Austrittszahlen 2015

Bundesweit traten aus der katholischen Kirche im Jahr 2015 181.925 Menschen aus, 35.800 weniger als im Jahr zuvor. Die EKD meldet 210.000 Kirchenaustritte; das bedeutet einen Rückgang von 60.000 gegenüber dem Vorjahr.

weiterlesen:

[http://www.br.de/themen/religion/kirchenaustritte-2015-bayern-100.html

  1. #1 von Unechter Pole am 16. Juli 2016 - 10:10

    In Anbetracht dessen, dass es diesmal keinen Hype mit der Abgeltungssteuer gab und auch um die Missbrauchfälle stiller wurde, sind das keine schlechten Zahlen.

  2. #2 von Monika am 16. Juli 2016 - 10:15

    Auch ich bin, ganz offiziell, aus der Kirche ausgetreten- zumindest in einigen Fällen hat das offensichtlich nichts mit einem Abfall vom Christentum zu tun.

  3. #3 von Charlie am 16. Juli 2016 - 10:40

    @Monika

    Und ich habe jahrelang als Atheist Kirchensteuer gezahlt und viele andere tun es leider immer noch, zu faul zum Austreten.

  4. #4 von Unechter Pole am 16. Juli 2016 - 10:50

    @Charlie
    Oder von der Familie terrorisiert…
    Oder vom Arbeitgeber abhängig…

  5. #5 von Hypathia am 16. Juli 2016 - 11:10

    Es geht mMn gar nicht in erster Linie um die Kirchensteuer, sondern darum, dass die Kirchen noch immer sagen können, mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind Christen, also dürfen wir uns in die Politik einmischen.

    In Ö sieht man das besonders gut (bzw. kenne ich die Zahlen):
    ─ rund 8 Mill. Einwohner
    ─ rund 5,2 Mill. eingetragene Katholiken
    ─ von diesen 5,2 Mill. gehen laut Zählung 12% regelmäßig in die Kirche (sind also wirklich katholisch)
    ─ das sind also 624.000 richtige Katholiken

    Und trotzdem stellt sich ein Schönborn hin und erzählt, dass er für 5,2 Mill. Österreicher spricht und die Politik die Wünsche dieser katholischen Mehrheit erfüllen muss. In Wirklichkeit weiß er aber ganz genau, dass die kirchentreuen Kathos schon lang eine Minderheit ist und der Rest mit den Wünschen der Kirche nichts zu tun haben will.
    Aber so lang diese „katholische“ Mehrheit nicht endlich austritt, kann Schönborn weiterhin von der Mehrheit der 5,2 Mill. Katholiken schwafeln.

  6. #6 von oheinfussel am 16. Juli 2016 - 11:15

    @Hypathia

    Gibt es auch zahlen bezüglich der Anhänger des Fussellismuses?

  7. #7 von Unechter Pole am 16. Juli 2016 - 11:21

    @Hypathia
    Da haben es aber die Deutschen und Österreicher dennoch gut. Beispielsweise können Polen gar nicht aus der Kirche austreten (und ein Kirchenaustritt in Deutschland gilt nur für Deutschland). Dann wird erzählt: „wir repräsentieren 98 % der Bürger“. Die Mitgliederzahlen werden durch die Bilanz der Taufen und Begräbnisse ermittelt und diejenigen, die nicht kirchlich begraben werden, in den Mitgliederstatistiken über den Tod hinaus zählen, so dass es irgendwann mehr als 100 % Katholiken in Polen gibt.

  8. #8 von Smiling_Joe am 16. Juli 2016 - 12:08

    Ich denke Hypathia hat das schon ganz gut aufgezeigt:
    Das Interesse liegt bei den Austrittszahlen nicht auf dem persönlichen Glauben der Ausgetretenen. Es geht um die Repräsentanz der Großkirchen, die mit jedem Ausgetretenen sinkt. Die Rechfertigung der Kirchen zu Einflussnahme und Einmischung fußt auf dem Anteil der ihr Angehörigen und sinkt dementsprechend mit jedem Kirchenaustritt.

  9. #9 von Hypathia am 16. Juli 2016 - 12:23

    @ fussel

    Nein, leider kenne ich die Zahlen nicht. ;-(

    @ Unechter Pole

    Da hast du recht. Wir haben zumindest die Möglichkeit auszutreten.
    Wie ist das eigentlich, wenn ich jetzt nach Polen auswandern würde? Wäre ich dann wieder offiziell katholisch, weil ich einmal zwangsgetauft wurde? Holen sich die polnischen Behörden (oder was auch immer) die Daten aus den Taufregistern anderer Staaten?

  10. #10 von Gerry am 16. Juli 2016 - 12:58

    Die Austrittszahl bei den Katholen ist übrigens die zweithöchste seit 2000. Dürfte vermutlich die zweithöchste überhaupt sein, aber ich hab die alten Zahlen grad nicht greifbar.

    Die Einwohnerzahl Deutschlands ist um 600.000 gestiegen (destatis.de Stand 30.09.15). Der Anteil der Gläubigen an der Bevölkerung sinkt also weiterhin unverändert stark mit einem Minus von 0,43 Prozentpunkten (im Vorjahr 0,44) bei den Katholen.
    Der geringste anteilige Verlust seit 2000 lag 2005 vor mit einem Verlust von 0,12 Prozentpunkten. War wohl ein Sondereffekt wegen Papa Ratzi.
    Der durchschnittliche Verlust seit 2000 liegt bei 0,24 Prozentpunkten.

    Taufen und kirchliche Trauungen nehmen zu

    Typische Propagandaüberschrift.
    Die Anzahl der Eheschließungen nahm um 3,6% zu (destatis.de). Die Zahl der katholischen Eheschließungen stieg nur um 0,3%.
    Der Anteil der katholischen Hochzeiten an den gesamten Eheschließungen sankt auf 11% (2014: 11,4% 2000: 15,4%)

    Beim Anteil der Taufen dürfte es ähnlich aussehen.

    Die Zahl der Eintritte (1) lag niedriger als 2014 (-4,4%). Die Wiedereintritte (rückkehrende Katholen) stiegen erstmals seit 10 Jahren leicht an (+2,6%).

    (1)
    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/zahl-der-kirchenaustritte-gesunken

  11. #11 von Unechter Pole am 16. Juli 2016 - 14:13

    @Hypathia
    Wenn dem so ist, bist du natürlich, solange du das polnische Territorium betriffst, „wieder“ katholisch. Die Behörden geht es aber zunächst nichts an, darf auch gemäß der Verfassung gar nicht. Die Mitgliederregister werden lediglich von der kirchlichen Seite geführt. Die Kirche ist aber befähigt, jegliche Daten über dich zu sammeln und diese beliebig zu verwenden und dann kannst du auch nichts dagegen unternehmen, denn die Kirche ist vom Datenschutz befreit. Es gibt noch ein paar andere Komplikationen im Leben und insbesondere im Todesfall.

  12. #12 von Hypathia am 16. Juli 2016 - 14:23

    @ Unechter Pole

    Vielen Dank für die Auskunft!
    Das sind alles Gründe, nicht nach polen auszuwandern, zumindest nicht als lesbische Atheistin. Hatte ich aber auch ehrlich gesagt nie vor 😉

    Das zeigt mir allerdings, dass trotz aller Übel, unser Kirchenmitgliedsregistrierungssystem mit der Möglichkeit aus dem Kirchenverein auszutreten, besser ist, als die anderen Systeme.

  13. #13 von Gerry am 16. Juli 2016 - 14:43

    @ Hypathia

    Na ja, unser System scheint besser als das polnische System wo die Kirche – wenn ich die Beschreibung hier korrekt versteh – quasi über den Gesetzen steht.

    Ein System bei dem die Kirchen rechtlich genauso gestellt sind wie alle anderen Vereine auch fände ich noch deutlich besser als unser aktuelles System.

  14. #14 von Hypathia am 16. Juli 2016 - 14:47

    @ Gerry

    Da geb ich dir vollkommen recht! Nur leider scheint es das kaum wo zu geben. Vielleicht noch am ehesten in skandinavischen Ländern.

  15. #15 von Unechter Pole am 16. Juli 2016 - 15:10

    Auf jeden Fall sieht es danach aus, dass – es sei denn, es kommt es zu einer Massenflucht von Polen in die Bundesrepublik – in 10 oder sogar weniger Jahren die meisten Einwohner Deutschlands konfessionsfrei sind. Welche Krücke werden die Staatskirchen wohl erfinden?

  16. #16 von m0ebius am 16. Juli 2016 - 15:37

    @Unechter Pole: natürlich das Festschreiben von Privilegien solange es noch geht, z.B. in Kirchenstaatsverträgen oder in Gesetzestexten wie der Schleswig-Holsteinischen Verfassung.