Buchkritik zu „Der Mensch, der Bonobo und die zehn Gebote“

Schon in Platons frühem Dialog „Euthyphron“ stellt Sokrates (5./4. Jh. v. Chr.) die Frage, ob es eine von den Göttern unabhängige Moral geben könne. Und so wie der griechische Philosoph das seinerzeit bejahte, so ist auch der niederländische Verhaltensforscher Frans de Waal davon überzeugt, dass sich die menschliche Moral ohne Zuhilfenahme Gottes erklären lässt. Dabei geht es ihm allerdings nicht so sehr darum, das Wesen der Moral zu verstehen, wie es bei Platon der Fall war, als vielmehr ihre Herkunft zu beleuchten.

[http://www.spektrum.de/rezension/buchkritik-zu-der-mensch-der-bonobo-und-die-zehn-gebote/1361246

  1. #1 von spritkopf am 18. August 2015 - 23:43

    Die Forschungen von de Waal finde ich faszinierend, seine Ausführungen im Rahmen dieses Buches zu dem, was er für militanten Atheismus hält, weniger. Aber überlassen wir das Wort Jerry Coyne, der das Buch schon gelesen hat:
    Rezension Teil 1
    Teil 2

  2. #2 von omnibus56 am 19. August 2015 - 22:11

    Mit dieser Auffassung wendet er sich explizit gegen namhafte Biologen,… bis hin zu dem schillernden Evolutionsforscher Richard Dawkins.

    Zwei Fragen: Wann und wo hat Dawkins die Auffassung einer „Fassadentheorie“ vertreten? Und warum ist Dawkins „schillernd“, was im Allgemeinen eher negativ („schwer durchschaubar“) konotiert ist?

    denn „was hat der Atheismus denn zu bieten, das einen Kampf wert wäre?“. Neoatheisten vom Schlage eines Richard Dawkins hält er gar für traumatisiert.

    Meinem Gefühl nach gilt diese Aussage eher für den Rezensenten.

    Um auf die Frage zurück zu kommen: Einen unverstellten Blick auf die Realität, Offenheit für neue Erkenntnisse, keine unveränderliche Dogmen, keine Gewalt gegen Andersdenkende… Reicht das?

    BTW: Ich bin nicht im Geringsten traumatisiert. Im Gegenteil fühle ich mich befreit. Oder ist damit gemeint, dass die vorher über Jahre aushalten zu müssende kognitive Dissonanz traumatisiert? Ich fürchte, nein.

    Auch dem Vorschlag, die Wissenschaften an Stelle der Religion zu setzen, erteilt er eine klare Absage

    Wer um alles hat denn angeblich den Vorschlag gemacht? Die Behauptung, die Wissenschaften wollten sich an die Stelle der Religion setzen, also selbst so etwas wie eine Religion werden, ist eine von Religioten immer wieder vorgebrachte Behauptung.

    Und zur angeblich „fehlenden Letztbegründung der Moral“: Ich denke, dass uns „Gutes“ gut vorkommt und „Gerechtes“ gerecht, hat den gleichen Grund, wie dass uns Kinder goldig (und schützenswert) oder „Süßes“ lecker vorkommt. Alles, was wir evolutiv erworben haben, war gut für unser Überleben. Daher finden wir es auch gut. Es verwundert IMO daher nicht wirklich, wenn wir hohe Moral schätzen, oder auch unsere evolutionären Cousinen und Vettern schon zumindest Anzeichen von Moral erkennen lassen…