Dunkle Mythen: Die Angst vor Verschwörungen als religiöses Problem

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur – vollkommen losgelöst von der Frage, ob es eine Verschwörung gegeben hat. Der Religionswissenschaftler Michael Blume sagt: Der Verschwörungsglaube ist ein religiöses Problem.

[http://www.deutschlandfunk.de/dunkle-mythen-die-angst-vor-verschwoerungen-als-religioeses.886.de.html?dram:article_id=360755

  1. #1 von user unknown am 23. Juli 2016 - 01:39

    Religionen sind ja die größten Verschwörungstheorien überhaupt. Wir sind das Produkt eines Schöpfers der uns am Ende in die Hölle werfen will.

    Also, wenn jemand behauptet: Eine Hexe hat mein Feld vernichtet oder die Juden machen eine Weltverschwörung, dann lässt sich das einfach nicht mehr überprüfen, nicht mehr widerlegen

    Gott hat eine große Flut geschickt. Er hat die Ägypter geschlagen mit 7 Plagen. Aber er heilt auch seine Sklaven wenn sie fleißig beten – manchmal.

    Es ist nicht mehr der Glaube an das Gute, sondern die Leute glauben an die Macht des Bösen.

    Das Gute eines Gottes, der Ungläubige und Sünder verfolgt um sie ewig in der Hölle zu brutzeln und nur kritiklose Opportunisten in sein Schlaraffenland lässt, überzeugt mich nicht.

  2. #2 von Willie am 23. Juli 2016 - 03:01

    @uu

    Religionen sind ja die größten Verschwörungstheorien überhaupt.

    Dem hat Blume doch gleich zu Anfang versucht vorzubeugen mit seinem:

    Grundsätzlich ist ja das Problem, dass Verschwörungstheorien widerlegbar wären, also, eine Theorie kann man überprüfen und widerlegen. Womit wir es hier zu tun haben sind Verschwörungsmythen. Das heißt, die Leute glauben das, auch wenn es gar keine Belege dafür gibt, und dann wird es tatsächlich ein Problem.

    Da die Grundlage der Religionen, Gott, Götter, Geister etc., nicht überprüfbar ist, sollten wir bei Religion nun von Verschwörungsmythen reden.

    Also, wenn jemand behauptet: Eine Hexe hat mein Feld vernichtet oder die Juden machen eine Weltverschwörung, dann lässt sich das einfach nicht mehr überprüfen, nicht mehr widerlegen – und die Leute steigern sich dann in ein Glaubenssystem hinein, in einen Verschwörungsglauben..

    Man tausche nur Hexe gegen Gott oder Engel aus und es wird deutlich (gell Monika, all die unschuldigen Toten in meinem Umfeld waren ja nur um mich pers. „wachzurütteln“?). Auch die Juden ließen sich gegen den christlichen oder muslimischen Gott austauschen, da dieser ja angeblich alle Menschen unter seier Glauenknute wissen will (Weltverschwörung).

    😆

  3. #3 von Dr. Michael Blume am 23. Juli 2016 - 10:12

    Ja, das habt Ihr super erfasst: Auch Religionen und Weltanschauungen begründen sich nie nur über (überprüfbare) Theorien, sondern auch über Mythen. Oder könnte bitte jemand die „Existenz“ von Menschenrechten oder der Bundesrepublik „beweisen“? (Deswegen verstehen sich „Reichsbürger“ auch als mutige Skeptiker… 🙂 )

    Alles Gute, viel Freude beim Weiterforschen und -denken! 🙂

  4. #4 von spritkopf am 23. Juli 2016 - 11:08

    @Dr. Michael Blume

    Auch Religionen und Weltanschauungen begründen sich nie nur über (überprüfbare) Theorien, sondern auch über Mythen.

    Religionen begründen sich nicht nur „auch“ über Mythen, sondern ihr Kern (mindestens bei den drei abrahamitischen Religionen) – nämlich der Glaube an ein unsichtbares Überwesen, welches das Universum erschaffen hat, über uns wacht und ohne dass wir keine ethischen Maßstäbe hätten – sind ausschließlich auf einem unüberprüfbaren Mythos basiert.

    Oder könnte bitte jemand die „Existenz“ von Menschenrechten oder der Bundesrepublik „beweisen“?

    Wollen Sie damit ernsthaft suggerieren, die Menschenrechte seien auch nur ein Mythos oder auf einem Mythos begründet? Davon abgesehen, dass sich ihre Existenz ganz einfach beweisen lässt. Gucken Sie in die International Bill of Human Rights der Vereinten Nationen, da haben Sie sie. Sie sind schriftlich festgelegt und werden von den meisten Staaten der Welt als verbindlich angesehen. Sie mögen ein nur subjektiver Ausdruck von Normen sein, die von der menschlichen Gesellschaft im Laufe der Jahrtausende entwickelt wurden. Sie mögen auch noch nicht in der endgültigen Fassung vorliegen und in den kommenden Jahrhunderten weiterentwickelt werden, genauso wie sie heute Rechtsklauseln enthalten, die vor hundert oder zweihundert Jahren nicht als allgemeines Menschenrecht anerkannt wurden. Aber sie existieren nachweisbar.

    Und dass die Existenz der Bundesrepublik anhand ihrer Gründungsdokumente und Staatsverträge beweisbar ist, wollen Sie hoffentlich auch nicht bestreiten. Oder möchten Sie jetzt wirklich die ideologischen oder psychologischen Beweggründe der „Reichsbürger“ im Detail auseinandergesetzt haben, warum diese verwirrten Damen und Herren die rechtlichen Fundamente der Bundesrepublik bewusst ignorieren oder als irrelevant deklarieren?

  5. #5 von user unknown am 23. Juli 2016 - 11:54

    Herr Blume droht wohl ins Reich der Reichsbürger abzudriften – Deutschland-GmbH und so…

  6. #6 von Noch ein Fragender am 23. Juli 2016 - 12:05

    Schulz: Würden Sie denn sagen, dass die Parallele zwischen religiösem Glauben und Verschwörungsglauben darin liegt, dass sie sich auf eine ähnliche Art und Weise der Überprüfbarkeit oder vielleicht sogar der Vernunft entziehen?

    Blume: Ganz genau.

    Und deshalb glaube ich weder, was mir Religionen oder Verschwörungsmythen weismachen wollen.

    Die Evolutionstheorie bietet einen erfolgreicheren Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens als religös/mythische Fantastereien, von „guten“ oder von „bösen Mächten“ beherrscht zu werden.

    Mythen gehören in die Literaturgeschichte. Dazu geisteswissenschaftlich umfassend fundiert und klug gechrieben:

    Kurt Flasch, Der Teufel und seine Engel: Die neue Biographie, 2. Aufl. 2016

  7. #7 von itna am 23. Juli 2016 - 13:48

    Also Herr Blume, sie bringen da doch recht viel durcheinander.
    Erst stecken sie Weltanschauungen und Religionen in einem Topf, als ob die gleichwertig wären und vergleichen dann diese mit Existenzen.

    Waren sie auf einem Weinfest? Oder wollen sie einen verarschen?
    Sie kömmen sich was raussuchen, empfehle Ersteres.

  8. #8 von Torchy am 23. Juli 2016 - 16:29

    @Dr. Michael Blume

    Das sind ja dolle Nebelkerzen, die Sie hier werfen.

    Natürlich kann man Religionen und Weltanschauungen so nicht „beweisen“, wenn man die Ideen meint, ebensowenig wie ich beweisen kann, dass ich letzte Nacht von meiner verstorbenen Oma geträumt habe. Aber darum geht es doch überhaupt nicht! Dass Märchen existieren, bedeutet ja nicht, dass Märchenfiguren existieren.

    Worum es hier geht, und diese Differenzierung sollte man von Herrn Blume erwarten können, ist die Wirksamkeit, Objektivität und Rationalität von Weltanschauungen. Natürlich lässt sich die Wirksamkeit der Aussagen/Konzepte von Ideologien prinzipiell überprüfen. Das Konzept von „Menschenrechten“ ist die, das Wohlergehen der Menschen zu verbessern. Zu suggerieren, die Menschenrechte seien wie Religionen vor Jahrhunderten irgendwelchen Propheten im Traum erschienen, oder gelangweilten, finanziell notleidenden Schriftstellern mit Schlafstörungen beim Surfen durchs Internet in den Sinn gekommen, ist natürlich Quatsch. Sie sind Modelle, die auf verschiedenen wissenschaftlich fundierten Annahmen beruhen, von Menschen, die finden, dass glückliche Menschen besser sind als leidende.

    Die Aussagen von Religion sind vielfältig und haben meist mit einem völlig haltlosen Verhältnis des Menschen zu einer übernatürlichen Gestalt zu tun, für deren Annahme es keinerlei Anhaltspunkte gibt. Oder herbeifantasierte Verschwörungsmythen, die besagen, die Welt würde besser, wenn man die Fluggesellschaften davon abhalten könnte, Chemikalien aus ihren Flugzeugen zu schütten. Dass eine Unterscheidung nicht immer leicht ist und manche Menschen scheinbar völlig überfordert, das zeigen Verschwörungsmythen.

    Außerdem ist es relativ unerheblich, ob etwas existiert oder nicht, wenn dieses Existierende völlig ohne Eigenschaften ist oder die genaue Existenzform irrelevant ist.
    (Siehe hierzu auch die Aussagen von Christopher Hitchens, warum es für ihn irrelevant ist, ob Sokrates existiert hat)

    Also, Herr Blume, ich hoffe, Ihre „red herrings“ waren nicht allzu ernst gemeint, auch Ihnen alles Gute beim Weiterdenken und -forschen!

  9. #9 von Skydaddy am 23. Juli 2016 - 16:56

    Ich habe mich gefragt, worin der Unterschied zwischen Verschwörungsmythen und Religionen bestehen soll.

    Dann habe ich die Antwort gefunden: Verschwörungsmythen sind nicht überprüfbare Vorstellungen OHNE, Religionen nicht überprüfbare Vorstellungen MIT übernatürlichen Akteuren/Mächten.

    Das heißt: Verschwörungsmythen sind immer noch „rationaler“ als Religionen, weil sie zumindest auf übernatürliche Zutaten verzichten.