Nachtruhe: Da wirken sanfte Glockenklänge doch wie Baldriantropfen

Ein Gericht verbietet den nächtlichen Viertelstundenschlag der Kirche.

(…)

Die Nachtruhe ist heute längst nicht mehr allen heilig. Hunderttausende lassen sich von den Medien mitten in der Nacht Push-Nachrichten aufs Handy schicken, bloss weil die Schweizer Beachvolleyballerinnen in Rio den Achtelfinal erreicht haben oder Donald Trump wieder mal drei Prozent in den Umfragewerten verloren hat.

Die Kirche steht bekanntlich im Dorf. Und heute gibt es kaum mehr Dörfer und Städte, in denen nicht jedes Wochenende Bierflaschen splittern und lautes Bumbum bis weit nach Mitternacht ertönt. Da wirken sanfte Glockenklänge doch wie Baldriantropfen.

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[http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/die-nachtruhe-ist-nicht-heilig/story/23353899

  1. #1 von Noch ein Fragender am 9. August 2016 - 10:10

    Da wirken sanfte Glockenklänge doch wie Baldriantropfen.

    Manche Leute wollen auch keine Baldriantropfen aufgenötigt bekommen. Also stellt eure sanften Glockenklänge des Nachts ab.

  2. #2 von user unknown am 9. August 2016 - 18:39

    Da wirken Glockenklänge doch wie Lebertran.

  3. #3 von oheinfussel am 9. August 2016 - 18:52

    Und Kirchengänger haben schon bei uns geklingelt, weil sie sich von unserer Musik gestört gefühlt haben – ein paar Stunden, nachdem sie uns ungefragt aus dem Bett geläutet haben -.-

  4. #4 von itna am 9. August 2016 - 19:04

    Mein Smartphone kann ich jederzeit abschalten. Kirchenglocken nicht.

  5. #5 von Yeti am 9. August 2016 - 20:03

    Als ob die Kirchenglocken den übrigen Lärm irgendwie leiser machen würden.

    Ein Bekannter von mir hier im Dorf wohnt Luftline ca. 500m auf gleicher Höhe mit unserem Glockenturm. Ungehinderte Sicht und Gehör, lauter, als wenn man in der Kirche selbst sitzt.
    Unsere Glocken läuten:

    1 mal 15 Minuten nach der vollen Stunde: Dong.
    2 mal nach 30 Minuten, DongDong
    3 mal nach 45 Minten, DongDongDong
    4 mal, DongDongDongDong plus die Anzahl der vollen Stunden (das geht bis 24h um Mitternacht, weil 0h kann man ja nicht Bimmeln) BAM!

    Und weil die Stundenglocken nochmal 20 dB lauter sind, kriegt man beim vierten mal Vorläuten Angst vor den x Stundenschlägen, die da noch kommen werden … Hier weiß man noch, was die Stunde geschlagen hat.

    Diese Kirche hat aber eine andere, auch sehr laute Sache, die mir sehr gut gefällt und für die sie auch (im Rahmen des Westerwalds) berühmt ist: Die Orgel.

    Wenn man die entsprechend traktiert, bekommt die durchaus John-Lord’sche Qualitäten. Und da ist Wumms dahinter, bis runter, dass die Hosenbeine flattern.
    Ich bin kurz vor dem Abi noch ein paar mal in dieser Kirche gewesen und habe mir den ganzen Gottesdienst (ok, die letzten 10 Minuten) von hinten angetan und bin dann, als der Organist beim „Auszug der Gemeinde“ (nach dem „Gehet hin in Frieden“, „Dank sei Gott dem Herrn“, ich habe das immer schon als „Gott sei Dank kann ich endlich gehen“ interpretiert) so richtig an den Registern geroppt hat, nach vorne in Richtung Altar gegangen, entgegen den meisten anderen. Aber das Ding ist schon amtlich! Der Organist war ein Abi-Kollege und lies durchaus tatsächlich mal den ein oder anderen Deep-Purple „Erkenner“ oder auch gerne Gitarren-Riffs und -Läufe von Iron Maiden einfließen. Oder er hat einfach Bach oder sonstwas improvisiert. Das war jedesmal ein Erlebnis. Als ich anfangs noch Messdiener war, mussten (auf jeden Fall konnten) bestimmte Register noch von Hand (bzw. Fuß) geblasen werden. Ich erinnere mich daran, da oben auf zwei Blasebälgen rumgetreten zu haben, wie man das heute auf dem Stepper macht.

    Das Gebimmel muss aber IMHO trotzdem weg.

    Ich kann die selbst von hier hören, wenn ich das Schlafzimmerfenster aufhabe. Das sind aber eher 2 km und keine freie Sicht. Und auch nicht die Richtung. Wach werde ich gottseidank davon nicht. Ich frage mich aber, wie die direkten Anwohner das gebacken kriegen.

    Mein krassestes Erlebnis war mit einer Freundin an meinem Studienort, die wohnte ein paar Dörfer weiter direkt (keine 15 Meter, Schlafzimmerfenster in die richtige Richtung, auf der richtigen Höhe im Obergeschoss) neben einem Kirchturm. Nach der ersten Nacht habe ich ihr gesagt, dass ich nie wieder bei ihr schlafen werde. Ich glaube, ich bin mehrmals knapp an Herzinfarkten vorbeigeschrammt, so habe ich mich jedesmal erschreckt.

    Und sie konnte da tatsächlich ohne Probleme durchschlafen.

  6. #6 von Simone am 9. August 2016 - 21:00

    Vor ein paar Hundert Jahren hatte noch niemand eine Uhr, da war man nachts im Bett von der Turmuhr der Kirche abhängig.

    Warum? Die meisten Leute mussten doch nicht um Mitternacht aufstehen um zu arbeiten? Ausserdem hat die Kirche da wohl kaum jede Viertelstunde geschlagen, denn dann hätte jemand die ganze Nacht im Kirchturm sein müssen.

  7. #7 von Willie am 9. August 2016 - 21:06

    Verstehe ich das richtig, weil mal am Wochenende eine Bierflasche hinknallt und bis weit nach Mitternachte ein Bum-Bum zu hören ist, sollen Kirchenglocken 24x am Tag und das 7 Tage die Woche auch machen dürfen?

  8. #8 von Yeti am 9. August 2016 - 21:27

    Ich hab‘ wegen der Orgel bei uns nochmal nachgeguckt:
    Die wurde 1773/74 gebaut, und zwar von ihm hier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wilhelm_Sch%C3%B6ler

    Es existieren da immer noch große Teile der Ursubstanz, das ist einfach ein geiles Instrument. Die Kirche steht unter Naturschutz, zu Recht, wie ich finde.

  9. #9 von user unknown am 10. August 2016 - 14:25

    Die Kirche steht unter Naturschutz, zu Recht, wie ich finde.

    Denkmalschutz, fragt ein Lordfan?

  10. #10 von Yeti am 10. August 2016 - 15:46

    Ja, uu, natürlich Denkmalschutz :-/