Menschen töten, nicht Götter

Gottesglaube und Gewalt werden häufig reflexhaft miteinander assoziiert. Das ist nicht erkenntnisfördernd.

[http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/religion-und-gewalt-menschen-toeten-nicht-goetter-ld.114544

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  1. #1 von paul0f am 3. September 2016 - 23:36

    Wer gleichwohl von «islamischer Gewalt» rede, müsse konsequenterweise auch eine «katholische Gewalt» am Werke sehen, wenn getaufte Katholiken Gewaltverbrechen begingen.< (Bergoglio)

    Die Geschichte und die Gegenwart sind reich bestückt mit christlichen Gewalttätern, welche entweder religiös motiviert handelte/handeln oder sich unter dem Deckmäntelchen einer überirdischen (doch leider ausgedachten) Entität verstecken, um ihre Schadttaten ungehindert auszuführen.

    Religion und Gewalt werden in unseren Gesellschaften immer wieder reflexhaft in einen Zusammenhang gebracht.< (William T. Cavanaugh)

    Ja, warum wohl?

  2. #2 von Skydaddy am 4. September 2016 - 05:26

    Ich habe ja selbst vor einiger Zeit auf Robert Papes Untersuchungen verwiesen, denen zufolge Selbstmordterror offenbar im Kern nicht durch Religion verursacht wird, sondern um (in der Wahrnehmung der Täter) ein durch fremde Mächte besetztes Gebiet zu befreien.

    Aber die Argumentation in dem obigen Artikel erscheint mir bereits vom Ansatz her problematisch:

    Erstens scheint es sich mal wieder um einen Versuch zu handeln, auf die Komplexität der Gewaltursachen zu verweisen und dann willkürlich gerade Religion als einzige Ursache auszunehmen.

    Zweitens haben Leute, die solche Thesen vertreten, das Problem, dass sie ein Negativum beweisen wollen. Das ist grundsätzlich unmöglich oder zumindest problematisch. (Wie beim Beweis der Nichtexistenz Gottes.)

    Drittens: Wenn Die Gewalt „in Wahrheit“ andere Gründe hat und Religion quasi nur vorgeschoben wird, müsste man nach der gleichen Logik auch davon ausgehen, dass GUTE Taten andere Gründe haben und religiöse Begründungen nur vorgeschoben werden. Diese Option ist m.E. zumindest überlegenswert, aber solange die Autoren dies nicht erkennen oder erwähnen gehe ich davon aus, dass es sich um eine sehr bequeme Ausrede handelt, mit der Religion exkulpiert werden soll.

    Viertens: Die Bibel enthält im Alten Testament etliche Geschichten, die religiöse Gewalt ausdrücklich legitimieren. Dieser Aspekt kann m.E. bei der Frage nach religiöser Gewalt (in Judentum, Christentum und im Islam) nicht einfach ausgeklammert werden.

    Darüber hinaus ist das im Artikel erwähnte Buch von 2009 und dürfte damit die IS-Problematik noch nicht berücksichtigt haben.

    Abgesehen davon glaube ich, dass Religion eine verhängnisvolle Doppelwirkung hat: Zum Einen werden bestimmte Sachverhalte (z.B. Unglaube, Abtreibung, Homosexualität) als ungerecht und damit bestrafungs- oder beseitigungswürdig dargestellt. Zum Anderen lassen sich sehr leicht auch noch „göttliche Befehle“ für terroristische Taten finden. Der verhängnisvolle Doppelmechanismus führt nun zu Folgendem: Hat man geringe Zweifel, ob der göttliche Auftrag gegeben ist, so rechtfertigt das Ziel vermeintlich immer noch die Tat, so dass also auch bei einer gewissen Unsicherheit über den göttlichen Auftrag zugeschlagen werden kann. Zweifelt man umgekehrt an der Rechtfertigung der Tat, ist sich aber des göttlichen Auftrags sicher, so stellen leise Zweifel an der Richtigkeit der Tat auch keinen Hinderungsgrund mehr dar. Das heißt, dass Zweifel an dem einen (vermeintlichen) Sachverhalt immer durch die „Gewissheit“ des anderen Sachverhalts ausgeblendet werden können.

  3. #3 von dirk am 4. September 2016 - 14:37

    wieder der gleiche Unsinn

    Zitat Artikel

    „also statistisch signifikante Korrelation haben sie gefunden: Viele der terroristischen Akteure sind Ingenieure bzw. Studenten technischer Disziplinen. Von den über zweihundert Personen, die sich seit dem 11. September 2001 direkt an Terrorangriffen beteiligten, waren es überraschende 45 Prozent.“

    Aus 200 Leuten hat man 45 Technik Studenten oder naturwissenschaftlich Tätige gefunden!

    200 Leute wurde betrachtet und das die Islamische Terrorwelle seit dem Krieg in Afghanistan gegen Säkulare und Russen breite Formen angenommen hat und zig Tausende mit der Begründung für ihren Gott zu kämpfen oder zu sterben religiöse „Gegner“ bekämpften wird komplett unter den Teppich gekehrt.

    Auch in Deutschland waren die verübten „anerkannten“ islamisch motivierten Terroranschläge (der Busfahrer welche die GIs tötete, das Mädchen welche dem Polizisten ein Messer in den Hals rammte, der Migrant mit der Axt im Zug und der Migrant mit der Sprengstoffweste) keine Ingenieure.

    Und die anderen Verbrechen mit islamischen Hinweisen in Deutschland? Der Mord an der Seniorin bei dem im Zimmer arabische religiöse Schriftzeichen gefunden wurden? Der Hesse mit dem deutschen Namen der in München jemand mit den Rufen der arabische Gott ist das/der größte und die Aussage das er Ungläubige jetzt umbringt und laut eigener Aussage Konvertit ist? Der Deutsche der in Oberhausen ebenfalls mit dem der arabischen Gott ist das/der größte Rufen auf ein Seniorenpaar mit einem Messer einstach? Die Leute welche Apostaten umbringen wollen oder versuchten Transvestiten in Dortmund zu steinigen? Sie sind genau so selten Ingenieure wie die Typen welche „Ehrenverbrechen“ in Deutschland begangen.

  4. #4 von Skydaddy am 4. September 2016 - 15:42

    Der Verweis auf die Ingenieure ist dummes Zeug.

    Wenn man lange genug sucht, ohne VORHER festzulegen, wonach, wird man aller Wahrscheinlichkeit irgendwann irgendwelche „statistisch signifikanten“ Zusammenhänge finden. So wie es z.B. schon rein statistisch irgendwo Kernkraftwerke geben muss, wo die Zahl der Krebserkrankungen überdurchschnittlich hoch ist. (Und andernorts welche, wo die Krebserkrankungen unterdurchschnittlich sind. So kommt ja gerade der Durchschnitt zustande.)

    Es ist mal eine Krankenschwester zu Unrecht verurteilt worden, weil sich auf ihrer Station die Todesfälle häuften, so dass es „kein Zufall mehr sein konnte“. Allein aufgrund der statistischen Unwahrscheinlichkeit.

    Dabei wurde allerdings übersehen, dass – wie beim Lotto – IRGENDWO schon allein statistisch mal eine solche Häufung auftreten kann oder wird.

    Deshalb belegt der Verweis auf die Ingenieure nur, wie unsauber hier gearbeitet wird. Dieser Fehler ist in wissenschaftlichen Kreisen mittlerweile gut bekannt weil viele unseriöse Leute diesen Trick anwenden: Solange suchen, bis man etwas „statistisch signifikantes“ findet.