Gebet senkt Alzheimer-Risiko

Regelmäßiges Gebet kann das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um bis zu 50 Prozent senken. Das hat eine amerikanisch-israelische Studie im Auftrag des Nationalen Institutes für Gesundheit in Washington D. C. (USA) ergeben. (…)

(…)

Auch eine gute Schulbildung, Gartenarbeit und Schreiben könnten das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung verringern.

Weiterlesen:

http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/gesundheit-gebet-senkt-alzheimer-risiko.html

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  1. #1 von barkai am 7. August 2012 - 11:13

    da 600 Israelis befragt wurden, weiß ich jetzt nicht, ob die idea Redakteure nicht vorschnell jubeln.

  2. #2 von rkinck am 7. August 2012 - 11:27

    Prinzipiell könnte das Rezitieren auswendig gelernter Texte schon einen Einfluss haben, aber:
    „Auch eine gute Schulbildung, Gartenarbeit und Schreiben könnten das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung verringern.“
    Schulbildung, Gartenarbeit und Schreiben ist doch eh alles Firlefanz. Konzentrieren wir uns lieber aufs Gebet und machen eine Schlagezeile draus.
    Wahrscheinlich ist das tägliche Kreuzworträtsel ebenso effektiv wie das Gebetemurmeln. Auch bezweifle ich, dass es einen Einfluss hat zu welchem Gott man betet.

    „Bei Frauen, die regelmäßig beteten, sei die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, um 50 Prozent geringer“
    Und was ist mit Männern und den restlichen 50% der Frauen? Wohl falsch oder nicht inbrünstig genug gebetet!

  3. #3 von Ezri am 7. August 2012 - 11:38

    …wenn man sehr zielsicher ist, kann das Werfen von Globulis auf Viren ähnlich erfolgreich sein, wie das Beten gegen Alzheimer.

  4. #4 von M.G. am 7. August 2012 - 11:57

    Die 2. Variante glaub ich eher.Das Gebet erzeugt nur den Placebo-Effekt,mehr nicht.

  5. #5 von AMB am 7. August 2012 - 12:00

    Gebet senkt Alzheimer-Risiko, so so. Hieß das nicht früher Gebet heilt Alzheimer?? Über diese Krankheit sollte man keine Scherze machen.

    Liest man durch die Zeilen steht, dass geistige Tätigkeit das Risiko senken kann. Alles andere ist christliche Propaganda.

  6. #6 von Wolfgang am 7. August 2012 - 12:05

    Beten schadet der Gesundheit. Wer gesund ist, braucht nicht zu beten. Risiko!

  7. #7 von Hinterfragerin am 7. August 2012 - 12:27

    Hat einer von euch die Originalstudie gefunden? Ich habe nämlich mal auf den Seiten des NHI, bei pubmed u.a. geguckt und nix gefunden. Google spuckt nur Zeitungsartikel aus.

    Diese scheinen mir aber eher in die Richtung zu gehen, dass Gebete die Krankheit verlangsamen können – wie viele andere körperliche, soziale u.a. Aktivitäten, die dem Leben einen Rahmen und Sinn geben, den Geist aktivieren, und v.a. auch Rituale beinhalten, die den Betroffenen von früher bekannt sind.

    Interessanterweise konnte man bei Männern keine Unterschiede feststellen, weil dort fast die gesamte untersuchte Gruppe angab, täglich zu beten…

    Was die ganzen religiösen Seiten, die sich jetzt auf diese Studie stürzen (aber nie einen Link zum Original geben, was echt nervig ist) übersehen, ist, dass es anscheinend nicht auf die „Zielperson“ des Gebetes ankommt, sondern auf die Tätigkeit des Betens, und dass es anscheinend dennoch genug Menschen gibt, die trotz täglicher Gebete an Alzheimer erkranken (v.a. Männer).

  8. #8 von deradmiral am 7. August 2012 - 13:38

    Cognitive decline in Alzheimer disease Impact of spirituality, religiosity, and QOL
    doi: 10.1212/01.wnl.0000260697.66617.59
    Neurology May 1, 2007 vol. 68 no. 18 1509-1514

    ABSTRACT Objective: To assess effects of quality of life (QOL), spirituality, and religiosity on rate of progression of cognitive decline in Alzheimer disease (AD). Methods: In this longitudinal study, we recruited 70 patients with probable AD. The Mini-Mental State Examination was used to monitor the rate of cognitive decline. Religiosity and spirituality were measured using standardized scales that assess spirituality, religiosity, and organizational and private religious practices. We conducted a si- multaneous multiple linear regression analysis for factors contributing to rate of cognitive decline. Results: After controlling for baseline level of cognition, age, sex, and education, a slower rate of cognitive decline was associated with higher levels of spirituality (p < 0.05) and private religious practices (p < 0.005). These variables accounted for 17% of the total variance [F(11,58) = 2.24, p < 0.05]. There was no correlation between rate of cognitive decline and QOL. Conclusion: Higher levels of spirituality and private religious practices, but not quality of life, are associated with slower pro- gression of Alzheimer disease. NEUROLOGY 2007;68:1509–1514

    Ich habe den Artikel hier.
    http://www.neurology.org/content/68/18/1509.full.pdf#page=1&view=FitH

  9. #9 von deradmiral am 7. August 2012 - 13:40

    Es kann natürlich sein, dass jemand seinen Glauben und seine „Spiritualität“ verliert, wenn die Krankheit schneller voranschreitet als bei anderen Patienten. Korrelation bedeutet nicht Implikation und selbst wenn, kann das in beide Richtungen gehen.

  10. #10 von holey spirit am 7. August 2012 - 14:35

    Eine neue publizierte peer-reviewed Studie nach der 2007er gibt es (noch?) nicht.

    Yakiel Kaufman:
    http://www.herzoghospital.org/index.asp?id=331

    Fast alle „Bibelseiten“ beziehen sich auf diesen aktuellen Bericht, meistens mehr oder weniger per copy/paste reproduziert. Das ist das „Original“:

    themedialine.org/news/news_detail.asp?NewsID=35666&utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+delicious%2Fgqlf+%28Christian+Headlines+Top+Headlines%29

  11. #11 von pufaxx am 7. August 2012 - 14:35

    Tja. Im Altenheim gab’s „Gedächtnistrainig“ – Und im Grunde ist Beten von auswendig gelernten Texten doch auch so etwas. Und Menschen, die sich noch an die Traditionen ihrer „Spiritualität“ bzw. Religion erinnern können, können sich wahrscheinlich auch an mehr andere Dinge erinnern. Da haben wohl ein paar kirchennahe Autoren absichtlich viel zu viel hineininterpretiert.

  12. #12 von Wolfgang am 7. August 2012 - 14:52

    Unsere Herrn Politiker haben alle das Alzheimer-Syndrom: sie sind alle vergesslich. (Auch als Wulff-Syndrom bekannt.) Da kann man noch so viel beten, die Politiker bleiben, so oder so als Risiko.

  13. #13 von Hinterfragerin am 7. August 2012 - 15:36

    @ deradmiral

    Warum geht das Ganze dann gerade erst durch die Medien, wenn der Artikel bereits 2007 erschienen ist? Aber danke für den Fund!

    Aber wenn ich das richtig sehe, geht es hier tatsächlich um ein langsameres Fortschreiten der Krankheit, nicht um eine 50% Senkung des Alzheimer-Risikos. Sicher, dass dies der Artikel ist, auf den sich die Medien beziehen?

    Ein langsameres Fortschreiten scheint mir nicht abwegig, allerdings würde mich mal interessieren, was alles unter einer „höheren Ebene der Spiritualität“ bzw. religiösen Praktiken gefasst wird. Könnte ja sein, dass darunter auch Vorstellungen und Praktiken fallen, die nicht im Kern auf „Übernatürliches“ ausgerichtet sein müssen (Meditation etc.). Nun, da ich das Geld nicht ausgeben möchte werde ich es wohl nie erfahren..

  14. #14 von Hinterfragerin am 7. August 2012 - 15:38

    Auch holey spirits Link scheint zu zeigen, dass da wohl was falsch verstanden wurde, denn auch da steht nur „Spirituality, Religious Practice May Slow Progression of Alzheimer’s Disease“. Dass es das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen kann ist aber ziemlich weit von einer 50%-Senkung des Alzheimer-Risikos entfernt!

  15. #15 von Hinterfragerin am 7. August 2012 - 15:54

    Interessant auch aus holey spirits Link:

    „The study’s results are „interesting, and not unexpected, actually,“ says Harold G. Koenig, MD, MHSc, a Duke University professor of psychiatry and associate professor of medicine. Koenig has done extensive research on religion and mental health, but he wasn’t involved in this particular project.

    Koenig tells WebMD that religion doesn’t guarantee health, but that it can bring „comfort, hope, meaning, and purpose,“ along with support from faith-based communities. That could help religious people cope with stress, illness, or depression, which might reduce their risk of Alzheimer’s disease, says Koenig.

    General trends don’t always apply to everyone, he notes. „You can’t conclude every case is going to be like this.“ Positive mental traits aren’t unique to people who consider themselves spiritual, he adds.

    Illness can strike anyone and should not be seen as a shortfall of the spirit. „There [are] plenty of ministers that have experienced Alzheimer’s,“ says Koenig. „You can’t conclude the opposite from these studies. That’s just not the case all the time.“

    Wenn es sich hier um die betreffende Studie handelt (in den Medien steht aber doch, die Studie sei neu?), dann wurde da aber einiges sehr merkwürdig interpretiert: Aus Verlangsamung wurde Risikosenkung, aus einer breiten Erfassung religiöser und spiritueller Praktiken und Vorstellungen schlicht „Gebete“, und es wird unterschlagen, dass die Religionszugehörigkeit so wie es aussieht nicht ausschlaggebend ist.

    Besonders krank fand ich diesen Kommentar:

    „Even in the case of Holmes, if he prayed, it could have possibly actually changed his brain from being sick and evil to compassionate and loving!

    Wow, that is amazing to think about.“

    (http://faithreaper.hubpages.com/hub/Prayer-And-Alzheimers)

    Ja, genau. Erstens ist Holmes wohl als Christ aufgewachsen, ob er betet oder nicht, und wieviel, weiß der Autor wohl so wenig wie wir. Zweitens ist der Schritt von „Gebete können helfen, weil sie letztlich geistige Übungen sind, einem das Gefühl geben, Teil einer Gemeinschaft zu sein, langbekannte Rituale sind“ u.a.m. zu – hey..mit Gebeten lassen sich auch schwere Geisteskrankheiten heilen – doch etwas gewagt..

    Autsch.

  16. #16 von holey spirit am 7. August 2012 - 16:33

    ad HF

    Vergiss die 50%-Senkung des Alzheimer-Risikos. Das ist noch größerer Humbug als die 60%-Senkung des HIV-Risikos durch Beschneidung. Da braucht man gar nicht drüber nachzudenken.

    Die aktuelle Geisterei durchs Internet geht wohl auf den Medialine-Artikel zurück. Die Autorin hat anscheinend mehrere Leute kontaktiert (Kaufman, Inzelberg), die an einer aktuellen („ongoing“?) Nachfolgestudie zur 2007er beteiligt sind, bei der u.a. der therapeutische Nutzen von Beten als sozialem Ritual mit berücksichtigt wird. Ob die besagten 50% eine intendierte Verdrehung der Autorin sind oder auf einem Missverständnis/Unverständnis beruhen, sei dahingestellt.

    Klar stürzen sich jetzt alle „Bibelseiten“ mit Freuden darauf. Bekanntes Muster. Eigentlich nur interessant hinsichtlich der Dynamik, mit der sich Blödsinn im Internet verbreiten kann.

    Was der zitierte Inzelberg auf welcher Konferenz kürzlich genau gesagt, konnte ich nirgends herausfinden. Ob der daraus resultierende Hype den Studienleitern recht sein kann, wage ich aber zu bezweifeln. Möglicherweise ist unter denen allerdings auch der ein oder andere „Bullshitter“ zu finden. Egal.

    „…allerdings würde mich mal interessieren, was alles unter einer “höheren Ebene der Spiritualität” bzw. religiösen Praktiken gefasst wird.“

    Hierzu:
    Konferenzbeitrag (Poster) von Kaufman 2005:
    http://www.aan.com/press/index.cfm?fuseaction=release.view&release=258

    Verwendete Fragebögen:
    1. Duke University Religion Index:
    growingasoul.com/DUREL+English+version.pdf

    2. Fetzer Brief Multidimensional Measure of Religiousness/Spirituality:
    fetzer.org/research/248-dses

  17. #17 von holey spirit am 7. August 2012 - 16:37

    Aah. Überschneidung. 🙂
    Verdammt schnell immer, die HF.

  18. #18 von Argus7 am 8. August 2012 - 09:40

    Einem eingefleischten Religoten kann man jeden Schmarren als Wahrheit verkaufen ! Diese Leute glauben schon aus Tradition jeden Bullshit. So wurde uns als Jungen seinerzeit von den Pfaffen im Religionsunterricht damit gedroht, dass Onanieren blind mache. Wenn das zutreffen würde, wären 99,999 % aller Männer total erblindet !

    Über die Pseuowissenschaftlichkeit solcher Umfragen braucht man kein weiteres Wort mehr verlieren. Wer so einen Nonsens glaubt, wird selig !

  19. #19 von M.G. am 8. August 2012 - 11:05

    Das Selbe kann auch mit auswendig gelernten Gedichten oder Songs,welche zum Training gegen Alzheimer erreicht werden.Es ist und bleibt nur der Placeboeffekt,sonst nichts.

  20. #20 von mein name? am 8. August 2012 - 11:24

    @ M.G. Placeboeffekt zum Zweiten. Ich habe mich schon beim ersten Mal gefragt #4 , wie Alzheimer und Placeboeffekt zusammen passen. Jetzt interessiere ich mich doch für eine Ausführliche Erklärung was diese Aussage genau bedeuten soll. Und welche Hintergründe diese Schlussfolgerung zu lassen.

  21. #21 von Hinterfragerin am 8. August 2012 - 11:43

    @ mein name & MG

    Ich schließe mich mein name in dieser Frage an. Natürlich sind Placeboeffekte auch bei an Alzheimer erkrankten Menschen nicht auszuschließen, zumal, wenn sie sich im Frühstadium der Krankheit befinden. Oder auch später, wenn sie unter Umständen, sorry, ähnlich wie dies bei Kinder oder auch Tieren ja auch der Fall ist, spüren, dass da etwas passiert, von dem die Umgebung annimmt, es würde helfen.

    Aber in diesem Falle scheint es sich um einen Effekt zu handeln, der durchaus spezifisch durch bestimmte Handlungen ausgelöst wird. Das Problem mit der Reaktion vieler gläubiger Kommentatoren ist eher, dass sie diesen Effekt der „Kraft des Gebets“ zuschreiben, also sozusagen als Eingreifen Gottes interpretieren. In diesem Sinne könnte es hier natürlich auch zu Placeboeffekten kommen, etwa, wenn ein Erkrankter betet und fest davon überzeugt ist (ebenso wie die Umgebung), dass dies hilft.

    Zumindest die uns hier vorliegenden Daten (die zugegebenermaßen dürftig sind, weil uns die neueste Studie nicht zugänglich ist und wir nur deren Medienecho kennen) scheinen aber darauf hinzudeuten, dass die Wirkung hier durch ein ganzes Bündel ineinandergreifender Ursachen verursacht wird: Intellektuelle Aktivität, eine ritualisierte Tätigkeit, die lang eingeübtes Handeln aktualisiert, Struktur, soziale Einbindung und Ansprache, Stressreduktion. Dies wiederum deutet darauf hin, dass es nicht die „Kraft des Gebets“ ist, die hilft, als vielmehr das geistige Tätigsein in einem verstärkenden sozialen Rahmen.