Was, wenn Christen Terroristen wären?

In Europa und Amerika ereignen sich immer wieder terroristische Anschläge. Verübt werden diese meist von radikalen, fanatischen Islamisten. Nadine Al-Budair, eine saudi-arabische Journalistin, die in Kuwait arbeitet, beschäftigt sich mit dem Thema und stellt provokante Fragen in den Raum: Was, wenn Christen in ihrer Heimat Anschläge gegen Muslimen verüben und den Osten terrorisieren würden? Wie würde die muslimische Welt fühlen und reagieren?

[http://www.news.at/a/christen-journalistin-muslime-7510044

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  1. #1 von Skydaddy am 5. August 2016 - 06:49

    Von dem Artikel war ich positiv überrascht, ich hatte erwartet, dass suggeriert werden solle, dass Christen sich doch viel friedlicher verhalten würden.

    Dabei wäre allerdings zu beachten:

    (1) Terror wird vor allem gegen demokratische Staaten verübt. In dieser Hinsicht dürften wohl gerade die arabischen Staaten kein gutes Ziel sein.

    (2) Mir ist – anders als bei Muslimen – nicht bekannt, dass irgendwo Christen auf traditionell christlichem Territorium unter (gefühlter) muslimischer Besatzung leben. (Ich weiß, dass es in einigen Ländern uralte christliche Kirchen (im Sinne von Gruppen) gibt, die jetzt gefährdet sind. Ich habe aber den Eindruck, dass es sich dabei um Minderheiten handelt, die das betreffende Gebiet nicht „christlich“ machen.)

    (3) Wenn sich Christen in muslimischen Ländern verfolgt fühlen, können sie in ein westliches Land ziehen oder dort Asyl beantragen.

    (4) Terror und insbesondere Selbstmordanschläge sind immer das letzte Mittel. Solange konservative Christen (hier: aus den USA) in anderen Ländern wirksam für die Todesstrafe für Homosexuelle lobbyieren können oder für Anti-AIDS-Programme in Afrika, die ausschließlich auf Enthaltsamkeit setzen, scheinen mir Selbstmordattentate noch nicht nötig zu sein.

    (5) Diejenigen Christen, die für Selbstmordanschläge infrage kämen (nämlich die fundamentalistischen), würden abgesehen von der Gottesvorstellung weitgehend mit den gesellschaftlichen Vorstellungen in der muslimischen Welt übereinstimmen: konservative Haltung zur Sexualität und zur Rolle der Frau, gegenüber Ungläubigen.

    Meine Schlussfolgerung: Aus dem Umstand, dass Christen in muslimischen Ländern keine Anschläge begehen, lässt sich m.E. nicht auf eine grundsätzlichere Friedfertigkeit von Christen schließen. Möglicherweise gibt es andere Belege dafür, aber bei den Anschlägen spielen m.E. zu viele andere Faktoren mit hinein, um diese These untermauern zu können.

  2. #2 von Monika am 5. August 2016 - 09:06

    Zu 2.Diese uralten christlichen Gruppen leben in Gebieten, die einmal zu fast 100% (mit beispielsweise jüdischen oder manichäischen Minderheiten) christlich waren, bevor sie vom Islam gewaltsam erobert wurden.
    Nicht zufällig ist das Symbol des islams das Schwert.
    Die Ägypter zum Beispiel waren nicht einmal ein arabisches Volk, und sprachen nicht arabisch.
    Istanbul war als Konstantinopel oder Byzanz einmal der geistige und geistliche Mittelpunkt der orthodoxen (griechischen) christlichen Welt. Die Hagia Sofia die größte christliche Kirche in Ost und West.

  3. #3 von Hal am 5. August 2016 - 13:59

    In ihrer Heimat Saudi Arabien hat Nadine Al-Budair deshalb bereits Berufsverbot und arbeitet nun von Kuwait aus. Dass sie ihre mutigen und provokanten Aussagen durchaus das Leben kosten könnten, hat sie bisher nicht davon abgehalten, öffentlich ihre Meinung zu vertreten.

    Bin gespannt ob Islamisten sie ermorden werden oder ob sie von der theokratischen Diktatur eingesperrt (und im Gefängnis gefoltert und vergewaltigt) wird. Ich hoffe selbstverständlich dass weder das eine noch andere geschieht, sie sich eventuell rechtzeitig absetzen kann, auch wenn ihre Stimme dann in dieser Region fehlen wird.
    Schon merkwürdig dass die Amerikaner, nach der Befreiung von der irakischen Besatzung, ein solches Regime tolerieren können