Der Frust des Akademikers

Propagiert wird, nur mit Bildung könne man den Terror besiegen. Der hohe Anteil an Ingenieuren unter den islamischen Terroristen spricht eine andere Sprache.

weiterlesen:

[http://www.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik-1/nur-mit-bildung-gegen-den-terror-reicht-nicht-14321007.html

  1. #1 von m0ebius am 18. Juli 2016 - 16:03

    Naturwissenschaftlich-technische Bildung ist halt nicht alles (und natürlich trotzdem ein elementarer Teil jedes ernstzunehmenden Bildungsbegriffs).

  2. #2 von Yeti am 18. Juli 2016 - 16:17

    Dem Grundtenor des Artikels stimme ich (Ingenieur, E-Technik, Informatik) durchaus zu.

    Aber „Blidung“ auf „Ingenieur“ einzugrenzen ist doch nun arg – nunja – eingegrenzt. Ich kenne ein paar Ingenieure, deren Bildung außerhalb des eigenen, doch sehr eingegrenzten, Fachgebiets arg zu wünschen übrig lässt. Und das ist über die Jahre (ich werde n. Jahr 50) wirklich nicht besser geworden mit den jungen Ings. die nachkommen.

    Ich kenne Menschen, die arbeiten als Programmierer und wissen nicht, dass sich 0,1 als binäre Fließkommazahl nicht exakt darstellen lässt. Ich kenne einen E-Technik-Ing. (7T-Adventist), der ist davon überzeugt, dass die Erde keine 10000 Jahre als ist, im Paradies selbst die Löwen Vegetarier waren und isst deswegen kein Fleisch. Aber Fisch – „weil die kein Leid verspüren, keine Schmerzen wahrnehmen“. Der hat nebenbei auch bei sqrt(x) (Wurzel) immer auf x>0 (wobei x>=0 hier angesagt wäre) getestet, selbst wenn er vorher zwei Zahlen quadriert und die Ergebnisse addiert hat und daraus die Wurzel brauchte …

    Ich habe zwei oder drei Kollegen (Ing.s, Masch-Bau), die „glauben“ an Chemtrails, einer glaubt an die große Judenverschwörung („ich hab‘ ja echt nix gegen Juden, einer meiner besten Freunde ist selbst einer, ABER …“).
    Einer glaubt, Jesus habe ihm dabei geholfen, mit dem Rauchen aufzuhören.

    Unter Bildung verstehe ich was anderes als ein erfolgreich abgeschlossenes Ing.-Studium.

    Und jetzt, wo ich mir meinen ganzen Kommentar nochmal durch die Augen und den Kopf habe gehen lassen (ich hoffe, ich habe alle Dreckfuhler gefunden), würde ich sagen: „Bildung“ alleine kann es nicht sein. Es geht eher um Aufklärung.

  3. #3 von Charlie am 18. Juli 2016 - 16:22

    Es gibt einen englischsprachigen Wikipedia-Eintrag (Link weiß ich nicht mehr) über die Häufigkeit von Kreationismus (Junge-Erde-Kreationismus) unter Ingenieuren im Bauwesen.

  4. #4 von dirk am 18. Juli 2016 - 16:37

    Ich halte die Schlussfolgerung

    „Ihr Befund lautet, dass wir es hier mit einer Bewegung der Ingenieure sowie der Absolventen technischer Studiengänge zu tun haben. Während die so Ausgebildeten kaum mehr als ein Prozent der Bevölkerung ihres jeweiligen Heimatlandes und kaum mehr als zehn Prozent seiner Akademiker stellen, sind sie unter den Terroristen deutlich überrepräsentiert. Unter den etwa zweihundert radikalen Muslimen, die sich in den Jahren seit dem 11. September 2001 durch Terrorangriffe hervortaten, stellen sie knapp die Hälfte.

    Den Löwenanteil stellen Länder wie Ägypten, die ihre Ingenieure zunächst als künftige Elite umschwärmten, nur um ihnen wenig später das Schicksal einer Lost Generation zuzumuten.“

    für falsch.

    Die Formulierung „Ingenieure sowie der Absolventen technischer Studiengänge“ überrascht mich den im Zusammenhang mit dem 9/11 hatte ich hauptsächlich von Studenten gehört. Teilweise von Studenten denen die Religion weit wichtiger war als ihr Studium also ein erfolgreicher Abschluss des Studiums in weiter Ferne.

    Zum selben Buch gibt es den Faz Artikel:

    Berufe der Terroristen
    Die Dschihad-Ingenieure
    29.03.2016, von JÜRGEN KAUBE

    Dort steht „Seifiddine Rezgui, der 2015 in Tunesien 38 Urlauber tötete: ein Elektroingenieur.“ bei der englische wiki zu dem Anschlag jedoch:
    „The killer, Seifiddine Rezgui Yacoubi, also known as Abu Yahya al-Qayrawani,[37] (born 1992 in Gaafour[38]) was a 23-year-old electrical engineering student at University of Kairouan from Gaafour, in northwest Tunisia.“

    Wie viele tatsächlich ihre Vorstellungen einer Karriere nicht realisieren konnten und deshalb besonders anfällig für den gewalttätigen Zweig des Islams wurden lässt sich über eine einfach google oder wiki Recherche scheinbar nicht beantworten. Der erwähnte Azahari Husin, war immerhin Doktor der Ingenieurswissenschaft und Dozent in der Technischen Universität von Malaysia.

    In dem Faz Artikel von Herrn ANDRÉ KIESERLING steht:

    „Wie die Autoren zeigen, liegt das nicht etwa daran, dass man sie als technische Hilfskräfte rekrutiert hätte, denn den Bombenbau überlassen sie anderen.“

    Der erwähnte Azahari Husin war Bombenbauer und für die Piloten des 9/11 ist eine technische Vorbildung durchaus von Vorteil.

    Desweiteren gab es ja auch Terroristen die wirtschaftlich hervorragend da standen weil ihre Familie reich war.

    Was noch auffällt ist die Gesamtmenge der Leute von denen die Buchautoren ausgehen „zweihundert radikalen Muslimen, die sich in den Jahren seit dem 11. September 2001 durch Terrorangriffe hervortaten“.

    Allein der IS und die Al Kaida haben zigtausend Gotteskämpfer und es gibt noch viele weitere islamische Terrororganistionen so das die Zahl von weniger als 100 Terroristen (noch weniger wenn nur ein abgeschlossenes Studium berücksichtigt wird) welche Ingenieure waren/sind schon sehr eigenartig wirkt.

  5. #5 von Hal am 18. Juli 2016 - 18:44

    @Yeti

    Witzigerweise sind Ingenieure nicht so schlecht dran wie Mediziner, die glauben noch mehr Mist. Als Akademiker sind Naturwissenschaftler am wenigsten gläubig – weil Fundamentalisten?

    Mein Bruder ist auch Schwachingenieur mit Vorliebe für IT und ist der Esoterik nicht abgeneigt, welches aber auch nicht verwunderlich sein sollte, denn sein Vater ist esoterisch völlig verblödet. In seinen Bildungsverlauf war Allgemeinbildung mWn. sehr rar.

    Findet Selbstselektion bei der Wahl des Studiums statt?

  6. #6 von Willie am 19. Juli 2016 - 03:09

    Das Bildung, besser wohl Fachidiotentum, alleine nicht ausreicht wurde ja bereits gesagt.

    Was mich interessieren würde steht im Zusammenhang mit

    Unter den etwa zweihundert radikalen Muslimen, die sich in den Jahren seit dem 11. September 2001 durch Terrorangriffe hervortaten, stellen sie knapp die Hälfte.

    Wurde da auch untersucht, wieviele aus den religiösen Schichten da gezielt sich zu Ingenieuren ausbilden lassen, um später damit ihre Religionsgenossen, egal wie, zu unterstützen? Wir haben ja auch jede Menge Theologen, die durchaus gut ausgebildet sind, aber dennoch ihrem Fantasiegeschöpf anhängen.

  7. #7 von schiffmo am 19. Juli 2016 - 08:33

    Ich hätte für einen Absolventen einer Fachrichtung, der außerhalb nicht besonders belesen ist, eher gesagt, dass er ausgebildet ist. Unter Bildung verstehe ich was deutlich breiteres, komplett mit dem Wissen, dass es Dinge gibt, die sie/er nicht kennt, und trotzdem (zur Not für Andere) interessant sind.

  8. #8 von Monika am 19. Juli 2016 - 10:43

    Was wir brauchen, ist Herzensbildung.
    Leider wird an den allgemeinbildenden Schulen kaum Empathie unterrichtet.

    Hal, ist der Vater deines Bruders nicht dein Vater?
    Yeti, ich vermute mal, dein 7TAdventist ißt Fisch, weil es ihm schmeckt!
    Aber er versucht, sich selbst zu rechtfertigen.
    Obwohl er ahnt, das er Unrecht hat. Das kenne ich ganz gut,

    (Übrigens habe ich mich die Kritik in einem anderem Thread, (weil ich am Sabbat AMB gespielt habe) wirklich getroffen)

  9. #9 von ptie am 19. Juli 2016 - 11:04

    Ich kenne Menschen, die arbeiten als Programmierer und wissen nicht, dass sich 0,1 als binäre Fließkommazahl nicht exakt darstellen lässt.

    Cool, habe noch nicht drüber nachgedacht – danke für die Anregung 🙂
    Es ist sooo cool, was man alles (kennen) lernen kann….

  10. #10 von Barkai am 19. Juli 2016 - 11:45

    Leider wird an den allgemeinbildenden Schulen kaum Empathie unterrichtet.
    wie stellst du dir so einen unterricht vor?

  11. #11 von schiffmo am 19. Juli 2016 - 14:17

    Empathie und Menschlichkeit sollte, ein Stück weit zumindest, „von selbst“ in der frühesten Kindererziehung gemacht werden. Wenn Stammes- und Territorialverhalten da eine zu große Rolle spielt, wirkt sich das später aus, egal, ob im Brennpunktbezirk oder in der Schrebergartensiedlung.
    Das kann man nicht in der Schule abhandeln oder gesellschaftlich reparieren, und wenn das in einer Gesellschaft nicht (mehr) gemacht wird, wird diese auseinanderfallen.