Die Tugendstaaten des Islams und des Westens

Die Entstehungsgeschichte des Islams, wie sie von islamischen Gelehrten und auch der herrschenden Islamwissenschaft tradiert wird, ist mythisch und normativ. Erzählungen, die nur in einem heilsgeschichtlichen Sinne „wahr“ sind, werden mit Ereignisgeschichte in modernem Sinne verwechselt. Zwischen historischem Geschehen und theologischer Aussage wird nicht genau unterschieden. Moderne Geschichtsschreibung ist deskriptiv. Religiöse Geschichtsschreibung legt dar, wie die Dinge gewesen sein müssen mit der Betonung eines göttlichen Plans. Sie ist normativ in dem Sinne, als sie nicht durch widersprechende Indizien in Zweifel gezogen werden darf, und in dem Sinne, als sie Regeln einführt, sogenannte „religiöse Regeln“. Einmal (vermeintlich) stattgefundene Ereignisse haben ewige normierende Kraft: Der Prophet Mohammed hat während des Ramadans Krieg geführt. Also sollte oder muss im Ramadan gekämpft werden. Der Prophet Mohammed hat Frauen nicht die Hand gegeben. Also dürfen alle Männer dies nicht tun, jetzt nicht und für alle Zeiten.

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