Deutschland, ein Gottesstaat?

Ein Papst aus Bayern, ein Pastor als Bundespräsident, eine Pastorentochter im Kanzleramt: Bei manchen grassiert die Sorge, dass ein religiöser Diskurs die Öffentlichkeit in Deutschland vereinnahmt. Doch von einem Gottesstaat sind wir noch weit entfernt, meint Gesine Palmer (evangelische Religionsphilosophin).

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http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1823571/

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  1. #1 von Loki am 30. Juli 2012 - 19:09

    Na immerhin meldet sich eine unabhängige Expertin zu Wort…

  2. #2 von Wolfgang Klosterhalfen am 30. Juli 2012 - 19:23

    Genau, als Theologin versteht sie natürlich was von der Sache. Und das Deutschlandradio ist in diesen Dingen ja auch besonders kompetent. Gottseidank ist alles in theologischer Hand.

  3. #3 von Wolfgang Klosterhalfen am 30. Juli 2012 - 19:28

    Uwe Lehnert: Die Bundesrepublik zeigt gottesstaatähnliche Züge
    http://www.uwelehnert.de/lehnert_buch/GottesstaatZuege.pdf

  4. #4 von sergej_k am 30. Juli 2012 - 19:30

    Die “Expertin” hat uns den zweiten Satzteil unterschlagen. Richtig muss es heißen:
    “Ein Gottesstaat ist noch weit entfernt, aber wir sind auf dem Weg dahin.”

  5. #5 von Andreas P am 30. Juli 2012 - 19:56

    Das wird schon noch, die Kirchen arbeiten fleißig an der Rückkehr des Mittelalters.

  6. #6 von mirlangts am 30. Juli 2012 - 20:01

    Also die Abhandlung von Uwe Lehnert (siehe #3) trifft den Nagel derart präzise auf den Kopf, dass man sich wundern muss, wie ist so was in einem “nominell” damokratischen Staat nur möglich?

    Es gab ja schon einige Talkshows, in denen das Thema “angerissen” wurde.
    Die Teilnehmer (meist5-6) waren gezielt verteilt. mindestens 3 sehr christlich orientierte Politiker, 1-2 Kleriker und ein “Alibi-Sekularist”, dem so oft es ging das Wort entzogen wurde.
    Das Ergebnis ist leicht zu erraten.
    Also so weit vom (subversiven) Gottesstaat sind wir gar nicht entfernt.
    Ohne oder gegen die Kirchen geht nichts!

  7. #7 von ATHOM am 30. Juli 2012 - 20:02

    Leben wie Gott in Deutschland…

  8. #8 von Wolfgang am 30. Juli 2012 - 20:12

    Gottesstaat geht aber gar nicht, denn wo ist der entsprechende Gott? Und ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis von Bewerbern aus Nicht-EU-Ländern geht gar nichts.

  9. #9 von Mreins am 30. Juli 2012 - 22:05

    Nein… Deutschland ist Gottes Komikernation.

  10. #10 von Zweckkind am 31. Juli 2012 - 08:27

    mit zeitarbeit, zwangsabgaben, etc. sind wir schon im mittelalter gelandet. dort nannte man es tagelöhner. die glaubensmafia (christlich u. islamisch) mit ihren heerscharen von hirnlosen religioten und nachplappernden lemmingen werden alles überfluten und die kunst- und manipulationsprodukte hoffnung und geld öffnen die schleusen. basis für diesen wahnsinn sind die rechtlosen massengeburten (kein land). es werden pseudo-menschenrechte proklamiert und götter und teufel aus der kiste gezaubert, kriege angezettelt, nur um die massen in schach zu halten und so ausplündern zu können. menschheit ade.

  11. #11 von Argus7 am 31. Juli 2012 - 10:32

    Sollte das Religiotentum obsiegen, geht die Vernunft endgültig baden !

  12. #12 von Noch ein Fragender am 31. Juli 2012 - 10:57

    Eine christliche Ethik bezieht seit der Antike ihr Maß aus der Idee des höchsten Guten.

    Habe nie verstanden, wie die Christen ihren Gott der Sintflut mit dem antiken Ideal des höchsten Guten gleichsetzen konnten.

  13. #13 von Photon am 31. Juli 2012 - 16:38

    Seit ihr Atheisten wirklich so paranoid? Mal ehrlich, Iran,Saudi-Arabien(?) und der Vatikan sind “Gottesstaaten”. Nicht jeder Staat in dem es an weltanschaulicher Neutralität mangelt ist ein Gottesstaat.
    Ich bin ja auch für eine wesentlich stärkere Trennung von Staat und Kirche, aber das “Gottesstaat”-Gerede finde ich stark übertrieben und nicht wirklich hilfreich.

  14. #14 von Wolfgang Klosterhalfen am 31. Juli 2012 - 16:46

    Dass Deutschland ein Gottesstaat sei, behauptet ja niemand. Aber gegen noch mehr gesellschaftlichen Einfluss hätten die meisten Christen in Deutschland vermutlich nichts einzuwenden.

  15. #15 von Photon am 31. Juli 2012 - 16:57

    Hmm, vielleicht. Ich hab als Christ nichts dagegen, gesellschaftlichen Einfluss zu haben. Aber ich hätte ihn lieber auf faire Weise und nicht durch staatliche bevorzugung. Oder Bevorzugung in Talkshows etc.

    Trotzdem finde ich es nicht passend, “Gottesstaat” in der Diskussion aufzubringen. Weder ist deutschland ein Gottesstaat, noch wird es ein Gottesstaat durch kirchliche Priviligien und christliche Politiker in Spitzenämtern. Ich denke übrigens dass ein Großteil der kirchlichen Basis eine stärkere Trennung von Staat und Kirche unterstützen würde.

  16. #16 von rkinck am 31. Juli 2012 - 17:11

    „Seit ihr Atheisten wirklich so paranoid?“
    Genauso wenig wie IHR Christen.

    „Mal ehrlich, Iran,Saudi-Arabien(?) und der Vatikan sind “Gottesstaaten”.“
    Stimmt.

    „Nicht jeder Staat in dem es an weltanschaulicher Neutralität mangelt ist ein Gottesstaat.“
    Stimmt auch. Nur hat niemand Behauptet, dass Deutschland ein Gottesstaat sei. Einem Staat jedoch, dem die Trennung von den Kirchen noch nicht so Recht geglückt ist und Politiker noch immer vor Kirchenoberen kuschen Eigenschaften wie „Tendenz zur weiteren „Religionisierung““, „gottesstaatähnliche Züge“ oder „(subversiven) Gottesstaat“ zuzuschreiben ist keine Paranoia sondern eine adäquate Beschreibung.

    „Ich denke übrigens dass ein Großteil der kirchlichen Basis eine stärkere Trennung von Staat und Kirche unterstützen würde.“
    Mag sein, doch was hilft‘s solange sich die Kirchenoberen an ihren liebgewordenen Privilegien festkrallen.

  17. #17 von Wolfgang am 31. Juli 2012 - 17:16

    “Du sollst keine anderen Götter neben dir haben.”

    Da hüpfen aber ne ganze Menge in Deutschland herum, ob die schon gewerkschaftlich organisiert sind? Und kain ainziger hilft! So ein Mist!

  18. #18 von Photon am 31. Juli 2012 - 17:33

    “Genauso wenig wie IHR Christen.”
    Ja, hast recht. Das ganze war sehr übertrieben und verallgemeinerd ausgedrückt.

    “Stimmt auch. Nur hat niemand Behauptet, dass Deutschland ein Gottesstaat sei. Einem Staat jedoch, dem die Trennung von den Kirchen noch nicht so Recht geglückt ist und Politiker noch immer vor Kirchenoberen kuschen Eigenschaften wie „Tendenz zur weiteren „Religionisierung““, „gottesstaatähnliche Züge“ oder „(subversiven) Gottesstaat“ zuzuschreiben ist keine Paranoia sondern eine adäquate Beschreibung.”

    Finde ich nicht. “Gottesstaat” weckt gewisse Assoziationen, selbst wenn es relativiert ist. M.E. ist das genauso wie Obama’s Krankenversicherung als kommunistisch zu bezeichnen. Und im allgemeinen ist die Tendenz eher weg von Religion: Religion als Unterrichtsfach wird in immer mehr Bundesländern durch Ethik ersätzt. Über Kirchenprivilegien wird immer mehr diskutiert und Konfessionslose machen einen nicht geringen Anteil der Wähler aus.

    “Mag sein, doch was hilft‘s solange sich die Kirchenoberen an ihren liebgewordenen Privilegien festkrallen.”
    Letztendlich geben Politiker die Privilegien. Wenn Laizisten mehr auf Religiöse, die zumindest in einigen Punkten ihrer Meinung sind, zugehen würden, wäre einiges möglich, denke ich.

  19. #19 von rkinck am 31. Juli 2012 - 18:49

    Niemand hat gesagt Deutschland wäre ein Gottesstaat.
    „Laizisten mehr auf Religiöse“
    Es gibt nicht nur Religiöse und Laizisten. Beide Begriffe schließen sich nicht aus.
    Ich finde es auch irrelevant wie wer auf wen zugeht. So wie ich es einschätze sind wir in unseren Positionen gar nicht so weit auseinander. Nur ist das irrelevant, weil ich die die Großkirchen, insbesondere die katholische, in ihren Strukturen gefangen für nicht reformfähig halte. Daher sehe ich Diskussionen in diesem Fall leider nicht als zielführend.

  20. #20 von Photon am 31. Juli 2012 - 20:46

    Aber stell dir vor Laizisten könnten eine Umfrage zitieren dass, was weiß ich, 65% der Katholiken eine stärkere Trennung von Staat und Kirche beführworten. Die Oberen der Großkirchen mag das nicht beinflussen, die Politiker aber vielleicht schon. Kann mal jemand so eine Umfrage in Auftrag geben? ;) (Am besten mit Details: Wie viele unterstützen die abschaffung der Kirchensteuer? Wie viele unterstützen verpflichtenden Ethikunterricht? etc.)

    Und ja, die Begriffe schließen sich nicht aus. Aber ich denke sehr wenige religiöse bezeichnen sich derzeit als Laizisten und würden diese offiziel unterstützen. Das könnte sich vielleicht ändern.

  21. #21 von Hinterfragerin am 31. Juli 2012 - 21:58

    @ Photon

    Naja, nicht un Deutschland, aber..

    http://richarddawkins.net/articles/644942-rdfrs-uk-ipsos-mori-poll-2-uk-christians-oppose-special-influence-for-religion-in-public-policy

    Folgende Zahlen gelten für die Befragten, die sich selbst als christlich identifiziert haben:

    “Religion and government

    Three quarters (74%) strongly agree or tend to agree that religion should not have special influence on public policy, with only one in eight (12%) thinking that it should.

    Just 2% of respondents disagree with the statement that the law should apply to everyone equally, regardless of their personal religious beliefs, with 92% supporting it.

    More oppose than support the idea of the UK having an official state religion, with nearly half (46%) against and only a third (32%) in favour. The same pattern is repeated with the question of seats being reserved for Church of England bishops in the House of Lords: 32% of respondents oppose, with only 25% in favour.

    There is overwhelming support for religion being a private, not public, matter. Asked how strongly they support the statement that governments should not interfere in religion, 79% strongly agree or tend to agree, with only 8% strongly disagreeing or tending to disagree.

    Four in ten Christians (39%) oppose the costs of hospital chaplains being met from NHS budgets rather than by the chaplain’s religious organisation, with only a third (32%) happy for the NHS to pay.

    Eight out of ten (78%) say Christianity would have no, or not very much, influence on how they vote in General Elections, with only 16% saying it would influence them a great deal (4%) or a fair amount (12%).”

    Zudem waren jeweils über 60% für die volle Gleichberechtigung Homosexueller und für das Recht auf Abtreibung, knapp 60% für Sterbehilfe.

  22. #22 von wahn am 31. Juli 2012 - 22:27

    “Doch von einem Gottesstaat sind wir noch weit entfernt, meint Gesine Palmer”

    - hm damit meint sie doch das es einen evangelischen Gottesstaat nicht gibt und wären die Personen katholisch sähe es anders aus. -naja vielleicht verstehe ich sie auch nicht richtig – Gesine Palmer “Büro für besondere Texte”

  23. #23 von Martin Schmidt am 1. August 2012 - 08:42

    @#20
    “Aber stell dir vor Laizisten könnten eine Umfrage zitieren dass, was weiß ich, 65% der Katholiken eine stärkere Trennung von Staat und Kirche beführworten. Die Oberen der Großkirchen mag das nicht beinflussen, die Politiker aber vielleicht schon. ”

    90%* der Deutschen sind gegen die Beschneidung von nicht einwilligungsfähigen Säuglingen und das juckt die Politiker nicht im geringsten. Im Gegenteil.

    *Solange ich nicht den genauen Wortlaut der Frage kenne, bei der knapp die Hälfte der Deutschen gegen eine Beschneidung war, gehe ich davon aus, dass dort gefragt wurde, ob GENERELL die Beschneidung verboten sein sollte.
    Umfragen im Internet und die Flut der Kommentare deuten jedoch bei der Beschneidung ohne Einstimmung deutlich auf 90% dagegen.

  24. #24 von Wacke am 1. August 2012 - 11:09

    Das ist natürlich auch nur strategische Kommunikation, der auch Photon unterliegt. Es wird ein negativ konotiertes Bild in die Runde geworfen, dann mit dem Hinweis auf die komplexe Situation einer postmodernen Demokratie und dem Verständnis der anderen Kommunikationsteilnehmer (“A, geh, mir san doch ka Diktatur!”) wieder Gemeinsamkeit geschaffen. Und die Welt soll in Ordnung sein. Das immunisiert gegen Kritik und Offenheit. Die beste aller Welten also wiedermal?

    In dieser Form der Diskussionskultur (medial und intellektuell durch verschiedene Faktoren des Denkens und politischen Handelns geprägt) wird eine Frau Palmer sich nicht dazu durchringen, erst einmal eine Begriffs- und Bestandsaufnahme zu machen, um sich und andere dann in die Diskussion zu bringen, was denn wirklich besser laufen könnte und welche Auswirkungen gegenwärtige Zustände haben. Nein, die Welt ist in Ordnung.

    Alles klar.