Wenn Muslime in Hochzeiten aber nicht in Bildung investieren

Nach der umstrittenen Studie über Islamische Kindergärten in Österreich präsentierte Uni-Professor Ednan Aslan eine weitere Analyse über die Muslime hierzulande. Die OÖN baten ihn danach zum Gespräch.

[http://www.nachrichten.at/nachrichten/chronik/Wenn-Muslime-in-Hochzeiten-aber-nicht-in-Bildung-investieren;art58,2291628

Advertisements
  1. #1 von Willie am 18. Juli 2016 - 03:49

    Imame aus dem Ausland kommen über Belgien in die Europäische Union und reisen dann weiter, beispielsweise nach Österreich.

    Hier wird wieder einmal der nationalen Imamausbildung das Wort geredet ohne die Problematik selbst anzugehen. Selbst wenn man eine eigene Euro-Islam-Sekte über Universitäten installiert wird damit nicht der Predigertourismus eingeschränkt. Das gilt für ein Einreisen dieser Prediger und sprechen vor den Gemeinden (machen z.B. die Kathos oder Evangelikalen doch auch), noch für ein hinterherreisen z.B. nach Brüssel.

    Wir müssen in vielen Bereichen zusammenarbeiten, denn die Anschläge in Frankreich haben etwas mit Belgien zutun und auch bei den Anschlägen in Istanbul kürzlich haben einige mit Österreich zu tun, weil sie Salafisten aus Tschetschenien sind. Auf diese Herausforderung können wir alleine nicht reagieren.

    Kann mir hier eineR der Ö-PosterInnen weiterhelfen? Was haben Salafisten aus Tschetchenien mit Österreich zu tun?

    Nun, viele der Geflüchteten haben eine bestimmte Vorstellung von ihrer Religiosität und eine aufgeklärte Gesellschaft überhaupt nicht berücksichtigen. Wir dürfen sie nicht nur verunglimpfen, aber wir müssen daran arbeiten. Mir macht primär nicht Sorgen, dass die Menschen zu uns kommen, sondern, dass notwendige Strukturen in Österreich fehlen.

    z.B. eine neue, österreichische Islam-Sekte, der man dann diese Muslime zuführt?

    Es geht nicht darum, diese Menschen, die zugewandert sind, zu missionieren. Aber wenn ihnen bestimmte gesellschaftliche Qualitäten fehlen, dann wird ihnen die Religion wenig helfen. Denn die Gesellschaft besteht nicht nur aus Religion.

    Was sind denn die gesellschaftlichen Qualitäten, die diese Geflüchteten hier suchen?

    Es geht nicht darum, diese Menschen, die zugewandert sind, zu missionieren.

    Warum dann die Ausbildung und Schulung in einem Islam „europäischer Prägung“?

  2. #2 von schiffmo am 18. Juli 2016 - 08:56

    Die Situation in Österreich ist anders als in anderen europäischen Staaten. Mit der Annektion von Bosnien und Herzegowina 1908 hat Österreich-Ungarn ein Territorium annektiert, das die Doppelmonarchie nicht nur in den Abgrund gerissen hat, sondern damals schon einen hohen Anteil von Einwohnern islamischen Glaubens. Aus dieser Zeit existiert eine islamische Körperschaft öffentlichen Rechts („nach hanafitischem Ritus“), und die existiert heute noch. Inwieweit, in welchem Umfang, diese für neu zugewanderte Muslime eine Bedeutung hat, weiß ich allerdings nicht.
    Die österreichische Islam-Sekte existiert also bereits.
    Der DLF hatte eine Sendung über ein ganz anderes Land: Marokko. Die haben den Islam als Staatsreligion und schreiben vor, dass marokkanische Imame an einer bestimmten Art Hochschule gelernt haben müssen, um in Marokko „praktizieren“ zu dürfen. Diese soll so renommiert sein, dass auch angehende Imame aus anderen Ländern sie in größeren Zahlen besuchen und absolvieren.
    Ich bin nicht sonderlich begeistert vom deutschen Staatskirchenrecht, doch verschließe ich meine Augen nicht davor, wie bestimmte staats-religiöse Modelle in dem Sinne funktionieren, dass sie religiösen Extremismus im Zaum halten.
    Vielleicht brauchen wir beides: Ein Anpassen des Staatskirchenrechts an das zunehmend säkulare Wesen der Gesellschaft (weniger Kirchenalimentierung auf Staatskosten, mehr auf „Mitgliedsbeiträge“) und tatsächlich Zusammenwirken zwischen den Religionsgemeinschaften und dem Staat. Der Staat muss aber stärker und effektiver die Pluralität und die Bekenntnisfreiheit, auch die negative, gegen die Religionsgemeinschaften verteidigen.

  3. #3 von Willie am 18. Juli 2016 - 09:18

    @schiffmo

    Wobei in Marocco (sunnitische Malikiten) wahrscheinlich keine Imame aus shiitischen Lehrstätten zum Zuge kommen läßt.

  4. #4 von schiffmo am 18. Juli 2016 - 13:20

    @willie: Die Hanafiten sind wohl auch Sunniten.
    Weiß irgendjemand, was bei den Muslimen Usus ist, wenn sie in ein Gebiet kommen, in dem eine andere Rechtsschule oder eine andere „Strömung“ tonangebend ist?