Staatliche Schule nur für getaufte Kinder – und in den Gottesdienst müssen alle, egal ob gläubig oder nicht

Bei der Aufnahme an Bekenntnisgrundschulen gilt ab Herbst 2016:

„Bei einem Anmeldeüberhang an einer Bekenntnisgrundschule haben Kinder, die dem Bekenntnis angehören, bei der Aufnahme einen Vorrang gegenüber den anderen Kindern.“
(Runderlass vom 1. Juni 2016, Nummer 1.23 der Verwaltungsvorschriften zur Ausbildungsordnung Grundschule)

Praktisch bedeutet das, dass Kinder, die nicht dem Schulbekenntnis angehören, an staatlichen Bekenntnisgrundschulen in NRW nur aufgenommen werden können, wenn nach Aufnahme aller entsprechend getauften Kinder noch Plätze frei sind an der Schule. Die Schulweglänge spielt – anders als zuletzt – keine Rolle mehr, auch nicht ob ein Kind bereits ein Geschwisterkind an der Schule hat.

weiterlesen:

http://www.kurzebeinekurzewege.de/staatliche-schule-nur-fuer-getaufte-kinder-und-in-den-gottesdienst-muessen-alle-egal-ob-glaeubig-oder-nicht/

  1. #1 von meteo am 9. September 2016 - 15:11

    „Staatliche Bekenntnisschulen“? Das kannte ich noch nicht. Man entdeckt immer wieder Verstöße gegen die weltanschaulische Neutralität des Staats. 1/3 aller staatlichen Schulen in NRW sind katholisch? Wenn 1/3 aller staatlichen Schulen in NRW humanistisch wären und alle Christen sie mit ihren Steuern finanzieren müssten, wäre ihre Wut grenzenlos.

  2. #2 von meteo am 9. September 2016 - 15:29

    Übrigens, in Frankreich, soviel ich weiß, selbst die konfessionnellen privaten Schulen (etwa 30% aller Schulen, leider fast ausschließlich vom Staat finanziert, also in der Praxis auch fast „staatliche Bekenntnisschulen“…) tun das nicht: mir ist nicht bekannt, dass die Konfession der Eltern oder die Taufe der Kinder bei der Aufnahme mal eine Rolle gespielt hat oder gar hinterfragt wurde. Man kann aber nicht beweisen, dass der Name (arabisch?) kein Grund für eine Absage gewesen ist.

  3. #3 von dirk am 9. September 2016 - 15:53

    Ein Grund mehr Bekenntnisschulen keinerlei staatliche Finanzierung mehr zu gewähren.

    Auch sollte der Passus mit den Bekenntnisschulen aus dem GG gestrichen werden sollte.

    https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_7.html

    „(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.“

    Und keine Religionslehrer, welche ihren Lehrinhalt von den Kirchen vorgegeben bekommen, mehr vom Staat finanziert werden.

    Stattdessen sollte ein Ethik und Religionsunterricht an den Schulen eingerichtet werden in dem in erster Linie die Grundwerte im Sinne der Menschenrechte vermittelt werden, dazu die Inhalte weit verbreiteter Religionen.

  4. #4 von Gerry am 9. September 2016 - 16:30

    Bei jedem Schulanfang wieder ein Verfassungsbruch…

    Artikel 136 (4) Weimarer Reichsverfassung.
    Immer noch in Kraft aufgrund Artikel 140 GG.

    Schade dass ich das zu meiner Schulzeit noch nicht wußte.
    Dann hätte ich ganz entspannt den Kirchenmumpitz zum Schuljahresanfang boykottiert und bei Sanktionsdrohung den Schulleiter öffentlich blamiert (der hat neben Geschichte auch Gemeinschaftskunde unterrichtet!)

  5. #5 von Willie am 10. September 2016 - 01:15

    Anders ausgedrückt: In NRW fragt man wieder nach, ob man Jude & Co ist.

  6. #6 von Skydaddy am 11. September 2016 - 05:45

    @dirk:

    Wenn, dann sollte der Religionsunterricht gestrichen werden. Eine derartige Verfassungsänderung dürfte aber leider auf absehbare Zeit kaum möglich sein..

    Dafür eröffnet der Artikel die Möglichkeit, dass der Staat (wenn er will) einfach nur noch bekenntnisfreie öffentliche Schulen betreibt. Dort ist der Religionsunterricht kein ordentliches Lehrfach. Auf diese Weise ließe sich der RU ohne Verfassungsänderung praktisch abschaffen, sobald der politische Wille vorhanden ist.