Justiz im Schatten des Kreuzes?

Was spricht für Kreuze in Gerichtssälen, was spricht dagegen – und wie verbreitet ist das Symbol an deutschen Gerichten überhaupt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

(…)

 

Was sind die Argumente der Befürworter?

Das Kreuz im Gericht ist für die Befürworter ein Bekenntnis zu den christlich geprägten Grundwerten der Kultur in Deutschland: Es symbolisiert für Christen Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Toleranz und weitere humanistische und soziale Werte, an die es Menschen auch vor Gericht erinnert. Es solle außerdem deutlich machen, dass Gott über dem Menschen stehe, sagt etwa Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU).

Den Zusammenhang mit der Rechtsprechung erklärt etwa die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner so: „Das aufgeklärte Christentum und das christliche Bild vom Menschen sind Grundlagen unseres Grundgesetzes, auf dem unsere Rechtsprechung beruht.“

Modernes Recht dank Christentum

Manche Befürworter gehen davon aus, dass dieser Einfluss des Christentums auf die Kulturgeschichte unser Rechtssystem überhaupt erst ermöglicht haben soll.

So sagte kürzlich Christian Weyer, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Saar-West, angesichts der Entfernung von Kreuzen aus Gerichten in Saarbrücken: „Das heutige Rechtsverständnis hat sich auch aus der Vorstellung eines barmherzigen, gerechten Gottes heraus entwickelt.“

weiterlesen:

[http://www.sueddeutsche.de/politik/religion-justiz-im-schatten-des-kreuzes-1.3086849

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  1. #1 von Unechter Pole am 15. August 2016 - 15:59

    Es solle außerdem deutlich machen, dass Gott über dem Menschen stehe, sagt etwa Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU).

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

    Finde den Widerspruch.

  2. #2 von omnibus56 am 15. August 2016 - 16:23

    Das heutige Rechtsverständnis hat sich auch aus der Vorstellung eines barmherzigen, gerechten Gottes heraus entwickelt.

    Wenn das wahr wäre, hätte es vom 4. Jahrhundert bis zur Aufklärung (und darüber hinaus) verdammt lange, viel zu lange, gedauert, aus einer grausamen und brutalen „Recht“sprechung eine menschliche zu entwickeln. Wäre tatsächlich das Christentum der Motor und nicht der Bremsklotz dieser Entwicklung gewesen, hätte es Jahrhunderte früher eine der unseren vergleichbare Rechtsprechung geben müssen! Das führt die Argumentation von Weyer ad absurdum.

  3. #3 von user unknown am 16. August 2016 - 11:08

    Das Kreuz im Gericht ist für die Befürworter ein Bekenntnis zu den christlich geprägten Grundwerten der Kultur in Deutschland: Es symbolisiert für Christen Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Toleranz und weitere humanistische und soziale Werte, an die es Menschen auch vor Gericht erinnert.

    Da wäre mal interessant zu wissen, wann die ersten Kreuze in Gerichtssälen aufgehängt wurden und was für eine Begründung man damals dafür hatte.

    Eine differenziertes Rechtssystem gab es auch schon vor 100, 150 Jahren und noch länger, aber bis Mitte des letzten Jahrhunderts kannte die Kirche doch den Antimodernisteneid (die kath.?) – da war Toleranz des Teufels.

    Sieht für mich aus wie die übliche Mischung aus Wunschdenken, Vergangenheitsverklärung, Propagandalüge, Nichtwissen und nicht wissen wollen aus. Ein paar Zutaten habe ich noch vergessen.

    Plausiblere Erklärungen: Mahnung an das letzte Gericht, Einschüchterung, Machtdemonstration der Kirche, Fetisch um Eide abzulegen (auf die Bibel schwören unterm Kreuz), Wunsch, der Fetisch möge bei der Wahrheitsfindung Wunder wirken.

  4. #4 von Friedensgrenze am 16. August 2016 - 18:23

    @userunknown

    Mahnung an das letzte Gericht. Busllseye!

    Es war mir vorher nicht klar, aber das ist sicher der tiefere Grund fürs Kreuzeaufhängen in Gerichten.

  5. #5 von Friedensgrenze am 16. August 2016 - 18:44

    Übrigens ein geiler Name für nen Späti in Bayern: Das letzte Gericht. Spass beiseite. Irgendwie hebt Schulte von Drach das gesamte Diskussionsniveau.

    Sein Zitat vom Saarbrücker Richter der die Kreuze abnehmen liess,

    „…dass das Kreuz ein Symbol für eine Autorität sei, aber eben nicht jene, die für die Rechtsprechung eines staatlichen Gerichts maßgeblich sei.“

    führt zur Klärung, nicht nur in der Justiz sondern genauso In der Executive wie in der Legislative. Mit Teilhabe des Islam in Deutschland muss sich unsere Republik tatsächlich entscheiden ob unser Staat mit oder ohne diese göttliche Autorität regieren will. Ich wünsche mir hier die noch nicht erfolgte Trennung.