Verteidigt die Evolutionstheorie!

Kreationisten stürzen sich auf jede vermeintliche Lücke im Gedankengebäude der Evolutionstheorie. Doch Wissenschaftler können und sollen dagegenhalten.

(…)

Natürlich wurde die Berichterstattung darüber auch von Kreationisten aufgegriffen und verzerrt. Ein Blog auf einer Wissenschaftsseite einer Lutheranerorganisation ignorierte unsere Aussage, dass Weberknechte eine Ausnahme von der evolutionären Regel seien, und publizierte: „Und haben Sie die Überraschung von Dr. Garwood bemerkt?“ Der Eintrag präsentierte diese exemplarische Stagnation als Beleg, dass Evolution überhaupt nicht existiert.

Wir wissen nicht, warum sich ausgerechnet diese Spinnentiere praktisch nicht weiterentwickelt haben. Aber diese Tatsache an sich stellt die Evolution in keinster Weise in Frage – im Gegenteil: Sie bedeutet, dass wir weitere Forschung in diese Richtung benötigen und ermutigt dazu. Zu wissen, dass Lücken jedoch womöglich als Belege für einen Schöpfer herangezogen werden könnten, macht das Verfassen von Artikeln allerdings zu einem potenziellen Minenfeld.

Weiterlesen:

http://www.spektrum.de/alias/forschung/verteidigt-die-evolutionstheorie/1152508

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  1. #1 von Andreas P am 31. Mai 2012 - 19:04

    Das gilt natuerlich nur fuer fundamentalistische, biblizistische Kreationisten, dass sie ihren Gott in jeder vermeintlichen Luecke der Wissenschaft erblicken.

    Wahre Christen (TM) wissen, dass er da ist, wo die Wissenschaft *wirkliche* Luecken hat und nie hinkommen kann. 😛

  2. #2 von van arnold am 31. Mai 2012 - 19:35

    Ganz viele „Lücken“ wurden aber schon geschlossen.
    Klar, vor 1000 Jahren wusste man auch noch nicht, wo der Donner herkommt – und hätte jedes Donnergrollen und Blitzen
    als eindeutigen Beweis für den ach so lieben Gott angesehen. Nur weil ich ein Phänomen nicht erklären kann, muss nicht ein göttliches Wesen dahinterstecken.

  3. #3 von Ares am 31. Mai 2012 - 19:52

    Tja, mit den Lücken ist es so eine Sache. Schließt man eine Lücke zwischen A——B mit C, hat man gleich zwei neue A—C—B.
    Darum glaube ich auch nicht an Zahlen, da sind, egal wieviele Nachkommastellen man hat, überall Lücken dazwischen

  4. #4 von Andreas P am 31. Mai 2012 - 20:04

    @Van Arnold: Man sollte annehmen, dass sich die Erfahrung mittlerweile herumgesprochen haette – stattdessen werden nur neue Luecken gesucht.

    Es geht ja nicht um die ernsthafte Abwaegung einer Theorie, sondern um die sekundaere Rationalisierung eines vorgefassten Glaubens, so dass die Betreffenden weiterhin glauben koennen, eigentlich ganz vernuenftige und vertretbare Ansichten zu haben.

    Deswegen ist ja auch die Diskussion mit den Vertretern solcher Lehren so unerquicklich: Ihre „Begruendungen“ sind vorgeschoben, macht man sich die Muehe und widerlegt sie Punkt fuer Punkt (in der Regel halten sie Dinge fuer unerforschlich, die laengst erforscht sind), werden einfach neue hervorgezaubert. Ein tatsaechliches Interesse an der Sache besteht letztlich ja auch nicht; Biologie, Philosophie usw. interessieren halt nur, soweit sie zur Rechtfertigung des vorgefassten Glaubens taugen.

    – Kann man hier uebrigens jedes Mal gut beobachten, wenn man sich die Muehe macht, den ueblichen Apologeten mit einer gut belegten Argumentation zu kommen, oder gar mit Literaturhinweisen: Das wird beiseitegewischt („ist mir jetzt zu kompliziert“, „habe ich nicht die Zeit fuer“), und spaetestens naechste Woche wird dieselbe Behauptung dann wiederholt, mit letztlich kaum variierter „Begruendung“, als haette es nie einen Gegeneinwand gegeben.

    (Den meisten ist schon zu „anstrengend“, den Unterschied zwischen „glauben, dass x nicht der Fall ist“ und „nicht glauben, dass x der Fall ist“ zur Kenntnis zu nehmen.)

  5. #5 von AMB am 31. Mai 2012 - 20:16

    @Ares

    Fast. Die Lücke A—C wird mit B geschlossen. Für den Kreationisten entstehen dann zwei Lücken. :mrgreen:

  6. #6 von Ares am 31. Mai 2012 - 21:30

    Naja, bei Kreationisten sollte die Lücke zwischen Q und P gefüllt werden: q(°_°)p
    😉

  7. #7 von Andreas P am 31. Mai 2012 - 21:35

    @Ares: 😀

    – Da ist allerdings oft erstaunlich viel drin. Was sich Glaeubige alles an obskuren Fakten, seltsamen Ausreden, hanebuechenen Argumenten, usw. in den Kopf stopfen, nur um das nicht zu hinterfragen, was sie (meist) als Kleinkinder eingeredet bekommen haben, ist schon erstaunlich.

  8. #8 von Ezri am 31. Mai 2012 - 22:04

    Das ist doch völlig wurscht, ob sich Weberknechte weiterentwickelt haben oder nicht, es gibt doch keinen Zeitplan, wann sich was wie weit weiterentwickelt haben muß, ausgestorben sein muß oder neuentstanden sein muß.
    Haie, Schildkröten und Krokodile haben sich auch nicht sehr stark weiterentwickelt, da ihre Lebensräume sich noch nicht soooo verändert haben, daß eine Weiterentwicklung hätte stattfinden müssen. Das belegt höchstens, daß es in der Evolution auch echte Erfolgsmodelle gibt… 🙂

  9. #9 von pufaxx am 31. Mai 2012 - 22:42

    Haie, Quallen, Skorpione, Schnecken, Kopffüßler, Quastenflosser, diverse Insekten etc. – Da gibt’s so Einiges an Getier, das sich nicht großartig verändert hat. Wie Ezri sagte: „Erfolgsmodelle“, eben.

  10. #10 von Andreas P am 1. Juni 2012 - 00:45

    Ezri: Die Ewigen Wahrheiten (TM) der Religion sind theoretisch zeitlos und praktisch dauernd dabei, der Realitaet (und unserem Kenntnisstand) hinterherzuevolvieren; Tiere passen sich theoretisch dauernd der Realitaet an und haben in der Praxis manchmal dazu nicht allzu viel Veranlagung.

    Mit dem Pufaxx-Kriterium scheint dann die Gottlosigkeit ein Erfolgsmodell zu sein – wir kriegen ja laufend zu hoeren, dass wir im wesentlichen Argumente aus der Antike variieren – und die Religionen…

    … na ja, in Punkto „gleich Richtigliegen“ nicht gerade Quallenniveau erreichen. 🙂

  11. #11 von emporda am 1. Juni 2012 - 02:23

    Die ewige Wahrheit der Zombielogie verhindert eine Auseinandersetzung mit den Tausendfach belegten Fakten der ET. Die Kreationisten haben keine Wahl, ihre Märchen sind immer absolut richtig

    Papst Ratzfatz schwurbelt all-wissend in seiner Enzyklika Spe-Salvi: „ein persönlicher Gott herrscht über die Sterne, das heißt über das All; nicht die Gesetze der Materie und der Evolution sind die letzte Instanz“ und stellt sich und Gott im psychopathologischen Wahn über jedes Wissen:„den positiven Beiträgen aus der Wissenschaft (ist) Rechnung zu tragen und zu Lösungen zu kommen, die in voller Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche stehen“.

    Das ergänzt Papst Johannes Paul II: „Es genügt nicht, allein mit der Theorie der Evolution den Ursprung der Menschheit zu erklären“ was nie Teil der wissenschaftlichen Evolutionstheorie war und in Bezug Intelligenz der all-wissenden Aussage entspricht „draußen ist es viel kälter als eckig“

    Was kann man von solchen Idioten an Wissen und Relalitätssinn erwarten – NICHTS

  12. #12 von Argus7 am 1. Juni 2012 - 08:03

    Noch ein Beispiel dafür, dass es die Evolution nicht gibt: Wie man sieht, hat die geistige Fortentwicklung bei den diversen Religioten nicht stattgefunden. Sie ist einfach stehen geblieben ! Einfach so ! Kein Mensch (außer Gott !?) weiss warum !

    Na, ja, ich wüßte es, aber mich fragt ja keiner !

  13. #13 von omnibus56 am 1. Juni 2012 - 08:26

    Eine Weiterentwicklung ist imo nur dann möglich, wenn das Genom Variationen zulässt, die den Fortpflanzungserfolg der Variation in der ökologischen Nische nicht zu sehr behindern. Fehlen diese Möglichkeiten, oder sind sie zu unwahrscheinlich, und Ist die Anpassung an die ökologische Nische hinreichend, ist eine auch über lange Zeit stabile Population zu erwarten. So what ?

  14. #14 von Wolfgang am 1. Juni 2012 - 15:37

    Das Christentum ist seit 2000 Jahren nicht wirklich aus dem Stall herausgekommen. Es stinkt immer noch mächtig, im Stall wurde nie aufgeräumt und Licht kam auch noch nicht hinein. Darum spricht man ja unter anderem vom sogenannten „Blinden Glauben“. Nur der Stall hat mittlerweile einen Namen: VATIKAN.

  15. #15 von Violet Teki am 1. Juni 2012 - 16:29

    Darwin entwickelte eine Theorie eines natürlichen, durch graduelle Variationen und natürliche Selektion bestimmten Evolutionsprozesses. Sie erklärt die langsame Aufspaltung der Organismen in viele verschiedene Arten als Folge von Anpassung an den Lebensraum.

    Sie erklärt aber zum Beispiel nicht den eigentlichen Kern der Evolution, nämlich die Entwicklung des ersten Gens aus der Ursuppe.

    In Millers Experiment aus dem Jahr 1953 und weiteren Experimenten später bildeten sich Aminosäuren, Fettsäuren, Kohlehydrate und einfacher anorganische und organische Verbindungen.

    In späteren Versuchen entstanden auch Purine und Pyrimidine, wichtige Bestandteile der RNS und DNS.

    Nicht wenige Wissenschafter hielten es daher für WAHRSCHEINLICH, dass solche Verbindungen in der Urzeit entstanden, worin sie einen BEWEIS für die chemischen Gesetzen folgende Lebensenstehung sahen.

    Deswegen ist ja auch die Diskussion mit den Vertretern solcher Lehren so unerquicklich: Ihre “Begruendungen” sind vorgeschoben, macht man sich die Muehe und widerlegt sie Punkt fuer Punkt (in der Regel halten sie Dinge fuer unerforschlich, die laengst erforscht sind), werden einfach neue hervorgezaubert. Ein tatsaechliches Interesse an der Sache besteht letztlich ja auch nicht; Biologie, Philosophie usw. interessieren halt nur, soweit sie zur Rechtfertigung des vorgefassten Glaubens taugen.

    – Kann man hier uebrigens jedes Mal gut beobachten, wenn man sich die Muehe macht, den ueblichen Apologeten mit einer gut belegten Argumentation zu kommen, oder gar mit Literaturhinweisen: Das wird beiseitegewischt (“ist mir jetzt zu kompliziert”, “habe ich nicht die Zeit fuer”), und spaetestens naechste Woche wird dieselbe Behauptung dann wiederholt, mit letztlich kaum variierter “Begruendung”, als haette es nie einen Gegeneinwand gegeben.

    Was Andreas P hier sagt, ist einer grossen Anerkennung wert, es gilt aber leider auch für ihn selbst.

    auch hier werden immer gleiche Behauptungen gemacht, es werden Literaturhinweise nicht ernst genommen und am nächsten Tag die gleiche Behauptung gemacht.

    Immerhin ist aber nachgewiesen ..

    Die Wahrscheinlichkeit, dass Zigtausende von Genen per Zufall passend eingegliedert werden können, schätzt er auf 1:10 hoch 1000 – was unwahrscheinlicher ist, als dass ein funktionsfähiger PC entsteht, wenn man sämtliche dazugehörigen Elektronikbestansteile in zigtausendfacher Ausführung von der Aussichsplattform des Pariser Eifelturms auf die Straße werfen würde.

    Er kommt zum Schluß, dass somit die Evolution ein Akt Gottes gewesen sein muss, wobei das immer so ulkig klingt, weil man automatisch so dieses Bild des alten Mannes mit weissen Bart im Kopf hat, der dann die Lebewesen hinstellt. Ich sehe es eher als einen bewussten Akt eines Gesamtbewusstseins.

    Jetzt bin ich gespannt, wie man mir den Nachweise der DNS Entstehung per Zufall, bzw überhaupt SCHLÜSSIG NACHWEIST.

  16. #16 von emporda am 1. Juni 2012 - 16:53

    @Violet Teki
    Jetzt bin ich gespannt, wie man mir den Nachweise der DNS Entstehung per Zufall, bzw überhaupt SCHLÜSSIG NACHWEIST.
    ———–
    Das ist der gleiche fatale Fehlschluß aller Religioten aus der Denkschublade „Wir sind die Größten“. Aus den unendlich vielen Möglichkeiten der DNA Entwicklung steht ganz sicher am Ende der Mensch, denn Gott hat es ja so vorgegeben. Was für ein totaler Größenwahn.

    Mitnichten stehen am Ende zwangsläufig die Hominiden, wir sind das Resultat eines reinen Zufalls. Wäre in den vielen Tausend kritischen Situationen der DNA Entwicklung etwas ein wenig anders gelaufen, später oder früher eingetroffen, dann wären wir längst von der Erde verschwunden und die Beutelratten, Stummelschwanzaffen oder sonstwas wäre heute die dominierende Spezies ähnlich den Dinos über etwa 200 Millionen Jahre.

    Jede Wiederholung der DNA Entwicklung wie auch immer hätte am Ende (sofern es wo etwas gibt) ein vollkommen anderes Ergebnis oder Wesen.

  17. #17 von Violet Teki am 1. Juni 2012 - 18:17

    @emporada:

    Das hast Du schön heruntergesagt, aber nichts davon habe ich auch nur ansatzweise behauptet oder war meine Frage. Also zurück an den Start:

    Wie läuft der BEWEIS, dass sich aus den vereinzelt gebildeten Substanzen der ganzen Ursuppenexperimente DNS gebildet hat. Und bitte keine Ausflüchte wie in #16, deine mit meiner Frage verbundenen eigenen Assoziationen sind vollkommen unerheblich. Es ging auch überhaupt nicht um den Menschen, es ging mal darum wie sich einfachste DNA entwickelt hat.

    wir sind das Resultat eines reinen Zufalls

    wäre somit zu belegen.

  18. #18 von Andreas P am 1. Juni 2012 - 20:22

    Natuerlich sagt die Evolutionstheorie erst mal nichts ueber die Entstehung des Lebens aus, so wie ein Telefonbuch keine Kochrezepte enthaelt.

    – „Immerhin ist aber nachgewiesen…“ Nope, falsche Voraussetzungen, zudem – falsch gerechnet (ich kenn die Rechnung zufaelligerweise). (Zudem ein Eigentor: Das zufaellige Entstehen eines Bewusstseins, das so etwas wie DNS zielbewusst zusammenstellen kann und folglich noch komplexer sein muss, ist eben drum noch unwahrscheinlicher.)

    Das Gebiet, das sich mit der Entstehung des Lebens aus nicht-lebenden Vorstufen beschaeftigt (wo man die Grenze zieht, ist dafuer uebrigens ziemlich unerheblich), ist vor allem die „Astrobiologie“. Die gibt’s erst seit ein paar Jahren. Ausgehend vom Kenntnisstand in Chemie, Biologie, Physik und Astronomie wird dort ueber Leben ausserhalb der Erde geforscht, was eine genaue Beschaeftigung mit den Bedingungen der Entstehung des Lebens auf der Erde (und seiner Anpassungsfaehigkeit, was etwa Ueberleben von Bakterien im Weltraum betrifft) mit einschliesst.

    Das ist’n aktuelles Forschungsthema, das sicherlich keiner der Beteiligten fuer abgeschlossen haelt – J. O. Bennett, S. Shostack „Life in the Universe“ (3rd ed) ist eine ganz brauchbare Einfuehrung, es gibt inzwischen zahlreiche andere. Sollte man sich erarbeitet haben, bevor man hier irgendwas kritisiert, was in Wirklichkeit kein Mensch vertritt.

    ——————–

    – Noch zum Miller-Versuch: Unter den Bedingungen, die auf der fruehen Erde herrschten, entstehen organische Molekuele. Es ist dafuer kein Eingreifen von aussen noetig. (Insbesondere gibt es keine wirkliche Grenze zwischen anorganischen und organischen Molekuelen, wie noch im 19. Jahrhundert geglaubt wurde – alles dieselbe Chemie. Aber das war zu Millers Zeiten eigentlich kein Thema mehr.)

    Wenn eine chemische Entstehung von Leben ueberhaupt *moeglich* ist, gewinnt sie automatisch gegen die Alternativerklaerung eines ansonsten voellig unbelegten „Schoepfers“, weil letzterer eben komplexer ist und mithin die kompliziertere, massivst unwahrscheinlichere Alternative. Das ist schlicht „Ockhams Rasiermesser“.

  19. #19 von Deus Ex Machina am 1. Juni 2012 - 20:53

    @ Violet Teki:
    „Sie erklärt die langsame Aufspaltung der Organismen in viele verschiedene Arten als Folge von Anpassung an den Lebensraum.
    Sie erklärt aber zum Beispiel nicht den eigentlichen Kern der Evolution, nämlich die Entwicklung des ersten Gens aus der Ursuppe.“

    –> Und wo ist jetzt das Problem?

  20. #20 von Barkai am 1. Juni 2012 - 23:02

    @violet teki,

    es ist denkbar, dass RNA das erste Molekül war, das als Informationsträger verwendet war, das praktische daran war vermutlich, dass RNA eben mehr konnte und imemr noch kann, als nur Infos speichern. Wie in den Ribosomen moderner Eukarionten kann RNA auch Proteine produzieren, sie wie moderne tRNAs auch transportieren und mRNA kann infos speichern wie übertragen. Durchaus denkbar, dass RNA sich selber replizieren konnte und erste Proteine, die als Enzyme dienten herstellen konnte. der nächste Schritt wäre dann eine modifizierung der Haupterbsubstanz von RAN zu DNA gewesen. Ein angenommerener Vorteil: DNA kann vermutlich mehr Infos speichern als RNA (modern RNA speichert in organismen nur sehr wenige informationen und als alleiniger Informationsträger einer Erbsubstanz dienst sie nur in RNA-Viren, die bei weitem nicht so komplex sind wie Lebewesen).

    deine frage „Es ging auch überhaupt nicht um den Menschen, es ging mal darum wie sich einfachste DNA entwickelt hat.“ läßt sich somit beantworten: aus RNA.

    (das habe ich jetzt so aus dem Gedächtnis aufgeschrieben. Bessere und verlässlichere Infos findest du bsplw. in Hartwell: Genetics. From Genes to Genomes.)

  21. #21 von Gelmir am 1. Juni 2012 - 23:08

    @VT

    Sie erklärt aber zum Beispiel nicht den eigentlichen Kern der Evolution, nämlich die Entwicklung des ersten Gens aus der Ursuppe.

    Das ist auch gar nicht die Aufgabe der Evolutionstheorie, diese erklärt Entstehung und Entwicklung der Arten.

  22. #22 von Andreas P am 1. Juni 2012 - 23:21

    @Barkai: Ist das fuer Nichtbiologen halbwegs verstaendlich?

  23. #23 von Deus Ex Machina am 1. Juni 2012 - 23:42

    @Barkai:

    Sehr gut, hier noch ein kleiner Nachtrag: die enzymatische Aktivität von RNA is ja schon einige Zeit bekannt, die RNA-Klassa wird als Ribozyme bezeichnet.
    Ebenfalls länger schon bekannt sind Hyperzyklen, in denen ein Molekül die Symthese eines zweiten katalysiert, das dann über null bis beliebig viele Zwischenschritte wieder das Ausgangsmolekül erzeugen.

  24. #24 von Andreas P am 2. Juni 2012 - 00:24

    DEM: ?

    – Das klingt interessant, aber ich versteh’s nicht – hast Du einen Link oder sowas?

  25. #25 von pufaxx am 2. Juni 2012 - 02:23

  26. #26 von holey spirit am 2. Juni 2012 - 04:58

    Im Anfang war die Ursuppe…
    …ein wildes Gebrodel in einer Atmosphäre aus Methan, durch die ständig Blitze schossen.
    Und so entstanden Ribonukleotide und Aminosäuren.

    Am ersten Tag lagerten sich Ribonukleotid-Moleküle nach einem Zufallsmuster der Reihe nach aufeinanderfolgend unter Wasserabspaltung kovalent zu längeren Ketten zusammen. Dies geschah aufgrund der äußeren Bedingungen. Es war eine sog. Kondensationsreaktion und es war gut so. Es ward das erste RNA-Molekül. Und das zweite RNA-Molekül ward. Und viele viele andere wurden auch. Diese RNA (Ribonukleinsäure) hatte folgende zwei Eigenschaften: Durch intramolekulare Basenpaarung ward sie dazu in der Lage, eine komplexe Faltung anzunehmen, die da ward genannt Sekundär- und Tertiärstruktur. Diese Strukturbildung ward begünstigt bei niedriger Temperatur wie sie herrschte in der bitteren Kälte der ersten Nacht. In der glühenden Hitze des zweiten Tages aber ward die RNA ganz aufgeschmolzen und entblößte ihre Sequenz (Basenfolge) in voller Länge und ohne Scham. Deshalb ist sie im Artikel weiblich.

    In der gefalteten Form konnten einige der RNAs einfache Katalysen vornehmen, wie die katalytische Spaltung anderer RNAs oder die autokatalytische Spaltung ihrer selbst oder die Polymerisation von Ribonukleotiden zu RNA oder die Polymerisation von Aminosäuren zu Proteinen. Es waren Ribozyme und man findet sie noch heute als self-splicing introns bei Tetrahymena, als hammerhead ribozyme beim Hepatitis-Delta-Virus, vor allem aber wie molekulare Fossilien eingeschlossen in die Proteinkomplexe, die da wirken an den zentralen Positionen innerhalb der ältesten Stoffwechselreaktionen, die allen Lebewesen gemein sind (z.B. Ribosomen, snRNP, Spliceosomen). Man kann solche Ribozyme aber auch heute in vitro nach einem Zufallsprinzip synthetisieren (RNA library) und selektieren und sie werden funktionieren.

    In der entfalteten Form aber ward die RNA zum Ebenbild ihrer selbst. An sie konnten sich komplementäre Ribonukleotide anlagern und zu einer antisense-RNA verknüpft werden. Und an die antisense-RNA konnten sich komplementäre Ribonukleotide anlagern und zu einer mehr oder minder perfekten Kopie der RNA verknüpft werden.

    Im frühen Morgengrauen des zweiten Tages aber geschah Wundersames: Die Sonne stieg herauf und begann die Ursuppe nach der Kälte der Nacht langsam zu wärmen. Es wurde wärmer und wärmer. Als da aber die Wärme gerade groß genug war, dass einige RNAs schon ihre Scham verloren und sich zu entblößen begannen und ihrem Triebe folgten und komplementäre Ribunukleotide anlagerten und bei ihnen schliefen und gleichzeitig die Wärme noch so gering war, dass andere RNAs noch gefaltet waren, da konnten die gefalteten RNAs die Verknüpfung der Ribonukleotide zur antisense-RNA der entblößten RNAs katalysierten.

    Und es ward ein selbstkomplementäres RNA-RNA-Hybrid, in dem beide Ketten antiparallel beieinanderschliefen so wie Mann und Frau in der 69er-Position, aber nicht für immer und bis der Tod sie schied, sondern nur bis sie sich in der Hitze des Mittags wieder voneinander lösten. In der Abenddämmerung aber, als die Kraft der Sonne schwand und es kühler wurde, fanden einige RNAs neue Ribonukleotide, um sie an sich zu lagern, andere aber falteten sich und so verharrten sie in der Kälte der Nacht. Und so taten sie schon am zweiten Tage, was sie noch lange tun sollten: Hybridisieren – Polymerisieren – Schmelzen – Hybridisieren – Polymerisieren – Schmelzen.
    Und so geschah es.

    Und siehe: Es ward der erste primitive Replikator. Es ward der zweite primitive Replikator. Und viele viele andere wurden auch. Am dritten Tag ward der erste Hyperzyklus nach Eigen. Es ward vollbracht der Übergang von der chemischen zur biologischen Evolution. Am vierten Tag ward die Erde erfüllt mit tausend Völkern von Replikatoren, die sich und ihresgleichen replizierten und auch ihre Feinde. Manche Völker ließen sich replizieren von anderen Völkern, ohne selbst Gutes zu tun und nahmen sich diese zu Sklaven und wurden zu parasitischen Replikatoren. Es ward die frühe RNA-Welt, die da bald ward eine RNA-Protein-Welt.

    Außerdem ward auch noch ne Thioester-Welt, die noch heute erkennbar ist an der Rolle von Tyrosinen in den katalytischen Zentren der RNA-abhängigen RNA-Polymerasen (RdRP), der RNA-abhängigen DNA-Polymerasen (RdDP), der DNA-abhängigen DNA-Poymerasen (DdDP) und der DNA-abhängigen RNA-Polymerasen (DdRP). Die erste der vier ward in der frühen RNA-Protein-Welt. Sie katalysierte die Erschaffung von RNA nach dem Ebenbild der RNA. Noch heute findet man sie als Teil parasitischer Replikatoren, die da heißen RNA-Viren. Die zweite schuf die DNA nach dem Ebenbild der RNA. Ihr Wirken am fünften Tag ward der Anfang der DNA-Welt. Noch heute findet man sie als Teil parasitischer Replikatoren, die da heißen Retroviren, Hepadnaviren, Badnaviren, Caulimoviren, Retrotransposons, DIRS-Elemente, Bel-Elemente, SINEs, LINEs, Tau, gypsy, copia, Ty1, Ty3, Oswaldo. Die dritten und vierten aber wirkten am sechsten Tage. Sie sicherten die Herrschaft der DNA-Welt und sichern sie bis heute und schufen einen Hyper-Hyperzyklus und vollendeten das Werk. Und so geschah es.

    TL;DR.
    Am sechundzwölzigmilliardsten Tag schuf der Mensch sich Gott nach seinem Ebenbilde, weil er zu faul war, die Mühsal des Denkens zu ertragen oder im Labor zu schuften oder voll wirre und zusammenhanglose, unverständlich geschriebene und grammatikalisch verschwurbelte Lehrbücher über die molekulare Evolution zu lesen.

    als Matritze (Blaupause) zur Anlagerung

  27. #27 von Andreas P am 2. Juni 2012 - 05:48

    Holey: … und jetzt hab ich Kopfschmerzen. =)

  28. #28 von holey spirit am 2. Juni 2012 - 06:44

    Aspirin (Errungenschaft der Schulmedizin). Oder tibetanische Gongtherapie (aus der Eso-Teki).

  29. #29 von Andreas P am 2. Juni 2012 - 07:14

    Wusste gar nicht, dass in Tibet die Gongs so oft Kopfschmerzen haben? 🙂

  30. #30 von Deus Ex Machina am 2. Juni 2012 - 10:05

    @Andreas P. :
    Hab ich noch aus Vorlesungen im Kopf gehabt, aber Wikipedia sollte schonmal einen guten Einblick liefern.
    Nachtrag Aspirin: Ist im Prinzip schon seit der Antike bekannt. Die Griechen setzten Weidenrinde zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung ein. Alternativ kann man aber auch an einem Biber lutschen, wenn man einen zur Hand hat. Das sog. Bibergeil, mit dem sie ihr Fell einfetten, ist reich an Salicylsäure, die auch die Wirkung der Weidenrinde ausmacht. Heutiges Aspirin wurde zu Acetylsalicylsäure erweitert.

  31. #31 von Yeti am 2. Juni 2012 - 10:38

    @holey spirit: Danke für diesen Ritt durch die Biogenesis, äh, -nese!
    Nächste Woche bitte eine genauso knappe Einführung in den aktuellen Stand der Forschung bei der Entstehung von Zellen (heisst das nicht Compartmentalisierung oder so?), so von wegen Grenzflächen, Tone, Bläschenbildung usw.!
    Danke schonmal! 😉

    @pufaxx: Danke für die Mucke!

    @topic: da ist glaube ich alles gesagt.

  32. #32 von Violet Teki am 2. Juni 2012 - 10:43

    Eigentlich interessiert mich nur mehr bei Holey spirit, ob das lange Posting eine perfekte Verarschung des ganzen war oder ob Du andere damit lächerlich machen wolltest. ) Echt lustig und gut gemacht, man merkt es kaum.

    Ich halts für eine perfekt ironische Erzählung, dass es so nicht gelaufen sein kann. Sozusagen die atheistische Genesis :))))

    Aber egal, der Glaube an Eure Götter der Naturwissenschaft ist hier ungebrochen …

  33. #33 von stephancologne am 2. Juni 2012 - 10:50

    @VT:

    Schön, dass Du Holeys Erklärung ironisch und falsch findest.

    Was genau stimmt denn daran nicht und wir sieht die richtige Erklärung aus ?

  34. #34 von Hinterfragerin am 2. Juni 2012 - 11:41

    @ VT

    Ich schließe mich stephancologne an: Ich bin keine Biochemikerin und auch keine Biophysikerin und kann dem Inhalt nur aus meiner teilinformiert-interessierten Laienperspektive folgen, vermute aber, dass es Dir ähnlich geht.

    Insofern würde mich interessieren, woran Du meinst festmachen zu können, „dass es so nicht gelaufen sein kann“.
    Vielleicht täusche ich mich ja, und Du hast eine einschlägige wissenschaftliche Ausbildung..

    Bedenke dabei, im Gegensatz zu religiösen Ursprungsmythen, zumal, wenn sie eben nicht als mythische Erzählung, sondern als unhinterfragbarer Tatsachenbericht verstanden werden, handelt es sich hier um auf unserem gegenwärtigen biochemischen und biophysikalischen Wissen aufbauende Vorstellungen davon, was geschehen sein KÖNNTE – niemand behauptet zu wissen, was tatsächlich geschah. „Götter der Naturwissenschaft“? Sorry: Schwachsinn.

    Was genau der Punkt sein dürfte, den holey mit seinen am Genesis-Duktus angelehnten Formulierungen ironisierend andeuten wollte…

    Falls Du mal Lust hast, Dich ausführlicher einzulesen: Unter anderem unter

    http://www.physik.uni-muenchen.de/lehre/vorlesungen/sose_10/Biophysics_of_Systems/index.html

    findest Du eine Einführung in die Materie für Masterstudenten der Biophysik. Inklusive zahlreicher Literaturverweise zum vertieften Selbststudium.

    Hier gibt´s zahlreiche online lesbare Veröffentlichungen zum Thema:

    http://www.biosystems.physik.uni-muenchen.de/publications/index.html

    Und es gibt noch viel, viel mehr…

    Mei, die könnten es sich alle viel einfacher machen, wenn sie wie Du gleich von Anfang an sagen würden „so kann es nicht gelaufen sein“..

  35. #35 von emporda am 2. Juni 2012 - 13:23

    Die Erde ist rund 4,5 Milliarden Jahre alt. Irdisches Leben entsteht vor etwa 3,5 Mrd. Jahren mit ersten Sauerstoff atmenden Zellen gefolgt von Schwefel-Mikroben gefunden in alten Gesteinsschichten.

    Also hat der erste Tag der göttlichen Schöpfung nach @holey spirit mehr als 1 Milliarde Jahre gedauert, deutlich länger als von den ersten Sauriern bis heute und deutlich länger als die biblische Zeitangabe vom Morgen bis zum Abend. .Aber @holey spirit kann ja nicht einmal richtig Englisch, warum sollte er etwa Biochemie oder Genetik und andere Wissenschaften können.

    Ein Religiot ist auf allen Gebieten wie auch immer ein Religiot – ganz so wie Papst Ratzfatz als All-wissender.

  36. #36 von stephancologne am 2. Juni 2012 - 14:32

    @emporda:

    Ich glaube, Du hast Holeys Kommentar etwas falsch verstanden.
    Les noch mal mit dem ironischen Auge…. 😉

  37. #37 von reaperman am 2. Juni 2012 - 15:26

    @violet teki: Wie die Entstehung der RNA gelaufen sein könnte u warum diese Wahrscheinlichkeiten doch geringer sind, kannst du im blinden Uhrmacher von Dawkins lesen. Dauert aber etwas länger u lässt sich nicht einfach mal so in einem Blogkommentar zusammenfassen.