Atheismus ist immer noch erlaubt!

Ohne Religion geht gar nichts. Ohne Religion würde auch die Demokratie letztlich nicht funktionieren – das ist die erstaunliche Behauptung, die jetzt, den neuen Religionskonflikten zum Trotz, ständig wiederholt wird. Gefragt wird allenfalls und allerorten: Was darf Religion? Die übliche Antwort ist im Grunde keine: Religion sei unabdingbar, sei ein Wert an sich. Ohne Gott kein moralisches Handeln.

Und die Atheisten? Immerhin kritisierte der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche kürzlich in der ZEIT die Ausgrenzung von Atheisten, um dann freilich in das altbekannte Horn zu stoßen, dass humanitäre Verpflichtung am stärksten durch den Glauben zu begründen sei. Er tat das sehr differenziert, beeindruckend selbstkritisch auf Historie wie Gegenwart der Kirche blickend – letztlich aber eben doch.

weiterlesen:

[http://www.zeit.de/2016/35/glaube-atheismus-abwertung-religion-streit

  1. #1 von paul0f am 4. September 2016 - 11:27

    Ohne Gott kein moralisches Handeln.<

    Auch wenn eine Lüge ständig wiederholt wird – sie wird dadurch nicht zur Wahrheit.

  2. #2 von Skydaddy am 4. September 2016 - 11:29

    Das Problem ist nicht, dass sich ohne Religion kein Humanismus begründen ließe, sondern dass sich mit Religion jeder Scheiß „begründen“ lässt.

    Was vernünftig ist, lässt sich auch ohne Religion begründen. Zähneputzen, Arschabwischen und Händwaschen sind ja auch keine religiösen Rituale.

  3. #3 von Hal am 4. September 2016 - 11:37

    @paul0f

    Zweifelst Du an der Effektivität der Propaganda?

  4. #4 von Skydaddy am 4. September 2016 - 11:46

    Der Artikel von Heinrich B.S. ist ein hinterfotziger Lobbyartikel. Zwar präsentiert er ein Lippenbekenntnis zugunsten von Atheisten – mit dem er freilich gleich selbst nicht nur auf Toleranz, sondern auf Respekt pocht:

    Was für die Religionen untereinander gilt, gilt übrigens auch für das Gespräch mit atheistischen oder bewusst religionskritischen Weltanschauungen. Man darf von den Religionen erwarten, dass sie diese Weltanschauungen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich achten und respektieren. Und man darf das Gleiche umgekehrt von den religionsdistanzierten Weltanschauungen gegenüber religiösen Zugängen erwarten.

    Das hindert ihn freilich nicht daran, den Terroristen im selben Artikel gleich zwei Mal „Gottlosigkeit“ zu attestieren:

    Es darf den extremistischen Ideologen, die sich auf Gott berufen, aber in ihrer Gottlosigkeit nicht zu überbieten sind, nicht gelingen, Hass zu säen. …

    Die Religionen müssen noch intensiver als bisher ein Gegenbild zur Gottlosigkeit der Extremisten sein

    Ich fühle mich da echt persönlich getroffen, dass selbst ich als Atheist die IS-Krieger nicht an Gottlosigkeit überbieten können soll.

    B.S. schafft es auch, folgenden Blödsinn zu formulieren:

    Es hat lange genug gedauert, bis die christlichen Kirchen verstanden, dass Menschenrechte nicht eine Bedrohung ihrer Traditionen sind, sondern ihr ureigener Ausdruck. Stärker kann man die Unantastbarkeit der Würde jedes einzelnen Menschen ja nicht in der Seele verwurzeln als durch den Glauben, dass der Mensch geschaffen ist zum Bilde Gottes.

    Wieso hat es dann so lange gedauert mit der Erkenntnis, Du Blödmann?

    Die Frage ist auch nicht, weshalb die Menschenrechte gelten sollten, sondern weshalb sie überhaupt NICHT gelten und manche Gruppen Sonderrechte erhalten sollten. Aber als Kirchenlobbyist erkennt man das vermutlich nicht so leicht wie normale Menschen.

    B.S.‘ Ergebnis:

    Religionen brauchen die Gelegenheit zur wissenschaftlich-kritischen Selbstreflexion an öffentlichen Universitäten.

    Vor allem meint er wohl: VOM STAAT BEZAHLTE Selbstreflexion.

    Solange der EKD-Vorsitzende IS-Terroristen als gottlos betrachtet, scheint die kirchliche Selbstreflexion tatsächlich bitter nötig.

    Aber nicht auf Staatskosten.

  5. #5 von paul0f am 4. September 2016 - 11:54

    #3 Hal

    Zweifelst Du an der Effektivität der Propaganda?<

    Früher – nein (grob gesagt: Die haben eh jeden Shit „geglaubt“)

    Heute – Ja (sonst gäbe es keine Konfessionsfreien)

    😉

  6. #6 von itna am 4. September 2016 - 11:58

    Was für die Religionen untereinander gilt, gilt übrigens auch für das Gespräch mit atheistischen oder bewusst religionskritischen Weltanschauungen. Man darf von den Religionen erwarten, dass sie diese Weltanschauungen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich achten und respektieren. Und man darf das Gleiche umgekehrt von den religionsdistanzierten Weltanschauungen gegenüber religiösen Zugängen erwarten.

    Nein, hahnebüchernen Unsinn zu achten und respektieren ist Unsinn. Hier wird mal wieder mit einer arroganten Selbstverständlichkeit ein religiotischer Käse auf die gleiche Stufe wie Logik, Erkenntnisse und gesunder Menschenverstand gehievt.

    Ich werde diesem Humbug NIE Respekt zollen, Respekt muss man sich „verdienen“, ich sehe hier keinerlei Anzeichen dafür.

  7. #7 von Skydaddy am 4. September 2016 - 12:11

    @itna:

    Religionen können sich untereinander „auf Augenhöhe“ begegnen, weil die alle (mehr oder weniger) gleich unsinnig sind. Und Religioten halten ja Atheismus auch nur für eine Religion, oder damit vergleichbar.

    Wenn man als Atheist darauf hinweist, wird das als arrogant wahrgenommen.

    Das ist etwa so, wie wenn sich einer, der glaubt, dass 2+2 3 ist, und einer der meint, es sei 5, auf Augenhöhe begegnen und von dem Respekt erwarten, der darauf hinweist, dass 2+2=4 ist.

  8. #8 von itna am 4. September 2016 - 12:20

    @Skydaddy

    So ist es leider-die unnormalen meinen, sie sind die Normalen.

  9. #9 von omnibus56 am 4. September 2016 - 12:44

    @skydaddy
    Ich habe mal irgendwo gelesen: „2+2=5, für sehr große Werte von 2“. Das ist die Logik der Religioten.

  10. #10 von Hal am 4. September 2016 - 13:37

    @paul0f

    Warum, es hat zu allen Zeiten der Menschheit Atheisten gegeben.

    Ist Deine Auffassung von Propaganda nicht sehr persönlich und nur auf Religion bezogen?

  11. #11 von meteo am 4. September 2016 - 15:44

    @paul0f

    Wenn fast alle Gläubigen aber auch Konfessionslosen dieser Meinung über Konfessionslosigkeit sind, wenn fast alle Konfessionslose aktiven Atheismus als schädlich für die Gesellschaft sehen, wenn der bewusste, intellektuelle Atheismus fast verschwunden ist, wenn 99.9% aller Konfessionslosen (ihr Anteil mag zwar in manchen Regionen noch steigen) eigentlich nicht interessierte Leute sind, die sich die Frage nach Gott und Religion noch nicht gefragt haben, oder Leute sind, die durch die Zufälle des Lebens eine sehr schlechte Erfahrung mit manchen Gläubigen gemacht haben, und emotional stark reagiert haben…

    dann hat die Propaganda leider hervorragend funktionniert.

  12. #12 von Elvenpath am 4. September 2016 - 18:00

    „Es hat lange genug gedauert, bis die christlichen Kirchen verstanden, dass Menschenrechte nicht eine Bedrohung ihrer Traditionen sind, sondern ihr ureigener Ausdruck.“

    Also haben die Kirchen fast 2000 Jahre lang (und heute eigentlich immer noch, siehe Homosexuelle) ihre Religion falsch interpretiert? Mann, erzähl mir noch einen vom Pferd …

  13. #13 von paul0f am 4. September 2016 - 20:01

    #10 Hal

    Warum, es hat zu allen Zeiten der Menschheit Atheisten gegeben.<

    lol .. Sicherlich mag es zu jeder Zeit Zweifler gegeben haben.
    Denoch waren es wohl nur einzelne Kerzen im Sturm der Masse aus Gläubigen aller möglichen Couleur.

    Ist Deine Auffassung von Propaganda nicht sehr persönlich und nur auf Religion bezogen?<

    Weder ist meine Auffassung von Propaganda relevant noch ausschliesslich auf Religion fixiert.

  14. #14 von Hal am 4. September 2016 - 20:18

    @paul9f

    kicher – es mag eine Tautologie sein, wenn Du Propaganda nicht wahrnimmst dann nimmst Du sie wahr.

  15. #15 von meteo am 4. September 2016 - 20:24

    <blockquote=“Elvenpath“>Also haben die Kirchen fast 2000 Jahre lang (und heute eigentlich immer noch, siehe Homosexuelle) ihre Religion falsch interpretiert? Mann, erzähl mir noch einen vom Pferd

    Manche evangelische Pastoren in Frankreich behaupten jetzt schon, dass die Bibel Homosexualität akzeptieren würde (und die französische vereinigte evangelische Kirche zelebriert seit 1 bis 2 Jahren homosexuelle Ehen). Das zeigt, dass unsere Moral nicht aus den religiösen Büchern kommt, sondern dass umgekehrt die Gläubigen (wie die anderen) zuerst eine Moral haben (die natürliche, evolutionäre Moral), und dann ihre „heiligen Schriften“ so drehen, dass diese ihrer schon vorhandenen Moral entsprechen. Ausnahme: die, die die Religion zu ernst nehmen, und man sieht das Ergebnis…