Es braucht mehr Religion, um Extremismus zu bekämpfen

Wenn die Religion vollkommen aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird, stärkt das religiösen Extremismus. Um Muslime besser integrieren zu können, das zeigt das Beispiel Frankreich, muss Religion stärker sichtbar werden.

(…)

Zwei Positionen stehen sich gegenüber: Die eine behauptet, ein Staat, der sich religiös zurücknehme, könne besser integrieren als einer, der sich zu Religion bekenne; Migranten könnten sich also leichter mit einem religionsneutralen Staat identifizieren. Die andere argumentiert, dass sich religiöse Menschen bei der Durchsetzung des laizistischen Homogenisierungsideals ausgeschlossen fühlen (können), was eine Radikalisierung begünstige; daher müsse es akzeptiert werden, wenn vielfältige Identitäten in religiösen Symbolen sichtbar würden. Zudem könnten Religionen oft Werte wirkungsvoller vermitteln als säkulare Einrichtungen – könnten also integrierend wirken.

Dabei bestehen Glaube und Kirche ja auch nach der Aufklärung weiter, in durchaus aufgeklärter Gestalt. Die Muslime, die integriert sind, haben das nun auch für den Islam zu bewerkstelligen. In Fragen wie der Sterbehilfe und der Stammzellenforschung sollten nicht nur „rationale“ Wissenschaftler gehört werden, auch die Religionen sollten mitdiskutieren.

weiterlesen:

[http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/tuerkei/nach-anschlaegen-es-braucht-mehr-religion-um-extremismus-zu-bekaempfen-14351460.html

  1. #1 von Noch ein Fragender am 23. Juli 2016 - 11:10

    Wenn die Religion vollkommen aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird …

    Können diese Schreiberlinge nicht endlich mal unterscheiden zwischen öffentlichen und staatlichen Raum .

    In der Öffentlichkeit können die Religionen genau so viel Reklame für sich und Events machen wie jeder Briefmarkenverein.

    Nur in staatlichen Institutionen hat jeder Hinweis auf private „special interests“ bestimmter Gruppen zu unterbleiben. Also keine Rechtsprechung im Namen der Philatelie und keine Briefmarken an der Wand des Gerichtssaales und in Klassenzimmern.

    Wenn die Religion vollkommen aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird, stärkt das religiösen Extremismus.

    Abgesehen vom undifferenzierten Gebrauch des Begriffs „öffentlicher Raum“, beachte man auch die geheime Drohung gegen den Säkularismus: Wenn ihr die Religionen nicht privilegiert, knallts.

  2. #2 von Skydaddy am 23. Juli 2016 - 11:28

    Es widert mich an, wie erst neulich Lucas Wiegelmann in der WELT und nun Rainer Hermann in der FAZ islamistische Gewalttaten benutzen, um kirchliche Privilegien zu verteidigen.

    Oder wie ist es zu verstehen, wenn Hermann schreibt:

    Religion wird aus dem öffentlichen Raum zunehmend verdrängt – etwa auf Wunsch der Eltern die Kruzifixe aus den Schulen; christliche Feste erhalten Allerweltsnamen.

    Die dumme, religiotische Denke dahinter:

    In diesem vom Christentum entleerten Raum soll sich nach Ansicht vieler aber auch kein Islam sichtbar breitmachen.

    Deshalb soll ja auch auf ALLE religiösen Symbole in ÖFFENTLICHEN GEBÄUDEN und Plätzen verzichtet werden.

    Als ob das Christentum eine Lücke hinterließe, die gefüllt werden müsste!

    Wer nicht komplett verblödet ist, weiß: Religioten wird man es NIE recht machen können. Deshalb ist auch jedes Entgegenkommen über die staatliche Neutralität und Religionsfreiheit im Rahmen der allgemein gültigen Gesetze hinaus kein brauchbarer Ansatz, um radikale Religioten zufriedenzustellen.

  3. #3 von Simone am 23. Juli 2016 - 11:32

    @Noch ein Fragender:
    Dem kann ich voll und ganz zustimmen.
    Ich habe mir auch kurz die Biographie des Autors angeschaut. Er hat ja anscheinend einige Jahre in islamischen Ländern gelebt und muss dort aus erster Hand erfahren haben, was passiert, wenn der Staat nicht neutral ist. Von daher ist es mir noch unverständlicher, warum er so gegen eine Trennung von Kirche und Staat ist.

  4. #4 von Elvenpath am 23. Juli 2016 - 19:25

    Im Endeffekt bedeutet das doch: Gebt den Religionen Privilegien, damit es nicht zum Terror kommt.

    Dass es in Frankreich zu mehr Terroranschlägen kommt, weil der Staat laizistisch ist, ist eine Behauptung, die der Autor nicht beweisen kann. Es ist nichts weiter, als eine Hypothese. Und zwar eine sehr gewagte.

  5. #5 von Netizen am 23. Juli 2016 - 21:55

    Diese Formen der Laizität und des Säkularismus werden in der Gegenwart durch die massenweise Einwanderung von Muslimen in einem Maße herausgefordert, die eine Weiterentwicklung der Konzepte erforderlich macht. Denn die starke Religiosität der meisten Muslime und ihre Erwartung, ihre Religion ausleben zu können, kollidieren mit unserer Tradition der Trennung von Staat und Religion.

    Und deswegen müssen wir uns anpassen und unsere gesellschaftlichen Regeln aufgeben? Anders gesagt: Der Gast bestimmt über die Benimmregeln am Tisch und nicht der Restaurantchef?

    Mit der religiösen Neutralität im öffentlichen Leben wollen sie sich nicht abfinden. Für sie ist Religion nicht nur Privatsache.

    Nun, dort ist die Tür. Auf Wiedersehen. Fertig. Es wird niemand dazu gezwungen, hier zu leben. Wem – insbesondere als Zugereistem – die hiesigen Regeln und Vorstellungen nicht passen und wer stattdessen meint, den großen Max zu markieren und die Gastgeber nach seiner Wasserpfeife tanzen zu lassen, braucht gar nicht erst die Koffer auszupacken. Zurück aufs Boot!

    Ganz unzynisch: Flüchtlinge sind jederzeit willkommen und ich möchte nicht wissen, was die meisten von ihnen durchgemacht haben. Aber: Hier gelten unsere Regeln und Gesetze, ohne Ausnahme. GG, BGB und StGB – das sind die „heiligen“ Schriften, nach denen hierzulande gelebt wird. Wer hier bleiben will, hat sich daran zu halten. Und da gibt es nix zu diskutieren oder zu relativieren – Hausrecht ist Hausrecht.

    Der religionsfeindliche Laizismus gilt daher als ein Faktor, der die islamische Jugend, die in den Vorstadtgettos ein trostloses Leben führt und aggressiv wird, weiter radikalisiert.

    Die raucherfeindliche Gesetzgebung für öffentliche Gebäude gilt daher als ein Faktor, der die rauchenden Antragsteller, die in den Warteschlangen ein trostloses Leben führen und aggressiv werden, weiter radikalisiert.

    Was für ein Schwachsinn. Fangt nicht mit dem Rauchen an bzw. habt Euch soweit unter Kontrolle, daß die Kippe nicht Euer Leben bestimmt und alles ist schick. Radikalisierte islamische Jugend kommt nicht von ungefähr und sicher nicht nur durch eine laizistische Einstellung des Staates. Ich würde eher mal einigen Imamen den Bart stutzen, welche die Jugend überhaupt erst anfällig machen für religiösen Wahn. Keine Indoktrination, keine religiöse Gewalt.

    Das um so mehr, als Tausende Moscheen fehlen, da sich der laizistische Staat nicht um Gebetsstätten kümmert und Versammlungsorte der Muslime im Untergrund landen.

    Das ist ja der Punkt – Warum soll sich der Staat um solchen Schwachsinn kümmern? Baut Euch Eure Götzenstätten gefälligst selbst, wenn Ihr sie braucht. Es gibt genügend Baumärkte. Und Baugründe draußen vor den Städten sind sicher auch vorhanden. Wie, der Weg ist zu weit? Dann kauft Euch Kamele, Ihr Kamele! Im Sinne Eurer Ideologie wäre das sogar zeitgemäß.

    Zwei Positionen stehen sich gegenüber: Die eine behauptet, ein Staat, der sich religiös zurücknehme, könne besser integrieren als einer, der sich zu Religion bekenne; Migranten könnten sich also leichter mit einem religionsneutralen Staat identifizieren.

    Migranten haben sich in erster Linie mit den Menschenrechten und den Aspekten unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu identifizieren. Wenn diese mit den Ansichten einer antiken religiösen Ideologie kollidieren, dann ist das nicht das Problem des Staates und insbesondere hat nicht der Staat irgendetwas an sich zu ändern.

    Die andere argumentiert, dass sich religiöse Menschen bei der Durchsetzung des laizistischen Homogenisierungsideals ausgeschlossen fühlen (können), was eine Radikalisierung begünstige; daher müsse es akzeptiert werden, wenn vielfältige Identitäten in religiösen Symbolen sichtbar würden.

    Nein, muß es nicht. Wer sich im Sinne dieser Aussage ausgeschlossen fühlt, lehnt damit offensichtlich die „Hausordnung“ seines Gastlandes ab und gehört bei offenkundig fehlendem Anpassungswillen schlußendlich vor die Tür gesetzt, fertig. Integration geht immer zunächst vom Zuwanderer aus.

    Zudem könnten Religionen oft Werte wirkungsvoller vermitteln als säkulare Einrichtungen – könnten also integrierend wirken.

    Die fatalen Auswirkungen religiöser „Werte“ hat die Geschichte mehrfach eindrucksvoll bewiesen.
    Merke: Religionen integrieren nicht, sie separieren.

    Dabei bestehen Glaube und Kirche ja auch nach der Aufklärung weiter, in durchaus aufgeklärter Gestalt.

    Christentum und Kirche sind in keiner Weise aufgeklärt, sondern nur gezähmt. Ein hübscher Scheiterhaufen von Zeit zu Zeit dürfte so manchem Kleriker gefallen, wenn er könnte.
    Merke: Aufklärung ist die Handfessel an der Religion – gefährlich bleibt diese trotzdem.

  6. #6 von Unechter Pole am 23. Juli 2016 - 22:43

    In Fragen wie der Sterbehilfe und der Stammzellenforschung sollten nicht nur „rationale“ Wissenschaftler gehört werden, auch die Religionen sollten mitdiskutieren.

    Warum nur Religionen? Was ist mit Automobilclubs? Kleinviehzuchtvereinen? Selbsthilfegruppen? Online-Spielclans? Wieso fragt keiner die Tuppertanten? Bademiester? Hausmeister Facility Manager?

  7. #7 von itna am 23. Juli 2016 - 23:26

    @Netizen
    Der Staat sollte niemandem ein Integrationsangebot machen, der seine Religionszugehörigkeit demonstrativ vorzeigt und auslebt.

  8. #8 von awmrkl am 25. Juli 2016 - 12:43

    „Es braucht mehr Religion, um Extremismus zu bekämpfen“

    Ich habe zuviel gefressen (oder gesoffen), so daß mir kotzspeiübel ist.
    Was tun? Noch VIEL mehr fressen (oder saufen)!
    Ist doch klar!
    Mannomann!