Der Islamische Staat auf Missionierungstrip

Das neueste Dabiq-Magazin soll für den Übertritt zum Islam als Religion werben, aber die Attraktion basiert vermutlich auf anderen Bedürfnissen

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist im Irak und in Syrien in Bedrängnis, während sie sich in Nordafrika, Afrika oder Asien verbreitet. Der Verlust des Stammlandes wäre symbolisch sehr hoch, es wäre eine Niederlage, allerdings wäre der IS wegen seiner Verbreitung noch längst nicht am Ende, womöglich ist ein Teil seiner Führung auch schon in anderen Ländern.

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[http://www.heise.de/tp/artikel/49/49000/1.html

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  1. #1 von Skydaddy am 4. August 2016 - 09:26

    Ich habe gestern mehrere Dabiq-Magazine durchgeschaut und kann das den Anwesenden hier auch nur empfehlen.

    Es zeigt sich nämlich sofort folgendes:

    Wer meint, die IS-Kämpfer, bzw. diejenigen, die sich durch solche Medien radikalisieren, seien nicht religiös, haben keine Ahnung. Die Soldatenzeitschrift von Militärbischof Overbeck ist weit weniger religiös als das IS-Magazin. (Die Artikel im IS-Magazin sind auch länger, die gehen meist über etliche Seiten.)

    Weiter zeigt sich, dass schon „normale“ religiöse Sozialisation den Boden für die Rekrutierung des IS bereitet: Gerade im aktuellen Heft (Nr. 15), das sich direkt an Christen richtet, wird deutlich, welch starke Überlappungen der IS mit dem Christentum hat. Ständig wird (gewissermaßen „zustimmend“) auf das Alte (und auch auf das Neue) Testament verwiesen und theologisch damit argumentiert.

    Es wird auch versucht, Atheisten zu überzeugen, aber dafür wird nur das übliche „Argument“ von der „Schöpfung“ auf einen „Schöpfer“ angeführt – man beachte, dass dies auch ein populäres christliches Argument ist. Es verwundert nicht, dass der IS die Evolutionstheorie ablehnt, aber auch das ist in christlichen, insb. evangelikalen Kreisen ja auch der Fall.

    Ebenfalls mit Evangelikalen und konservativen Katholiken gemein hat der IS die konservativen Vorstellungen von Sexualität und Familie und die Ablehnung z.B. von Homosexualität. (Bei der Lektüre hatte ich die leise Hoffnung, dass Gabriele Kuby und Birgit Kelle sich radikalisieren und für immer von der Bildfläche verschwinden …)

    So verwundert es auch nicht, dass in Ausgabe 15 VIER ehemals christliche Konvertiten vorgestellt werden, aber kein Ex-Atheist. Das ist zwar nicht wirklich belastbar, scheint mir aber ein deutlicher Hinweis darauf zu sein, dass Religion (im Gegensatz zu Säkularismus) KEIN besonders gutes Mittel gegen islamistischen Fundamentalismus ist.

    Im IS-Magazin wird immer wieder das Christentum kritisiert und versucht, zu zeigen, dass der Islam die vernünftigere Religion ist. Diese Argumentation ist sogar (für religiöse Verhältnisse) nachvollziehbar, denn die Vorstellung, dass Gott mehrere Persönlichkeiten hat, von denen sich eine von einer Frau gebären und später schmachvoll hinrichten lässt, ist tatsächlich idiotisch und erscheint wohl nur Christen plausibel.

    Folglich erwähnen auch mehrere Ex-Christen (jetzige IS-Kämpfer) in den Artikeln, dass sie eine normale christliche Sozialisation genossen haben. (Ob diese Geschichten der Wahrheit entsprechen oder gezielt für die christliche Leserschaft zubereitet wurde, darf man spekulieren, sie erscheinen aber in dieser Hinsicht absolut plausibel.)

    Die meisten Artikel habe ich mir nicht ganz durchgelesen, weil es tatsächlich viel zu viel Theologie ist Allah sagt dies, der Prophet sagte das … wie bei Christen, die alles zwanghaft mit Bibelzitaten meinen garnieren zu müssen.

    Ausdrücklich abgelehnt werden übrigens „Kuschel-Muslime“ (inkl. Pierre Vogel, der zugleich nach meinem Empfinden der bestaussehende Mann in dem ganzen Magazin ist – dies nur zur ästhetischen Einordnung der IS-Kämpfer). Es gibt nämlich laut IS nur EINEN Islam, und zwar den des IS – alles andere ist Unglaube.

    In einem dreiseitigen Artikel (By the Sword, S. 78-80) wird offenbar dargestellt, wie schon die christliche Bibel – Altes wie Neues Testament – zur Rechtfertigung von Gewalt benutzt werden kann. (Muss ich noch lesen.)

    Man kann sich das IS-Magazin – von den Terror-Artikeln abgesehen – ähnlich vorstellen wie die Zeitschriften der Zeugen Jehovas oder Jesus.ch. Vergleichbare Magazine der evangelischen Kirchen in Deutschland kenne ich nicht, weil diese viel weniger Theologie enthalten.

    Das Magazin ist auf Englisch problemlos im Internet aufzufinden, es gibt mehrere Webseiten, die IS-Propaganda dokumentieren.