnahmeritual eines Kindes finanzieren.

    Da der Freund sich an die fragende Person gewandt hat, stellt sich mir die Frage, ob die Beziehung wirklich sehr gut ist, bzw. welche Einstufung der Frager in der Admiralskala hat. Ich würde davon ausgehen, dass in einer sehr guten Freundschaft der andere weiß, wie jemand zur Religion steht, d. h. z. B. ein ‚0 Admiral‘ ist. Einem ‚0 Admiral‘ würde man kaum mit dem Ansinnen, die Kosten zu übernehmen, kommen. Wenn die Beziehung die Einstufung ’sehr gut‘ verdient, ist IMO daher der Frager mindestens ‚1 Admiral‘, eher ‚2 Admiral‘, und hofft nun auf „Absolution“, die Finanzierung zu übernehmen.

  5. #5 von Charlie am 15. September 2016 - 09:41

    Darf ich trotzdem für das Fest aufkommen? Ist das eine ernst gemeinte Frage?

  6. #6 von omnibus56 am 15. September 2016 - 09:54

    @skydaddy
    Ist ein Kind, das von Anfang an (Taufe, Kommunion, jahrelange religionsunterrichtliche Indoktrination) religiös indoktriniert wurde, tatsächlich noch selbstbestimmt entscheidungsfähig?

    Zwar liegt das übliche Firmungsalter zur Zeit des Erreichens bzw. nach der gesetzlichen Religionsmündigkeit (14), nach Kirchenrecht kann es theoretisch aber auch erheblich früher (>=7) liegen. Bei uns im Dorf werden die Kinder z. B. in der Regel schon mit 12 „gefirmt“. Das ist ein Alter, in dem der „Wille des Kindes“ durch die Eltern noch sehr „plastisch formbar“ ist. Ich würde davon ausgehen, dass man in dem von Dir vorgeschlagenen Gespräch nicht viel mehr als den Standpunkt der Eltern zu hören bekäme. Und dann ist man so klug wie zuvor…

  7. #7 von Elvenpath am 15. September 2016 - 10:28

    Darf ich trotzdem für das Fest aufkommen?
    Wir leben in einem freien Land.

  8. #8 von Gerry am 15. September 2016 - 12:15

    @ omnibus56

    Bei uns in der Gegend (tiefschwarz und katholisch) sind Taufe, Erstkommunion und Firmung vor allem Tradition.

    Da nehmen totalverkatholte Religioten genauso teil wie Leute die man bestenfalls an Weihnachten in der Kirche gesehen hat und die sonst nicht wirklich was mit Kirche und Glauben zu tun haben.

    Von daher glaube ich nicht dass man von der bloßen Teilnahme an dieser Tradition auf die Indoktrination der Kinder schließen kann.

  9. #9 von Noch ein Fragender am 15. September 2016 - 12:21

    Haben Sie auch eine Gewissensfrage? Dann schreiben Sie eine E-Mail an gewissensfrage@sz-magazin.de

    Echte Realsatire.

  10. #10 von deus ex machina am 15. September 2016 - 14:07

    Was eine Nonsensefrage.

  11. #11 von Muriel am 15. September 2016 - 14:47

    Ist es irgendwie ein verbreiteter Brauch, Freundinnen sowas zu fragen, oder ist das so dreist, wie es mir vorkommt? Ich bitte doch auch nicht Leute, meinen Geburtstag zu finanzieren…?

  12. #12 von dezer.de am 15. September 2016 - 15:12

    NEIN! Darfst du nicht! Ansonsten lasse ich meinen Pitbull auf dich los!

  13. #13 von omnibus56 am 15. September 2016 - 15:18

    @gerry
    zu Hause mag die Indoktrination ja sehr gering sein, im Religions/Kommunions/Konfirmanden/Firmungs“unterricht“ wird das nicht so sein.

    „Coming out“ (;-)):
    Mein Elternhaus war so wenig religiös, dass nicht mal an „Heiligabend“ ein Kirchbesuch auf dem Programm stand. Ich wurde dennoch getauft und ging in den Religionsunterricht. Als es „Zeit war“, ging ich zum Konfirmandenunterricht (meine Mutter hat mich dazu angehalten, „weil man das so macht“). Ohne, dass ich sagen könnte warum, wurde ich ein eifriger Konfirmand. Durch den Konfirmandenunterricht kam ich in eine kirchliche Jugendgruppe und zu weiterer Indoktrination, und fühlte mich schließlich als Überchrist, lief ständig mit einem Kreuz um den Hals herum und bemerkte meine im Grunde große Distanz zu den kirchlichen Dogmen nicht mal, obwohl sie von Anfang an vorhanden war. Ich war so verrannt in das Christentum (natürlich so, wie ich es verstand, also Glaubensbekenntnis mitbeten, aber außer dem ersten Halbsatz nichts für bare Münze nehmen und aus der Bibel schön cherry picking treiben), dass ich meine beiden Kinder gedrängt habe, sich konfirmieren zu lassen (mea culpa!). Es dauerte bis ich über 50 war, bevor ich mir eingestanden habe, dass ich eigentlich das Christentum für genauso bescheuert halten muss, wie alle anderen Religionen schon seit der Schulzeit. Heute verstehe ich mich selbst nicht, wie ich die kognitive Dissonanz so lange ausgehalten habe und bin glücklicher Atheist.

    Glücklicherweise haben meine Kinder viel früher als ich die Widersprüchlichkeit der Religionen im Gesamtbild und die Unsinnigkeit jeder einzelnen erkannt, bevor sie ihrerseits ihre Kinder auf den beschwerlichen Weg die Religiotie abzuschütteln schickten… (Mir ist immer noch nicht klar, wie es ihnen gelang wesentlich schneller als meine Frau und ich zum Atheismus zu finden.)

    Fazit: Indoktrination auch außerhalb aber mit Billigung oder Förderung durch das Elternhaus kann auch wirken und lange nachwirken. Daher lieber nicht unterstützen.

  14. #14 von Gerry am 15. September 2016 - 15:55

    @ omnibus56

    War bei mir mit den diversen „Unterrichten“ genau gegenteilig. Kreuzlangweilig und jedes Mal froh wenn der Mist erledigt war.

  15. #15 von itna am 15. September 2016 - 21:03

    Nein, darfst du nicht. Es ist klar geregelt, dass niemand zu religiösen Handlungen gezwungen werden darf, hier sogar erpresst, um Geldzuwendungen zu erhalten.🤗

  16. #16 von Siegrun am 15. September 2016 - 21:09

    @ dezer #12: …und dein Pitbull schmust den dann nieder, oder? 😀

  17. #17 von manglaubtesnicht am 16. September 2016 - 00:14

    Blöde Frage: Warum kostet sowas denn signifikant Geld? Sollte der Gemeinde-Pope das nicht im Rahmen seiner Dienstpflicht umsonst (oder gegen kleine Gebühr) machen?

  18. #18 von Willie am 16. September 2016 - 03:44

    @mgen

    Da geht es weniger um den Kirchenbesuch als um die darum drappierte Feier (Wobei der Pfaffe sich da auch gerne zu einladen läßt, wenn er dann auch nur die „fetten Fische“ besucht).

  19. #19 von dezer.de am 16. September 2016 - 09:09

    @Siegrun: Nein, mein imaginärer Pitbull wirft dann mit gefährlichen Schusswaffen auf ihn. 😛

  20. #20 von deradmiral am 16. September 2016 - 09:27

    Ich würde sogar als Außenstehender mich an den Kosten beteiligen, wenn ich dafür eine kleine Rede halten dürfte…

  21. #21 von Unechter Pole am 16. September 2016 - 19:43

    Ohne das sie überhaupt gefragt werden, beteiligten sich Atheisten kontinuierlich finanziell an allen kirchlichen Zaubereien.

  22. #22 von Monika am 23. September 2016 - 09:03

    Man darf mit seinem Geld machen, was man will, so lange es nicht gegen ein Gesetz verstößt. Also, was soll die Frage?

  23. #23 von Monika am 23. September 2016 - 09:04

    #2 von Skydaddy am 15. September 2016 – 09:09
    „Übrigens interessant, dass der katholische Bekannte es nicht dabei beließ, für das benötigte Geld zu beten, sondern dass er ausgerechnet seinen nichtreligiösen Freud um Hilfe bat.“

    Ein Mann sitzt bei einem Hochwasser auf dem Dach seines Hauses und betet. Da kommt ein Boot, um ihn mitzunehmen, aber der mann lehnt ab, weil er darauf wartet, daß Gott ihn retten wird. Dann kommt ein zweites Boot, aber der Mann lehnt wieder ab, gerettet zu werden, Dann kommt ein Hubschrauber zur Rettung, aber der Mann lehnt wieder ab, weil er auf eine Rettung durch Gott wartet. Es kommt, wie es kommen muß: der Mann ertrinkt, und als er dann Gott gegenüber steht, fragt er empört, warum dieser seine Gebete nicht erhört und ihn gerettet hätte.
    Da antwortet Gott: „Was willst du? Ich habe dir zwei Boote und einen Hubschrauber geschickt!“

  24. #24 von parksuender am 23. September 2016 - 09:29

    @Monika
    Die Frage ist vom ethischen Standpunkt aus gesehen durchaus berechtigt.
    Gegenfrage: Würdest Du auch für eine atheistische Willkommens-/Namensfeier (Alternative zur Taufe) aufkommen, wenn Du das Geld hättest und Du wüsstest dass die Eltern kirchenkritisch eingestellt sind?

  25. #25 von Monika am 23. September 2016 - 09:41

    Wenn es gute Freunde sind, würde ich ihnen das Geld geben, wenn auch mit Bauchschmerzen. Nicht etwa wegen dem Anlass der Feier, sondern weil ich leider von Natur aus eher geizig bin – Asche auf mein Haupt.

    Und dann würde ich es ihnen bei jedem noch so nichtigem Anlass aufs Brot schmieren!

  26. #26 von Willie am 24. September 2016 - 00:38

    @parksuender
    Da die 7 Tage Adventis daran glauben, dass allein der lebendige Glaube an Jesus Christus als Erlöser und Herrn entscheidend ist, wird Sie es tun. Desshalb postet Sie ja auch gelengtlich ihre Liebesbekundungen zu dieser theologischen Figur, um nur ja nicht in den eigenen, mentalen Verdacht zu kommen, dass Sie nicht „lebendig“ genug glaubt. Nach den verschiedenen, negativen Charaktereigenschaften die uns Monika hier bereitwillig unterbreitet hat, macht es aus religiöser Sicht auch irgendwie Sinn, dass sie diesem Verein angehören will. Sie spielt bei Pascals Wette mit und all die anderen hunderten Christensekten wollen ihr keinen Himmel garantieren.