Radiohörer vergeben Sünden

„Wir zeigen nicht mit dem Finger auf dich, sondern machen dein Gewissen rein.“ Mit diesen Worten wirbt der Radiosender „Energy“ für ein besonders skurriles Projekt. Der Sender will seinen Hörern ihre Sünden vergeben.

(…)

Während bei den zerknabberten High-Heels 74 Prozent der Hörer für die Vergebung stimmten, waren es bei dem kaputten Auto 76 Prozent. Weniger Glück hatte dabei Pascal: Bei einer Mutprobe hat er ein Handy geklaut…

Weiterlesen:

http://www.pro-medienmagazin.de/radio.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=5826

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  1. #1 von deradmiral am 24. September 2012 - 11:14

    Atheisten mussten bis dato ihre Schandtaten vor ihrem Gewissen oder vor einem Gericht verantworten. Christen haben es da besser, sie konnten ihr Gewissen (nach dem Ablecken des Rasierschaums vom Knie) bei einem Priester erleichtern. Letzteres ist ethisch sogar noch weniger vertretbar, als der öffentliche Schauprozess im Radio.

  2. #2 von bonifatz am 24. September 2012 - 12:04

    “Atheisten mussten bis dato ihre Schandtaten vor ihrem Gewissen oder vor einem Gericht verantworten. ”
    Ich würde sagen, vor seinem Gewissen muss jeder seine Schandtaten verantworten. Vor Gericht logischerweise nur, wenn es zu einer Anklage kommt. Ihre Formulierung irritiert mich jedoch einwenig: “mussten bis dato…. verantworten” – müssen sie es jetzt etwa nicht mehr? Eine sonderbare Auffassung ;)

    “Christen haben es da besser, sie konnten ihr Gewissen (nach dem Ablecken des Rasierschaums vom Knie) bei einem Priester erleichtern.” Ich denke, auch Atheisten könnten, wenn sie es wollten, ihr Gewissen bei einem Priester erleichtern. Gut, das mit der Absolution könnte schwierig werden, da der Atheist ja nicht an den glaubt, in dessen Name diese erteilt wird.
    Das mit dem Rasierschaum ist, zumindest nach meinem Kenntnisstand, nicht Bestandteil der Beichte ;)

  3. #3 von stephancologne am 24. September 2012 - 12:24

    Wenn jemand mein Gewissen erleichtern kann, dann das Opfer und ehrliche Einsicht. Dafür brauch ich ganz bestimmt keinen Priester und schon gar keinen imaginären Wolkenpapi.

  4. #4 von parksünder am 24. September 2012 - 12:26

    Auch wenn das Radio selbst von “Vergebung der Sünden” spricht – Die Hörer stimmen nicht dafür, ob dem Schuldigen vergeben werden soll, sondern ob das Radio die Kosten für den Sündenfall übernimmt.

    Näheres dazu findet man hier:
    http://www.energy.de/on-air/energy-suenden/

    Und die Fälle auf der Website sehen mir auch nicht gerade wie Schauprozesse aus – Das meiste davon könnte auch meinem Nachbarn passieren. Mehr als den Vornamen erfährt man per Radio sowieso nicht. Ich glaube kaum, dass hier jemand wirklich an den Pranger gestellt wird, es wirkt alles sehr Anonym – so jedenfalls mein Eindruck.

    Letztendlich muss man das Ganze trotzdem mit seinem Gewissen vereinbaren – Radio hin oder her. Der Beichtstuhl (und wer noch Lust dazu hat – das Abschlecken des Rasierschaums) bleibt einem gläubigen Christen also nicht erspart.

  5. #5 von Michael am 24. September 2012 - 15:04

    Sündenvergeben, das könnte der AMB doch auch machen. Einfach einen Link “Sünden vergeben” setzen und wenn man draufklickt erhält man die Meldung “Ihre Sünden wurden vergeben. Vielen Dank für Ihr Vertrauen!”

    So einfach ist das. Da können die anderen Sündenvergeber einpacken. :-P :-)

  6. #6 von bonifatz am 24. September 2012 - 15:36

    Aufgrund von Parksünders Kommentar habe ich habe mir jetzt doch mal den Ausgangsartikel angeguckt. Kann dir nur zustimmen, Parksünder, da geht’s nicht um ver- sondern um ausgeben – in diesem Fall das Geld des Radiosenders.
    Platter Slogan, theologisch nicht reflektiert. Aber das ist ja an dieser Stelle vielleicht auch zuviel verlangt ;)

  7. #7 von Uwe am 24. September 2012 - 15:42

    @Michael

    Hatte gerade eine ähnliche Idee.
    Allerdings hatte ich einen Unkostenbeitrag von 5€ veranschlagt. Als Begründung hatte ich mir noch ne schöne Geschichte zusammenphantasiert. So im Stil von Marienerscheinung auf dem Klo oder Engelsbotschaften im Radio. Fertig ist die Esoterikseite für Geistesschwache.

  8. #8 von AMB am 24. September 2012 - 16:29

    @Uwe

    Das funktioniert 100%ig!

  9. #9 von Uwe am 24. September 2012 - 18:23

    @AMB

    Genau das ist das Problem, viele denkfaule Bildleser würden dafür ihr letztes Geld ausgeben. Wäre mein moralischer Kompass schon endgültig im Arsch, würde ich dieses Pack ausnehmen wie ein Hütchenspieler. Aber das kann ja noch werden, in zehn Jahren bin ich vielleicht schon zynisch genug. ;-)

  10. #10 von AMB am 24. September 2012 - 19:29

    @Uwe

    Habe auch schon überlegt umzusatteln. ;) 100 Euro für ein gutes Karma, Seelenheil etc. Ich seh schon den Bentley in meiner Villa stehen. :D

  11. #11 von Uwe am 24. September 2012 - 19:45

    Oder die Kohle für Koks und Nutten ausgeben und den Rest verprassen.
    8-o

  12. #12 von pufaxx am 24. September 2012 - 19:51

    Hm … finde ich ein lustiges Konzept. Ist allerdings nicht wirklich religiös.

    “Wir helfen Leuten, die aus Unachtsamkeit Schaden angerichtet und dieses nicht mit Absicht getan haben, die Sache wieder in Ordnung zu bringen”. Das ist keine “Vergebung” – das ist “Wiedergutmachung”.

    “Sünde” existiert sowieso nur gegenüber unbewiesenen Gottheiten oder gegenüber Werten, die auf unbewiesenen Gottheiten basieren. Meistens ist “Sünde” sogar bloß ein “Verbrechen ohne Opfer”. Hat dieses Verbrechen Opfer, gibt’s dafür passendere Worte. “Betrug”, “Diebstahl”, “Mord”, “Missbrauch”, “Veruntreuung” …

    Keine Ahnung, wie lange ich das Wort “Sünde” nicht mehr in den Mund genommen habe – außer, um gegen dieses völlig inkonsistente und willkürliche Konzept des “Schlechtes-Gewissen-Machens” zu wettern.

  13. #13 von Yeti am 25. September 2012 - 10:51

    Ähem, gibt es für “aus Unachtsamkeit angerichteten Schaden” nicht schon lange passende Versicherungen?

  14. #14 von pufaxx am 25. September 2012 - 14:31

    @Yeti: Hat nicht jeder. Und bei grober Fahrlässigkeit zahlen die auch ungern.