Auschwitz stellt auch die Frage nach Gottes Allmacht

Der Papst-Besuch im Konzentrationslager ist ein Bekenntnis – und eine wichtige Stellvertretung: für Gottes Macht mitzuleiden.

(…)

Ist Gott also auch in Auschwitz gewesen? Davon sind viele überzeugt. „Wenn es für uns keinen Gott in Auschwitz gibt, wie soll es ihn dann für uns anderswo geben?“, hat der Münsteraner Theologe Johann Baptist Metz gefragt. Niemals kommen wir Christen hinter Auschwitz zurück – und über Auschwitz hinaus kommen wir nur mit den Opfern von dort. Das sei, so Metz, „der Preis für die Kontinuität des Christentums“. In diesem Sinn war der Besuch des Papstes mehr als ein Bekenntnis – es war auch eine bedeutsame Stellvertretung.

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[http://www.rp-online.de/politik/deutschland/kolumnen/gott-und-die-welt/auschwitz-stellt-auch-die-frage-nach-gottes-allmacht-aid-1.6151713

  1. #1 von Charlie am 30. Juli 2016 - 17:17

    Der Vize-Taugenichts war auch da.

  2. #2 von Gerry am 30. Juli 2016 - 17:26

    Ist Gott also auch in Auschwitz gewesen? Davon sind viele überzeugt.

    Welche Häftlingsnummer hatte er denn? Und warum hat den bisher noch kein Historiker in den umfangreichen Archiven der Nazis gefunden?

    „Wenn es für uns keinen Gott in Auschwitz gibt, wie soll es ihn dann für uns anderswo geben?“

    Weil es keinen Gott gibt?
    Ach, richtig, dann gäbe es natürlich auch keine kuscheligen Jobs für Theologen. Da gilt dann wohl die alte Erkenntnis von Upton Sinclair: „It is difficult to get a man to understand something, when his salary depends upon his not understanding it!“

    „der Preis für die Kontinuität des Christentums“.

    Nein, der Preis für diese Kontinuität ist, sich mit den jeweiligen Herrschern zu arrangieren. Je nachdem über wieviel tatsächliche Macht die verfügen und wie Kirchenhörig sie sind funktioniert dieses Arrangement mal besser (Deutschland), mal schlechter (Sowjetunion).

    In diesem Sinn war der Besuch des Papstes mehr als ein Bekenntnis – es war auch eine bedeutsame Stellvertretung.

    Nein, es war nur ein PR-notwendiger Termin. Hinsichtlich einer Verständigung mit dem Judentum war das nicht mehr als eine hohle Geste um zu zeigen, dass man die diplomatischen Gepflogenheiten einhält.

    Der Besuch im KZ Dachau den wir in den 90ern mit den Austauschschülern aus Tschechien unternommen haben hat für die „Völkerverständigung“ genauso wenig Auswirkungen gehabt. Viel sinnvoller wäre es gewesen, gemeinsam über die Möglichkeiten, Chancen und Risiken einer engeren Kooperation zwischen den europäischen Ländern diskutieren zu lassen.
    Aber hey, dann bestünde ja die Gefahr dass man sich kritisch denkende Untertanen heranzieht, sowas wollen weder weltliche noch geistliche Herrscher…

  3. #3 von ptie am 30. Juli 2016 - 20:00

    @gerry: Leider finde ich gerade nicht das veröffentlichte Tagebuch eines Lagerarztes (es war nicht Mengele). Meiner Erinnerung nach, war dort auch von Gottesdiensten die Rede.
    Die Lagerbesatzung werden aber zum allergrößten Teil Christen gewesen sein – im Gegensatz zu den Ermordeten und Gefangegen.
    Wäre ich katholisch, würde ich mich schämen und schweigen – nicht schweigen, reden von meiner Schuld und versuchen möglichst viel wieder gut zu machen.

    Wo war Gott kurz nach Auschwitz, kurz nach dem Krieg. Vermutlich auf einer der Rattenlinien, der Flucht von Menschen wie Mengele verhelfen – zumindest half die katholische Kirche.Die Rattenlinie wurde zeitweise auch Klosterroute genannt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Rattenlinien
    Wäre ich katholisch, würde es mich ekeln – auch nach sovielen Jahren noch.

  4. #4 von user unknown am 30. Juli 2016 - 21:11

    Wer an Gott glaubt hat die kuriosesten Hirnverrenkungen zu vollziehen und muss dabei achtgeben, dass es auf seine Alltagsrationalität nicht abfärbt.

    Bei den Christen in Uniform hat ihr Christsein dann logischerweise auch nicht auf ihr praktisches Leben abgefärbt.

  5. #5 von Elvenpath am 30. Juli 2016 - 21:58

    Allmacht ist die dümmste Erfindung der jüdisch-christlichen Mythologie. Sie wurde ersonnen, um den eigenen Gott endgültig und ein für alle mal über alle anderen Götter zu stellen.
    Allerdings führt die Allmachtsannahme schon gleich zu Paradoxa, wie: Kann „Gott“ ein Rätsel entwerfen,. welches er selber nicht lösen kann? Kann „Gott“ ein Material erschaffen, welches er selber nicht zerstören kann?

    Des Weiteren. Warum sollte „Gott“ unvollkommene Menschen erschaffen? Er weiß doch was passiert und welche Entwicklung sie nehmen werden. Warum sollte „Gott“ jemand strafen, für das, was er tut, wenn „Gott“ schon bei der Schöpfung wusste, was dieser Mensch tun wird? Wenn „Gott“ alles weiß, gibt es dann überhaupt einen freien Willen? Wenn „Gott“ schon alles vorher weiß, ist die Existenz von uns Menschen für ihn doch vollkommen sinnlos. Und und und.

    Und das Theodizee-Problem hat schon ganze Generationen von Theologen beschäftigt, ohne dass sie eine überzeugende Antwort darauf finden konnten.

    Die Allmacht „Gottes“: Die verführerischste, aber auch blödeste Idee, die man so haben konnte.

  6. #6 von Yeti am 30. Juli 2016 - 22:22

    @elvenpath:

    Paradoxa, wie: Kann „Gott“ ein Rätsel entwerfen,. welches er selber nicht lösen kann?

    Antwort der Theologie:
    Natürlich kann er ein Rätsel entwerfen, das er selbst nicht lösen kann. Sobald das Rätsel aber existiert, kann er es lösen.

    @Artikel:

    Wenn es für uns keinen Gott in Auschwitz gibt, wie soll es ihn dann für uns anderswo geben?

    Das erinnert mich irgendwie an das „Argument“: wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, bricht die ganze Basis des Christentums zusammen.

    Meine Antwort an die Theologen:
    Genau, Leute! Ihr seid nur nicht in der Lage, diesen einen, kleinen, geistigen Schritt noch zu gehen und den ganzen Kwätsch hinter Euch zu lassen.

  7. #7 von Deus Ex Machina am 31. Juli 2016 - 09:00

    Warum stellt Auschwitz so ein Problem für die Gläubigen dar? Habe ich da nicht mal was von einer Nahezu-Komplettvernichtung des Menschen auf dem Planeten gelesen – Sintfult? Merken die Deppen etwa erst jetzt, dass ihr Gott Völkermorde liebt?

  8. #8 von paul0f am 31. Juli 2016 - 10:12

    „Wenn es für uns keinen Gott in Auschwitz gibt, wie soll es ihn dann für uns anderswo geben?“< Und sie sind sooo nahe dran, aber den letzten Schritt packen sie dann doch nicht.^^

  9. #9 von Elvenpath am 31. Juli 2016 - 18:10

    @Yeti. Sagen die das ehrlich? Weil das nämlich totaler Quatsch ist.

    Aber man kann es ja auch leicht umformulieren: Kann „Gott“ ein Rätsel entwerfen, dass er auch dann nicht lösen kann, sobald es existiert?

  10. #10 von Yeti am 31. Juli 2016 - 22:20

    @elvenpath:

    Sagen die das ehrlich?

    (Du beziehst Dich auf das Rätsel). Keine Ahnung, es wäre aber eine in’s Muster passende Argumentationsweise. Ich hab’s mir genau da rausgezogen, wo Theologen sich normalerweise ihre „Argumente“ besorgen.

    Wer mal ein Beispiel von permanentem „nicht den letzten Schritt gehen können“ erleben will, sollte mal Joseph Ratzingers „Eschatologie“ an einer beliebigen Stelle aufschlagen. Sein – nach eigener Einschätzung – „am meisten durchgeknalltes Werk“.

    Einen Moment, ich geh’s mal holen …

    Das Zwischen gibt es nur in unserer Perspektive. In Wahrheit ist das Ende der Zeiten unzeitlich; wer stirbt, tritt in die Gegenwart des Jüngsten Tages, des Gerichts, der Auferstehung und der Wiederkunft des Herrn hinein. (Seiten 93/94)

    so geht das das ganze vermaledeite Buch lang.