Georges Corm über die Konflikte in der arabischen Welt: Vergesst die Religion!

In seinem neuen Buch kritisiert der libanesische Historiker Georges Corm die Haltung des Westens, die Konflikte in der arabischen Welt fast ausschließlich in einem religiösen Kontext zu sehen. In Wirklichkeit gehe es in den Staaten des Arabischen Frühlings um ökonomische Machtverteilung und demokratische Teilhabe.

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  1. #1 von deradmiral am 9. Januar 2014 - 08:59

    Corm widerspricht sich selbst:

    Den Grund für die Dominanz der Religion sieht Corm in einer bewussten Förderung der Religion, die in der arabischen Welt vor allem durch Saudi-Arabien betrieben werde. Finanziell und ideologisch hoch gerüstet, exportiere der Ölstaat eine fundamentalistische Lesart des Islam, die den linken laizistischen Diskurs konsequent verdrängt habe.

    Mal abgesehen davon, dass der linke Diskurs auch durch den oftmals damit verbundenen Marxismus pseudo-religiös ist.

  2. #2 von Gottmagus am 9. Januar 2014 - 10:30

    Er hätte es anders sagen sollen, aber es ist schon richtig, daß man die ganzen Konflikte nicht einem „Islam!“ abhaken sollte, auch wenn Religion wohl gerne in die einzelnen Konflikte eingebaut wird.

  3. #3 von Noch ein Fragender am 9. Januar 2014 - 12:44

    Die falsche Perspektive: Statt auf ökonomische Fragen konzentriere der Westen sich auf kulturelle Fragen in der arabischen Welt – ein schlimmer Irrtum für Georges Corm,

    Es war ein schwerer Fehler der iranischen Linksintellektuellen sich mit Khomeini zu verbünden, weil man meinte die ökonomische Frage (Überwindung des Kapitalismus) sei der „Hauptwiderspruch“ und die religiöse nur ein „Nebenwiderspruch“.

    Nach Unterschätzung des „Nebenwiderspruchs“ fanden sich die einen als politische Gefangene in iranischen Gefängnissen wieder, die anderen – Gücklicheren – als Emigranten in „kapitalistischen“ Ländern, wo sie weiter am „Hauptwiderspruch“ arbeiten konnten.