Leserbrief: Gläubige Atheisten

Zu: „Eine gemütliche Ecke für Atheisten

Ich gehöre keiner Religionsgemeinschaft an; ich bin vor einem halben Jahrhundert aus der Kirche ausgetreten. Ich bin auch nicht gewillt, den in diesem Artikel genannten Gruppen beizutreten, denn sie sind im Grunde auch nur Gläubige.

Der BZ-Artikel nennt sie „ungläubig“, in Wirklichkeit sind sie gläubig. Selbst wenn man das Wort „ungläubig“ durch das treffendere „un-“ oder „areligiös“ ersetzt (ungläubige Menschen gibt es nicht), ändert sich daran nichts. Dass es Gott nicht gibt, ist ebenso wenig zu beweisen wie, dass es ihn gibt. Man kann beides nur glauben. Die dargestellten Leute verhalten sich auch sonst nicht so viel anders als die, die sie bekämpfen: Sie bilden Gemeinden, Glaubensgemeinschaften, haben Priester (Wortführer) und heilige Schriften (Gernot-Berger-Bücher), betreiben Glaubensverkündigung und Missionierung (Presseveröffentlichung und Plakate an Ortsschildern), es gibt Pilger, die zum Wallfahrtsort (Stammtisch in Münster) anreisen, und es gibt die Inhaber sicherer Glaubenswahrheiten, die auch über das Wissen vom „richtigen Schritt“ ihrer Mitmenschen verfügen. Selbst mit einem Märtyrer kann der Verein schon aufwarten: Einem Jünger wurde seine Autotür zerkratzt. Man kann sich fragen, ob diese Vereinigung mehr ist als das Auftreten einer weiteren Pseudoreligion neben zahlreich vorhandenen Sekten, die sich guten Zulaufs erfreuen. Im Zentrum ihrer Anschauungen steht die Negation, das Nein. Es fragt sich jedoch, ob es nicht auch wohltuend sein könnte, auf der Habenseite der Gemütsbilanz ein Kapitälchen liegen zu haben. Nicht jeder Glaube muss zwangsläufig in eine Religion münden.

Quelle:

[http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-68/man-kann-nichts-beweisen-nur-glauben–126922954.html

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  1. #1 von Charlie am 7. September 2016 - 17:52

    Gemeinden, Priester, heilige Schriften, Wallfahrtsorte, Missionierung, Glaubenswahrheiten und einen Märtyrer dessen Auto zerkratzt wurde. Jetzt ist es raus, Atheismus ist eine Pseudoreligion.

  2. #2 von Skydaddy am 7. September 2016 - 18:01

    Der Text belegt nur die religiöse Wahrnehmung/Einordnung des Autors: Pilger, Märtyrer …

  3. #3 von manglaubtesnicht am 7. September 2016 - 18:09

    Wohnt jemand in der Region und will darauf antworten?

  4. #4 von Hal am 7. September 2016 - 19:39

    Dogmatischer Agnostiker: einer der genau weiß was man nicht wissen kann. 😀

  5. #5 von Deus Ex Machina am 7. September 2016 - 19:45

    Na, da kommt sich jemand aber sicher ganz besonders schlau vor!
    Also ich halte das nicht mal für einer Erwiderung würdig.

  6. #6 von oheinfussel am 7. September 2016 - 20:59

    Heißt das, Nicht-Sammeln von Briefmarken gilt jetzt auch als Hobby?

  7. #7 von drawingwarrior am 7. September 2016 - 21:05

    Ich hab mir mal die „Mühe“ gemacht, der Kommentar scheint auch anstandslos freigeschaltet worden zu sein.
    Erst war ich nicht sicher, ob sich das lohnt, soweit bin ich der erste und einzige Kommentator und eigentlich verdient dieser Leserbrief eher Desinteresse als Aufmerksamkeit.
    Dann habe ich an eine Aussage von Richard Dawkins gedacht, nach der er seine Debatten führt, um die Zuhörer zu überzeugen, nicht seinen Opponenten.
    Also denn, here we go:

    „Sehr geehrter Herr Köster,
    wenn ich Ihren Artikel lese, kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass Sie irgendeinen Unmut in sich tragen, der sich wohl eher zufällig gegen eine Gruppe Menschen entlädt, die sich alle paar Wochen zusammenfinden, weil sie zu einer Menschengruppe zählen, die zahlenmäßig etwa ein Drittel der Bundesbevölkerung ausmacht, von Politik und Presse jedoch regelmäßig mit Nichtbeachtung oder Vorführung bedacht wird.
    Sie stellen die Behauptung auf, dass es keine Menschen ohne Glauben gibt und doch ist das genau das, was diese Menschen verbindet.
    Atheismus ist die Position, den Gottesbehauptungen ungläubig zu begegnen, also denen nicht zu glauben, die behaupten zu wissen, dass es Götter gibt und das sie genau wissen, was diese Götter von uns Menschen wollen.
    Da diese zweite Gruppe Menschen, die Theisten, sich und ihre Vorstellung von ihrem Gott in alle Bereiche des menschlichen Lebens „einbringen“, ohne auf Gegenpositionen oder Privatsphäre Rücksicht zu nehmen, sind diese Atheisten-Treffen zum einen Rückversicherung für die Beteiligten, mit der eigenen Position nicht alleine zu stehen und zum anderen die Vorbereitung und Gründung von Netzwerken, um die gesellschaftliche Relevanz einfordern zu können, die ihnen laut Grundgesetz zusteht, aber aufgrund der theistischen Überpräsenz in allen relevanten Gremien, wie Presse-und Rundfunkbeiräten, Ethik-Kommissionen und dem Bundestag, vielfach verwehrt wird.
    Atheismus ist auch nicht, wie Sie behaupten, ein Nein; dieses Attribut gebührt den Nihilisten, Atheisten glauben nicht an Götter, bis zum Beweis dass es zumindest einen davon gibt.
    Ihre Konto-Analogie ist eine Variante der Wette von Blaise Pascale, einem französischen Mathematiker und Philosophen, die sich auf den unbedingten Vorteil bezieht, den es sowohl für den überzeugten Gläubigen als auch für den Skeptiker hat, an einen Gott zu glauben.
    Diese Wette scheitert an der Einschränkung der Auswahl der Götter auf den christlichen Gott und die Annahme, dass dieser Gott sich von einem Menschen, der um des bloßen Vorteils willen, vorgibt zu glauben, hinters Licht führen lässt.
    Was ist jedoch, wenn der Gläubige ein Leben lang dem falschen Gott gehuldigt hat und nach dem Tode zur Hölle islamischer Prägung fährt, nur um mal ein Beispiel von vielen Möglichkeiten zu nennen.

    Wie Sie vielleicht festgestellt haben, sind Ihre Behauptungen für Atheisten nicht Neues und mit ein bisschen Nachdenken leicht zu widerlegen.
    Alles in allem bin ich von Ihrem Leserbrief und Ihrem offensichtlichen Mangel an Wissen über das Thema des selben nicht sehr beeindruckt, nehme jedoch mein Recht der freien Meinungsäußerung wahr, um Sie in den genannten Punkten zu korrigieren und hege die Hoffnung, dass Sie und die Leser dieser Zeitung so zu einem eher vollständigen Bild in Sachen Atheismus kommen.
    Als Anregung für Sie möchte ich Ihnen vorschlagen, sich mal mit einem Atheisten über seine Sicht der Dinge zu unterhalten, dass scheint mir nämlich Ihr eigentliches Problem zu sein.
    Vielleicht fahren Sie mal nach Münster?
    Mit freundlichem Gruß
    Marco Krieger“

  8. #8 von Willie am 7. September 2016 - 21:16

    @fussel

    Heißt das, Nicht-Sammeln von Briefmarken gilt jetzt auch als Hobby?

    Schon Deine Frage zeigt an, dass Du glaubst es sei eins oder auch nicht und damit bist Du als Gläubige entlarft. 😆

  9. #9 von oheinfussel am 7. September 2016 - 21:25

    @Willie

    Verdammt! O_o

  10. #10 von manglaubtesnicht am 7. September 2016 - 22:34

    @drawingwarrior: Sehr gut gemacht!

  11. #11 von drawingwarrior am 7. September 2016 - 22:37

    @manglaubtesnicht

    Danke.

  12. #12 von itna am 8. September 2016 - 00:05

    @dw
    Hast Du echt klasse geschriebenich bin da ehr uncharmanter.

    Hast du eine Antwort bekommen?

  13. #13 von Charlie am 8. September 2016 - 09:14

    @dw

    Danke, dass du eine Antwort geschrieben hast. Jetzt weiß ich nicht, ob der Leserbrief nur zusätzlich online veröffentlicht wurde und deine lesenswerte Antwort in der Zeitung nicht erscheint und so den meisten Lesern vorenthalten wird.

  14. #14 von drawingwarrior am 8. September 2016 - 11:22

    @charlie
    Ich gehe mal nicht davon aus, dass die Kommentare es in die Printausgabe schaffen.
    Eine Antwort auf meinen Kommentar gab es wohl noch nicht, es hat sich aber ein „Unglaubensbruder“ in ähnlicher Weise geäußert.

  15. #15 von Noch ein Fragender am 8. September 2016 - 11:50

    @ #6 oheinfussel

    Heißt das, Nicht-Sammeln von Briefmarken gilt jetzt auch als Hobby?

    Nicht-Sammeln-von-Briefmarken bekommt erst dann Hobbyqualität, wenn man sich regelmäßig zu einem Stammtisch trifft und sich gegenseitig versichert, was für ein Unfug das Sammeln von Briefmarken ist. 🙂