Die staatliche Neutralität verträgt keinen konfessionellen Unterricht, meinen viele Leser:
R. Drephal würde der Diskussion gerne die Grundlage entziehen:
“Religionsunterricht in unseren Schulen sollten wir abschaffen. Religion ist eine private Angelegenheit und hat mit unserem Bildungsauftrag nichts zu tun. Genau wie die Kirchensteuer ein alter Zopf ist, in anderen Ländern gibt es so etwas auch nicht. Für mich unverständlich ist, dass sogar in Berufsschulen Religionsunterricht abgehalten wird. Es wäre in der heutigen Zeit wichtiger, wenn anstatt Religion für diese Stunden Deutsch und Mathe auf dem Stundenplan stehen würde.
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#1 von Argus7 am 24. September 2012 - 10:46
Mit diesen Forderungen rennt der Leserbriefschreiber R. Drephal in diesem Forum doch offene Türen ein !
#2 von bonifatz am 24. September 2012 - 10:55
Na dann, soll er eben das Grundgesetz ändern.
#3 von Robin Urban am 24. September 2012 - 12:08
Der Religionsunterricht sollte in eine Art Ethik/Kulturwissenschaft umgewandelt werden, in dem die Bibel durchaus noch eine Rolle spielen darf, aber nur als Sagenbuch…
#4 von deradmiral am 24. September 2012 - 13:09
@bonifatz
Eine Grundgesetzänderung ist nicht nötig. Man muss nur alle öffentlichen Schulen zu bekenntnisfreien Schulen machen.
#5 von schiffmo am 24. September 2012 - 13:14
@admiral: Das genügt nicht. Seit der zweiten Regierung Högner sind in Bayern alle öffentlichen Schulen bekenntnisfrei. Sie haben dennoch verpflichtenden Religionsunterricht für alle Schüler, die ein Bekenntnis haben. Ein Kollege von mir hier ist ev und war (offiziell vermutlich, damit er beaufsichtigt war) im rk Religionsunterricht.
#6 von NinoF am 24. September 2012 - 13:32
Das Problem ist, dass dieser Religionsunterricht auf dem Konkordat zwischen Deutschland (sowie den Ländern) und den Kirchen bassiert. Konkordate unterliegen dem Völkerrecht. Und das macht das Abschaffen oder gar Ändern “etwas” umständlich….
Ich sehe nur die Alternative: Religionsunterricht oder heimgehen. Strafunterricht als “Ethik” getarnt ist das Übel das weg muss. Der Religionsunterricht hört dann schon mangels Schühglern von alleine auf. (Wobei der Staat dan sicherlich Vertragsgemäß die Religionslehrer fürs Nichtstun trotzdem beschäftigen und weiterbezahlen muss…)
#7 von Deus Ex Machina am 24. September 2012 - 13:43
Hehe, oft schon hier erzählt, aber immer wieder passend:
Vor zwei Jahren hatte ich ne Diskussion mit niederm Leerpersonal (angehende Reli-Lehrerin an der Grundschule). Zuerst fragte sie: “Wer soll den Kindern denn beibringen, warum wir Weihnachten feiern?” – Klatsch Klatsch, Applaus! Schöner kann eine Grabrede aufs Christentum nicht beginnen.
Wenige Minuten später kam dann: “Warum sollte man den Mathe an Schulen unterrichten, wenn es shon keinen Religionsunterricht gibt?” – Glückwunsch! Wenn man nicht einmal mehr kapiert, was Mathe an Schulen zu suchen hat, sondern deren Legitimierung von der Märchenstunde in der Schule abhängig macht, quasi als optionales Extra, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass die Industrie hier über die mangelnde Bildung der Azubis lästert.
#8 von schiffmo am 24. September 2012 - 13:49
@NinoF: Diejenigen Religionslehrer mit weiteren Fächern werden weiterhin Latein, Deutsch oder Geschichte geben (oder sonstwas). Die neumodernen Religionspädagogen könnten in dem Fall tatsächlich kleben bleiben. Alles in allem sollte die Planung aber so sein, dass auch die weniger werden, wenn mehr bekenntnislose Schüler auftauchen.
Das ist zunächst unabhängig davon, ob nun Ersatz-Ethik gibt oder nicht. So wie es sich hier anliest, wäre es wohl konkordatskonform, Religion ohne Ersatz-Ethik anzubieten und in der letzten Stunde am Nachmittag zu unterrichten.
#9 von AMB am 24. September 2012 - 13:53
@DEM
Für solche Fragen muss man entweder kreativ lustig oder christlich verblödet sein.
#10 von NinoF am 24. September 2012 - 14:43
Ach so. Das Religionsunterricht in Berufsschulen angeboten wird halte ich auch für Totallen Irrsinn!
Aber, gemäß Konkordat hat sich der Staat leder ausdrücklich dazu verpflichtet:
“ARTIKEL 21
Der katholische Religionsunterricht in den Volksschulen, Berufsschulen, Mittelschulen und höheren Lehranstalten ist ordentliches Lehrfach….. ”
http://kulturserver-hessen.de/home/zeitzeichen/konkodat.htm
Fraglich ist jedoch, ob der religionsunterricht in Grundschulen den überhaupt seine muss. Volksschulen gibt es ja nicht mehr
#11 von Barkai am 24. September 2012 - 14:45
bonifatz,
weil in bremen oder berlin (wo Reli eifnahc nur ein zusaetzliches Fach ist) das GG nicht gilt?!
#12 von Deus Ex Machina am 24. September 2012 - 16:08
@ AMB:
Tatsächlich musste ich bei der Weihnachtsfrage erst einmal wirklich ernsthaft überlegen, ob das nun geniale Satire oder eben christliche Verblödung war.
#13 von NinoF am 24. September 2012 - 17:01
@Deus Ex Machina
Vermutlich wusste sie es selbst nicht einmal (und was sich dessen nicht bewusst), Denn dass Christi Geburt erst im vierten Jahrhundert auf den 25. Dezember gelegt wurde wissen wohl die wenigsten Religionslehrer. Und warum wir mit Geschenken, Baum, Kerzen usw feiern hat sicherlich aúch eher etwas mit Nordischen Religionen zu tun wie mit dem Glauben der Version die sie den Kindern unterschieben möchte.
Nein Danke.
Meine Kinder sollen lernen “warum wir Weihnachten feiern..”. Und dazu ist eine Christ wohl eher selten in der Lage…
Aber ich finde es gut den Kindern nach dem Religionsunterricht die ganze Geschichte nochmal selber zu erklären und meine Aussagen zu belegen (zB mit eglatanten Fehlern hierzu aus der Bibel). Den die Warheit ist doch viel schöner und macht auch noch dazu viel mehr Sinn (und ist eine Lehrstück in Sachen Propaganda)
#14 von Deus Ex Machina am 24. September 2012 - 17:57
Das Witzige an der Sache ist, dass ich kurz nachdem sie die Weihnachtsfrage gestellt hatte und ich immer noch glaubte, dass sie einen Scherz machen würde, ich exakt darauf hinwies. Eben dass das Christentum verschiedenste Kulte assimilierte – Mithraskult, dass am 25.12. Sol Invictus verehrt wird oder die Saturnalien in Rom.
Aber versuch das mal einer Tussi beizubringen, die mir doch tatsächlich erklärt, Bibel und Evolutionstheorie würden sich nicht widersprechen, weil der ältere Schöpfungsbericht die ET nicht tangiere. Und was ist mit den “7 Tagen”? Was ist dann das Problem der Christen seit 150 Jahren mit der ET? Also in so einen tiefen gähnenden Abgrund bestehend aus dem Ausfall logischen Denkvermögens hatte ich damals schon lange nicht mehr geblickt.
#15 von parksünder am 24. September 2012 - 19:11
@DEM
“Aber versuch das mal einer Tussi beizubringen, die mir doch tatsächlich erklärt, Bibel und Evolutionstheorie würden sich nicht widersprechen, weil der ältere Schöpfungsbericht die ET nicht tangiere. Und was ist mit den “7 Tagen”? Was ist dann das Problem der Christen seit 150 Jahren mit der ET? Also in so einen tiefen gähnenden Abgrund bestehend aus dem Ausfall logischen Denkvermögens hatte ich damals schon lange nicht mehr geblickt.”
–> Bitte denk jetzt nicht gleich an die Fundis, die die Bibel wortwörtlich nehmen! Die meisten Christen hierzulande sehen die Schöpfungsgeschichte doch eher als Metapher oder zumindestens nicht so genau. Das lernte selbst ich damals schon in der Grundschule, dass die Leute es damals halt nicht besser wussten. Hast du die Lehrerin mal genauer gefragt, was sie damit meinte? Vielleicht denkt sie nur an einen göttlichen Funken, der das Leben in der Ursuppe hervorgebracht hatte.
#16 von Willie am 25. September 2012 - 06:18
@ bonifatz
Lol, ist in den klerikalen Kreisen nicht bekannt, dass dies im freien, demokratischen Leben nicht von Einzelnen veranlasst wird?
#17 von bonifatz am 25. September 2012 - 08:32
@Willie: Ist Ihnen denn nicht bekannt, dass sich im freien, demokratischen Leben jeder einer Partei anschließen kann oder selbst eine gründen kann, der er dann vielleicht seine Wünsche schmackhaft machen kann? Sowas nennt sich Eigeninitiative, schonmal davon gehört? Was in klerikalen Kreisen bekannt ist und was nicht entzieht sich meiner Kenntnis.
#18 von Deus Ex Machina am 25. September 2012 - 12:59
@ parksünder:
Wer es für unabdingbar hält, dass man Kindern beibringen muss, warum Weihnachten gefeiert wird und sich darüber aufregt, dass dies nicht schon von Seiten der Eltern geschieht, kann sich nicht frei nach Belieben auf “Man kann die Bibel ernst oder wörtlich nehmen!” zurückziehen.
Man kann auch so mit x-beliebigen SF-Geschichten verfahren, die aber meiner Erfahrung nach sehr viel genauer seziert werden, obwohl sie keine Anspruch auf Wahrheit erheben oder gar als Fundament für Weltanschauungen dienen. Naja, diesen Scienetology-Murks mal ausgenommen…..
Schön, wenn Leute das als Metaphern sehen, schön, wenn sie es nicht genau nehmen mit der Bibel – bei all dem Mist der da drin steht. Aber warum versieht man die Bibel dann nicht mit einem Warnaufkleber: Vorsicht, veraltetes Weltbild! oder schreibt sie gleich ganz um? Hier werden grob fahrlässig Fehler nicht ausgebessert. Bzw. ist das eben nur deine Auffassung, dass es metaphorisch zu verstehen sei. Andere sehen das Wort für Wort als die ultimative Wahrheit an.
Und was Leute sich aus einem Text zusammenreimen, damit dann “meinen”, und was aber wirklich in dem Text drin steht, DAS sind 2 total verschiedene Dinge. Ich fragte nicht nach, es ja insofern auch egal. Widerspruch ist Widerspruch. Und wenn man nicht dazu steht, verwechselt man zwei Dinge: “was da steht” mit “was ich draus mache”.
#19 von Bascha am 28. September 2012 - 10:42
Ich bin auf dieses Thema gestoßen, weil meine Tochter gerade eingeschult wurde.Sie wird am Reli-Unterricht teilnehmen, weil sie sonst die einzige wäre, die die entsprechenden Stunden “abgeschoben” in einer anderen Klasse verbringen müßte. Das wollte ich ihr nicht antun und hoffe (und erwarte auch), daß ich sie trotzdem zu einem kritisch denkenden Menschen erziehen kann. Doch bekenntnisorientierter Reli-Unterricht ist auf jeden Fall der denkbar schlechteste Weg, etwas über Religionen zu lernen. Weiß hier jemand, ob es bundesweite Initiativen gibt, die sich dagegen stellen?
Ich weiß, daß es nicht so einfach ist, Reli-Unterricht abzuschaffen. Aber es geht mir zur Zeit hauptsächlich um eines: ich möchte nicht mehr wie ein Alien behandelt werden. Mir ist deutlich geworden, daß viele Menschen gar nicht wissen, daß es mittlerweile eine große Anzahl von Atheisten oder auch einfach der Religion gegenüber gleichgültigen Mitbürgern gibt. Mir ist mein Ruf an sich nicht wichtig, am liebsten würde ich mir das Rosafarbene Unsichtbare Einhorn (gesegnet seien seine Hufe) auf ein T-Shirt drucken lassen, aber ich sorge mich halt um meine Tochter, die hier auf dem Land nicht die große Auswahl hat, mit wem sie sich umgibt. Bin auf dem ersten Elternabend schon unangenehm aufgefallen, weil ich fragte, ob man die Einverständniserklärung für den Reli-Unterricht ggf. auch zurücknehmen kann. Ich saß ganz hinten, alle Köpfe drehten sich zu mir um …. und die drei Lehrerinnen da vorn wußten auf meine Frage tatsächlich keine konkrete Antwort. Schließlich meinte eine der Damen, nach einem halben Schuljahr wäre das vermutlich möglich. Nun ja.
Also denn, danke für’s lesen und falls jemand von einer Initiative weiß …