Religiöse Bildung stärkt säkulare Gesellschaft

Religiöse Bildung an Schulen und Universitäten unterläuft nicht die säkulare Gesellschaft. Das meint Ahmad Milad Karimi. Der Islamwissenschaftler sieht die Zivilgesellschaft so eher gestärkt – und zwar durch Pluralität und Orientierungshilfe.

(…)

Laizismus scheitert an Religion

Religion aus der Öffentlichkeit und dem Bildungsgefüge zu verbannen, wie es laizistische Staaten praktizieren, scheint gescheitert zu sein. In Frankreich beispielsweise verfremdet der Laizismus auf zweifache Weise sich selbst und die Religion. Erstens, indem das Religiöse sich eben nicht als Privatsache erweist und zweitens, indem religiöse Bildung mangelhaft wird.

Warum aber sollte auf Ressourcen verzichtet werden, die Sinn stiften, zum Guten anleiten, individuelle Orientierung schaffen und inneren Frieden sichern? Gerade eine säkulare Gesellschaft ist ein Erfolgsmodell, wenn sie die Trennung zwischen Staat und Religion nicht als Scheidung und gegenseitige Verbannung begreift.

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[http://www.deutschlandradiokultur.de/islam-religioese-bildung-staerkt-saekulare-gesellschaft.1005.de.html?dram:article_id=349001

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  1. #1 von dezer.de am 23. März 2016 - 09:27

    Ich gebe ihm Recht. Wenn Kinder schon früh über Religionen, Aberglauben und Hokuspokus umfassend aufgeklärt werden würden, könnten sie eventuell immun gegen diese Hirnwürmer werden. Also statt religiöser Bildung mehr Bildung über Religionen. 😉

  2. #2 von Deus Ex Machina am 23. März 2016 - 09:30

    Ja, ich schlage das Fach „Sektenkunde“ vor.

  3. #3 von Charlie am 23. März 2016 - 09:31

    Warum aber sollte auf Ressourcen verzichtet werden, die Sinn stiften, zum Guten anleiten, individuelle Orientierung schaffen und inneren Frieden sichern?

    Wenn Religion wirklich so wäre, hätten wir auf der Welt keine Probleme. Das Gegenteil ist der Fall, Religion ist oft der Brandbeschleuniger bei Konflikten.

  4. #4 von dirk am 23. März 2016 - 10:00

    Ich bin für eine Änderung des GG in der Hinsicht. Der Religionsunterricht sollte in D-Land keinesfalls mit von den Kirchen erstellten Inhalten durchgeführt werden. Weit wichtiger als irgendwelche Meinungen über imaginäre Hirngespinste und dessen Befehle zu verbreiten wäre es eine gemeinsame Wertebasis in den Schulen zu vermitteln zb das man Jemand anderen wegen seiner religiösen Anschauung eben nicht beleidigen oder gar umbringen darf. Und dazu gehört selbstverständlich auch der Inhalt und die Geschichte der Weltreligionen.

    Übrigens eine Bekannte von mir hat ihr Studium als Religionslehrerin fürs Gymnasium kürzlich abgeschlossen. Jan Hus sagte ihr nichts und das obwohl nach ihm einige Kriege in Deutschland benannt wurden. Und bei der Frage was ein Agnostiker ist musste sie erst ihr KATHOLISCHES Lehrbuch holen und da stand dann das Agnostiker meist krank sind oder werden weil sie so quere Gedanken haben. Und derartiges Studium wird auch noch vom Steuerzahler finanziert.

  5. #5 von Paul Freimann am 23. März 2016 - 10:02

    .. wenn sie die Trennung zwischen Staat und Religion nicht als Scheidung und gegenseitige Verbannung begreift.<

    Die Trennung von Staat und Religion wäre m.E. lediglich eine Verbannung der Religion und genau das befürchten die Theisten.

  6. #6 von Charlie am 23. März 2016 - 10:13

    @dirk

    das Agnostiker meist krank sind oder werden

    Glaub ich nicht.

  7. #7 von dirk am 23. März 2016 - 10:19

    #6 von Charlie

    Was glaubst du nicht? Meine Aussage das dies so in dem katholischen Lehrbuch stand oder das Agnostiker meist krank werden bzw sind?

  8. #8 von Elvenpath am 23. März 2016 - 10:38

    Lasst uns wetten: Der Mann ist selber gläubig.

  9. #9 von Charlie am 23. März 2016 - 10:40

    @Dirk

    Dass Agnostiker im Lehrbuch als krank beschrieben werden.

  10. #10 von dirk am 23. März 2016 - 11:24

    @ #9 von Charlie

    nächsten Monat sehe ich die Bekannte wieder, wenn ich es nicht vergesse frag ich nochmal nach dem Buch dann mach ich ein Foto davon.

    Derweil der saarländische Lehrplan für evangelische Religion für die Grundschule aus dem Jahre 1992.

    https://www.uni-siegen.de/phil/evantheo/mitarbeiter/zimmermann_mirjam/links_lehrplaene/evangelische_lehrplaene/saarland_grundschullehrplan_evangelische_religion.pdf

    „Leitlinien für den Evangelischen Religionsunterricht in der Grundschule
    1. Aufgaben und Ziele
    …. Der Lehrer … Er versucht, vorsichtig Brükken
    zu schlagen zu einer Religiosität, die kritisches Denken späterer Jahre überdauern kann und
    ein positives Verhältnis zum christlichen Glauben ermöglicht. “

    Übrigens, dass der Sinn des evangelischen Religionsunterrichtes derartige Leuteverarschung ist wird in dem Entwurf des saarländischen 2014 Lehrplanes nicht mehr erwähnt.

    http://www.saarland.de/dokumente/thema_bildung/LP_ER_GS_Juli_2014.pdf

  11. #11 von deradmiral am 23. März 2016 - 11:40

    @dezer
    Richtig! Gegen Hirnviren hilft eine Immunisierung. Nicht jeder hat einen genügend scharfen Verstand, um die elaborierten, über Jahrtausende evolvierten Tricks der Religionen zu durchschauen.

  12. #12 von Michael Zabawa am 23. März 2016 - 12:31

    es stimmt schon, man kann Gefahren des religiösen Extremismus nicht vorbeugen, indem man Religionen aus der Öffentlichkeit verbannt und sonst einfach ignoriert. Man muss die Religionen vielmehr aktiv auf aufgeklärte Werte verpflichten, wie es diese Petition (in Punkt 4) fordert: https://www.openpetition.eu/petition/online/werte-der-aufklaerung-als-europaeische-leitkultur

  13. #13 von Hinterfragerin am 23. März 2016 - 21:02

    „Religion aus der Öffentlichkeit und dem Bildungsgefüge zu verbannen, wie es laizistische Staaten praktizieren, scheint gescheitert zu sein.“

    Inwiefern? Und was genau ist gemeint? Ich kenne keinen demokratischen laizistischen Staat, der es (Privat-)Menschen verbietet, ihre Religion in die Öffentlichkeit zu tragen. Einschränkungen gab und gibt es höchstens für bestimmte Bereiche des öffentlichen Raumes. Und Bildung ÜBER Religion ist auch nicht verboten.

    „In Frankreich beispielsweise verfremdet der Laizismus auf zweifache Weise sich selbst und die Religion. Erstens, indem das Religiöse sich eben nicht als Privatsache erweist und zweitens, indem religiöse Bildung mangelhaft wird.“

    Das erste Argument ist doch absurd. Weil viele Religiöse gerne weiterhin auch regeln würden, wie Anders- und Nichtgläubige leben und lieben, ist der Laizismus gescheitert? Ich würde eher sagen, dies zeigt seine Notwendigkeit! Und das zweite? Wo liegt das Problem? Es liegt doch wohl in der Verantwortung der Religionsgemeinschaften, die Menschen religiös zu bilden. Der Staat sollte da lediglich deskriptiv Infos liefern.

    Die dahinter stehende Idee ist natürlich, dass es einen „wahren“ Glauben gibt – von den etwa Terroristen natürlich abweichen. Dieser soll im Religionsunterricht etc. vermittelt werden. Nur, wer entscheidet, wie der aussieht?

    Zudem wäre noch zu belegen, dass der Terrorismus und der Fundamentalismus lediglich der „Unwissenheit“ geschuldet sind und einen „Traditionsbruch“ darstellen. Ich vermute, die Fundamentalisten würden den liberalen Gläubigen umgekehrt denselben Vorwurf machen. Mit derselben Berechtigung.

    „Meinungspluralität“ zu vermitteln ist schön und gut, in den meisten religiösen Traditionen aber doch eher nicht angelegt. Man muss sie also ziemlich umdeuten, um sie passend zu machen..

    Es ist also nicht die religiöse Bildung, die die säkulare Gesellschaft stärkt, es ist die säkulare Gesellschaft, die sich letztlich einen Glauben nach ihren Vorstellungen formt, der dann – oh Wunder – mit ihr kompatibel ist. Es ist nicht die „religiöse Bildung“ die der „säkularen Gesellschaft eine besondere Note“ gibt, sondern umgekehrt… Diese „Zähmung“ funktioniert allerdings meines Erachtens nur schrittweise. Und auch dann laufen die Traditionalisten zum Teil Sturm gegen die Religion, wie sie nun in der Schule daherkommt. Siehe kath.net. Im Falle einer noch stark traditionalistisch geprägten Religionsgemeinschaft wird ein mehr oder weniger liberaler Schulislam Schwierigkeiten mit der Anerkennung in den Familien und Moscheen haben – und Radikalisierung gegebenenfalls m.E. nicht verhindern.

    Laizismus muss, wie man am us-amerikanischen Beispiel sieht, auch keineswegs zur „Marginalisierung“ von Religion führen. Religionspluralismus ist auch unter diesen Voraussetzungen möglich, vielleicht sogar eher als unter einem Modell wie dem bundesdeutschen.

    „Kaum hörbar ist die islamische Stimme als Ideengeber für politische, gesellschaftliche, ethische und intellektuelle Debatten.“

    Ich dachte, es gäbe nicht „den“ Islam? M.E. werden die liberalen Stimmen des Islam sich nicht sehr von anderen Stimmen unterscheiden, willkommen, willkommen – während man auf die traditionalistischen getrost verzichten kann. Wenn ich mich so in der islamisch geprägten Welt umschaue, wohl auch besser sollte…