„Christenverfolgung“ in Frankreich: Abtreibungsgegner aus dem Schuldienst entlassen

Der 40jährige Gymnasiallehrer für Geschichte, Geographie und Staatsbürgerkunde, Philip Isnard, wurde aus dem Schuldienst entlassen, weil er im Fach Bürgerkunde seinen 16 Jahre alten Schülern die Videoreportage No need to argue vorführte. In sieben Minuten zeigt das auf Youtube frei zugängliche Video die in Europa angewandten Abtreibungsmethoden einschließlich RU486.

(…)

Ende November wurde Isnard vorläufig vom Dienst suspendiert. Nun folgte seine Entlassung. Die Eltern zweier Schüler, die selbst Lehrer an derselben Schule sind, forderten als erste seine Entlassung. Die Lehrerkollegen Isnards sind Mitglieder der abtreibungsbefürwortenden Vereinigung Prochoix für die Verteidigung der individuellen Freiheit. Prochoix begründete diese radikale Forderung mit den “brutalen und schockierenden Bildern”, mit denen die Schüler konfrontiert worden seien.

Als Grund für die Entlassung aus dem Schuldienst wurde angegeben, daß Isnard “die Schüler gefährdet” hat, weil er durch die Vorführung des Films “nicht die Neutralität gewahrt” habe. Er habe damit “schwerwiegende Unruhe an der Schule ausgelöst”. Nach Isnards Suspendierung hatten nämlich alle Schüler eine Petition zu seinen Gunsten unterzeichnet.

Weiterlesen:

http://www.katholisches.info/?p=11452

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  1. #1 von anarcho am 10. April 2011 - 11:17

    ich weiß ihr übernehmt einige artikel einfach von anderen zum teil auch sehr religiösen seiten. ist auch gut so, aber die überschrift könntet ihr gerne selbermachen. ansonsten tragt ihr dazu bei, dass so begriffe wie „christenverfolgung“ sich einbürgern und akzeptiert werden.

    ich muss euch nicht daran erinner, dass das christentum jahrhunderte lang menschen mit anderen meinungen und anschaungen verfolgt und ermordet hat. auch heute noch sind religionen für zahlreiche morde und generelle unmenschlichkeiten verantwortlich.

    fragt sich wer hier wirklich verfolgt wurde.

  2. #2 von AMB am 10. April 2011 - 11:28

    @anarcho

    Bei uns ist „Christenverfolgung“ironisch gemeint, deswegen auch die (neuen) Anführungszeichen! 😉

  3. #3 von Randifan am 10. April 2011 - 12:27

    Würde ein Lehrer irgendein Film eines Verschwörungstheoretikers im Unterricht zeigen, wie z.B. „Zeitgeist“ bekäme dieser auch Ärger.

  4. #4 von AMB am 10. April 2011 - 12:49

    Im Video wird Abtreibung stark verzehrt dargestellt, typisch für die Anti-Abtreibungs-Propaganda. Die meisten Abtreibungen werden aber schon vor der 10. Woche, viele auch vor der 6. Woche betrieben. Dort wird ein Fruchtsack abgesaugt, die haben aber keine Gliedmaßen wie die im Video. Abtreibungsgegner verwenden gerne Bilder von seltenen Spätabtreibungen aufgrund einer schweren Fehlbildung des Fötus oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

    Der Lehrer wurde zu recht entlassen. Das hat nichts in der Schule zu suchen.

    Als wären das typische Abtreibungen. Zum Kotzen!! Als Pro-Argument für die Abtreibung durfte ein Gesetzestext herhalten, das nennen die dann „neutral unterrichtet“.

  5. #5 von AMB am 10. April 2011 - 12:55

    Ich habe das Video auf YT als unangemessen gemeldet!

  6. #6 von dinuma am 10. April 2011 - 12:58

    anhand der vorhandenen Informationen lässt sich für mich nicht entscheiden, ob die Entlassung gerechtfertigt war. Es war ja vielleicht ein guter, von seinen Schülern geschätzter Lehrer. Vielleicht hätte man auch versuchen können, es bei einer Ermahnung zu belassen und ihm solche Anti-Abtreibungspropaganda in Zukunft zu untersagen. Aber wie schon gesagt: ich kenne die ganze Sache zu wenig, um das beurteilen zu können.

  7. #7 von Deus Ex Machina am 10. April 2011 - 13:30

    Kann das Video nicht abrufen —“ Enthält Content von UMG“.

    Aber das Bild, das ich hier vor dem Anklicken gesehen habe, war schon heftig! Ich weiß ja, dass Christen ein recht hohes Maß an Splatter und Gore bevorzugen (->Kreuzigung, Dornenkrone, Kannibalimus etc), aber es gibt Alterseinstufungen bei Filmen nicht umsonst. Und ähnlich sollte man es auch bei (meinungsmachenden manipulativen) Dokus halten.

  8. #8 von peanut am 10. April 2011 - 13:45

    Richtig so. Klar hat sie als Lehrerin da nichts mehr zu suchen.

  9. #9 von AMB am 10. April 2011 - 13:48

    @Deus Ex Machina

    Das Bild ist noch gar nichts.

  10. #10 von Deus Ex Machina am 10. April 2011 - 13:53

    @AMB, also genau das Richtige für noch nicht Volljährige im Vormittags“programm“. Warum nicht gleich „Saw“ schauen, oder „Hellraiser“ etc? Oder eine schöne Doku über die Methoden der „Religion der Liebe“ bei ihrer Ausbreitung über den Globus?
    Weg mit dem Mann, raus aus dem Schuldienst!

  11. #11 von AMB am 10. April 2011 - 14:07

    @Deus

    Da sind genau die Szenen dabei, die sonst in jedem Film oder Beitrag rausgeschnitten oder zensiert werden. Und das mit Grund.

  12. #12 von Max Headroom am 10. April 2011 - 14:40

    Meiner Meinung nach hätte eine dicke Verwarnung gereicht. Würde der Lehrer nicht einlenken, hätte er dann die Konsequenzen daraus zu ziehen. Das das Video so oder so typisch „anziehend“ für solche Menschen ist, dürfte jedem hier aufgefallen sein sein 🙂 .

    (..) schnitt im Oktober 2010 wie jedes Jahr beim Bereich Familie und Familienrecht auch das Thema Abtreibung an.

    Von einer Christenverfolgung zu reden, ist weit hergeholt. Hätte er dieses Video, was nun mit dem Christentum nicht viel gemeinsam hat, dieses Jahr nicht gezeigt, hätte dieser Lehrer weiterhin seinen Glauben ausüben und zuhause bzw. in der Kirche solche „Fötenactionfilme“ zeigen dürfen(?), soviel er wolle. Dies aber als (einseitige und unvollständige) Aufklärung zu nutzen, ist eben typisch für solche Menschen.

    Im Film kann man deutlich ein völlig ausgeprägtes Kind erkennen, das im Mutterleib verätzt und dann ausgestoßen wird.

    Explizite Gewaltdarstellung zwecks „Aufklärung der Kinder“ dürfte für ein pädagogisches Ziel sehr unoptimal sein. Wurde dieses Video einer Fachgruppe vorgelegt und wurde entschieden, dass ein solches Video den Kindern zugemutet werden kann? Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Fach Biologie der Film „Gesichter des Todes“ als anatomischer Aufklärungsfilm dem Biobuch vorgezogen wird.
    Allerdings befürworte ich pers. die Darstellung von Unfallopfern an jugendliche, die unter Alkoholeinfluss Auto fahren und ggf. knapp einem Unfall entkommen sind. Jedoch halte ich nichts von der Darstellung der rumspritzenden Organen und zermatschen Schädeln, sondern bleibe lieber mit etwas Abstand dabei. Auch kann man ein Raucherbein oder eine Raucherlunge zeigen, ohne die Entnahme eines solchen Beines in Nahaufnahme.

    Das war manchen ein Dorn im Auge, die möchten, daß man über Abtreibung nicht redet

    Man hat aber nicht geredet, sondern Bilder gezeigt. Und dies sicherlich auch unausgewogen, denn eine Abtreibung ist nicht mit einer Verätzung gleichzusetzen.

    Isnard war wegen seiner ausgewogenen Behandlung der Abtreibung, die auch den Lebensschutz zu Wort kommen ließ, bereits früher “gewarnt” worden, daß seine Arbeit “nicht erwünscht” sei.

    Und in welcher Form wurde er „gewarnt“, bzw. was gab es als Argumente? Anführungszeichen? Um Geschmäcker von etwaigen Abtreibungsbefürworter kümmern sich gute Argumente nicht. Wer auf Ätzfilme angewiesen ist, weil Abtreibung als Buhwort möglichst negativ im Hirn verpflanzt gehört, macht sich für mich nicht unbedingt glaubhafter als andere.

    Weshalb kann man an einem staatlichen Gymnasium keine Bilder über die Abtreibung zeigen? Warum ist es manchen ein solches Ärgernis, beim Namen zu nennen, was Abtreibung ist, nämlich Mord? Warum kann es sein, daß in Frankreich ein katholischer Lehrer für den staatlichen Schuldienst als ‘ungeeignet’ betrachtet wird?

    1. Weil bildliche Darstellungen einen anderen Aufnahmeprozess beim Menschen auslösen? Er hätte es auch in Textform darbringen können … es wäre weiterhin „verstörend“ gewesen.
    2. Weil „Mord“ ein solch negativ konnotiertes Wort ist?
    3. Weil der katholische Lehrer eine Handlung ausübt, welche andere Menschen als ‚ungeeignet‘ für den Beruf ansehen?

    Zu Fall 2: Das die Ordnungskräfte nicht einschritten, dürfte hier ganz klar ein Fall von unterlassener Leistung sein. Es wäre die Pflicht gewesen, den Bischof vor etwaigen Angriffen zu schützen und die Täter ausfindig zu machen! Ich wäre mir aber nicht sicher, ob diese eine aktive Verfolgung von Christen ist, oder ob hier nur Idioten in Uniform rumliefen.

    Doch die Krönung kommt zum Schluß:

    Wenn aus ideologischen Gründen sowohl ein “Recht auf Tötung ungeborener Kinder”, ein “Recht auf Gleichstellung homosexueller Paare mit der Ehe” und ein “Adoptionsrecht für Homosexuelle” gefordert wird, so widersprechen diese Positionen nicht nur der christlichen Religion, sondern auch der Vernunft.

    Applaus! You brain has left the building. Eine Glanzleistung der theologischen Wissenschaft. 2000 Jahre und noch immer nicht schlauer 😀 .

  13. #13 von Barkai am 10. April 2011 - 15:14

    AMB,
    du hattest Erfolg, das Video ist jetzt gelöscht.

    Wie Max schon so schön andeutet, ist die Gleichsetzung der Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen mit Abtreibung, ähm, eher seltsam. Ich weiß nicht, warum sich Abtreibungsgegner nicht über Lesben und Schwule freuen, die werden schließlich seltener aus versehen schwanger und brauchen demanch weniger Abtreibungen. Aber mit Logik sollte man solche Menschen nicht knfrontieren…

  14. #14 von Zensor am 10. April 2011 - 19:52

    Ich habe das Video auf YT als unangemessen gemeldet!

    AMB, du hattest Erfolg, das Video ist jetzt gelöscht.

    Ich fühle mich bevormudet! Warum wollen Menschen kontrollieren was andere Menschen zu sehen bekommen?

    inb4 http://www.youtube.com/watch?v=Qh2sWSVRrmo

  15. #15 von Barkai am 11. April 2011 - 11:49

    weil es bei YT soetwas wie geschätsbedingungen gibt, gegen die das Video vermutlich verstoßen hat (s. der Hinweis, wenn man das jetzt gelöschte Video aufrufen möchtest).
    Aufgrund des inhaltes schien das freizugänglich Video auch nicht für Kinder geeignet zu sein. Oder bist du der Meinung, dass Kinder sich alles ansehen können sollen?

  16. #16 von Zensor am 11. April 2011 - 12:38

    Ich kann leider nicht mehr beurteilen, ob das Video für Kinder geeignet war oder nicht, das ist ja genau mein Kritikpunkt. Wie dem auch sei, das Internet ist keine Spielwiese. Man muss jederzeit damit rechnen, auch bei unverfänglichem Webklicken, Dinge zu Gesicht zu bekommen, die man eigentlich nicht sehen wollte. Das kann im Zweifelsfall auch mal traumatisieren.
    Die überwiegende Mehrheit der Pädagogen hält übrigens nichts davon, den Kindern eine heile Welt vorzugaukeln. Wichtig wäre, dass sie über das Erlebte sprechen können.

    Man wird nur sehr wenige allgemein akzeptierte Regeln für guten Geschmack finden. Ich jedenfalls möchte in keinem Deutschlandnetz leben, in dem Erwachsenen aus Jugendschutzgründen der Zugang zum halben Internet verwehrt wird. Wer anfängt eklige Gewaltdarstellungen zu zensieren, weil das hierzulande mehrheitsfähig ist, der kann sich nicht darüber beklagen, wenn z.B. in der Türkei dawkins.net gesperrt ist weil auf der Seite Blasphemie herrscht (traumatisiert die kleinen Moslems).

    Youtube kann selbstverständlich seine eigenen Regeln definieren, das verpflichtet die Nutzer aber nicht dazu, den williger Blockwart spielen zu müssen. Oder würdest Du als Nutzer von „Christtube“ auch Videos melden die Gott leugnen, nur weil das so in den AGB steht?

    PS: Mir ist schon klar, dass ich mit meiner digital-libertären Einstellung auf bauchgefühlsmäßig begründeten Widerstand stoße, aber es ist die einzig logische Schlussfolgerung, wenn man nicht in das Dilemma kommen will, Inhalte bewerten zu müssen ohne einen allgemein definierbaren Maßstab dafür zu haben.

  17. #17 von Zensor am 11. April 2011 - 12:43

    Oh, Christtube gibt’s ja wirklich. Ich habe das nur hypothetisch gemeint.

  18. #18 von Igor am 11. April 2011 - 13:14

    Du würdest dich wundern, was es noch alles mit der Vorsilbe gibt. Und du wärst erstaunt, auf was alles die Vorsilbe als Warnung aufgedruckt werden müsste.

  19. #19 von klauswerner am 11. April 2011 - 13:42

    Hallo zusammen,
    genauso ist es mir ca. 1970/72 ergangen: unser Reli-Lehrer, kath. Priester, zeigte zum Thema Abtreibung Fotos von zerfetzen Föten im Klassenzimmer. Ich war damals ca. 10-12 Jahre alt, und meine Mutter erzählt noch heute, ich hätte wochenlang Alpträume gehabt.

    Zum Pfarrer ist sie trotzdem nicht, der war ja eine unangreifbare Instanz zu dieser Zeit.
    Um ehrlich zu sein, gläubiger hat es mich auch nicht gemacht;)
    Mit ca. 13 habe ich mich offiziell als Atheisten bezeichnet, was ein Skandal in meiner Familie war. Was ich mir alles anhören musste will ich lieber nicht wiedergeben.

    Grüße

  20. #20 von Max Headroom am 11. April 2011 - 14:28

    @Zensor

    (..) Inhalte bewerten zu müssen ohne einen allgemein definierbaren Maßstab dafür zu haben.

    Das ist gerade der Knackpunkt. Welches Land, welche Kultur, welche Gesellschaft will hier messen? Eine Gesellschaft, die Frauen unter Burkas versteckt? Oder eine Gesellschaft, die alljährlich ein Fest feiert, bei der sich Menschen krankenhausreif schlagen/besaufen/bekreuzigen/…? 😉 .

    Auf der einen Seite gebe ich Dir recht. Man sollte nicht jedes „unpassende“ Video wegzensieren. Das Problem ist, dass YouTube keine Altersfreigabe vorne an der Eingangstür zeigt. Kinder können beim „youtubben“ schnell mal ein Link an der Seite oder in den Kommentaren klicken, und schnell landen sie nicht auf ein Fanvideo von Hänsel und Gretel, sondern bei zerfetzten Embryonen und den passenden Erzähler dazu. Eltern, die mit Hechtsprüngen den Monitor abschalten und das verstörte Kind dann in den Arm nehmen, wirst Du leider nur in Comics finden. Die Realität sieht anders aus. Dies ist auch der Grund, weshalb blutige Actionfilme nicht um 13:30 auf den Privaten laufen (höchstens unblutig geschnitten) und Pornos so oder so fehlen.

    Diese Unkontrollierbarkeit der „Fernbedienung“ ruft nach einer Mindestkontrolle. Dies wäre eben die Einschränkung menschenverachtender Darstellungen und verstörender Videos. Hätte YouTube einen Bereich für kontrollierten unzensierten Zugang von 18+ Jährigen, dann dürfte man dort gerne auf alles klicken, was nicht bis drei auf den Bäumen geklettert ist: nackte Körper, blutverschmierte Tische oder Portraitaufnahmen vom aktuellem Papst – solange es dem Grundgesetz folgt. Es wäre ein kontrollierter Zugang für erwachsene Menschen, die alt genug sind dem Schrecken der Welt in’s Gesicht zu schauen. YouTube bietet dies aber nicht. Und so muss man sich eben mit dem Hausrecht zufrieden geben 😉 .

    @klauswerner
    Das Christentum (ich behaupte gar alle Religionen) funktionieren durch Einschüchterung und Angst. Sie produzieren Ängste, um daraufhin ihre Ideologie als (einzigst richtige praktikable) Lösung anzubieten. Nimmt man sie an, ist die Welt bunt und hell. Nimmt man sie nicht an, fliegen zerfetzte Körperteile rum und es wird Schwefel und Feuer regnen. Andere sprechen von Weidergeburt, ewigem Stillstand oder ähnlichen unattraktiven Zuständen.

    Wer dem widerspricht, landet eben schnell in der Schwefelecke und wird als Verfolger bezeichnet. Schließlich, so lautet das Credo, wird ja niemand zur Ideologie gezwungen. So auch nicht diese Kinder, die an diesem Morgen die Zersetzung eines weitentwickelten Fötus‘ erleben durften.

    Man stelle sich mal vor, man würde an einem warmen Sonntagsmorgen mit einer 30-Mann starken Truppe in einer Kirche gehen und die dortigen friedlichen Gläubigen plötzlich mit einer Großprojektion konfrontieren, in der „kirchlichen Fehlleistungen“ mit aller Detailliebe gezeigt wird. Aufklärung durch „Schocking Moments“? Fehlanzeige. Wut würde entstehen. Kinder sind hingegen „formbar“, sie sind ideologisch leichter „befüllbar“ als erwachsene Menschen mit (reichlich) Lebenserfahrung. Deshalb sollte ein Umgang mit ihnen auch bitteschön wohlüberlegt sein, und nicht per Holzhammer geschehen. Wie die „brutalstmögliche“ Erziehung christlicher Art aussah, haben wir in den Berichten über misshandelte Heimkinder leider nur allzuoft erfahren dürfen. Hier ersetzt man IMO das Heim durch den „Aufklärungsunterricht“, und das Ohrelangziehen durch die Darstellung schockierender Bilder.

  21. #21 von Zensor am 11. April 2011 - 15:23

    Die Zensurfrage ist eine Diskussion, bei der man nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen kann. Die Unterschiede zwischen den beiden Polen sind so tiefgreifend, dass sie sich gar im Gehirn manifestieren und im Experiment vorhergesagt werden können. (konservativ → ängstlich → Zensurbefürworter versus progressiv → naiv → Zensurgegner)

    @Max Headroom

    Das hört sich fast wie eine Forderung nach Sendezeitbegrenzung im Internet à la Internetmedienschutzstaatsvertrag an.

    Was ist menschenverachtend? Das was in irgendeinem juristischen Kommentar von 1960 steht?
    Was für den einen menschenverachtend ist, ist für den anderen Kunst oder gar Religion.
    Das kann also nicht von allen anerkannte Basis sein, noch dazu wo es doch nicht um menschenverachtende Taten geht, sondern nur um Information darüber. Auch das Grundgesetz ist hier fehl am Platz, wir reden hier bekanntlich vom Internet und nicht vom Deutschen Wesen an dem die Welt genesen muss.

    Der große Vorteil des Internets gegenüber den alten Propagandakanälen ist eben seine technische Unzensierbarkeit welche gegenwärtig noch halbwegs gegeben ist. Leider steuern wir auf eine Zukunft zu, in der dies nicht mehr so sein wird. Begründet wir das mit den Kindern (siehe Helen Lovejoy von den Simpsons), genutzt werden wird es für politische Zensur.

  22. #22 von Max Headroom am 11. April 2011 - 15:56

    @Zensor
    Kannst Du die Darstellung expliziter Gewalt an Kindern, in unkontrolierter Form, rechtfertigen? Wenn ja, mit welcher Begründung? Wenn nein, weshalb?

    Die Darstellung, hier ein Gewaltvideo, muss kontrolliert werden. Entweder durch das Kind, welches sich selbst im Bezug auf die Verarbeitung der Information bewerten kann, oder durch die Eltern, welche „für ihr Kind nur das Beste“ auswählen. Dies geschieht zumeist duch die Vermittlung der Filtermöglichkeiten und der daraufhin erfolgenden Medienkompetenz. Kann das Kind sich nicht „maßregeln“, und sind Eltern nicht ständig an der Seite des Kindes (man kann ja nicht immer jede Webseite und jedes Bild im TV vorher untersuchen), so muss eine höhere Instanz dafür einspringen. Wenn nicht der Staat, was ich nicht befürworte, dann eben das „Hausrecht“ – in diesem Falle YouTube. Wem’s nicht gefällt, der kann in ein anderes Haus wechseln. Im Internet wird (hoffentlich) nichts staatlich zensiert, sonder beanstandet und gemäß der Individuen entschieden. Willst Du gewaltvolle Filme sehen, so kannst Du sehr gerne GewaltTube aufmachen, deine Filme sammeln und sie dort veröffentlichen. Fertig. Wenn’s jemanden nicht passt, so kannst Du entweder ihm oder ihr die lange Nase zeigen und das Video weiter anbieten, oder es in Hinblick auf eine staatliche Kontrolle (Verbot der Ausstrahlung/Weitergabe im Land) entfernen.

    Hierzulande will man solche Videos keinen Kindern zeigen. YouTube kann nicht kontrollieren, ob der Klick von einer 5-jährigen oder von einem 52-jährigem Professor kam. Wenn keine Alterskontrolle möglich sein kann, so bleibt nur der Weg der „freiwilligen Zensur“ übrig und beanstandete Videos zu entfernen. Wem’s eben nicht passt, der geht zu einem anderen Anbieter – in einem anderen Land / mit anderer Regelung. Ich finde dies eine adäquate Lösung für das Problem der „Altersfreigabe“.

    Das kann also nicht von allen anerkannte Basis sein, noch dazu wo es doch nicht um menschenverachtende Taten geht, sondern nur um Information darüber. Auch das Grundgesetz ist hier fehl am Platz, wir reden hier bekanntlich vom Internet und nicht vom Deutschen Wesen an dem die Welt genesen muss.

    Sehe ich nicht so.
    Die Darstellung expliziter Gewalt, und die ist mit dem Video gegeben, ist vorhanden. Unser Grundgesetz erlaubt dies, erzwingt aber keinesfalls die Darstellung, sondern ermöglicht uns die freie Entscheidung. Kinder sind jedoch nicht mit der Erfahrung ausgestattet, diese Entscheidung fällen zu können. Entweder untersagen wir den Kindern solange den Zugriff, bis sie durch zusätzliches Wissen sich frei für diese Form der Information entscheiden dürfen, oder wir richten uns an pädagogische Richtlinien, die eine Darstellung einer blutüberströmte und sich zerstückelten Barbiepuppe nicht unbedingt als hervorragende Form der Informationsbildung gutheisst. Dann ist der Betreiber der „Informationsplattform“ verpflichtet, diese Informationen auch nur der Gruppe zur Verfügung zu stellen, die dazu berechtigt ist. Diese Kontrolle fehlt bei YouTube hier in Deutschland vollständig. Da YouTube keine Lust hat, eine Altersfreigabe einzuführen, musst Du mit der entnahme des Videos leben. Schade, aber dagegen kannst weder Du noch ich was dagegen tun. Dir steht es frei, eine eigene Videoplattform zu eröffnen und dir angenehme Videos dort zu veröffentlichen.

  23. #23 von Barkai am 11. April 2011 - 17:04

    „Die überwiegende Mehrheit der Pädagogen hält übrigens nichts davon, den Kindern eine heile Welt vorzugaukeln. Wichtig wäre, dass sie über das Erlebte sprechen können.“ Verstörende oder potentiell verstörende Inhalte von Kindern fernzuhalten hat ja nicht per se etwas mit heiler Welt vorspielen zu tun.
    Die meisten Eltern warnen ihre Kinder vor Personen, die sie mit Schokolade oder ähnlichem locken wollen, sprechen Warnungen und Verbote aus, auf die Straße zu laufe, da dies zu gefählrich ist und die meisten Eltern werden erwähnen, dass es schlimme Folgen haben kann, dass manche unbekannten Menschen den Kindern Schmerzen zufügen werden oder diese sogar töten werden und dass man bei einem Verkehrsunfall getötet werden kann oder das Leben lang auf den Rollstuhl angewiesen werden sein könnte. Somit wissen Kinder, dass die Welt nciht heile ist, sondern Gefahren drohen und dazu muss man den Kindern keine Videos zeigen, wie ein Kind entführt, vergewaltigt, geschlagen und nachher ermordet wird oder einen Clip in dem ein Kind von einem LKW überfahren wird und die Wunden und Verletzungen dann noch einmal in Großaufnahmen gezeigt werden.
    Welche Pädagogen kennst du denn, die empfehlen, Kinder mit brutalen visuellen Darstellungen zu konfrontieren, damit sie wissen, dass die Welt keine heile Welt ist?

  24. #24 von Zensor am 11. April 2011 - 22:20

    @Barkai & Max Headroom

    Ihr wollt mich beide nicht verstehen.

    Ich halte fest: Ihr stimmt der Aussage des Moderators in folgendem Video zu. Ich nicht.

    Für mich ist das Thema damit beendet, hat eh keinen Sinn dem Internetgeist der 90er nachzutrauern. Fühle mich wie der Ureinwohner einer Insel die von einer Übermacht an Eindringlingen heimgesucht wird. Muss wohl akzeptieren, dass seit die Massen das Web gestürmt haben, sie auch das Sagen haben wollen.

  25. #25 von Max Headroom am 12. April 2011 - 00:23

    @Zensor
    Ich verstehe dich. Aber ich teile deine Meinung nicht, da die Argumentation hier nicht ganz greift.

    Hier zensiert kein Staat, keine Regierung, sondern ein Unternehmen. Der Unterschied ist, dass hier YouTube sein Hausrecht in Anspruch nimmt. Du hast genauso das Recht, Kommentare auf deinem Blog oder Gäste in deinem Haus ihren Handlungen Freiraum zu lassen … oder sie maßzuregeln. Irgendwann ist eine Grenze erreicht, die dem Hausherrn / -frau oder Blogbetreibern nicht mehr passt. Du bist der Held in deinem Erdbeerfeld! Und ich bin nur ein Besucher in deinem Reich. Ich kann mich ja auch nicht auf die Meinungsfreiheit berufen, wenn ich in deinem Haus deine Frau und/oder dein Kind beschimpfe und danach ein Bier von Dir verlange – Du mich hingegen zur Haustür bugsierst und mit einem Tritt rauswirfst. YouTube bietet einen Dienst an, und was sie anbieten, in welchem Maße und zu welcher Zeit, darf YouTube selbst entscheiden. Dir steht es frei, mit den Inhalten klarzukommen oder den Service von YouTube anzunehmen, Dir unangenehme Inhalte entfernen zu lassen.

    Ich hoffe, Du verstehst hiermit den Unterschied zwischen einer staatlichen Zensur – was hier nun faktisch nicht gegeben ist – und der freiwilligen Zensur anhand von Kundenwünschen. Wir haben dies schon damals mit der Bustour erfahren, als sämtliche Unternehmen nicht mitmachen wollten und eine zuvor kontaktierte und „meldungsfreundliche“ Busgesellschaft aufgrund von Kundenbeschwerden sprichwörtlich in letzter Minute abgesagt hat. Die Meinung akzeptieren und die Meldung eben auf einem eigens gemieteten Privatbus pappen – fertig!

    Gefällt Dir YouTube und ihre Politik nicht, so nimm einen alternativen Anbieter. Blutüberströmte Körper kannst Du weiterhin im Netz haben, denn die will ich nicht „wegzensieren“. Ganz im Gegenteil. Ich spreche mich schon seit langem dafür aus, dass Filme, Musik und Computerspiele ab 18 auch gefälligst ungekürzt sein sollte – so wie der Künster es auch vorgesehen hat. Egal ob auf DVD, auf VHS oder im Internet. Wer 18 Jahre und älter ist, der darf Auto fahren, sich krankenhausreif volllaufen lassen und Fallschirm springen. Der ist auch alt genug, sich für Shakespeare oder Braindead zu entscheiden.