Studie: Konfessionslose weniger rechtsextrem als Katholiken und Protestanten

Studie: Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland.

Eine Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland kommt zu dem Ergebnis, dass Konfessionslose in allen 6 untersuchten Dimensionen (Befürwortung Diktatur, Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus, Verharmlosung Nationalsozialismus) die geringsten Werte aufweisen.

„In allen sechs Dimensionen weisen Konfessionslose geringere Werte auf als Anhänger/innen der beiden großen Amtskirchen (evangelisch-lutherisch und römisch-katholisch). Katholik/innen zeigen sich dabei antisemitischer und sozialdarwinistischer, während Protestant/innen eher chauvinistischen und ausländerfeindlichenAussagen zuneigen.“ [S. 88]

Die Autoren der Studie weisen „in aller Deutlichkeit“ darauf hin, dass diese Zahlen lediglich einen Zusammenhang (Korrelation) aufzeigen, aber keine Ursachenbeschreibung. Das heißt, man kann nicht sagen, dass Katholizismus oder Protestantismus die Leute rechtsextrem werden lässt. Vielmehr dürfte davon auszugehen sein, bestimmte Milieus sowohl zum Katholizismus bzw Protestantismus neigen als auch zu rechtsextremen Einstellungen, ohne dass das eine das andere verursacht.

Allerdings wird man die Studie legitimerweise anführen dürfen, falls jemand behauptet, Christen seien weniger rechtsextrem, chauvinistisch, ausländerfeindlich oder antisemitisch. Oder wenn so getan wird, als führe Atheismus zu Sozialdarwinismus.

Studie „Die Mitte in der Krise“. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010.

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  1. #1 von Deus Ex Machina am 1. November 2010 - 08:58

    Wen wundert´s? Die RKK basiert doch auf dem Führerprinzip. Wenn man also schon eh braun im Kopf ist, fühlt man sich in so einer o.ä. Organisationen recht schnell heimisch.
    Oder zum Thema „Luther“ ist ja auch schon genug (im alten Blog war es glaub ich) gesagt worden.

  2. #2 von karin am 1. November 2010 - 10:10

    Ja man wurde doch von Kind an in der Schule im Religioten Unterricht gegen Andersdenkende oder Aussehende Menschen Aufgehetzt .Ich konnte froh sein ein Elternhaus zu haben was der Kirche gegenüber Kritisch war durch ihre Eigenen Erfahrungen.

  3. #3 von Andreas P am 1. November 2010 - 13:08

    Die Studie laesst noch tiefer blicken: In punkto Konfessionslosigkeit gibt es ein starkes Ost-West-Gefaelle, d. h. der Osten ist tendentiell weniger kirchenhoerig. Aber bereits seit der Wiedervereinigung wurde immer wieder belegt – und das auch in dieser Studie -, dass rechtes / „autoritaeres“ Gedankengut im Osten weit mehr Anhaenger findet als im Westen.

    Bei einer nach Ost und West getrennten Auswertung wuerde daher zumindest im (zahlenmaessig groesseren, statistisch mithin gewichtigeren) Westen der Unterschied wohl noch krasser ausfallen. Fuer den Osten muesste man die Rohdaten haben – kann man mit der veroeffentlichten Zusammenfassung allein nur drueber mutmassen.

    Ueberraschen kann es aber eigentlich niemanden, der ein paar historische Kenntnisse ueber die Anhaengerkreise Hitlers hat. (Stichwort evangelische Kirche: Reichsweite Zahlen finden sich schwer. In Braunschweig immerhin war ein Drittel der protestatischen Pfarrer in der NSDAP, bei einigen negativ beschiedenen Aufnahmeantraegen, in Oesterreich etwa 50%.)

  4. #4 von skydaddy am 1. November 2010 - 14:24

    @Andreas P:

    Auf S. 23 enthält die Studie eine Aufschlüsselung nach Ost und West (ohne Konfessionen, nur Ost und West halt). Der Osten liegt zwar bei „Befürwortung Diktatur“, „Ausländerfeindlichkeit“ und „Sozialdarwinismus“ „vorn“, dafür hat der Westen höhere Werte in Bezug auf „Chauvinismus“, „Antisemitismus“ und „Verharmlosung des Nationalsozialismus“. In der Summe könnten sich die Kriterien die Waage halten, so dass – gemäß dieser Untersuchung – möglicherweise keine deutlich höhere rechtsextreme Einstellung im Osten vorhanden ist. Die Ausführungen auf S. 24 gehen ebenfalls in diese Richtung. („rechtsextreme Einstellungen kein rein ostdeutsches
    Phänomen“, „ein gesamtdeutsches Phänomen“, relativ hohe antisemitische und ausländerfeindliche Aussagen in Bayern und Baden-Württemberg.)

  5. #5 von Sheldon Lee Cooper am 1. November 2010 - 16:02

    Also mich wundert das natürlich nicht. Es ist eben einfacher, Menschenfeindlichkeit aufrechtzuerhalten, wenn man Rechtfertigungen mit Verweis auf auf höhere (allmächtige) Autoritäten ablehnen und Kritik damit zurückweisen kann. Das heißt natürlich nicht, dass Religiöse automatisch Nazis sind. Sie haben es nur leichter, eine solche Position aufrecht zu erhalten, als säkulare Humanisten, die ihre Meinung nicht durch ihren Glauben begründen können und sich daher dem Dialog stellen müssen.

  6. #6 von Andreas P am 1. November 2010 - 16:13

    @Skydaddy: Das auf S. 23 sind die Zahlen von 2006: Inzwischen hat der ‚Chauvinismus‘ im Osten (geringfügig) mehr Anhänger als im Westen. (“Antisemitismus” und “Verharmlosung des Nationalsozialismus” sind immer noch eher im Westen anzutreffen.)

  7. #7 von Deutsch-Pole am 1. November 2010 - 18:24

    Tja, sekular/atheistisch/agnostisch/deistisch zu sein fuhrt leider automatisch dazu dass man
    sein Gehirn auch tatsachlich einsetzt z.B zur Mustererkennung
    (d.h man erkennt, dass einen selbst mit einem z.B Afrikaner mehr verbindet als trennt-
    Oder man erkennt, dass z.B Faschismus viel mit Religion („pol. Religion“) gemeinsam hat)
    Generell habe ich festgestellt dass Glaube einen Menschen unglaublich intelektuell behindern kann-z.B wenn man gar nicht mehr in der Lage ist ein rationales Argument
    zu uberdenken.

    Ein Beispiel (paraphrasiert, von vor ein paar Tagen)

    Anti-Abtreibungsoma:Abtreibungen gehoren gesetzlich verboten,da bin i ganz stark dafur.
    I main, meine Eltern hatten auch viele Kinder und I war froh uber so viele Geschwister…

    Ich: Aber im alten Testament steht: Wer eine Frau stosst und sie erleidet eine Fehlgeburt muss sie fur die Schadigung ihres Korpers entschadigen.Also ist der Fotus Teil des Frauenkorpers und sie darf entscheiden.

    Sie: Nein, weil Jesus hat ja das AT abgeschafft.

    Ich: Nein, er sagt: „Ich bin nicht gekommen es abzuschaffen,sondern um es zu vollenden ect“ Uberhaupt: Was wenn man vergewaltigt wurde?

    Sie: Aber Gott ist die Liebe bla bla Wenn man es erlaubt dann werde Frauen ihre ungeb. Kinder toten bla bla

    Ich: 1. Sie argumentieren mit eigenen Emotionen Das ist KEIN Argument
    2. Falsche Dichtomie (es geht nicht um ja oder nein, sondern darum,dass die Frau selbst entscheidet)
    3. Non sequitur- „Gott ist Liebe“ fuhrt nicht automatisch zu „Abtreibungen sind verboten“, viel eher schon zu „Gott vergibt jeden, der so etwas nicht leichtfertig macht“

    Sie:Ja ne,aber wisset Se, dass ist trotzdem bla bla..die Kirche hat scho recht wenn sie bla bla

    Ich: ….Haben Sie mir uberhaupt zugehort?!

    Sie: O isch scho so schpat, I werd fur Sie beten dass Se die Wahrheit sehen.

    Ich:….

    Wahrend ich argumentiert habe hat sie immer versucht mich nervos zu machen („ja,ja, sagen Sie…ja was…ja…ja…I hor Ihe zu“ bis ich einfach grinsend gemeint habe dass das nicht funktioniert. Uberzeugt man solche Leute? Nein, aber zum Gluck hat sie keine Kinder, damit ist die Seuche rel. Verblendung zumindet eingedammt.

  8. #8 von Sheldon Lee Cooper am 1. November 2010 - 18:33

    > Tja, sekular/atheistisch/agnostisch/deistisch zu sein fuhrt leider automatisch dazu dass man
    > sein Gehirn auch tatsachlich einsetzt

    Tja, schön wär’s. Ich kenne genug Atheisten, bei denen ich die Straßenseite wechsle, wenn sie mir begegnen.