Die Burka gehört verboten

Anders als das Kopftuch hat der Vollschleier nichts mit Religion zu tun. Er ist die Negation eines zeitgemäßen Islam – und verstößt massiv gegen westliche Werte und den Gleichheitsgrundsatz.

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[http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-symbole-die-burka-gehoert-verboten-1.3118828

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  1. #1 von Hinterfragerin am 14. August 2016 - 09:11

    Der Autor macht es sich zu einfach, wenn er die Vollverschleierung flugs in ein politisches Symbol oder als ein Zeichen eines rückständigen Tribalismus umdeutet, um zu begründen, dass man sie natürlich verbieten könne, nicht aber das Kopftuch als religiöses Symbol. Er meint, einen wahren Islam definieren zu können.

    Zum einen bestätigt er darin wieder die Privilegien, die den Religionen im öffentlichen Diskurs zugesprochen werden: Religiöse Symbole darf man aus seiner Sicht natürlich nicht verbieten. Wer aus (scheinbar) anderen Gründen dasselbe tut, der hat anscheinend nicht dieselben Rechte. Doch warum sollte sich ein Mensch nicht auch aus politischen oder kulturellen Gründen frei entscheiden dürfen? Dann muss er, über die Ungleichbehandlung nichtreligiöser Beweggründe hinaus, wenn man ihm belegt, dass es etwas ein religiöses Symbol ist, letztlich alles zulassen.

    Damit ist es natürlich nicht allein, rein rechtlich ist diese Bevorzugung der Religionsfreiheit gegenüber anderen Freiheitsrechten bei uns in der BRD ja durchaus Usus.

    Zum anderen ist es eine Anmaßung seinerseits, bewerten zu wollen, was ein religiöses Symbol ist, was nicht.
    Er meint, dies einerseits nach Mehrheitsmeinung entscheiden zu können – sollte die Religionsfreiheit nicht die Rechte von religiösen Minderheiten genauso schützen (wobei seine Konstruktion der arabischen und afghanischen Hardliner als ebensolche fragwürdig ist?). Wenn die Mehrheit Vollschleier tragen würde, wäre das dann OK? Und würde man dann das Kopftuch als liberalisierende Abweichung verbieten, die ihrerseits „politische Aussagen“ transportiert? Und was ist mit der Minderheit jener Muslimas, die kein Kopftuch tragen?
    Und er meint, die aus seiner Sicht modernere Form des Islam als die „wahre“ bewerten zu können. Damit übersieht er, dass es unterschiedliche Wege in die Moderne gibt, dass der Fundamentalismus in der heutigen Form eben auch modern ist. Und warum sollten jene überhaupt anders behandelt werden, die bestimmte regionale Varianten oder traditionellere Auslegungen bevorzugen?

    Letztlich ist jede Entscheidung in diesem Bereich sowohl religiös als auch politisch deutbar.

  2. #2 von OIOIOI am 14. August 2016 - 11:13

    verbote ändern nicht die einstellungen der leute, eher stärken sie diese.

  3. #3 von Rene am 14. August 2016 - 11:36

    Nach allem für und wider deute ich die Burka letzlich als Provokation und Respektlosigkeit gegenüber unserer Kultur. Die Gleichstellung der Frau wurde hart erkämpft, und dafür müssen wir uns nicht noch verhöhnen lassen. Daher, ja, ich bin für ein Verbot.

  4. #4 von m0ebius am 14. August 2016 - 13:53

    Anders als das Kopftuch hat der Vollschleier nichts mit Religion zu tun. Er ist die Negation eines zeitgemäßen Islam.

    Wenn der Autor sich schon in den ersten zwei Sätzen des Aufhängers direkt widerspricht, muss man den Artikel überhaupt lesen?

  5. #5 von dirk am 14. August 2016 - 19:50

    @#1 von Hinterfragerin

    Ich kann Hinterfragerin nur beipflichten der Kommentator der SZ spielt sich auf als wenn er entscheiden könnte was ein religiöses Symbol ist und was nicht, wenn Kippa, Scheier, Habit, Pileolus oder ein Nudelsieb religiöse Symbole sind kann dies die Burka oder Niqab selbstverständlich auch sein.

    Auch der Punkt mit der Gleichberechtigung greift nicht, denn wenn die Frau dieses Teil tragen will würde es ja gerade gegen die Rechte der Frau verstoßen wenn man es ihr verbietet.

    Entweder beschneidet man die Religionsfreiheit zb nach dem Motto diese Religion gefährdet unseren Rechtsstaat deshalb ist es legal gegen sie und ihre äußeren Anzeichen vorzugehen, bzw man weitet den Anspruch auf Sicherheit aus also ein Vermummungsverbot nicht nur bei Demos sondern auch auf dem Bürgersteig und in der Fußgängerzone (was aber im Winter bei sehr kalten Temperaturen oder Karneval kaum durchzusetzen ist) oder man verbietet die Burka nicht.

    Übrigens der Generaldirektor der städtischen Dienste von Cannes Thierry Migoule zu Burkinis am Strand von Cannes:

    „Es geht nicht darum, das Tragen religiöser Symbole am Strand zu verbieten, sondern ostentative Kleidung, die auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen hinweist, die gegen uns Krieg führen“

    Eine bemerkenswerte Aussage wenn man bedenkt das Frankreich die wahhabitischen Diktaturen bei den Kriegen in Syrien und Jemen unterstützt.

    Aber Bomben auf die eigenen Häuser und Bomben auf die Häuser von Anderen sind in den Augen vieler Politiker selten vergleichbar.

  6. #6 von dirk am 14. August 2016 - 23:48

    Noch etwas bezüglich Bekleidung von manch muslimischen Frauen.

    http://www.oe24.at/welt/VIDEO-Harpunen-Attacken-nach-Fotos-von-Burkini-Frauen/247589399

    „An einem Strand von Korsika ist ein Streit um Fotos von Frauen in Burkinis außer Kontrolle geraten. Am Samstagabend sollen Jugendliche gegen 18.15 Uhr Fotos von badenden Frauen in Burkinis gemacht haben – was prompt dazu führte, dass die Männer von drei Familien nordafrikanischen Ursprungs die Ehre ihrer Frauen zu verteidigen suchten. Mit Messern und sogar Harpunen gingen sie auf die Jugendlichen los, schreibt Le Figaro.“

    Google Übersetzung aus der in dem Artikel verlinkten Quelle

    „“Vier Verletzte, darunter eine schwangere Frau, wurden in den evakuierten Zentrum hospitalier de Bastia. Ihre Prognose ist nicht verlobt. Drei Fahrzeuge wurden verbrannt, was zu schweren Verkehrsstörungen und ein verheerendes Feuer schnell beginnen , enthalten sind , “ sagte Herr Cazeneuve, in einer Erklärung in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Die Schlägerei endete mit der Intervention von hundert Polizisten und Gendarmen, sagte das Innenministerium.“

    Aus der Quelle von dem verlinkten Video wo einige der Korsen riefen „Wir sind hier Zuhaus“ steht auch etwas davon das Andere riefen Gott ist der bzw das größte auf arabisch und das ein Mädchen mit einer Machete verletzt wurde und daraufhin hundert Korsen dem Mädchen zu Hilfe kamen.

  7. #7 von Skydaddy am 15. August 2016 - 08:00

    Zu Hinterfragerins (wie üblich sehr gutem) Kommentar will ich nur noch anmerken, dass das Bundesverfassungsgericht seinerzeit beim „Soldaten sind Mörder“-Urteil festgestellt hat, dass man sich bei der Interpretation von Symbolen (damals: mehrere pazifistische Autoaufkleber) nicht einfach die für den Betreffenden unvorteilhafteste Deutung herauspicken kann und diesen dann dafür belangen. Vielmehr müssen auch günstigere Interpretationen berücksichtigt werden.

    Es erscheint mir offensichtlich, dass die Burka als religiöser Brauch im Sinne der Religionsfreiheit interpretiert werden kann, m.E. ist diese Interpretation auch naheliegend. Die dahinter stehende „Logik“, sich „keusch“ zu geben, ist ja bei weitem nicht islam-spezifisch – so laufen katholische Nonnen oder buddhistische Mönche (m/w) ja auch nicht gerade in Reizwäsche herum. Es ist auch noch nicht SO lange her, dass in Europa darauf geachtet wurde, dass bei Frauen die Knie bedeckt waren.

    Zwar geht die Burka nun deutlich über nicht-islamische, konservative (abendländische) Bekleidungsvorstellungen hinaus – aber m.E. ist hier immer noch am naheliegendsten, dass es sich eben im Grundsatz um einen religiöse bedingten Ausdruck von Keuschheit handelt und nicht um ein politisches Symbol.

    Ich frage mich auch, wie sich die Behauptung, es handele sich beim Tragen der Burka um ein politisches Symbol, mit der Behauptung verträgt, die meisten Burka-Trägerinnen würden zum Tragen der Burka gezwungen. Wenn jemand gezwungen wird, kann ich seine Aktion doch nicht mehr als politisches Statement betrachten. Man betrachtet ja auch öffentliche Trauer- oder Solidaritätsbekundungen der Bevölkerung in Nordkorea nicht als individuelle politische Statements.

    Zu guter Letzt ist es mir schleierhaft, wie man erwachsenen Menschen das Tragen der Burka verbieten will und gleichzeitig die Beschneidung von Säuglingen für zulässig halten kann. Bei der Beschneidung sind der Zwang, die Maßnahme und die Folgen doch viel schwerwiegender.