Frankreich: Halal-Markt muss Alkohol und Schweinefleisch verkaufen

Ein kleiner Supermarkt im Pariser Vorort Colombes sorgt international für Schlagzeilen. Die Behörden wollen den Betreiber zwingen, sein Sortiment zu erweitern. Sonst droht die Schließung.

weiterlesen:

[http://www.welt.de/vermischtes/article157531812/Halal-Markt-muss-Alkohol-und-Schweinefleisch-verkaufen.html

  1. #1 von Michael am 8. August 2016 - 10:16

    Sehe ich das richtig? Die frz. Behörden konstruieren hier ein Menschenrecht auf Alkohol und Schweinefleisch in jedem Lebensmittelladen?

  2. #2 von Unechter Pole am 8. August 2016 - 10:27

    @Michael
    Kein Menschenrecht, sondern eine privatrechtliche Vereinbarung. Wer denkt, dass er sich aus religiösen Gründen an den geschlossenen Vertrag nicht halten muss, gehört „aus wichtigem Grund“ gekündigt.

  3. #3 von Gerry am 8. August 2016 - 11:04

    für alle die den Artikel nicht lesen wollen, das ist der Punkt auf den Unechter Pole sich bezieht:

    Das Argument: Der bestehende Pachtvertrag mit dem Betreiber sehe einen „Gemischtwarenladen“ vor. Dies bedeute, der Laden müsse auch ein gemischtes Sortiment anbieten. Den Anwohnern könne nicht zugemutet werden, für bestimmte Produkte auf einen anderen Supermarkt in größerer Entfernung ausweichen zu müssen.

  4. #4 von Noch ein Fragender am 8. August 2016 - 11:35

    @ #1 Michael

    Von einem Menschenrecht auf Alkohol und Schweinefleisch ist m. E. nicht die Rede.

    Der bestehende Pachtvertrag mit dem Betreiber sehe einen „Gemischtwarenladen“ vor. Dies bedeute, der Laden müsse auch ein gemischtes Sortiment anbieten. Den Anwohnern könne nicht zugemutet werden, für bestimmte Produkte auf einen anderen Supermarkt in größerer Entfernung ausweichen zu müssen. …. Laut „Telegraph“ hatte der „Good Price“-Minimarkt im vergangenen Jahr einen anderen Supermarkt ersetzt. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung sagte gegenüber dem Blatt, dass insbesondere ältere Anwohner sich daraufhin beschwert hätten, für ihre Einkäufe nun längere Wege zurücklegen zu müssen.

  5. #5 von Noch ein Fragender am 8. August 2016 - 11:38

    @ #2 und #3

    Ich hatte eure Posts vor Absenden meines Posts #4 noch nicht gelesen.

  6. #6 von m0ebius am 8. August 2016 - 11:59

    @Unechter Pole: Ich denke nicht, dass es um einen Vertrag geht. Wer hat schon eine Vereinbarung mit einem Supermarkt, dass der bestimmte Produkte vorrätig halten muss?

    Es geht eher darum, dass aus der besonderen Stellung eines Akteurs eine Verantwortung konstruiert wird. Das gibt es ja auch hier, z.B. bei der Beförderungspflicht von Taxis.

    Ich bin etwas gespalten, was die Entscheidung der Behörde angeht. Einerseits geht mir dieser „halal“-Wahn auf die Nerven, und ich kaufe auch keine Produkte, die damit vermarktet werden. Andererseits sollte ein Supermarktbetreiber durchaus selbst die Entscheidung über sein Sortiment haben, denn Alternativen existieren ja an den meisten Orten (und sei es der Versand von Alkoholika per Post). Ich würde auch nicht wollen, dass er gezwungen wird, andere umstrittene Produkte (Pornos, Crackpfeifen, homöopathische „Medikamente“, genetisch modifizierte Nahrungsmittel…) zu verkaufen.

  7. #7 von m0ebius am 8. August 2016 - 12:05

    @ Gerry:
    Oops, da war ich auch etwas voreilig, obwohl ich den Artikel durchaus gelesen hatte. Der Anfang stimmt natürlich nicht.

    Trotzdem halte ich es für etwas fragwürdig, aus „Gemischtwarenladen“ zu konstruieren, dass ein bestimmtes Produkt verkauft werden muss.

  8. #8 von Gerry am 8. August 2016 - 12:27

    @N.e.F. / m0bius

    Und ich dachte schon, sowas würde nur mir passieren 🙂

    @#7

    Ich kann mir gut vorstellen, dass da auch noch Islamo- und Xenophobie mit beteiligt sind.

    Erinnert mich an die Gesetze hierzulande, bei denen man schon vor der Unterschrift des Bundesgauklers weiß dass sie von Karlsruhe wieder kassiert werden…

  9. #9 von Unechter Pole am 8. August 2016 - 14:37

    @m0ebius
    Eine Beschreibung des Mietzwecks, bisweilen ergänzt um eine Sortimentbeschreibung als Anlage, ist ein normaler Punkt in einem gewerblichen Mietvertrag. Es wäre auch in Deutschland nicht unüblich, dass Gemeinden bei Vermietung von Einzelhandelsflächen den Mietzweck festschreiben, um die Nahversorgung der Bürger zu gewährleisten, so dass nicht alle Flächen z.B. durch je nach der lokalen Situation lukrativere Nutzungen, wie z.B. Textilfilialisten oder sog. Handyläden besetzt werden.

    Hinsichtlich „Gemischtwarenladen“ müssten wir schauen, um welche Begrifflichkeit es sich im Original handelt und was man daraus nach herkömmlichen Verständnis ableiten lässt. Und ob es lediglich eine Nutzungseinschränkung oder ein mit Absicht der Gewährleistung von Nahversorgung vereinbarte Nutzungsfestlegung war. Wenn in Deutschland z.B. „Lebensmittelvollsortimenter“ als zulässige und verpflichtende Nutzung vereinbart wird, wäre ein ausschließlicher Halal-Laden eine Vertragsverletzung.