Die Burka ist keine Religion

Auf YouTube kursiert die Neujahrsansprache eines Imam, der mit seinen Gläubigen hart ins Gericht geht. „Wo ist euer Wissen, wo eure Weisheit?“, fragt er, „wir tragen von Kopf bis Fuß westliche Produkte: Meine Kappe ist aus Neuseeland, meine Brille aus Österreich, mein Mikrofon aus den USA, meine Robe aus Großbritannien, meine Uhr aus der Schweiz, meine Schuhe aus Italien. Und Ihr betet für den Sieg des Islam über die anderen? Allah spricht von bösen Taten aus Ignoranz. 30 Prozent der Muslime können nicht lesen und schreiben. Welche muslimische Universität bringt Köpfe hervor, die die Welt voranbringen?“ Es ist ein herzerfrischender Auftritt, der sich wohltuend unterscheidet von einem Verständnisdiskurs hierzulande, der etwa den Vollschleier für Frauen als Teil der Religionsfreiheit verteidigt.

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[http://www.welt.de/print/welt_kompakt/debatte/article157994911/Die-Burka-ist-keine-Religion.html

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  1. #1 von dezer.de am 8. September 2016 - 10:02

    Und? Ist die Fatwa gegen diesen Imam schon ausgesprochen worden? Wenn nicht, wahrscheinlich nur ne Frage der Zeit.

  2. #2 von m0ebius am 8. September 2016 - 10:39

    @dezer.de: Würde mich sehr wundern, wenn es entsprechende Generalfatwas nicht spätestens seit dem achten Jahrhundert gäbe.

  3. #3 von deradmiral am 9. September 2016 - 08:51

    Der Vorsprung des „Westen“ (liegt Japan im Westen?) kommt durch seine unbedingte Kritikfähigkeit. Ich wette, dass selbst dieser Imam nicht alles in Frage stellen lassen will.

  4. #4 von schiffmo am 9. September 2016 - 09:55

    @deradmiral: Ist Japan unbedingt kritikfähig? Ist der Westen unbedingt kritikfähig? Ich würd es nicht mal von mir behaupten.

  5. #5 von Skydaddy am 9. September 2016 - 10:11

    Religionsfreiheit funktioniert nur, solange die Religiösen SELBST festlegen können, was für sie zur Religionsausübung zählt und was nicht. Der Imam braucht ja keine Burka für nötig zu halten, das heißt nicht, dass andere sie nicht doch für nötig halten können. Es erscheint mir allerdings absurd, den religiösen Aspekt des Burkatragens komplett zu bestreiten.

    Man würde ja auch nicht der RKK den Zölibat verbieten mit der Begründung, dass andere Spielarten des Christentums ihn nicht für nötig halten.

    Die entscheidende Frage ist nicht, ob eine Praxis religiös begründet ist oder nicht, sondern ob sie anderen schadet oder sonstwie gegen die allgemeinen Gesetze verstößt. Erst, wenn die Praxis gegen Gesetze (odersonstige Vorschriften) verstößt, ist überhaupt zu prüfen, ob es sich um eine religiöse Praxis handelt. In diesem Fall ist zwischen den religiösen Interesse und den sonstigen Interessen abzuwägen. Wenn man sieht, dass hier schon Glockenläuten und Tanzverbote zulässig sind (die größere Gruppen von Andersgläubigen beeinträchtigen), wird es schwer, ein Burkaverbot stimmig zu rechtfertigen.

  6. #6 von deradmiral am 9. September 2016 - 10:40

    @schiffmo
    Die Teile der Bevölkerung, die sich der Kritik verweigern und unkritisch sind, sind entsprechend rückständig. Das gilt auch im Westen und in Japan. Es ist doch kein Wunder, dass der Teil der Wissenschaft, der die Selbstkontrolle zur Methode gemacht hat, besonders erfolgreich ist.

  7. #7 von schiffmo am 9. September 2016 - 11:55

    @deradmiral: Das ist schon klar. Nur leider kommt die Aussage, dass sie rückständig wären, bei ebendiesen als Arroganz an und ist damit nicht hilfreich. Wenn ebendiese dann noch die Oberhand bekommen, wie historisch mehrmals passiert, haben die Fortschrittlichen ein Problem, das sie daran hindert, fortschrittlich zu sein oder in ihrer Umgebung zu leben. Denn dann werden sie rückständig und ekelhaft cheffig. Und pulsierende Blutungen aus durchtrennten Halsschlagadern finde ich ziemlich ekelhaft.
    Das ist genau der Effekt, der bei den Daesh-Typen, aber auch bei (zumindest) Teilen der türkischen Regierung und anderen örtlichen Gesellschaften hervortritt.
    Ich mußte auch schon hören, dass katholisches Getue und Nicht-Infragestellen des katholischen Glaubens „aufm Dorf dazu gehört“, und zwar unverhandelbar.