Die dunkle Seite der Religion – Wie Menschenopfer halfen, hierarchische Gesellschaften aufzubauen

Rituelle Menschenopfer spielten eine wichtige Rolle beim Aufbau hierarchischer Gesellschaften. Denn sie trugen entscheidend dazu bei, dass die sozialen Eliten ihre Macht über die unteren sozialen Schichten festigen und weiter ausbauen konnten. Das zeigt eine neue in Nature veröffentlichte Studie. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, der Universität Auckland und der Viktoria Universität Wellington untersuchten dabei den Zusammenhang zwischen der Tötung von Menschen und wie ungleich oder hierarchisch eine Gesellschaft strukturiert war.

[https://idw-online.de/de/news648739

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  1. #1 von Willie am 4. April 2016 - 23:16

    „Menschenopfer boten ein besonders effektives Mittel der sozialen Kontrolle, da sie eine übernatürliche Rechtfertigung für die Bestrafung lieferten. Herrscher, wie Priester und Häuptlinge, galten oft als Gesandte der Götter, und die rituelle Tötung eines Menschen war die ultimative Demonstration ihrer Macht.“

    Wenn man das so ließt (sofern man es nicht schon erahnte), dann wird Blumes These mit der Religion als „Urgen“ doch widerlegt? Die Machtmöglichkeiten, die errungene und legitimierte Macht, die dann in Tabus und ungestraften Tabubrüchen durch die Machthaber gipfelte förderte Religionen bzw. deren weiter ausufernden Legendenbildung und anschließender (Um-)Interpretationen.

  2. #2 von drawingwarrior am 5. April 2016 - 09:37

    Mich würde interessieren, ob die Studie auch die 40-60.000 Toten der Inquisition berücksichtigt.
    Meiner Meinung nach waren das nämlich ebenfalls Menschenopfer, dagebracht, um den Gott der Bibel zu besänftigen.

  3. #3 von Aussteiger am 5. April 2016 - 10:04

    „Religion wird traditionell als ein Schlüsselfaktor für Moral [..] gesehen“

    Es wäre mal Zeit, mit Traditionen zu brechen und sich genauer anzusehen, was die Religionen denn so an moralisch gesehen hilfreichen Dingen geschaffen haben. Aber das nur am Rande.

    Betreffend Kulturen mit grösseren sozialen Unterschieden wage ich die Behauptung, dass das Wort Opfer in diesem Zusammenhang wohl falsch ist und es eher um Strafe oder Aus-dem-Weg-räumen ging. Der „dummen“ Bevölkerung wurde es lediglich als Opfer verkauft. So lief das ja immer und läuft es auch heute noch in einigen überdurchschnittlich rückständigen Religionen.

  4. #4 von Noch ein Fragender am 5. April 2016 - 12:08

    Anlass für die Tötung konnte zum Beispiel … die Einweihung eines neuen Bootes oder Hauses oder die Bestrafung für die Verletzung von Traditionen oder Tabus sein.

    Nach diesem Artikel scheint die Studie nicht zu unterscheiden zwischen

    ritueller Opferung eines „reinen unschuldigen Menschen“, um von den Göttern Vergebung und/oder Segen zu erhalten,

    und übernatürlich gerechtfertigter Bestrafung von „Schuldigen“.

    Ich kenne mich in den untersuchten austronesischen Kulturen nicht aus, ob die Entwicklung ähnlich der im Mittelmeerraum war. Hier wurden die Menschenopfer (Iphigenie) durch Tieropfer abgelöst und diese durch das Christentum schließlich ganz abgeschafft (Jesus war nun das (Opfer-)Lamm Gottes).

    Die übernatürliche Rechtfertigung von (Todes-)Strafen dagegen wurde bis zur Entwicklung eines rationalen Strafrechts durch die Aufklärung auch im Christentum zur Herrschaftssicherung noch Jahrtausende beibehalten.

    Wegen dieser verschiedenen Entwicklungsstränge sollten beide Arten von religiös begründeter Hinrichtung nicht in einen Topf geworfen werden.

  5. #5 von Elvenpath am 5. April 2016 - 18:04

    Ein gutes Beispiel dafür, dass etwas, was früher vielleicht mal der Weiterentwicklung der Gesellschaft geholfen hat, heute nicht mehr brauchbar ist.