Wenn die Religion etwas anderes vorschreibt als der Chef

Ob Kopftuch im Büro oder Gebetspause: Nicht immer sind Glaube und Job miteinander vereinbar. Besonders Muslime geraten in Konflikte zwischen Religion und Arbeitgeber.

Weil er als streng gläubiger Muslim keinen Umgang mit Alkohol haben dürfe, weigerte sich ein Mann, der als Ladenhilfe in Schleswig-Holstein arbeitete, alkoholische Getränke in Verkaufsregale zu räumen. Nach mehreren erfolglosen Aufforderungen im Getränkeverkauf zu arbeiten, setzte der Supermarkt den Mann schließlich im März 2008 vor die Tür. Der Mitarbeiter klagte daraufhin gegen seine Entlassung. An diesem Donnerstag entscheidet das Bundesarbeitsgericht in Erfurt über die Kündigung.

Weiterlesen:

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-02/arbeitsrecht-religionsfreiheit

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  1. #1 von mreins am 22. Februar 2011 - 20:02

    „Grundsätzlich ist der Arbeitsplatz kein religionsfreier Raum“

    Als überzeugte Lectuistin verlange ich eine mittelharte Matratze (Rosshaar), Alergiker Bettwäsche und weiche Kopfkissen.
    .. Ach und einen Weckdienst um punkt 17 Uhr.

  2. #2 von Andreas P am 22. Februar 2011 - 20:29

    Problematischer scheint mir der weitaus haeufigere Fall, dass der Chef eine Religion verlangt.

    Man muss keinen Alkohol verkaufen – gibt genug andere Jobs.
    Problematisch waer’s nur, wenn der Mann etwa als Zwangsrekrut bei der Bundeswehr oder im Kirchenfrondienst gelandet waere und da zum Alkohlausschank verpflichtet gewesen waere, oder in einer vergleichbaren Position.

    Ist wie als radikaler Tierschuetzer Metzger werden, oder Arzt am Krankenhaus werden und ausschliesslich mit gesunden Menschen arbeiten wollen.

    Kurzum, freie Berufswahl, ja, aber bitte nicht den Chef auf Quadratur des Kreises verklagen. 😛

  3. #3 von Barkai am 22. Februar 2011 - 20:39

    hier verhält es sich wie mit ärzten, die aus christlichen gewissengründen bestimmte Eingriffe nicht durchführen wollen; wenn man nicht mit allem, was der Beruf von einem verlangt, einverstanden ist, dann muss man sich entweder einen anderen Beruf suchen oder sich in seinem Beruf so ausrichten, dass man keinen gewissenskonflickt hat (also niedergelassner Hausart oder wie hier in einem Halalladen arbeiten)

  4. #4 von ichglaubsnicht am 22. Februar 2011 - 21:14

    Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Warum nicht eine Religion erfinden, die es einem verbietet während der Arbeitszeit mehr als 50% der Zeit zu arbeiten und für den Rest der Zeit vorsieht, dass der Gläubige sich entspannt und sich belustigt? Natürlich sind regelmäßige Gehaltserhöhungen ein unumgängliches Dogma. Wer sich erdreistet einen Gläubigen dieser Religion zu diskriminieren indem man ihm die Einstellung verwehrt oder gar entlässt, der wird natürlich sofort verklagt, wozu gibt es schließlich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz?

  5. #5 von peanut am 22. Februar 2011 - 21:29

    Mreins, Rosshaar und Allergikerbettwäsche werden abgelehnt, wegen aufhebender Wirkung.

  6. #6 von Andreas P am 22. Februar 2011 - 21:38

    Peanut – seit wann sind logische Widersprüche in Religionsfragen von Bedeutung? 🙂

  7. #7 von peanut am 22. Februar 2011 - 21:39

    Na ich dachte nur lol. Nicht, dass mreins ins Gras beisst, trotz Allergikerbettbezügen. 😉

  8. #8 von mreins am 22. Februar 2011 - 21:55

    @peanut und @Andreas P
    Sehr gut! Ihr habt meinen Kommentar verstanden.
    Und jaja.. manchmal spreche ich in Rätseln. Sorry.

    Wenn der Arme Wicht nur gewusst hätte, das auch in der Cola die er ins Regal geräumt hat angeblich Alkohol drin ist (siehe diverse Erkenntnisse von heute)…
    dann würde er in Zukunft auch als Allergiker auf Rosshaar schlafen – und später das Dänische Bettenhaus verklagen.
    Stimmts?

  9. #9 von Skydaddy am 23. Februar 2011 - 04:58

    Jetzt verstehe ich … mit den 72 „virgins“ für die islamistischen Märtyrer sind wohl alkoholfreie Cocktails gemeint. Na, denn Prost!

  10. #10 von rolandw am 23. Februar 2011 - 07:55

    @mreins: Ich gratuliere! Weil ich kein Latein kann, habe ich den Begriff „Lectuistin“ mal bei Google eingegeben und der einzige Treffer war diese Seite hier. Also gibt es wohl im gesamten Internet nur eine einzige Lectuistin. Das muss man erst mal hinkriegen!

  11. #11 von peanut am 23. Februar 2011 - 08:08

  12. #12 von peanut am 23. Februar 2011 - 08:11

  13. #13 von wahn am 23. Februar 2011 - 11:25

    Religion ist eine Behinderung !

  14. #14 von peanut am 23. Februar 2011 - 11:27

    Mit der Aussage diskriminierst du alle Menschen mit Behinderungen jeglicher Art. Wahn hat nichts mit Behinderung zu tun.

  15. #15 von wahn am 23. Februar 2011 - 11:46

    @peanut
    sorry – ich meinte mit „Behinderung“ das Brett vorm Kopf was ein Hindernis darstellt ! Dieses Hindernis ist ja die Hürde über die die Ungläubigen springen sollen/müssen wenn Sie es mit Gläubigen zu tun bekommen.

  16. #16 von peanut am 23. Februar 2011 - 11:50

    Ich weiss schon, wie du das meintest. Fand nur die Wortwahl ungelungen

  17. #17 von peanut am 23. Februar 2011 - 12:07

    oder auch misslungen lol

  18. #18 von Max Headroom am 23. Februar 2011 - 12:38

    Besonders Muslime geraten in Konflikte zwischen Religion und Arbeitgeber. (..) Der Zweite Senat muss prüfen, ob die Arbeitsverweigerung mit religiösen Gründen zu rechtfertigen ist

    Egal ob Muslime, Scientologe, Christen, Atheisten oder Buddhisten. Der Job gehört gemacht oder gelassen. Wenn der Job ausdrücklich die Vernichtung der gut verstandenen Glaubensgrundsätze bedeutet, dann hat der Gläubige immer noch die Freiheit seine Koffer zu packen und den nächsten Job anzunehmen. Doch ich bezweifle, dass eine Arbeitsstelle die Vernichtung von Kirchen oder Moscheen verlangt. Wer Christ und damit beauftragt wird, tausende von (ehemaligen) Holzkreuzen in Öfen zu werfen, der hat die Freiheit den Job zu wechseln, in einem Gebet den Gott um Verzeihung zu bitten, sich mit einem Priester, Pastor, Bischof oder gar per Brief mit dem Papst um eine glaubenstechnisch-korrekte Handlung zu konsultieren, nach unzähligen Kriegen mit den eigenen Dämonen das Resultat zu interpretieren oder einfach die Tätigkeit auszuüben und zu warten, bis etwas „geschieht“, um daraus was „sinngemäßes“ herauszuinterpretieren. Wenn er von einem Bus gestreift, aber nicht getötet wurde, so steht es ihm völlig frei, es als Glück, als (knappes) Unglück oder einfach als Wink Gottes zu sehen. Hauptsache, er hat seine Arbeit getan 🙂 . Wenn nicht, dann hat er einfach seine Arbeit nicht getan und darf meiner Meinung nach auch gewarnt/gefeuert werden. Man stellt einen Menschen ein, der sich per Arbeitsvertrag verpflichtet. Man stellt keine Gebetsbücher ein, die – vielleicht – die Arbeit machen, wenn der Gott, die Göttin oder das Bauchgefühl es zulässt.

    (..) erklärte das Bundesarbeitsgericht die Abmahnung einer Erzieherin (..) für rechtens, die im Kindergarten ihr Kopftuch nicht ablegen wollte (..) Im Dezember 2009 bestätigten die Bundesrichter die Kündigung einer Lehrerin (..), die im Türkischunterricht mit Kopftuch vor ihre muslimischen Schüler trat (..). Dagegen sah das höchste deutsche Arbeitsgericht im Jahr 2002 bei einer muslimischen Verkäuferin (..) keinen Kündigungsgrund darin, dass sie sich weigerte, während der Arbeit ihr Kopftuch abzulegen.

    Arbeiteten die Menschen in staatlichen Institutionen? Dann haben sie sich neutral zu verhalten und werden bei Demonstrationen von religiösen Symbolen (Kreuzrumtragen, Kopftuch, Gebetsteppichausrollen, Weihrauchschwenken, …) dann getadelt. Arbeiteten sie dagegen in kirchlichen Betrieben, dann dürfen sie gefeuert werden. Was der Chef für „Wünsche“ hat, gehört – je nach Arbeitsvertrag – respektiert oder ignoriert. So einfach ist das.

  19. #19 von mreins am 23. Februar 2011 - 19:28

    @rolandw
    Ja wir Lectuisten sind schon was Besonderes. Uns findet man nicht so einfach im Internet – eher in der Beschreibung römischer Tischkultur.
    Deshalb fühlen wir uns auch in so vielen Modernen Berufen und Kantinen diskriminiert.
    Eigentlich in jedem Beruf der mit Arbeit oder sitzender Nahrungsaufnahme verbunden ist.
    Und deshalb freuen wir uns auch darüber das deutsche Richter behaupten „der Arbeitsplatz ist kein religionsfreier Raum“.
    Jetzt können wir endlich gegen die Arbeit in unserer Arbeit klagen.
    Denn…. auch Lectuisten haben ein Bankkonto.
    Übrigens… ich hätte auch nach „Lectuist“ gegoogelt.

    @peanut
    Deshalb liebe ich diesen Blog.
    Vor euch kann man einfach keine Geheimnisse haben.

  20. #20 von peanut am 23. Februar 2011 - 19:42

    😉