Moralverfall durch Atheismus?

In säkularen Gesellschaften werden religiöse Werte oft über ihren moralischen Nutzen verteidigt. Der Soziologe Hans Joas widerspricht der These, dass der Atheismus zwangsläufig zum Moralverfall führt.

(…)

Joas verneint den Moralverfall durch Säkularisierung klar und deutlich. Anderslautende Studien, die Religion in statistischen Zusammenhang mit niedrigeren Depressionsraten oder größerem familiären Zusammenhalt bringen, erwähnt er knapp.

Weiterlesen:

[http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/moralverfall-durch-saekularisierung-die-glaubensdividende-11943959.html

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  1. #1 von Randifan am 31. Oktober 2012 - 18:24

    Solche Studien sind reine Rosenpickerei, ein anderer Soziologe sagt wiederum, starker Aberglaube fördere die Gesellschaft.

  2. #2 von Deus Ex Machina am 31. Oktober 2012 - 18:48

    “Ohne GOtt ist alles erlaubt” ? Jeder, der diesen Mist zitiert, sollte sich mal ansehen, was alles durch, mit und wegen Gott erlaubt war und das dann mit dieser ach so pösen noch-zu-wenig-säkularen Gesellschaft vergleichen.

  3. #3 von AMB am 31. Oktober 2012 - 19:00

    Ohne Gott ist alles erlaubt?

    Auf so einen Blödsinn kommen nur unlogisch denkende Religioten.

  4. #4 von Flo am 31. Oktober 2012 - 19:47

    Ist das nicht völlig egal? Selbst WENN wir mal annehmen, dass es durch Religion mehr moralisches Verhalten gibt, ändert das doch nichts an der Realität, dass Religion mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine LÜGE ist. Ich kann mir die Realität nunmal nicht aussuchen, sondern muss das Beste daraus machen. Wenn das auch Probleme bringt, ist das halt der Preis des Erwachsen-Werdens.

  5. #5 von deradmiral am 31. Oktober 2012 - 20:41

    Wenn “ohne Gott” alles erlaubt ist, dann wäre alles erlaubt. Die Tatsache, dass nicht alles erlaubt ist, beweist nicht die Existenz eines Gottes (welchen?), sondern dass der Satz “Ohne Gott ist alles erlaubt” falsch ist.

    Und überhaupt soll man in Sachen Moral auf seinen Bauchgefühl und nicht auf die Stimmen in seinem Kopf hören (Abraham, Lots Töchter).

  6. #6 von Wolfgang Klosterhalfen am 31. Oktober 2012 - 22:24

    Wenn ohne den Glauben an einen Gott alle Hemmungen wegfallen würden, wäre es in der DDR drüber und drunter gegangen. Überzeugende empirische Belege für mehr Altruismus und weniger Kriminalität auf Seiten der Gläubigen habe ich noch nicht gesehen. Eine Studie, die suggeriert, junge Katholiken würden sich überdurchschnittlich häufig ehrenamtlich engagieren (McKinsey 2005), habe ich mir näher angesehen. Die Unterschiede waren minimal. 27% der jungen Katholiken, aber nur 24% der gleichaltrigen Nicht-Katholiken hatten ein Ehrenamt inne. Bei Politik, Umwelt- und Tierschutz gab es keine Unterschiede. Fünf Prozent der Katholiken hatten Ehrenämter im Bereich „Kirche/Religion“ inne, bei der Gesamtgruppe der 16- bis 29-Jährigen waren es nur drei Prozent. Na toll. Es gibt anscheinend eine US-amerikanische Studie, in der Atheisten unter den Gefängnisinsassen stark unterrepräsentiert waren. Davon war mir bisher allerdings nur eine Tabelle im Internet zugänglich.

  7. #7 von Hinterfragerin am 31. Oktober 2012 - 22:45

    “Ein Kriminalitätsgefälle zwischen gläubigen und ungläubigen amerikanischen Bürgern ist durch Studien belegt.” Und? Wie sieht es genau aus?

    “Vor allem in fundamentalen Lebensaspekten wie Abtreibung, Sterbehilfe und Embryonenforschung sei die religiöse Moral stärker.”

    Wenn man so wertet ist es klar, dass man säkulare Vorstellungen als “Verfall” ansieht… Aus meiner Sicht ist aber eben diese “religiöse Moral” unmoralisch, Ursache des Leidens von Menschen, weil andere Menschen meinen, ihre religiöse Moral zum Maßstab für alle erklären zu können.

    “die Versachlichung des Lebendigen, wie sie sich in Pornographie, Sterbehilfe und Reproduktionsmedizin artikuliert.”

    Ja, diese drei Dinge sollte man schon in einem Atemzug nennen. Versachlichung des Lebendigen, wenn man Menschen das Recht einräumt, eine eigene Entscheidung über das Ende ihres Lebens zu treffen? Versachlichung des Lebendigen, wenn man Menschen hilft, Kinder zu bekommen, die dazu sonst nicht fähig wären? Lieben diese ihre Kinder weniger, weil sie auf die Art gezeugt wurden? Wo liegt hier der Moralverfall?

    “Die kontraktualistische Moral hat neben ihrer profanen Utilität den Makel, das Gutsein vom Handeln der anderen abhängig zu machen (…). Der Ausweg liegt bei Püttmann im Glauben an den sittlichen Ausgleich im Jenseits.”

    Ja, es ist natürlich viel sinnvoller, wenn der Kontrakt sozusagen mit einer fiktiven, transzendenten Person geschlossen wird, die Gutes belohnt und Böses bestraft. Und wenn das Gutsein von den Vorgabewn dieser fiktiven Person abhängig ist.

    Dem Artikel fehlt ein umfassender Verweis auf die tatsächlich vorliegende Empirie, er liest sich für mich wie hochtrabendes Gelaber.

  8. #8 von sergej_k am 31. Oktober 2012 - 23:16

    Nicht auszudenken wenn es im Mittelalter keine christlichen Werte gegeben hätte. Das wäre sicher schlimm geworden. Dann wären bestimmt viele Ungläubige umgebracht und Hexen verbrannt worden. Na, Gott sei Dank(!) ist uns das erspart geblieben. Gut, das es christliche Moral gibt.

  9. #9 von Hinterfragerin am 31. Oktober 2012 - 23:27

    @sergej_k

    Beim Hexenverbrennen und Ketzerumbringen hatten die Täter aber die richtige Einstellung zum “Lebendigen” und glaubten an einen “sittlichen Ausgleich im Jenseits” (wo sie belohnt würden, und vielleicht hatten sie ja auch ein paar Seelen gerettet). Profanität kann man ihnen nicht vorwerfen.
    Ist doch klar, dass Reproduktionsmedizin und Sterbehilfe viel schlimmer sind als “gutgemeinte” Verfolgungen von Andersdenkenden..

  10. #10 von stephancologne am 1. November 2012 - 08:22

    “ohne Gott ist alles erlaubt” (religiotisches Wunschsenken)

    “Gott mit uns” (die bittere Realität)

  11. #11 von Skydaddy am 1. November 2012 - 08:33

    Die Attentäter vom 11. September 2001 und vermutlich so gut wie alle religiösen Selbstmordbomber glaubten auch an einen “sittlichen Ausgleich im Jenseits”.

  12. #12 von Skydaddy am 1. November 2012 - 08:39

    Im übrigen sehe ich den Umstand, dass immer mehr mit dem angeblichen gesellschaftlichen “Nutzen” der Religion argumentiert wird (statt zu versuchen, uns von ihrer Wahrheit zu überzeugen) einen Meilenstein in der Geschichte. Im Westen haben religiöse Lobbyisten weder Zwang noch überzeugende Argumente (für den Glauben an sich) aufzuweisen, und sie wissen das. Deswegen versuchen sie jetzt in einer Art letztem Aufbäumen, mit dem gesellschaftlichen Nutzen der Religion zu argumentieren. Das wird aber – genau wie alle bisherigen Argumentationen – nur so lange auch nur ansatzweise funktionieren, bis die gegenteiligen Belege etabliert sind. Und da es hier – im Gegensatz zur Existenz Gottes – um nachprüfbare Behauptungen geht, wird die Widerlegung nicht sehr lange dauern und dann auch nicht mehr von der Hand zu weisen sein.

  13. #13 von Wolfgang Klosterhalfen am 1. November 2012 - 09:58

    Optimistisch stimmt mich auch, dass es bei solch bekloppten Artikeln regelmäßig gescheite Online-Kommentare gibt.
    Uwe Busenius schrieb der FAZ am 31.10.2012:
    Moral beruht auf Bauchgefühlen, Ethik auf Verstandesurteilen.
    Der kategorische Imperativ ist ein Verstandesurteil, nur darauf sollte sich eine Gesellschaft stützen und nicht auf Gefühle tiefer liegender Körperregionen, die nicht zum Denken vorgesehen sind. Die Moral der Einen wirkt meist zu Lasten Anderer, sie dient der Unterdrückung, denn sie ist mit Dogmatismus unterfüttert. Die postulierte Existenz eines Gottes z.B. ist solch ein Dogmatimus, der Gottgläubige zu der Anmaßung verführt, sich das Recht zu nehmen, Andersgläubigen ihre Lebensweise vorschreiben zu können.
    Götter haben ausgedient als Rechtsgrundlage einer sekularen Gesellschaft, das hat sich leider in der BRD noch nicht rumgesprochen.

  14. #14 von Noch ein Fragender am 1. November 2012 - 11:41

    Ohne Gott ist alles erlaubt – Klar, deshalb dürfen Atheisten auch bei Rot über die Ampel fahren.

  15. #15 von Skydaddy am 1. November 2012 - 12:12

    @NEF:

    Und zwar mit 1,54 Promille!

  16. #16 von Skydaddy am 1. November 2012 - 12:12

    Im Phaeton!

  17. #17 von Wacke am 1. November 2012 - 14:20

    In Begleitung!
    In unbekannter selbstverständlich.

  18. #18 von sergej_k am 1. November 2012 - 14:34

    Christian values are a load of shit. Do you know what’s the load of shit about them? The fact that you had to have them written down. The fact you couldn’t figure out internally not to kill people, don’t steal. Really? You should just know this. It should be internal in you.

    – Jim Jefferies

  19. #19 von Aren am 1. November 2012 - 16:24

    Das sieht man vorallem in Irland…diese gottlosen Protestanten und Katholiken dort!
    Oder wenn sich Juden und Moslems treffen, diese friedliche, moralische Verständigung dieser beiden Religionen!