Darf man Luther feiern?

Kann man in Deutschland einen Mann feiern, der den Juden wünschte, „dass man ihre Synagoga oder Schule mit Feuer anzünde“? Einen Mann, der Muslimen, Katholiken und aufständischen Bauern Pest, Tod und Teufel an den Hals wünschte? Darf man fröhlich eines Jahrhunderts gedenken, das darin endete, dass ein furchtbarer Krieg samt Seuchen und Hunger ein Drittel der Menschen in Mitteleuropa dahinraffte?

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[http://www.sueddeutsche.de/politik/kirche-darf-man-luther-feiern-1.2985624

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  1. #1 von user unknown am 10. Mai 2016 - 19:17

    Darf man Luther feiern?

    Ja, man darf sogar Führers Geburtstag feiern, solange man nicht den Deutschen Gruß zeigt, die falschen Ständchen singt und Fähnchen schwingt und auch sonst nicht Anlass gibt zu vermuten, man sei auf Volksverhetzung aus.

    Kann man in Deutschland einen Mann feiern, der den Juden wünschte, „dass man ihre Synagoga oder Schule mit Feuer anzünde“?

    Wenn man eine Stereoanlage hat, eine Santana-CD und einen Kühlschrank voll Schampus kann man auch ein krummes Stück Holz feiern oder einen bemoosten Backstein.

    Das Wort das die durchverblödeten Analphabeten hier zwanghaft vermeiden lautet „solllen“. Soll man Luther feiern?
    Was ist daran so schwer oder so schwer abtörnend, dass man zu falschen Hilfsverben greift? Will man als Reaktion unbedingt auf ein „Jetzt darf man schon nicht mehr …“ hinaus.

    Ja, ich weiß, der Fehler ist uralt und verbreitet wie Birkenpollen im April. Nicht mal eine Kommentarspalte haben sie, wo man sein aufdringliches Besserwissen hineinkippen kann, damit es wenigstens die Hilfskraft liest!

    Worum geht es im Artikel eigentlich? 🙂

    Das alles ist wichtig – doch es genügt nicht, Luther und die Reformation einfach so weit zu historisieren, bis das Vergangene bedeutungslos wird für die Gegenwart.

    Was ist das für ein Blödsinn? Wenn das Vergangene bedeutungsvoll ist, dann doch weil man darüber Bescheid weiß, die Fakten sammelt und in einen Kontext stellt, also das tut, was Historiker tun – oder was ist mit historisieren gemeint?

    Luther hat die Zentralgewalt Rom in Frage gestellt, den Ablasshandel, den Bibeltext für das gemeine Volk verfügbar gemacht. Geht auf ihn auch die Erlaubnis für Frauen, Pfaffe zu werden zurück? Hat er das Zölibat abgelehnt? Wieso zählt der Artikel nicht auf, was die Pluspunkte von Luther waren, aus heutiger Sicht?

    Sein Nimbus als Revoluitionär wird dadurch freilich gemindert, dass es zu seiner Zeit schon weitere Kritiker Roms gab (Hus, Zwingli, …?) und dass die Druckerpresse seinem Aufruhr entgegenkam, aber es negiert nicht, dass er sich mit seinem Sturkopf gegen die etablierte Macht aufgelehnt hat.

    Statt dem Papst zu folgen sollte das Volk die Bibel, das Wort Gottes, lesen. Er ist also auch ein früher Fundamentalist. Wieso nicht den Finger in die Wunde legen, statt rumzuschwafeln:

    als habe dieser Luther im Alleingang Freiheit, Gewissen, Demokratie und Menschenrechte erfunden

    Wenn man auf dem Niveau diskutiert, dann muss man mit dürfen, müssen und sollen doppelt sorgfältig umgehen, denn dann sind die Adressaten wohl wirklich etwas unterbelichtet.

    Und nun zur Frage: Soll man Luther feiern?

    Als Fan der EKD mag man Luther feiern. Allgemein soll man über Luther ungeschönt aufklären und versuchen, ihn vernünftig einzuordnen. Hat Luther oder hat Wagner Hitler mehr beeinflusst? War Wagner eigentlich von Luther beeinflusst?

  2. #2 von Friedensgrenze am 10. Mai 2016 - 19:38

    Als ich den Namen Drobinski gelesen habe, wusste ich schon das wird nix. Aber dann begann ich aufgrund der interessanten Überschrift zu lesen.

    Die kritischen und richtigen Zeilen kommen bei ihm immer am Anfang und dann knickt er ein. Der Wendepunkt ist in diesem Text:

    „Das ist ja der Wert eines kulturellen und auch religiösen Gedächtnisses: Es gewinnt aus dem Vergangenen einen Deutungsvorrat für die Gegenwart.“

    An dieser Stelle gibt er dem Religiösen seine unverdienten Privilegien. Jedes Gedächtnis eines Lebewesens tut das. Die Kultur passt sich an und sichert damit das überleben und Religion lässt sich ohne Bedeutungsverlust rausstürzen.

    Herr Drobinski aber gewinnt sogar dem von Luther gebahnten Holocaust was positives ab und nutzt nicht die Chance auf Austausch von Unmenschlichem. Er simuliert weiter den religionskritischen Menschen und glaubt wider besseren Wissens.

    Die politische Karte die er gegen Ende zieht ist aufgrund seiner religiösen Verbendung ein Gefasel aus Worthülsen ( Identität / Mitte Deutschlands), wobei er einfach ignoriert das CSU, CDU, fAD, Isis, der Katholik Adolf Hitler alle ihre Wurzeln in der Religion sahen und auch immer sehen werden, egal welches Leid dadurch entsteht.

  3. #3 von oheinfussel am 10. Mai 2016 - 19:53

    Natürlich darf man Luther feiern – es ist natürlich fraglich, was das über den Feiernden aussagt…

  4. #4 von Yeti am 10. Mai 2016 - 20:56

    @uu:

    Das Wort das die durchverblödeten Analphabeten hier zwanghaft vermeiden lautet „solllen“.
    (Hervorhebung von mir)

    Ich weiß nicht, wann in meinem Leben der Zeitpunkt war, seit dem ich bei diesem Wort immer gedanklich einen Bindestrich zwischen „al“ und „pha“ setze. Irgendwas muss damals fürchterlich schief gelaufen sein. Muss zu Zeiten des Usenet gewesen sein. Usenet sah damals für mich so aus:

    Ich kann auch folgende Wörter nicht mehr ohne innerlichen Gedenkanestrich (hab‘ ich grad‘ echt so getippt) Gedankenstrich lesen:

    Urinstinkt
    Urinsekt

    aber auch coworker (einfach mal nach „hot to ork a cow“ gugeln)

    Das mag das Schicksal von jemandem sein, der regular expressions mal im Kopf zusammenstellen konnte …

  5. #5 von Yeti am 10. Mai 2016 - 21:11

    Statt „hot to …“ bitte „how to …“, aber die Suchanfrage scheint auch so zu den richtigen Ergebnissen zu führen.

  6. #6 von Unechter Pole am 10. Mai 2016 - 21:24

    @uu

    Ja, ich weiß, der Fehler ist uralt und verbreitet wie Birkenpollen im April.

    Waren nicht eher „Birkenpolen im April“ gemeint? Genau am 10. April?

  7. #7 von manglaubtesnicht am 10. Mai 2016 - 22:55

    Klar darf man Luther feiern – das ist man halt ein Arsch.

  8. #8 von manglaubtesnicht am 10. Mai 2016 - 22:56

    Ich habe dazu mal gesammelt (hier https://manglaubtesnicht.wordpress.com/2016/04/15/hassmensch-martin-luther-geifernd-gegen-juden-frauen-einfache-leute/):

    Die evangelische Kirche feiert mal wieder den Reformator Martin Luther. Und das nicht etwa ein Jahr lang – nein, das wäre viel zu wenig für den großen Mann – sondern gleich mit einem ganzen Jahrzehnt, der sogenannten Luther-Dekade. Dabei wird seit 2008 in jedem Jahr eine andere Facette des Werks des bedeutenden Kirchenmannes gefeiert, bis dann 2017 als Höhepunkt der 500. Jahrestag der Reformation selbst begangen wird. An eher unangenehme Zitate zu Juden oder Frauen erinnert man sich vielleicht vage. Aber vielleicht waren das ja nur einzelne Fehltritte, oder sie wurden dem Kirchenlehrer Luther irgendwie in den Mund gelegt. Es bietet sich an, mal etwas genauer zu schauen, wen die evangelische Kirche in Deutschland da so ausgelassen feiert. Am besten, indem man ein paar Zitate sammelt und den Helden der Reformation so selbst zu Wort kommen lässt …

    Martin Luther: Die Juden sind unser Unglück! Synagogen abbrennen!

    „Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen…; Man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, … unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien (…) ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören.“ (Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen, Tomos 8, S. 88ff)

    „Wie es unmöglich ist, dass die Aglaster ihr Hüpfen und Getzen lässt, die Schlange ihr Stechen: so wenig lässt der Jüde von seinem Sinn, Christen umzubringen, wo er nur kann.“ (Martin Luther: Tischreden. Erlanger Ausgabe der Werke Luthers, Bd. 62, S. 375)

    „Darum wisse Du, lieber Christ, und Zweifel nichts dran, dass Du, nähest nach dem Teufel, keinen bittern, giftigern, heftigern Feind habest, denn einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will.“ (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 182)

    „Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben …“ (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 233-238)

    Passend dazu hier nicht Luther, sondern der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach zur „Reichskristallnacht“: „Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird … die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt.“

    Martin Luther: Frauen sind Unkraut!

    „Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“ (Martin Luther: Werke. Weimarer Ausgabe, Bd 10/2, Weimar 1907, S. 296)

    „Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.“ (Martin Luther: Von der Ehe, zit. nach Gesamtausgabe von Johann Georg Walch, Halle 1734, 22. Band, Kap. 43, §16)

    „Die Ordnung fordert Zucht und eher, dass Weiber schweigen, wenn die Männer reden.“ (Martin Luther: Weimarer Ausgabe, VIII, S. 498, 12)

    „Unkraut wächst schnell, darum wachsen Mädchen schneller als Jungen.“ (zitiert nach Arnulf Zitelmann, 1997, „Widerrufen kann ich nicht. Die Lebensgeschichte des Marthin Luther“, Beltz&Gelberg, S. 111)

    „Eine Frau hat häuslich zu sein, das zeigt ihre Beschaffenheit an; Frauen haben nämlich einen breiten Podex und weite Hüften, daß sie sollen stille sitzen.“ (zitiert nach Arnulf Zitelmann, 1997, „Widerrufen kann ich nicht. Die Lebensgeschichte des Marthin Luther“, Beltz & Gelberg, S. 111)

    Martin Luther: Tötet die Bauern!

    „Steche, schlage, würge hie, wer da kann. Bleibst du darüber tot, wohl dir, einen seligeren Tod kannst du nimmer mehr erlangen“. (Luther über die aufständischen Bauern, Weimarer Ausgabe 18, S. 357 f)

    „Drum soll hier erschlagen, würgen und stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann, und daran denken, daß nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann als ein aufrührerischer Mensch; (es ist mit ihm) so wie man einen tollen Hund totschlagen muß: schlägst du (ihn) nicht, so schlägt er dich und ein ganzes Land mit dir.“ (Martin Luther: Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, zitiert nach Fromm, Erich (1985): „Über den Ungehorsam“, dtv München, S. 15)

    Martin Luther: Wir brauchen Tyrannen!

    „Es ist eine verdammte, verfluchte Sache mit dem tollen Pöbel. Niemand kann ihn so gut regieren wie die Tyrannen. Die sind der Knüppel, der dem Hund an den Hals gebunden wird. Könnten sie auf bessere Art zu regieren sein, würde Gott auch eine andere Ordnung über sie gesetzt haben als das Schwert und die Tyrannen. Das Schwert zeigt deutlich an, was für Kinder es unter sich hat, nämlich nichts als verdammte Schurken, wenn sie es zu tun wagten. “ (Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

    Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand. (Martin Luther: Wider die Bauern, 1525)

    Martin Luther: Tötet den Papst!

    „Der Papst ist der Teufel; könnte ich den Teufel umbringen, warum wollte ich´s nicht tun?“ (Martin Luther, Zwo harte ernstliche Schriften Doct. Martini an den Christlichen Leser, 1518, Tomos 1, Punkt II., S. 24 b)

    „So wir Diebe mit Strang, Mörder mit Schwert, Ketzer mit Feuer strafen, warum greifen wir nicht viel mehr an diese schädlichen Lehrer des Verderbens als Päpste, Kardinäle, Bischöfe und das ganze Geschroürm (= Geschwür) der Römischen Sodoma mit allerlei Waffen und waschen unsere Hände in ihrem Blut …?“ (Martin Luther: Zwo harte ernstliche Schriften Doct. Martini an den Christlichen Leser, 1518, Tomos 1, Punkt II., S. 24)

    Fazit: Luther war ein geifernder Hassmensch

    Kurz: Der von der evangelischen Kirche in Deutschland ein ganzes Jahrzehnt lang eifrig befeierte Reformationsheld Martin Luther war ein bösartiger, hasserfüllter Mann, geifernd gegen Frauen, Juden, Bauern und einfache Leute. Der Hassprediger war sogar für damalige Verhältnisse reaktionär, stand zu Gewalt und Mord aufrufend auf Seiten des Adels und der Obrigkeit. Nur eine einzige Person hasste Luther noch viel mehr als alle anderen – und zwar den Papst!

    Warum die ach so progressive evangelische Kirche diesen widerlichen Mann, der u.a. den Nazis als Stichwortgeber diente, nicht kritisch aufarbeitet – oder zumindest in altbekannter Manier unauffällig unter den Tisch kehrt – das bleibt völlig unklar. So eine abscheuliche Person über ein Jahrzehnt lang zu feiern … echt jetzt?

  9. #9 von Noch ein Fragender am 11. Mai 2016 - 19:54

    Darf man Luther feiern?

    Klar, dafür bekommten wir doch 2017 extra einen arbeitsfreien Feiertag. 😦