Kardinal Meisner: Sterbehilfe ist weder human noch christlich

Er ist Deutschlands mächtigster Kardinal, enger vertrauter von Papst Benedikt XVI. In Bild spricht er über Sterbehilfe, die Ökumene und über die Politik in Berlin.

(…)

Aber ist es nicht human und auch christlich, wenn nahestehende Vertrauenspersonen wie Verwandte und Ärzte einem sterbenskranken Menschen dabei helfen dürfen, den Leidensweg auf würdige Weise abzukürzen?

Meisner: Das ist weder human noch christlich! Aufgabe des Christen ist es, Angst und Leid zu beseitigen, aber doch nicht den Leidenden. Und Aufgabe des Arztes ist es ebenfalls, Schmerzen nach Kräften zu lindern. Da sind die Möglichkeiten heute sehr groß. Fachleute sagen mir: Viele Sterbenskranke verlieren den Wunsch zu sterben und auch ihre Angst, wenn sie von diesen Möglichkeiten guter Schmerztherapie erfahren. Christlich und human ist es, den Lebensweg so schmerz- und leidensfrei wie möglich bis zu seinem natürlichen Ende zu begleiten, selbst wenn durch starke Medikamente die Lebenszeit verkürzt werden sollte. Nur eine solche Sterbebegleitung ist menschenwürdig. Aber sie kostet natürlich unsere Zeit und unsere Zuwendung. Sie können die Sterbehilfe auch niemals vor Missbrauch schützen – der Deckmantel des vermeintlichen Mitleids und der „Selbstbestimmung“ ist sehr weit! Da ist der Inhumanität Tür und Tor geöffnet. Der Mensch soll nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sterben dürfen.

Weiterlesen:

http://www.bild.de/politik/inland/interview/bischof-joachim-meisner-26111620.bild.html

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  1. #1 von AMB am 10. September 2012 - 10:19

    Sterbehilfe ist unchristlich, und deshalb human. Wer hört schon auf Rotkäppchen.

  2. #2 von Deus Ex Machina am 10. September 2012 - 10:29

    Ja, aber wenn der beste Freund meines Vaters drei Monate nur noch in Daueragonie verbringt, weil ihn der Krebs auffrisst und nichts mehr hilft… DAS ist dann christlich! Wie sagte mein letzter Reli-Lehrer? “Leiden gehört zum Leben dazu!” Dumme Sau! Ich hab damals wirklich um meine Selbstbeherrschung gerungen.
    Warum müssen es einige Leute soweit treiben, dass man ihnen gegenüber wirklich missgünstig eingestellt wird – vielleicht sogar sadistisch? Ich hoffe also, Meisner kommt in eine Situation, wo er nochmal schwer über seine Worte nachdenken muss. Aber dann kann er auch nur für sich selbst entscheiden, nicht für andere.

    Schmerztherapie – wenns hilft: schön! Wenns nicht hilft, muss man andere Wege gehen!

  3. #3 von Afreakana am 10. September 2012 - 11:13

    Ich bin grade ziemlich erstaunt über mich selber… Aber ich konnte sogar mal einer Aussage des unsäglichen Herrn Kardinals zustimmen. Nämlich: “Der Mensch soll nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sterben dürfen.” Dennoch verdächtige ich den Herrn jetzt aber nicht gleich ein praktizierender Pazifist zu sein…

    Bei seinem restlichen Geschwurbel besteht, wie immer, Dissens meinerseits.

  4. #4 von Martin Schmidt am 10. September 2012 - 11:41

    “…den Lebensweg so schmerz- und leidensfrei wie möglich bis zu seinem natürlichen Ende zu begleiten,…”
    Wie definiert man “natürlich”? Wer nimmt sich das Recht heraus, dies für Sterbenskranke zu entscheiden?

    “Aber sie kostet natürlich unsere Zeit und unsere Zuwendung.”
    Dieser Satz hätte bei kostet schon aufhören können. Das wäre ehrlicher.

  5. #5 von stephancologne am 10. September 2012 - 12:01

    “…..selbst wenn durch starke Medikamente die Lebenszeit verkürzt werden sollte”

    Nunja, schwer leidende Menschen verlangen nach einem Medikament, dass die Lebenszeit extrem verkürzt. Wo ist das Problem ?

  6. #6 von Wolfgang Klosterhalfen am 10. September 2012 - 12:16

    Menschen sollten durch die Hand eines anderen Menschen sterben dürfen, wenn sie das wollen und nicht mehr selbst handeln können.

    “Erinnern wir uns nur an die Tötung ungeborener Kinder oder das Aussortieren kranker Menschen im Mutterleib durch Präimplantationsdiagnostik.” Dr. Meisner redet über eine Methode, deren Prinzip er offensichtlich nicht verstanden hat. Sancta senilitas!

  7. #7 von Elvenpath am 10. September 2012 - 13:17

    Es ist richtig, dass durch die Schmerztherapie vielen Sterbenden wieder Lust am Leben gegeben werden kann. Mein Vater hatte seine letzten Wochen in vollen Zügen genossen.
    Aber es gibt Menschen, die ihren Zustand nicht psychisch nicht ertragen. Da spielt es keine Rolle, ob die Schmerzen weg sind. Und auch diese Menschen haben das Recht, ihr Leben selbst zu beenden. Da sie aber dazu oft nicht mehr in der Lage sind, sind sie auf Sterbehilfe angewiesen.
    Und es gibt keinen vernünftigen Grund ihnen das zu verwehren. Nur die Christen mit ihren Dogmen sind so grausam, nein zu sagen.

  8. #8 von hans.loker@web.de am 10. September 2012 - 13:33

    “C” ist human?
    Was christlich ist, das lernen wir ja aus vielen Beispielen innerhalb der Kirche.
    Inhuman ist es sicherlich, wenn jährlich etwa 10.000 verzweifelte Menschen in unserem Land Selbstmord begehen. Ist es unchristlich, wenn viele, ob jung oder alt, nicht weiter wissen? Erheben Sie Anklage wegen Mordes? Würdelos ist nicht die Hilfe von nahestehenden Personen des Vertrauens, sondern die Unterlassung zu helfen! 
    Wie können Sie, Eminenz, das mit Abtreibung vergleichen (ein Foetus wird doch nicht gefragt)?
    Übrigens heißt “christlich”: Dienst am Menschen. Unsere Kirche predigt zu oft, statt Beispiel zu geben.  
    ps. 
    Wenn Leiden z. B. medikamentös verkürzt wird, nenne ich das doch nicht “töten”. 
    Das christliche “C” steht allzu oft seit Jahrhunderten, leider bis heute, für Inhumanität und Scheinheiligkeit. Damit bleibt die Kirche weltfremd wie eh  und je, auch in dieser Frage!

  9. #9 von Wolfgang am 10. September 2012 - 14:17

    Selbstverständlich hat jeder Mensch ein Recht auf Leben, aber auch selbstverständlich ein Recht auf einen würdevollen Tod. Das Wort
    Menschenwürde ist dem Meisner fremd, wie in der Vergangenheit stets bewiesen.

  10. #10 von parksünder am 10. September 2012 - 14:21

    Rotkäppchen Meisner und die Christen: “Der Mensch darf nur durch die Hand Gottes sterben, nicht durch die Hand des Menschen”

    Wir praktizieren heute schon legal aktive Sterbehilfe – und zwar bei unseren Haustieren. Ich habe es selbst erlebt, wie mein Hund vor Jahren allmählich körperlich abgebaut hat, bis er zuletzt nicht mehr aufstehen konnte und auch das Fressen verweigert hat. Ich war bei ihm, als der Tierarzt kam und ihm die Spritze gab – Das Leiden habe ich ihm damit erspart. Somit hatte er “an der Hand eines Menschen sterben dürfen”, wie es Meisner ja selbst ausdrückt.

    “Denn sie bedeutet die bewusste und willentliche Tötung eines lebenden, wenn auch kranken Menschen.”

    –> ich würde eher sagen: Todkranken Menschen. Diese Menschen haben vielleicht einige Stunden, Tage oder höchstens noch Wochen zu leben. Aber für Meisner ist halt schon das willentliche Absterben einer Samenzelle schon Mord, da wundert mich diese Aussage nicht wirklich.

    “Das ist der Tiefpunkt einer Entwicklung, die in den letzten Jahren wie eine Wanderdüne einen Angriff nach dem anderen auf die Würde und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens geführt hat.”

    –> Meisner redet von Würde, hat aber kein Problem, wenn Menschen es als unwürdig empfinden, wenn sie ihre eigenen Körperfunktionen nicht mehr im Griff haben, nicht mehr artikulieren können, jedesmal nach Hilfe betteln müssen, usw.
    Und dabei wird auch oft vergessen, dass die moderne Medizin viele Möglichkeiten lebensverlängernder Maßnahmen bietet.

  11. #11 von Ezri am 10. September 2012 - 15:08

    Es gibt Schmerzen, das weiß ich aus eigener Erfahrung, die sind mit Schmerzmitteln nicht zu bekämpfen. Unchristlich, ist mir wurscht. Unmenschlich ist Sterbehilfe auf keinen Fall.

  12. #12 von Markus am 10. September 2012 - 15:46

    Komisch, letztes Jahre war Meisner noch gegen die Gabe von Schmezmitteln.

    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2011/03/16/kardinal-meisner-und-die-perversion-des-denkens/

    Meisner findet Schmerz „Heil bringend“ und es unsäglich, dass Menschen so unverschämt sind, diesen nicht in Gänze auskosten zu wollen.

  13. #13 von pufaxx am 10. September 2012 - 17:45

    @Markus: Gar nicht komisch, in sich schlüssig.

    Leiden ist geil. Deshalb ist es voll okay, dass man hierzulande Hunde nicht kupieren darf, aber gar nicht okay, wenn jemand gegen die Beschneidung von Kindern protestiert. Deshalb ist es voll okay, dass man Hunde, Katzen, Meerschweinchen und Hamster einschläfern darf, aber gar nicht okay, wenn man den Menschen, die ausdrücklich um Sterbehilfe bitten, dieses Bisschen Würde und Selbstbestimmung verweigert.

    Zum Kotzen.

  14. #14 von Mreins am 10. September 2012 - 20:38

    Ist der christliche Glaube nicht eine lebenslange Sterbehilfe?

  15. #15 von pufaxx am 10. September 2012 - 21:11

    @Mreins: “Ewig” ist länger als “lebenslang”.

  16. #16 von Mreins am 10. September 2012 - 21:31

    @pufaxx
    Aber eine ewige Sterbehilfe ist sinnlos da sie ewig nicht zum Tod führt.