Kardinal Marx: Homosexuelle sind „gescheiterte Menschen“

Der Münchener Kardinal Reinhard Marx hat bei einem Gesprächsforum der katholischen Kirche in Mannheim Lesben und Schwule als „gescheiterte und zerbrochene Menschen“ bezeichnet.

Wie der evangelische Pressedienst berichtet, will Marx den Umgang der Kirche mit diesen „zerbrochenen Menschen“ ändern. Neben Homosexuellen gehörten auch Geschiedene zu dieser Gruppe.Gleichzeitig beklagt mit 57 Jahren jüngste Kardinal der Welt: „Wie kommt es, dass viele Menschen den Schatz, den wir gefunden haben, nicht so interessant finden?“.

Der Lesben- und Schwulenverband nannte die Aussagen „beleidigend und herabwürdigend“ und verlangte vom Kardinal entweder eine Richtigstellung oder eine Entschuldigung. Gleichzeitig bot der LSVD dem Geistlichen einen „fairen Dialog“ an: „Einem Dialog, der mit Beleidigungen startet, fehlt aber jede Glaubwürdigkeit“, schränkte Verbandssprecher Axel Hochrein ein.

Weiterlesen: Queer.de

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  1. #1 von Randifan am 11. Juli 2011 - 18:41

    So etwas kann nur von jemanden kommen, der alles am eignen Leib spürt.

  2. #2 von Rumpelstilzchen am 11. Juli 2011 - 18:46

    Von pädophilen Pfaffen hat das dieser Religiot meines Wissens nicht behauptet.

  3. #3 von ichglaubsnicht am 11. Juli 2011 - 18:55

    Wenn Homosexuelle oder Geschiedene gescheiterte Menschen sind, was sind dann erst zölibatär lebende Menschen? Vermutlich leiden die dann an einer phobischen Störung die sie davon abhält es überhaupt zu versuchen, um ja nicht zu „scheitern“.
    Ich gehe fest davon aus, dass der Kardinal da eine etwas andere Auffassung vertritt.

  4. #4 von blub am 11. Juli 2011 - 18:56

    Was haben die Christen nur so einen Tick mit Homosexuellen?
    Genausogut könnte man behaupten, Christen seien gescheiterte Menschen.

  5. #5 von blub am 11. Juli 2011 - 18:58

    @ichglaubsnicht
    Sie sublimieren ihre Triebe in in eine höhere Ebene der Erkenntnis.

  6. #6 von emporda am 11. Juli 2011 - 19:03

    Bei 50% homosexuellen Anteil der katholischen Pfaffen, plus <17% Pädophilen, plus 10% abhängigen von Drogen und Suff sowie 3.000 Priesterkindern bei insgesamt nur 10.000 Priestern bleibt für Herrn Marx und seine absolut reine Weste fast nichts übrig.

    Wieviel Hauhälterinenn hat der Typ schon vernascht (schwanger veschlissen), wie oft ist er im Suff bei der Predikt entschlummert, wieviel Pimmel hat er schon im Priesterseminar gelutscht – das sind die aktuellen Fragen an den Bischof.

    Danach hat er "vielleicht" die Befugnis über gescheiterte Menschen zu reden, sieht man davon ab, dass Homonsexuelle nicht gescheitert sind. Katholische Priester sind gescheiterte Menschen, unfitt für jeden anderen Job aber endlos fähig dummes Zeug zu labern

  7. #7 von Hinterfragerin am 11. Juli 2011 - 19:05

    WTF?

    Der soll sich mal mit de glücklich verheirateten lesbischen und schwulen Pärchen treffen, die ich so kenne… Probleme gibt es in dieser Art Beziehungen natürlich genauso wie in heterosexuellen auch. So what? Das hat nichts mit der sexuellen Orientierung an sich zu tun.
    Allerdings zerbrechen manche Homosexuelle, die unter Diskriminierung und Herabwürdigung leiden, tatsächlich. Wie jene jungen Selbstmörder, deren tragischer Tod zum „It gets better“-Projekt geführt hat. Wie eine mir bekannte junge lesbische Katholikin, die ihren tiefen Glauben und ihre sexuelle Orientierung nicht unter einen Hut bekommt und extreme Probleme mit ihrer Familie hat. Ja, da könnte sich der Umgang der Kirche mal ändern…etwa, indem man Menschen nicht erzählt, ihre Gefühle seien „widernatürlich“ und sie müssten deshalb enthaltsam leben, um keine Sünder zu sein.

  8. #8 von Sheldon Lee Cooper am 11. Juli 2011 - 19:14

    Kann man diesen Abschaum nicht wegen Volksverhetzung anzeigen? Wenn er dasselbe über Juden behauptet hätte, wäre er doch jetzt auch zurecht dran.

  9. #9 von AMB am 11. Juli 2011 - 19:25

    @Sheldon

    Damit das nicht passiert sorgen die Bischöfe dafür, dass die Politik schön christlich bleibt.

  10. #10 von Lebrac am 11. Juli 2011 - 19:47

    Spiegel – Bestsellerliste:

    1. Reinhard Marx – Der homophobe Kameltreiber – Eine Autobiographie

  11. #11 von Andreas P am 11. Juli 2011 - 20:07

    Vielleicht ist Marx falsch zitiert worden.

    Gemeint war wohl möglicherweise „gescheite Menschen, die sich erbrechen“, wenn sie sein bischöflich-homophobes Gequarke aufgenötigt kriegen. 😀

  12. #12 von Deus Ex Machina am 11. Juli 2011 - 20:17

    „„gescheiterte und zerbrochene Menschen“ “

    –> Ich kann mich immer nur wundern über die bizarre Welt, in der diese Vollreligioten zu leben scheinen. Aber vielleicht bezieht sich Marx auch nur auf die Schwulen und Lesben, die er kennt, sprich: Leute, die in die Fänge der RKK gerieten und von dieser psychisch fertig gemacht wurden. Wäre dann j akein Wunder, dass sie „zerbrochen“ sind.

  13. #13 von verquer am 11. Juli 2011 - 20:32

    1) Homosexuellen und Geschiedene (seit wann sind die den wieder ein Thema?) einreden, dass sie krank und widernatürlich seien.
    2) Homosexuelle und Geschiedene werden sich damit ausgeschlossen und abstossend fühlen.
    3) Homosexuelle und Geschiedene werden depressiv und damit krank.
    4) Und damit wäre Punkt 1) bewiesen.

    TADA!

    Ekelhaft.

  14. #14 von Barkai am 11. Juli 2011 - 20:34

    @Andreas P: 😀

    Gleichzeitig bot der LSVD dem Geistlichen einen „fairen Dialog“
    Lieber LSVD, jemand der Gott auf seiner Seite weiß und sogar für diesen meint sprechen zu können und in seinem Namen handeln zu können, der meint natürlich auch, immer und automatisch Recht zu haben; in Marx‘ Meinung braucht man da keinen fairen Dialog, sondern nur die korrekte Lehre. Also LSVD, auch Marx, der einer der liberalsten der RKK ist, ist, genauso wie seine anderen Kollegen, per se nicht am Dialog interssiert. Man braucht solchen Ignoranten auch gar nicht hinterherrennen, weil es nichts bringt.

  15. #15 von Hinterfragerin am 11. Juli 2011 - 20:36

    Naja, zur Homophobie kommt anscheinend noch eine schöne Dosis Eurozentrismus – man könnte es auch noch etwas schärfer ausdrücken:

    Er hat anscheinend gesagt, „dass Europa (…) eine geistliche und geistige Berufung ist“ – und „Die große Berufung Europas in der Welt ist der Kampf für die Würde des Menschen“. Auf welcher Basis? Ja, klar: „Europa wird ohne die Stimme der Heiligen Schrift seine Berufung nicht leben können.“

    Europa = Christentum = Kampf für die Würde des Menschen.
    Außer die Würde der Homosexuellen natürlich.

    Am europäischen (sprich: christlichen) Wesen soll die Welt genesen… schließlich müssen wir die „Anders- und Ungläubigen“ erst noch zivilisieren…(natürlich auch die Un- und Andersgläubigen bei „uns daheim“)
    Urgh.

    Genau diese Art von Argumentation hatte ich in der Hitler-Diskussion gemeint.
    Dieselbe Art von Argumentation kann man auch bei Islamisten finden. Da ist es dann der Koran, den man berufen ist, zu verbreiten – was natürlich auch zur einzig wirklich der Würde des Menschen gerechten Ordnung führt, der islamischen.

    Man verkennt völlig, dass auch die Europäerinnen sich ihre Würde erst erkämpfen mussten. Ein Kampf, der anderswo immer noch stattfindet – und lange auch gegen europäische Imperialisten stattfinden musste. Und die Leute, die sich erheben, tun dies nicht auf Basis der Bibel…und auch nicht auf Basis des Koran, auch wenn sich manche im arabischen Frühling jetzt auf diesen beziehen mögen.

    (http://www.kath.net/detail.php?id=32283)

    Und ich dachte, Marx sei einer der Liberalen….

  16. #16 von recotard am 11. Juli 2011 - 21:04

    Die Pointe findet sich aber erst im Bericht auf http://www.epd.de/nachrichten/nachrichten_index_89575.html , wo der Kardinal verwundert fragt:

    „Wie kommt es, dass viele Menschen den Schatz, den wir gefunden haben, nicht so interessant finden?“

    Tja, wieso bloß? Ein beliebter Sagentopos geht so: Ein Sterblicher erhält vom Teufel einen Schatz, doch als er ihn später in Augenschein nimmt, hat sich der vermeintliche Schatz in Pferdeäpfel oder ekles Getier verwandelt.

  17. #17 von Deus Ex Machina am 11. Juli 2011 - 21:14

    „Wie kommt es, dass viele Menschen den Schatz, den wir gefunden haben, nicht so interessant finden?“

    –> Marx, ich bin an ihren Glasperlen und etwas Katzengold nicht interessiert!

  18. #18 von Wolfgang Brosche am 11. Juli 2011 - 21:28

    Man darf sich nicht wundern, daß der papale Speichellecker Marx, en Klerikalkarrierist unreinsten Wassers, jetzt anfängt, über Europa zu räsonnieren. Südamerika und Afrika haben die Katholen in gewisser Weise im Sack; da haben sie fleißig beigetragen zu den chaotischsten Verhältnissen, indem sie rechte Diktatoren unterstützten – wie sehr sie die schätzen, zeigte jüngst das Gewese um Robert Mugabe bei der Seligsprechung von Johannes PaulII. in Rom.
    Ratzinger interessiert sich nicht sonderlich für die 3. Welt – in Südamerika leben ja sowieso nur Nachkommen der Ureinwohner, die das Christentum herbeigesehnt haben. Und in Afrika gibt´s auch nix zu holen für Rom außer Seelen, aidsverseucht, und dann womöglich auch noch Neger, die man mal mit Baströckchen zur Hebung der Sittlichkeit ausgestattet hat.
    Ratzinger und seine Bande sind inzwischen wieder voll auf Europa fixiert – hier soll missioniert werden, sozusagen auf Deiwel komm raus! Hier nämlich wüted für Ratzinger die „Diktatur des Relativismus!“
    Für die katholische Kirche macht sich die „selbstbemächtigung des Menschen“ (so beschimpfen die Kleriker Demokratie und Menschenrechte) vor allem in der Emanzipation der Frauen und Schwulen schmerzhaft bemerkbar. Deshalb wird seit einigen Jahren gegen Schwule Front gemacht. Die Angriffe werden tagtäglich mehr! Erzbischof Tomasi hat dieser Tage erneut in Genf die alte Platte von der Verfolgung der Christen aufgelegt, die durch Homorechte entstünde!
    Ich habe schon vor geraumer Zeit mehrfach vorausgesagt, daß die Schwule eine Sündenbockfunktion haben. Jetzt werden auch noch schwupp Geschiedene dazu in den Topf geschmissen, Atheisten sind ohnehin schon drin.
    Fast 2000 Jahre Antisemitismus der Kirche gipfelten im Holocaust – Hitler sah sich als Vollender der Catholica. Ebenso wird jetzt mit den Schwulen verfahren. Aber die werden nur die ersten sein.
    Wieviel Tomaten muß man eigentlich auf den Augen haben, um keine Langzeitstrategie des Vatikans zur Re-Christianisierung Europs dahinter zu erkennen. Die katholische Bande läßt nicht locker und will zurück ins Mittelalter.
    Das Abstimmungsverhalten z.B zum PID im Bundestag und die unsägliche Diskussion zuvor und selbst jetzt noch zeigt, wie katholisch durchseucht unser Parlament ist. Die knicken doch vor Leuten wie Marx und Ratzinger reihenweise ein. Selbst Figuren aus der LINKEN.
    Marx hat hier also keinen Versprecher getätigt, sondern erneut eine Breitseite geschossen – langsam muß man sich Gedanken machen, wie wir Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in Europa schützen können!
    Der Vatikan zündelt! Vor den Nazis haben auch nur wenige gewarnt und wurden verspottet – das darf sich in Sachen Ratzinger und Katholische Kirche nicht wiederholen!

  19. #19 von Uwe am 11. Juli 2011 - 21:51

    von blub

    „Genausogut könnte man behaupten, Christen seien gescheiterte Menschen.“

    War das erste was mir durch den Kopf geschossen ist.
    Mein zweiter Gedanke war dann: „Verdammt, das stimmt sogar oft!“

  20. #20 von Barkai am 11. Juli 2011 - 22:07

    @Wolfgang,
    trotzdem sind die Bastionen Spanien und z.T. auch Portugal gefallen.
    Außerdem gibt es jetzt zum Glück auch mehr LGBT-Rechte in Südamerika. Da geifern nur die lokale Bischöfe gegen, das wird sich ändern, wenn Südamerika einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben wird.
    Aber so lange es in Europa am meisten zu holen gibt, muss Europa auf katholisch eingepeitsch werden. Frage ist, wieviele Länder das mit sich machen lassen. Der Vatikan hat natürlich eine Langzeitstrategie, aber ob die auch Aufgehen wird, ist eine andere Frage. Im besten Fall ist das das giftige Gekeife vor dem verschwinden in der Bedeutungslosigkeit.

  21. #21 von dinuma am 11. Juli 2011 - 22:11

    @Hinterfragerin

    „Wie eine mir bekannte junge lesbische Katholikin, die ihren tiefen Glauben und ihre sexuelle Orientierung nicht unter einen Hut bekommt und extreme Probleme mit ihrer Familie hat. “

    Klar ist das tragisch, aber mein Verständnis hat Grenzen, und zwar im eigentlichen Sinn des Wortes: ich verstehe nicht, weshalb Homosexuelle von der Katholischen Kirche akzeptiert werden wollen. Das ist ungefähr gleich sinnvoll, wie als Ausländer von Neonazis akzeptiert werden zu wollen. Wenn man als Ausländer Anschluss an eine Gemeinschaft sucht, sollte man vielleicht besser Gemeinschaften berücksichtigen, die Ausländer nicht hassen. Und als Homosexueller sollte man sich dann halt eine Glaubensgemeinschaft suchen, die Homosexuelle nicht diskriminiert. Als Homosexueller die KK in Richtung einer Akzeptanz von Homosexualität ändern zu wollen, geht für mich schon in Richtung Masochismus. Insofern kann ich auch das Gesprächsangebot des LSVD zu einem fairen Dialog nicht verstehen. Was versprechen sie sich davon? Homosexualität ist nach Auffassung der KK eine schwere Sünde und Verirrung, da gibt es nichts zu deuteln, das muss man akzeptieren und die Konsequenzen daraus ziehen, die da heisst: dem grenzdebilen Bischofsgeschwurbel keine Beachtung schenken, sondern es ignorieren. Wäre ja noch schöner, wenn man zu jeder Äusserung eines Bischofs Stellung beziehen würde. Solche Beachtung haben diese Heinis nicht verdient.

  22. #22 von Hinterfragerin am 11. Juli 2011 - 22:19

    @ dinuma

    Du hast nicht Unrecht. Aber ich denke, Du verkennst, wie es sein muss, im tiefsten Bayern, auf dem Land, in einer streng katholischen Familie aufzuwachsen – mit allem was dazugehört. Man glaubt also, man hat es von Kindheit an eingebleut bekommen. Die betreffende Freundin wollte eigentlich sogar katholische Theologie studieren und Relilehrerin werden.
    Und dann zu entdecken, dass man lesbisch ist.
    Jene, die sich für eine Veränderung in der Kirche einsetzen, sind psychisch sicher besser dran: Sie glauben eben NICHT, Sünder zu sein, lehnen die spezifischen Haltungen der RKK für sich ab. Dieser Einsatz für eine Veränderung der Kirche mag bestimmt sein, zu Scheitern. Aber andererseits ist auch der Glaube im Endeffekt dynamisch und veränderbar, und ein nicht homophober Katholizismus wäre mir lieber als ein homophober, zumal wir mit dem Katholizismus noch ne Weile werden rechnen müssen..
    Die Probleme haben jene, die diese Haltungen verinnerlicht haben und sich nicht daraus befreien können, zugleich aber natürlich auch nicht aus ihrer Haut können, was ihre Sexualität betrifft. Sie fühlen sich tatsächlich als Sünder. Und ihre Familien bestätigen sie oft darin. Und daran kann man in der Tat zerbrechen.

  23. #23 von verquer am 11. Juli 2011 - 22:25

    @dinuma

    Klar ist das tragisch, aber mein Verständnis hat Grenzen, und zwar im eigentlichen Sinn des Wortes: ich verstehe nicht, weshalb Homosexuelle von der Katholischen Kirche akzeptiert werden wollen. Das ist ungefähr gleich sinnvoll, wie als Ausländer von Neonazis akzeptiert werden zu wollen.

    Hier kann ich vielleicht ein paar klärende Worte einbringen. Im Unterschied zum Verhältnis von Neonazis und Ausländer wird man in sein religiöses Umfeld hineingeboren (auch wenn die Tendenz in Laufe der Jahrzehnte deutlich abnommen hat). Da wir nun aber soziale Tiere sind, sind wir eben auch vom sozialen Umfeld und seiner Akzeptanz und Bestätigung abhängig und es fällt uns (aus guten Gründen) schwer diese Brücken niederzubrennen. Wenn Du nun als homosexueller Mensch zufälig in ein homofeindliches Umfeld hineingeboren wurdest, bist Du von der Akzeptanz genau der Menschen abhängig, die sie Dir nicht geben werden. Du wirst aber trotzdem versuchen, sie zu bekommen. Diese Vermischung von sozialer Abhängigkeit und religiösen Glaubensinhalten ist ja gerade einer der genial-widerlichen Tricks der Religion.

    Homosexualität ist nach Auffassung der KK eine schwere Sünde und Verirrung,

    Hier muss ich Dir im Detail widersprechen. Nicht Homosexualität als Neigung ist eine Sünde, sondern der Akt. Was auch wieder genial-widerlich ist. Da kann man sich einerseits auf den Standpunkt stellen, dass man ja nicht unmenschlich ist und die Menschen auf Grund ihrer Gene verdammt. Andererseits kann man die Menschen verdammen, die sich nicht an den beinahe unerreichbaren Massstab, keinen Sex zu haben, halten können. Das ist dann die Schuld des Homosexuellen, weil er/sie ja eine Wahl gehabt hat. So erzeugt man schlechtes Gewissen und kann sich trotzdem den Anschein des Gutmenschen bewahren.

  24. #24 von dinuma am 11. Juli 2011 - 22:40

    @Hinterfragerin

    Klar ist eine solche Lage extrem belastend und du hast Recht: eine einfache Lösung zu finden, ist sicher extrem schwierig (ich würde sagen: unmöglich). Wenn deine Bekannte versucht, das alles unter einen Hut zu bringen, wird sie daran wahrscheinlich zerbrechen, denn das verlangt dermassen viele faule Kompromisse, komplizierte Konstruktionen und eine dermassen grosse Verdrängungsleistung, dass das auf die Dauer kaum gut gehen kann. Deshalb: der Loslösungsprozess mag extrem schwer fallen und schmerzhaft sein, aber eine Alternative sehe ich nicht (bin allerdings nicht Psychologe und kann das deshalb nicht kompetent beurteilen).

  25. #25 von dinuma am 11. Juli 2011 - 22:46

    @verquer

    „Nicht Homosexualität als Neigung ist eine Sünde, sondern der Akt. Was auch wieder genial-widerlich ist. “

    Genial-widerlich ist genau die richtige Bezeichnung. Die KK ist meisterhaft darin, Menschen ganz bewusst in moralische Dilemmatas zu führen, denn im Zustand der Versuchung, im Zustand der drohenden Sünde ist der Mensch am besten manipulierbar. Wenn ich immer und immer wiederhole, dass die KK zutiefst menschenverachtend ist, ist das eben nicht einfach billige Polemik, sondern – zumindest für mich – evident.

  26. #26 von dinuma am 11. Juli 2011 - 22:51

    und nochmals zu meinem Unverständnis, weshalb Homosexuelle sich christliche Akzeptanz wünschen: ich bin mir durchaus bewusst, dass ich da eine stark vereinfachte Sicht vertrete. Mir ist schon klar, dass eine Loslösung sehr viel schwieriger ist, als ich es hier darstelle. Und doch würde ich mir wünschen, dass möglichst viele Homosexuelle diese Loslösung schaffen und spirituelle Orientierung und Befriedigung sowie Gemeinschaft dort finden, wo sie nicht darum betteln müssen.

  27. #27 von Andreas P am 11. Juli 2011 - 23:17

    @Hinterfragerin:

    Wenn eine angehende Theologin/Religionslehrerin feststellen muss, dass sie lesbisch ist…

    … sorry, das ist schon eher ein Beleg für eine ausgleichende Gerechtigkeit, bei der es ausnahmsweise mal rechtzeitig die richtige „erwischt“ hat. In die Grube, die sie hatte anderen graben wollen, ist sie selbst gefallen.

    „Die Probleme haben jene, die diese Haltungen verinnerlicht haben und sich nicht daraus befreien können, zugleich aber natürlich auch nicht aus ihrer Haut können, was ihre Sexualität betrifft. Sie fühlen sich tatsächlich als Sünder. Und ihre Familien bestätigen sie oft darin. Und daran kann man in der Tat zerbrechen.“

    Leider zu richtig.

    Aber – und daher mein mangelhaftes Mitgefühl in diesem Fall – wäre sie nicht selbst Betroffene, hätte sie ihre Haltung auch anderen ‚verinnerlicht‘. Dem religiös basierten Hass, den sie ihren Schülern vermittelt hätte, fiel sie nun vor ihnen zum Opfer. Während letztere vielleicht ihrem Unterricht, aber kaum ihren katholisierten Mitschülern aus dem Weg hätten gehen können, braucht sie nichts weiter zu tun, als mit dem Hassen und damit auch mit dem Selbsthass aufzuhören.
    So schwierig – und doch: So einfach.

    (Das Problem mit dem Umfeld steht auf einem anderen Blatt.)

  28. #28 von klauswerner am 12. Juli 2011 - 00:26

    @Andreas P:
    Absolut richtig!
    Die Dame hätte nie gemerkt, das das System um sie herum falsch ist, wenn sie nicht für das System falsch gewesen wäre.
    Logischer Schluß: Ein System das andere systematisch und ohne der individuelle Persönlichkeit zu berücksichtigen als Falsch beurteilt ist selber falsch, also: Loslösung.

  29. #29 von dinuma am 12. Juli 2011 - 08:14

    @Andreas P.

    „Dem religiös basierten Hass, den sie ihren Schülern vermittelt hätte, fiel sie nun vor ihnen zum Opfer. Während letztere vielleicht ihrem Unterricht, aber kaum ihren katholisierten Mitschülern aus dem Weg hätten gehen können, braucht sie nichts weiter zu tun, als mit dem Hassen und damit auch mit dem Selbsthass aufzuhören.
    So schwierig – und doch: So einfach.“

    Sehr treffend!
    Seltsam: wenn ich im Zusammenhang mit der KK von Menschenverachtung rede/schreibe, habe ich manchmal etwas Skrupel, ob ich da nicht über’s Ziel hinausschiesse und das Ganze etwas gar schwarz-weiss sehe. Wenn ich nun aber lese, dass auch du von Hass und Selbsthass schreibst, sehe ich, dass das auch andere so empfinden. Das, was mir an der KK (oder generell am Christentum) am Widerwärtigsten ist, ist die Art und Weise, wie sie Sprache für ihre Zwecke monopolisiert, um zentrale, positiv konnotierte Begriffe wie Liebe, Erlösung, Gnade usw. ihres eigentlichen Sinnes zu berauben und zu pervertieren. Durch die jahrtausendelange Sprachpraxis sind uns heute diese Begriffe dermassen in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir sie nicht mehr hinterfragen. Wenn dann also Kleriker und Theologen von „Liebe“ fabulieren, nehmen die meisten ihnen das ab, ohne sich bewusst zu sein, dass es eher um Hass und Verachtung geht.

    Wie sehr einem dieser pervertierte Sprachgebrauch in Fleisch und Blut übergehen kann, beweisen ja auch einige treue Teilnehmer der „anderen“ Seite in diesem Blog sehr eindrücklich. Und man kann ihnen vermutlich noch nicht einmal einen Vorwurf machen, sind sie sich dessen ja vermutlich nicht bewusst. Und falls sie wüssten, was sie tun, wäre dies zutiefst zynisch.

  30. #30 von Igor am 12. Juli 2011 - 09:23

    „Wie kommt es, dass viele Menschen den Schatz, den wir gefunden haben, nicht so interessant finden?“

    Wie kommt es, dass Erwachsene Pfui sagen, wenn Kinder sich Nacktschnecken in den Mund stecken?

  31. #31 von Wolfgang Brosche am 12. Juli 2011 - 12:23

    @dinuma
    Es ist mir selbst erst vor einiger Zeit aufgegangen, daß z.B. die Jahrhunderte währende Hetze gegen Juden durch die katholische Kirche das terrain für den Holocaust bereitet hat. Dabei ist die Kirche natürlich nicht nur sprachlich gegen Juden vorgegangen – doch die Verdrehung der Sprache führte dazu, daß sie Verachtung, Ausgrenzung und Mord als Taten im Namen Gottes und der Liebe auslegen konnte.
    Man sollte wirklich einmal untersuchen, wie sehr solche sprachlichen Verdrehungen das Verhalten der Menschen in Europa und anderen christlich geprägten Regionen beeinflußt hat. Im Sinne Wittgensteins, daß alle Philosophie Sprachphilosophie ist – oder nach Huxley und dessen Idee des „Neusprech“!
    Letztendlich ist aber das christliche Konzept der Liebe an unendliche Voraussetzungen, Verurteilungen und Vorurteile gebunden; es ist eben eine dicke, fette Lüge, zubehaupten, die Liebe Gottes werde jedem geschenkt: aber nur unter bestimmten Unterwerfungsvoraussetzungen.
    Jeder Psychologe würde eine solche Art der Liebe als symbiotisch und abhängig diagnostizieren, als krankmachend – nur traut sich offenbar niemand das auszusprechen. Wie hier schon gesagt wurde: das kirchliche Neusprech hat die Menschen so konditioniert, daß sie die Innfamie gar nicht als solche wahrnehmen können und dürfen!

  32. #32 von klauswerner am 12. Juli 2011 - 13:20

    @Wolfgang Brosche
    „Es ist mir selbst erst vor einiger Zeit aufgegangen, daß z.B. die Jahrhunderte währende Hetze gegen Juden durch die katholische Kirche das terrain für den Holocaust bereitet hat.“
    Meine schwer gläubige (bigotte) Oma, ca. Ende 70er, Anfang der 80er:
    „Was Hitler mit den Juden gemacht hat, war schon schlimm, er hätte auch gereicht wenn er sie des Landes verwiesen hätte. Aber schließlich darf man nie vergessen: Sie haben unseren Heiland, Gott selbst umgebracht. Und sind dafür bis ins letzte Glied verantwortlich.“
    Wo sie das wohl herhatte?

  33. #33 von Deus Ex Machina am 12. Juli 2011 - 13:29

    Ja, die Vergiftung mit dem Antisemithismus sitzt tief in Europa. Jahrhunderte der Konditionierung sind in 1-2 Generationen leider nicht gänzlich überwunden. Nicht zu vergessen der neu eingeschleppte, islamistisch motivierte Antisemithismus.
    @ Wolfgang: „Neusprech“ stammt aus 1984 von George Orwell

  34. #34 von Andreas P am 12. Juli 2011 - 17:21

    @Dinuma: Der Fall hier scheint mir tatsächlich ein extremer zu sein. Aber hätte die Frau die heftige Ablehnung, den Hass, nicht schon vorher intensivst verinnerlicht und gepflegt, wäre sie ein toleranter, aufgeschlossener Mensch (ob nun Christ oder nicht) gewesen, würde sie jetzt nicht das Problem haben.

    Dafür, sich von diesem Hass zu lösen, ist sie aber allein verantwortlich. Das wird nicht gehen, ohne ihren Glauben in Frage zu stellen…

    … und ihre Probleme damit als zu 100% eingebildet zu erkennen.

  35. #35 von klafuenf.de am 12. Juli 2011 - 18:45

    Dass sich ein Zivilversager so was zu sagen traut.

    Erstaunlich!

  36. #36 von Hinterfragerin am 12. Juli 2011 - 21:03

    @ Andreas P und dinuma

    Ihr habt natürlich völlig recht..aber dennoch ist es etwas anderes, wenn man den individuellen Fall vor Augen hat. Sie ist an sich eine wirklich nette, ganz liebe junge Frau. Ich denke auch, dass sie zwar sich selbst hasst – bzw. ihre sexuelle Orientierung – aber dies nicht nach außen richtet. Wenn sie eine Hardcore-Katholikin in DIESEM Sinne wäre, könnte sie ja wohl kaum mit Leuten wie mir befreundet sein :-). Manchmal sind diese Dinge nicht wirklich rational erklärbar. Manche Menschen verinnerlichen die Selbstzweifel und das Gefühl, schmutzig zu sein, ohne zugleich zwangsläufig über andere zu urteilen.

  37. #37 von Wolfgang Brosche am 12. Juli 2011 - 21:05

    @deus ex machina

    Orwell und Huxley verwechsele ich sehr gerne – obwohl ja Orwell eher die stalinistische Dystopie beschrieben hat. Huxley kommt ja der modernen Konsumdiktatur viel näher.
    Aber in beiden Büchern spielen ja Bezeichnungen und überhaupt prache eine wesentliche Rolle für die jeweiligen Totalitarismen.
    Der Totalitarismus der katholischen Kirche spiegelt sich allerdings auch in beiden Romanen – wobei man sagen muß, daß die Schweine in „Animal Farm“ zwar nach lebenden Vorbildern der Stalinzeit gestaltet wurden, aber in ihnen erkennt man auch manchen Kirchennfürsten.
    Manche Kardinäle sind eben gleicher als andere – oder noch genaue Kardinäle sind überhaupt gleicher als andere Menschen. Und Ratze in seiner Altersenilität grunzt ja nicht mehr wie ein alter Eber – ist es ja auch nie gewesen, eher frühkastriertes, nie erwachsen gewordenes Ferkel. Und wenn er seinen Seiber losläßt, erinnert das schon an ein Ferkelchen, dem man auf den Schwnaz getreten hat. Wobei – jetzt tun mir aber die Ferkel insgesamt leid; beleidigen wollte ich sie nicht mit dem Vergleich.

  38. #38 von Deus Ex Machina am 13. Juli 2011 - 15:57

    1984, Animal Farm, Schöne neue Welt…. ach ja, alles liebgewonnene Klassiker, die ich eigentlich mal wieder zur Hand nehmen müsste.

  39. #39 von Andreas P am 13. Juli 2011 - 18:18

    @Hinterfragerin: Ich kenne natürlich Deine Bekannte / Freundin nicht.

    Aber leider habe ich durchaus Erfahrungen mit ähnlichen Menschen: Sehr lieb, aber wenn es um ihr Hassobjekt geht, in der passenden Situation, lassen sie lieb und ganz friedlich Sachen vom Stapel, bei denen mir ganz anders wird. Ob nun Homophobe, Antisemiten, Rassisten, Ökofaschisten (Marke „…90% der Menschen müssen weg, damit der Planet wieder ins Lot kommt“), Habmichliebfundis: Die paar Hanseln mit Schaum vor’m Mund fallen – in Europa – nicht groß ins Gewicht. Die lieben, braven, die persönlich aus eigenem Antrieb keiner Fliege was zu leide tun, aber mit ein paar Federstrichen oder einem Wahlkreuzchen ihre Mitmenschen bedenken- und gedankenlos in „Umerziehungslager“ schicken würden, sind ein weitaus größeres Problem.

    Die Mitläufer halt. Ich halte eine Lehrerin, die eine bestimmte Gruppe Menschen – und mithin Schüler – so intensivst ablehnt, nicht im geringsten für harmlos. Gerade eine sich ‚ganz lieb‘ gebende nicht.

  40. #40 von Hinterfragerin am 13. Juli 2011 - 18:30

    @ Andreas P.

    Ich weiß, was Du meinst.

    Naja, sie ist ja schlußendlich keine Lehrerin geworden..sie hat erkannt, dass sie ihre sexuelle Orientierung dann immer würde „verstecken“ müssen, was sie nicht wollte.

    Aber ich kann absolut nachvollziehen, worauf Du hinauswillst. Diejenigen, die harmlos und nett wirken, die ernsthaft denken, eigentlich gut und richtig zu handeln, sind letztlich oft die Gefährlichsten.

  41. #41 von emporda am 13. Juli 2011 - 18:31

    @Andreas P
    ich habe nach 40 Jahren beruflicher Praxis in der Industrie mit 30 Jahren im Ausland eine „gestandene“ Meinung zu positv und negativ orientierten Gruppen der Gesellschaft.

    Postiv sind all jene, die ihren Beitrag zur Existenz der Gesellschaft leisten, sich hinterfagen lassen und offen und ehrlich über ihre Situation diskutieren können und wollen
    Negativ sind all jene, die parasitäre Nischen nutzen, die Gesellschaft zum eigenen Vorteil mißbrauchen und durch Tabus im Denken und Handeln nicht einmal die eigene Postion hinterfragen können oder wollen.

    Negative Gruppen lehne ich ab, sie nutzen zu nichts, schaden überwiegend nur und sind immer wieder die Ursache von Konflikten, Kriegen und sonstigen Unruhen. Ist es ethsch vertretbar solche Gruppen abzulehen, zu kritisieren oder ist der Gutmenschansatz zwingend, weil doch alle so lieb und nett sind. Die Konsequnz, darf man Mitglieder einer negativen Gruppe als Lehrer oder Vorbild auf die Menscheit loslassen oder muss man das unterbinden.

  42. #42 von Andreas P am 13. Juli 2011 - 18:31

    (Und, nb, anzunehmen, dass der Selbsthass nie nach außen durchkommt, widerspricht meiner Erfahrung mit ähnlichen Fällen. In der Regel nehmen viele Hasser demonstrativ die Bürde auf sich, zu den Verhassten besonders lieb zu sein – teils ist es nur schlechtes Gewissen, teils geht es um Maso-Bonuspunkte im Himmel, teils (im öffentlichen Leben) ist es Show aus PR-Gründen. Der anbiedernde, ostentative Philosemitismus vieler Deutscher und speziell der deutschen Politik fällt etwa in diese Kategorie, und er ist voll kompatibel mit jener Form des Antisemitismus, die sich als „Israelkritik“ gebärdet. Dass die deutschen Kirchen inzwischen vor allem deshalb so kräftigst öffentlich das Judentum umarmen,weil sie hoffen, dass damit nicht mehr genug Luft zum Atmen oder gar Protestieren bleibt, setze ich als bekannt voraus.

    Gerade das allzu christliche Überbetonen der Nächsten“liebe“, im Kontrast zum wenig pathetischen liberal-sekularen ‚Leben und leben lassen‘, scheint mir nichts als Überkompensation zu sein, die einen übersteigerten Hass gegen Menschliches-Allzumenschliches verdecken soll (gerade vor sich selbst). Oder eben einen maßlosen Egoismus. Der dann eben bei Gelegenheit nur um so stärker hervorbricht.

    Aber was schreib ich hier: Zu dem Thema hat Shakespeare in ‚King Lear‘ schon alles nötige gesagt.)

  43. #43 von Kurt am 13. Juli 2011 - 19:47

    Ich frage mich, ob der Umkehrschluß für den Herrn Marx ebenso gilt. Werde ich homosexuell, wenn ich scheitere? Oder wenn ich gar zerbreche innerlich, z.B. durch ein erlittenes Trauma z.B. durch sexuellen Mißbrauch, werde ich da homosexuell?