Streit um Vollverschleierung in bulgarischer Stadt

Pazardzhik hat als erste Stadt Bulgariens ein Verbot der Ganzkörperverschleierung eingeführt. Einige muslimische Frauen verlassen deshalb kaum mehr das Haus. Tatiana Vaksberg hat sie besucht.

(…)

„Bei der Polizei verlangte der Beamte, dass ich den Niqab ausziehe“, erzählt Melissa, die die Strafe schon bezahlt hat. Sie könne ihre Schamgefühle kaum in Worte fassen, als sie vor lauter männlichen Polizisten ihr Gesicht zeigen musste, fügt sie hinzu.

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  1. #1 von oheinfussel am 26. Juli 2016 - 21:48

    Pazardzhik hat als erste Stadt Bulgariens ein Verbot der Ganzkörperverschleierung eingeführt. Einige muslimische Frauen verlassen deshalb kaum mehr das Haus.

    Wie fies – die Menschen soll mit sichtbaren Gesicht auf die Straße gehen – unzumutbar!

    „Bei der Polizei verlangte der Beamte, dass ich den Niqab ausziehe“, erzählt Melissa, die die Strafe schon bezahlt hat.

    Pfui, böse, wie kann er nur eine Identitätskontrolle mit sichtbaren Gesicht verlangen?

    Sie könne ihre Schamgefühle kaum in Worte fassen, als sie vor lauter männlichen Polizisten ihr Gesicht zeigen musste, fügt sie hinzu.

    Ist das nicht vielleicht genau das Problem? Wenn es einen schon mit Scham erfühlt, wenn Menschen mit Schniedel das Gesicht erkennen können?

    Meine Meinung: Wer Kopftuch tragen will, bitte.
    Wer Niqab tragen will, kann das auch – aber bitte Zuhause.
    Ist das für diese Menschen wirklich so schwer nachvollzihebar, dass die meisten Menschen misstrauisch und nervös sind und kein Vertrauen zu einen Menschen fassen können, von denen sie nicht mal ein Lächeln sehen können? Dass es eine Kommunikation sehr behindert, wenn man keine Gestik und keine Mimik erkennen kann?

  2. #2 von Simone am 26. Juli 2016 - 22:19

    Sie könne ihre Schamgefühle kaum in Worte fassen, als sie vor lauter männlichen Polizisten ihr Gesicht zeigen musste, fügt sie hinzu.

    Wir Menschen gehören zu einer Spezies, die in sozialen Gruppen lebt. Verbale Kommunikation über gesprochene Sprache und nonverbale über Mimik und Gestik gehören zum normalen sozialen Verhalten. Dieser Zwang, sein Gesicht permanent unter einer Schicht Tuch zu verstecken ist meiner Meinung nach eine psychische Störung.
    Aber was weiss ich schon, bin ja keine Psychiaterin…

  3. #3 von barkai am 26. Juli 2016 - 22:48

    @Simone
    Dieser Zwang, sein Gesicht permanent unter einer Schicht Tuch zu verstecken ist meiner Meinung nach eine psychische Störung.
    Aber was weiss ich schon, bin ja keine Psychiaterin…

    vllt könnte das erklären, warum es von offiziellen Stellen in einigen westl. Länder sehr oft und sehr schnell nachdem ein moslem andere Leute ermordet hat, heißt, dass der Täter psyichscih krank war. Bei manchen äußert sich die psychische Erkrankung im Einwickeln des gesichts, bei anderen darin, andere Leute zu ermorden.

  4. #4 von O. am 26. Juli 2016 - 23:20

    Wenn eine Person eine psychische Störung hat, wird sie auch so genannt und man wird ggf. therapiert.
    Wenn eine Milliarde Leute eine psychische Störung haben, nennt man es Religion und die „therapiert“ den Rest der Gesellschaft…

  5. #5 von user unknown am 27. Juli 2016 - 01:14

    Durch einen Niquab alleine wird man noch nicht psychisch krank. Erst wenn die glaubwürdige Erzählung dazutritt, dass alle Frauen ohne verhülltes Gesicht als Hure gelten, also von mehreren Quellen bestätigt wird, kann man beginnen die Realität verzerrt wahrzunehmen.
    Man deutet dann kleine Zeichen hier und da falsch und übersieht all die anderen Zeichen. Es kann aber eigentlich nur funktionieren, wenn dazu eine Erklärung geliefert wird, wieso so viele etwas anderes erzählen (die lügen! Sie wollen uns umpolen/christianisieren/zu Atheisten machen) oder viele Muslimas unverhüllt rumlaufen (sind alles Huren, sind schon rumgedreht).
    Die Quintessenz, dass hier Frauen frei sind, sich ihre Sexualpartner 1. selbst auszusuchen, und dass 2. der erste nicht Ehemann werden muss bestätigt allerdings die Bewertung: alles Huren!

    Dass selbst Prostituierte hier nicht Unberührbare sein sollten zeigt den Spagat, der nötig wäre, die Kulturen hier zu überbrücken.

    Aber es ist nicht einfach ein Unterschied wie zwischen Krawatte und Fliege, der sich hier auftut. Der Gesichtsschleier geht einer mit einer Bewertung fast aller anderen Frauen als Huren und ist auf Abgrenzung und Abwertung ausgelegt.

  6. #6 von Willie am 27. Juli 2016 - 07:41

    Mir ist klar, dass hinter dem ganzen verstecken spielen (müssen) eine durchgebrannte Sexualität gesehen wird. Der Mund kann ja, auch historisch gesehen, durchaus eine Rolle beim Sex spielen, aber warum müssen die dann nicht auch ihre Hände verhüllen? Sind Hände und deren Nutzung nur männlich zu sehen und dren Masturbation ist ok?

  7. #7 von ptie am 27. Juli 2016 - 10:39

    @willie
    Vorweg: ich bin kein Kulturwissenschaftler.
    Ich denke der Verhüllung der Frau liegt zu Grunde, dass die Frau als Eigentum des Mannes betrachtet wird. Sie wird so buchstäblich zu seinem „Schatz“, auf den aufzupassen er die Aufgabe hat. Diese Aufgabe kann er auch an anderes Personen (=Männer) übertragen.
    Dieses Eigentum steht im öffentlichen Raum einer ständigen Gefährdung gegenüber, durch Vergewaltigung wird daher auch nicht in erster Linie die Frau geschädigt, sondern die Eigentumsrechte des Mannes verletzt. Gleichzeitig wird der Wert seines Eigentums herabgesetzt und gezeigt, dass er nicht in der Lage ist, auf sein Eigentum aufzupassen.
    Aber die Gefährdung kann natürlich auch von der Frau ausgehen, in dem sie z.B. flirtet. Dies geschieht vor allem mit dem Gesicht: Augen, Mund. Daher muss diese Gefahrenquelle durch die Verhüllung minimiert werden. Dieser Zwang an den Frauen wird von den meisten Frauen dann in einem Selbstzwang (und in einen kulturellen Wert) umgewandelt.

    Ich empfinde dies gar nicht so sehr als „durchgeknallte“ Sexualität, ich empfinde dieses Konzept als völlig männerzentriert. Die religiöse Vorstellung einer Jungfrauengeburt und ein Zölibat finde ich wesentlich durchgeknallter.
    Gleichwohl verabscheue ich diese „Männerzentriertheit“ und würde auch verlangen, dass eine Frau sich als Person ausweisen können muss, da sie in unserer Kultur nicht als Anhängsel bzw. Eigentum des Mannes angesehen wird.

  8. #8 von dirk am 27. Juli 2016 - 15:49

    Zitat Artikel

    „“Bei der Polizei verlangte der Beamte, dass ich den Niqab ausziehe“, erzählt Melissa, die die Strafe schon bezahlt hat. Sie könne ihre Schamgefühle kaum in Worte fassen, als sie vor lauter männlichen Polizisten ihr Gesicht zeigen musste, fügt sie hinzu. Eine gezielte Demütigung, meint die 40-jährige Muslima Svetla, …“

    Da muss man sich schon an den Kopf fassen, was das für ein Artikel ist, da begeht Jemand eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat zahlt die Strafe (oder Bußgeld) und der Artikel bringt dann einen Zitat von Jemanden der es als Demütigung bezeichnet wenn sich die Person auch noch nach bezahlen der Strafe (oder Bußgeldes) an das Gesetz bzw die Verordnung halten soll. Ja wo kämen wir denn da hin wenn sich die Leute an Gesetze halten sollen?

    Demnächst kann jemand der mit 200 durch eine geschlossene Ortschaft fährt sich auch auf die Deutsche Welle beziehen in der suggeriert wird das nach bezahlen des Bußgeldes selbstverständlich wieder gegen das jeweilige Gesetz verstoßen werden darf.

  9. #9 von dirk am 27. Juli 2016 - 16:14

    @ #7 von ptie

    „Ich empfinde dies gar nicht so sehr als „durchgeknallte“ Sexualität, ich empfinde dieses Konzept als völlig männerzentriert.“

    Die Story mit dem Parfüm deutet für mich schon darauf hin, dass das nicht nur Männer zentriert ist sondern auch was mit fehlender sexueller Kontrolle bei den maßgeblichen Religionsstiftern zu tun hat.

  10. #10 von ptie am 27. Juli 2016 - 16:35

    @vielleicht verstehe ich es auch nur falsch –
    Wenn die Frau, die in dieser männerzentrierten Kultur als das Objekt bzw. Eigentum des Mannes gilt, parfümiert an Männerns vorbeigeht, wird das in der zitierten Deutung als ein Signal verstanden, dass die Frau Interesse bei anderen Männern hervorrufen möchte. Das heißt, das Objekt verhält sich nicht Objekt-gemäß.
    In unserer Kultur stellt sich eventuell eher die Frage, warum die Männer denn dann nicht als Ehebrecher angesehen werden sollten… Ich denke, der Grund dafür liegt darin, dass man jedem Mann das Recht zubilligt, ungesichertes Eigentum (=unverschleierte, Interesse erzeugende Frau) zu begehren.

    In der zitierten Stelle, hei´ßt es dann weiter:

    Diese Aussage passt doch perfekt zu allen anderen Aussagen im Koran, die die Frau als Lust-Objekt, als Saatfeld des Mannes sehen! Aussagen, die den Körper und die Schönheit der Frau nicht als ihr Eigentum betrachten, sondern Eigentum des Mannes, der mit einer Brautgabe und Ehevertrag, oder die Frau im Krieg erbeutet hatte, über ihren Körper verfügen darf. Deshalb muss sie sich verhüllen, die Stimme senken, kein Parfüm und keinen Nagellack tragen und nur mit dem Erlaubnis des Mannes aus dem Haus gehen!

    Das passt zu dem was ich meinte – anscheinend habe ich es nicht so gut ausgedrückt 🙂

    Das übrigens in einer solchen Welt viele Männer Probleme mit ihrer Sexualität haben – wie sollte das anders sein.

  11. #11 von dirk am 27. Juli 2016 - 17:39

    @ #10 von ptie

    Die Vorstellung das man dadurch das man etwas riecht bzw sieht einem Dritten etwas wegnimmt ist für mich irgendwie überraschend neu.

    Und die Aussagen:

    „Wenn eine Frau Parfüm trägt, und an einer Ansammlung von Männern vorbeigeht, und diese dann ihr Parfüm riechen, ist diese Frau eine Ehebrecherin“ …. An einer anderen Stelle wird überliefert, dass der zweite Kalif Omar Frauen auf offener Straße mit einem Stock geschlagen hatte, als er deren Parfüm roch. Er sagte dabei: „Wie könntet ihr Parfüm tragen obwohl ihr wisst, dass die Herzen der Männer unter ihren Nasen liegen?“

    Deuten für mich darauf das es gar nicht um den Geruch in direkter Linie geht sondern um den „darauffolgenden“ Geschlachtsakt geht.

    Und wen sich schon jemand bei einem Geruch eine Vergewaltigung nicht verkneifen kann der hat meiner Meinung nach halt sehr wenig Kontrolle über seinen Sexualtrieb.

  12. #12 von Simone am 27. Juli 2016 - 20:50

    @willie

    Der Mund kann ja, auch historisch gesehen, durchaus eine Rolle beim Sex spielen, aber warum müssen die dann nicht auch ihre Hände verhüllen?

    Die Frauen mit Vollverschleierung, die ich gesehen habe, trugen auch Handschuhe

  13. #13 von ptie am 27. Juli 2016 - 21:53

    @dirk
    das wird mir jetzt zu umfänglich. Ist ein interessanter Diskussionsgegenstand aber leider fehlt mir die Zeit.
    Ich wünsche dir einen schönen Resttag.

  14. #14 von Willie am 28. Juli 2016 - 03:11

    @ptie und @Simone

    Danke für die Erklärung.

    Ein P.S. zu @ptie
    Bei Deiner ErklÄrung drängte sich mir unweigerlich der Gedanke zum Auto auf. 😉