Gauck hält christlichen Glauben für „Zumutung“

Bundespräsident Joachim Gauck ermahnt die evangelische Kirche, Widersprüche zur Mehrheit zu riskieren und vernehmbar von Gott zu reden. Dringenden Reformbedarf sieht die EKD auch selbst.

(…)

Es werde „wohl nie Mainstream einer Gesellschaft“, sagte Gauck, es werde „wohl nie in der Mehrheit verabschiedet“, was Gebote der Christen fordern: „Dass der Schwache geschützt wird, dass Teilen richtiger ist als Behalten.“ Oder „dass man nicht alles darf, was man kann“, und „dass Friedfertigkeit so weit gehen kann, dem Angreifer auch die andere Wange hinzuhalten“.

(…)

„Vorletzte Fragen“
Er lobte, dass sich Religion unterscheidet von allem anderen, was in einer Gesellschaft wichtig ist. Denn man könne mithilfe von Religion trennen zwischen „vorletzten Fragen“, um die sich der Staat kümmern müsse, und „letzten“ Fragen, für die Politiker nicht zuständig seien. Oder zwischen politischen Mehrheitsentscheidungen und „Wahrheit“.

weiterlesen:

[http://m.welt.de/politik/deutschland/article128067030/Gauck-haelt-christlichen-Glauben-fuer-Zumutung.html

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  1. #1 von ninofalken am 16. Mai 2014 - 11:22

    Gauck hält christlichen Glauben für “Zumutung”?
    Ich auch…..

  2. #2 von Hinterfragerin am 16. Mai 2014 - 11:33

    Oh, ich denke es finden sich durchaus Mehrheiten dafür, die Schwachen zu schützen, zu teilen und nicht alles zu machen, was man kann.. unabhängig vom Glauben oder Nichtglauben der Befragten.

    Nur: An der realen Umsetzung hapert es dann doch etwas.

    Interessant ist aber doch, dass diese „Gebote der Christen“ auch und gerade in mehrheitlich christlichen, auch in absolut vom Christentum dominierten (ob historischen oder aktuell bestehenden) Gesellschaften keineswegs eingehalten werden – als Phrasen im Mund geführt vielleicht, aber beachtet? Jetzt mal abgesehen davon, dass Gauck schlicht ausblendet, dass manche Ausrichtungen innerhalb des Protestantismus nicht gerade auf sozialen Kuschelkurs ausgerichtet sind – siehe USA.

    „Er lobte, dass sich Religion unterscheidet von allem anderen, was in einer Gesellschaft wichtig ist. Denn man könne mithilfe von Religion trennen zwischen „vorletzten Fragen“, um die sich der Staat kümmern müsse, und „letzten“ Fragen, für die Politiker nicht zuständig seien. Oder zwischen politischen Mehrheitsentscheidungen und „Wahrheit“.“

    Wieso sollte ich nicht auch ohne Religion zwischen dem trennen können, was den Staat etwas angeht, und dem, was ihn nichts angeht? Zwischen notwendiger Kompromißfähigkeit und Idealen?

  3. #3 von user unknown am 16. Mai 2014 - 12:37

    Gehört es zu den Aufgaben eines Bundespräsidenten die ideologische Richtung einer Kirche zu diskutieren? Sollte er sich mit sowas nicht zurückhalten, solange er im Amt ist?

    Aber der deutsche Michel ist selbst schuld wenn er so gerne Pfaffgestalten ins Präsidentenamt wählt, weil die so gemessenen zu Schreiten verstehen, so salbungsvoll Sonntagsreden halten. Sicher bekommt er eine zweite Amtszeit.

  4. #4 von Wolfgang am 16. Mai 2014 - 13:02

    Herr Gauck hat schon vor Bankern furchtbar palavert,erhielt stehenden Applaus. In der Kirche geht es weiter: Gauck, Gottes Faust!
    Merkelwürdig.

  5. #5 von Olaf am 16. Mai 2014 - 16:31

    Mit ist das immer zu anstrengend erst das hokus-pokus-gedankengebäude des christentums als grundlage für gute ideen zu zerstören und Realität als Grundlage und Begründung in der Argumentation zu nutzen.
    Darum höre ich bei Wortmeldungen aus dieser Ecke für Lösungen gesellschaftlicher Probleme nur noch mit einem viertel Ohr zu.
    Der Aufwand das mit meinen Wertvostellungen und Balony-Detection-Kit abzugleichen ist zu Rausch lastig (Signal-Rausch-Abstand).

    Ich erwarte aber von einer Person die das Amt BundespräsidentIn bekleidet, dass sie die Grundlagen der pluralistischen Gesellschaft ernst nimmt und repräsentiert… Gesetze und Regeln gelten für alle unabhängig ihrer Weltanschauung, das sollten wir beim Diskurs und der Begründung für Gesellschaftliche Änderungen als Konsens ansehen.
    Dann kommt man in meinen Augen garnicht erst in die Bredouille unterscheiden zu wollen ob und was PolitikerInnen, als (vorgesehener) Querschnitt der Gesellschaft, der Religion oder einer anderen Weltanschauung zu überlassen hätte in Sachen Lösungen.

  6. #6 von bundesbedenkentraeger am 16. Mai 2014 - 16:55

    Gehört es zu den Aufgaben eines Bundespräsidenten die ideologische Richtung einer Kirche zu diskutieren? Sollte er sich mit sowas nicht zurückhalten, solange er im Amt ist?

    Wieso denn? Er ist Pfarrer, unabhängig von seinem aktuellen Staatsamt. Gauck hat diese Sätze auf einem EKD Kongress gesagt. Was spricht dagegen, daß ein Pfarrer sich auf einem Kirchenkongress zu kirchlichen Fragen äußert?

    Aber der deutsche Michel ist selbst schuld wenn er so gerne Pfaffgestalten ins Präsidentenamt wählt

    Eben, hätten wir nen Informatiker als Bundespräsidenten, der bei ner Tagung der GI nen Vortrag über IP Sperren hält, wär natürlich alles in bester Ordnung…

  7. #7 von Yeti am 16. Mai 2014 - 17:49

    Hallo Benny, welcome back …

    Hat denn jemals ein Informatiker (jetzt mal von Werner (i-)Gitt abgesehen,) etwas in der Art gesagt:

    „Er lobte, dass sich Informatik unterscheidet von allem anderen, was in einer Gesellschaft wichtig ist. Denn man könne mithilfe von Informatik trennen zwischen “vorletzten Fragen”, um die sich der Staat kümmern müsse, und “letzten” Fragen, für die Politiker nicht zuständig seien. Oder zwischen politischen Mehrheitsentscheidungen und “Wahrheit”.“

    Oder wenn er, kraft seines Informatiker-Amtes behaupten würde, BASIC sei besser für die Gesamtgesellschaft, als meinetwegen COBOL oder Fortran?

    Er ist kein Pfarrer mehr, er ist Bundespräsi. Und von daher hat er eigentlich vor solchen Veranstaltungen die Klappe zu halten, was will der da?

  8. #8 von Willie am 16. Mai 2014 - 19:06

    Was ein Herr gauck in seiner Freizeit unternimmt, das sei ihm selbst überlassen. Dann sollte er aber dies einleitend betonen und die Presse darauf hinweisen, dass sie ihn dann dort nicht als Bundespräsidenten aufführen … Tritt er als BuPrä auf, dann erwarte ich solche Auftritte auch bei Veranstaltungen der Humanisten, Atheisten, Muslimisten …

    Denn man könne mithilfe von Religion trennen zwischen „vorletzten Fragen“, um die sich der Staat kümmern müsse, und „letzten“ Fragen, für die Politiker nicht zuständig seien. Oder zwischen politischen Mehrheitsentscheidungen und „Wahrheit“.

    Wenn das die Politker nur mal so sehen würden. Die „letzten“ Fragen betreffen den (selbstbestimmten) Tod. Die „Wahrheit“ ist, dass der Tod das Ende des irdischen Lebens darstellt, also sollte er selbstbestimmt möglich sein. Er ist zwar alltäglich, aber für die sterbende Person ist er es nicht. Ich weiß, Gauck will damit einen Bogen zu seinem angewünschten ewigen Leben machen, aber dann müsste er ja von der „ersten“ Frage des neuen lebens sprechen und das tut er nicht.

  9. #9 von deradmiral am 16. Mai 2014 - 19:10

    @Yeti
    Die BASIC- und COBOL-Kirchen sind schon lange leer. Modern sind die Kirchen von Java, C# und C++, wobei deren Anhänger sich nicht einigen können, welches die wahre Programmiersprache ist.

    Aber ernsthaft, kein Informatiker würde als Bundespräsident noch die Zeit finden, substantielle Reden über Informatik zu halten. Der Unterschied ist, dass man für eine Predigt weder große Vorbereitung, Wissen, Aktualität noch Intellekt braucht.

  10. #10 von pufaxx am 16. Mai 2014 - 19:56

    „Aber der deutsche Michel ist selbst schuld wenn er so gerne Pfaffgestalten ins Präsidentenamt wählt“ – Ich wüsste nicht, wann ich je die Gelegenheit gehabt hätte, einen Bundespräsidenten zu wählen. Ich heiße aber auch nicht Michel.

  11. #11 von HInterfragerin am 17. Mai 2014 - 13:04

    Ich finde es an sich unproblematisch, einen Pastor als Bundespräsidenten zu haben, wichtig ist mir, wie unser Bundespräsident sich verhält.

    Ich habe auch kein Problem damit, wenn er in solchen Veranstaltungen spricht, diese „Vereine“ gehören ebenso zu unserer Gesellschaft wie andere auch.

    Dass er sich dort aufgrund seines Backgrounds besonders gut „einfühlen“ kann, finde ich auch OK.

    Mein Problem, und das hatte ich auch mit den Bundespräsidenten vor ihm, beginnt da, wo das „Einfühlen“ aufhört und Äußerungen getätigt werden, die geeignet sind, andere Weltanschauungen abzuqualifizieren. Soviel Neutralität erwarte ich von einem Staatsoberhaupt dann schon.

    Köhler war es, glaube ich, der meinte, die Kirchen zu einer neuen „inneren Missionsarbeit“ aufrufen zu müssen. Herzog hat in einer Rede zum 9. November mal gesagt, die Pogromnacht sei Zeichen eines „sich austobenden (…) Atheismus“ (und Nihilismus), einer „ausdrücklichen Gottlosigkeit“ gewesen. Gaucks Rede passt dazu.

    Für mich ist hier eine Grenze erreicht: In einem pluralen Staat sollte der Bundespräsident in seiner offiziellen Funktion keine Weltanschauung oder Religion als „besser“ darstellen – und nicht in solcher Weise Geschichtsklitterung, betreiben.

    Ich habe vorgestern in einem Artikel zur Eröffnung des 9/11-Museums gelesen, dass sich muslimische Verbände beschwert haben, dass ein dort gezeigter Film die Attentate mit dem Islam in Zusammenhang bringe.

    Nun – alles was man sagen kann ist: Die Attentäter waren es, die diese Begründung formulierten. Dies zu erwähnen ist legitim – auch wenn es sicher sinnvoll ist, zu betonen, dass hier nicht eine ganze Religionsgemeinschaft beschuldigt werden soll (was im Film wohl auch nicht der Fall ist). Wenn es um Religionen geht werden solche Kautelen immer eingefordert – das „hat ja nichts mit der Religion zu tun“… Man stelle sich vor, was los gewesen wäre, hätte ein Bundespräsident ein islamistisches Attentat als „Zeichen eines sich austobenden Islam“ bezeichnet! Was, so sehr man auch hier differenzieren muss, noch näher an der Wahrheit wäre als Herzogs geschichtsblinde Aussage..

    Herzog hat jedoch nicht nur die Geschichte verfälscht – selbst wenn die Nazis ihre Untaten ausdrücklich mit einem Verweis auf die Nichtexistenz Gottes begründet hätten, oder Nihilisten gewesen wären, was definitiv nicht der Fall war, wäre es doch auch hier sinnvoll gewesen, zu betonen, dass Atheismus nicht zwangsläufig, wie die Wortwahl suggeriert, zu Progromen führt.

    Warum dieser Ausflug in die Geschichte?

    Ich erwarte von einem Bundespräsidenten aller Deutschen, unabhängig von seiner eigenen Weltanschauung, dass er nicht suggeriert, dass Menschen irgendeiner Glaubensgemeinschaft oder irgendeiner Weltanschauung moralischer seien, demokratischer denken o.a.m. Missionsforderungen oder Aussagen, die bestimmte grundlegende Werte als Alleinstellungsmerkmal einer bestimmten Weltanschauung darstellen, finde ich hochproblematisch.

    Die Nächstenliebe von Christen zu loben ist das eine, aber muss dies so formuliert sein, dass damit impliziert wird, andere seien wenige gemeinwohlorientiert (Köhler)? Zu betonen, dass seine spezifische Religion dazu aufruft, den Schwachen zu helfen, ist vollkommen OK – so zu tun, als stehe sie damit gegen eine gesellschaftliche Mehrheit (merkwürdigerweise immer noch 70% Kirchenmitglieder, aber bitte..), die, so wird impliziert, das Recht des Stärkeren will, ist nicht OK: