Lob des Zweifels

Ich hatte in Duisburg-Marxloh ein Gespräch mit einem Imam. Als ich dem von den Glaubenszweifeln erzählte, die zu meinem Atheismus führten, sagte er, so etwas kenne er gar nicht. Er sei großgeworden mit dem Islam und werde bis zum Ende seines Lebens keine Sekunde zweifeln. Darüber wollte ich mit ihm diskutieren. Aber ohne Zweifel keine Diskussion.

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[http://www.sueddeutsche.de/kultur/islam-diskussion-lob-des-zweifels-1.3144514

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  1. #1 von paul0f am 3. September 2016 - 09:34

    Er sei großgeworden mit dem Islam und werde bis zum Ende seines Lebens keine Sekunde zweifeln.< Auch hier ein tolles Beispiel für die leider gelungenen Indoktrination im (vermutlich) Kindesalter. Klar mag der Mann glücklich mit sich und seiner Welt zu sein. Aber wie so oft bei derartigen Aussagen frage ich mich, was der Mann (bzw andere theistische Eiferer) alles hätte werden können, wenn er nicht seine Lebensenergie damit verschwendet hätte, unsichtbaren Fantasiegesatalen hinterher zu jagen. Die Antwort liegt wohl in irgendeinem Paralleluniversum.^^

  2. #2 von meteo am 3. September 2016 - 16:03

    Im Buch „l’Espérance et la Crainte“ („die Hoffnung und die Furcht“) von Al Ghazali liest man Geschichten von Leuten, die ihr ganzes Leben lang sehr gute Muslime gewesen sind, ein paar Sekunden vor ihrem Tod jedoch nicht mehr 100% sicher sind, dass der Islam die Wahrheit ist, und deswegen in die ewige Hölle landen, oder Leute die für immer aufgehört haben zu lachen, krank werden, oder sogar vor Angst sterben, weil sie nicht wissen, ob sie es schaffen werden, bis zum Ende ihres Lebens an den Islam zu glauben und dem ewigen Leid zu entkommen.

    Unerschütterlicher Glaube wird als Tugend gesehen, Zweifel als übelster Versuch des Teufels, einen vom guten Weg abzubringen. Was mich bei islamistischen Terroristen erstaunt, ist ihre fehlende Fähigkeit zum Zweifeln. Ein normaler Mensch, der unglücklicherweise in den radikalen Islam gefallen ist, würde es eigentlich nicht schaffen können, einen Selbstmordanschlag zu verüben. Er würde sich ständig fragen, ob der Islam wirklich die Wahrheit ist, ob der Islam das tatsächlich verlangt (zumal die muslimischen Theologen verschiedene Meinungen haben), ob ein Selbstmordanschlag eigentlich nicht als Selbstmord gezählt werden wird (was auch während des heiligen Kriegs verboten ist, laut Mohammed sei ein muslimischer Kämpfer, der sich umbrachte, weil er wegen seiner Verletzungen zuviel litt, in die Hölle gelandet)? Es macht Angst zu sehen, wie manche Leute es schaffen, absolut unerschütterlich sicher zu sein, dass die Sache so ist, wie bei ihrer Indoktrination behauptet wurde.

  3. #3 von Simone am 3. September 2016 - 17:54

    @meteo
    Dazu fällt mir spontan der Spruch von Dieter Nuhr ein: „Wer zweifelt, detoniert nicht“