Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht den neuen Bluttest, mit dem das Down-Syndrom bei ungeborenen Kindern festgestellt werden kann, kritisch. Ein gesetzliches Verbot solle aber nicht angestrebt werden, sagte er in einem dpa-Interview. [..]
Wollen Sie das verbieten?
KRETSCHMANN: Nein, wir hätten wahrscheinlich nicht mal die Möglichkeit dazu. Denn was schon bisher möglich und erlaubt ist, sind Fruchtwasseruntersuchungen mit demselben Ziel. Jede 200. Fruchtwasseruntersuchung führt zum Abgang des Fötus. Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist der Bluttest eine Verbesserung. Jetzt das zu verbieten, was ungefährlicher ist für den Fötus, ergibt keinen Sinn. Pragmatisch wäre es ein nicht hinnehmbarer Widerspruch.
[..]
Was kann der Staat denn machen?
Kretschmann: « Was man machen kann: zum Beispiel durch Inklusion unser Verhältnis zu Behinderten ändern.»
[..]
Für Aufregung sorgt auch das Kölner Urteil gegen Beschneidungen von Jungen. Der Bundestag hat sich am Donnerstag dafür stark gemacht, religiöse Beschneidungen zu legalisieren. Wie sehen Sie das?
KRETSCHMANN: Das Urteil stellt einen tiefen Eingriff in die Religionsfreiheit dar, die durch das Grundgesetz geschützt ist. Es wäre das Beste, wenn wir schnell eine höchstrichterliche Klärung durch das Bundesverfassungsgericht hätten. Weil so ein Urteil unter Umständen sehr lange dauert, werden wir wohl auch eine gesetzliche Regelung machen müssen, die den Kern der Religionsfreiheit sichert.
Aber würde ein solches Gesetz nicht auch die Genitalverstümmelung von Mädchen legalisieren?
KRETSCHMANN: Nein, die weibliche Genitalverstümmelung ist nirgendwo eine religiöse Vorschrift, sondern das sind reine Traditionen in manchen Ländern. Der Schutz der Religionsfreiheit greift da nicht. Und wo es um Verstümmelung geht, greift der Schutz der körperlichen Unversehrtheit. Die Religionsfreiheit hätte dort ihre Grenze. Es ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Beschnittene Männer sind ja nicht in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Das ist bei der weiblichen Genitalverstümmelung ein fundamentaler Unterschied.
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#1 von deradmiral am 23. Juli 2012 - 12:32
Danke an Dr. Nils Jena für den Hinweis.
#2 von deradmiral am 23. Juli 2012 - 12:38
Kretschmann: ” Nein, die weibliche Genitalverstümmelung ist nirgendwo eine religiöse Vorschrift, ”
WHO:
http://whqlibdoc.who.int/publications/2008/9789241596442_eng.pdf
#3 von Flo am 23. Juli 2012 - 13:31
” Beschnittene Männer sind ja nicht in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.”
Aha. Falsch. Es gibt nur genug, die das nie merken, weil sie den Vergleich gar nicht haben. Jemand, der von Geburt an blind ist, verbringt ja auch nicht sein ganzes Leben heulend in seinem Zimmer, sondern nimmt es halt irgendwann als normal hin – was aber nicht bedeutet, dass er mit zwei funktionierenden Augen nicht besser dran wäre.
#4 von Noch ein Fragender am 23. Juli 2012 - 13:36
Natürlich ist es misslich, wenn ein seit langer Zeit unbeanstandet durchgeführter Ritus von heute auf morgen kriminalisiert wird. Da diese Rechtsprechung aber nicht willkürlich ist, sondern der internationalen Menschenrechtsentwicklung Rechnung trägt, der auch die Bundesrepublik durch Unterzeichnung der Kinderrechtskonvention beigetreten ist, kann man den Wertungswiderspruch nicht durch Sonder- und Ausnahmegesetze auflösen.
Vielmehr sollten sich alle Beteiligten ohne Druck und Eile zusammensetzen und beraten, was angesichts dieser neuen Situation gemacht werden kann. Ich halte deshalb den Vorschlag eines Runden Tisches bei vorläufiger Straffreiheit für angemessen und bin enttäuscht, dass die GRÜNEN so solchen vernünftigen Lösungen nicht mehr die Kraft haben.
#5 von NinoF am 23. Juli 2012 - 13:48
Da redet ein Frau über etwas von dem Sie keine persönliche Erfahrung hat: Umgang mit dem eigenen Penis…..
(Oder kann sie jeh ehrlich sagen ob das Mastrubieren mit oder ohne Beschneidung besser geht?)
Und wie siehts aus mit dem Bestrafen von Kindern mittels Stockschlägen?
Das ist auch eine biblische Vorschrift und ich kenne einige biebeltreue Christen die das Verbot einer solchen ”Erziehungsmaßnahme\” auch als einen schweren Eingriff in ihre Religion wahrnehmen.
Es ist jedoch bei uns (wie ich meine, zurecht) verboten.
Sie sagt :”Es ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit\”. Dann soll sie mal bitte erklären wieso die Prügelstrafe ”Verhältnismässig” schlimmer ist wie einem Baby einen teil des Körpers abzusäbeln.
(PS: ich finde beides unverhältnismäßig…)
Und die Schulpflicht kann die gute Frau dann auch noch mal auf den Prüfstand stellen. Denn ist \”Home Schooling\” denn dann so verwerflich wenn man es aus religösen Gründen machen will um die Kinder vor falschen Lehren wie der Evolution usw. zu schützen?
Ich glaube unsere lieben Politiker sind sich nicht bewusst was sie hier, mit diesem naiven Gutmensch-Gesetzt, alles lostreten.
#6 von holey spirit am 23. Juli 2012 - 13:49
ad Flo
“Aha. Falsch. Es gibt nur genug, die das nie merken, weil sie den Vergleich gar nicht haben. Jemand, der von Geburt an blind ist, verbringt ja auch nicht sein ganzes Leben heulend in seinem Zimmer, sondern nimmt es halt irgendwann als normal hin – was aber nicht bedeutet, dass er mit zwei funktionierenden Augen nicht besser dran wäre.”
—
Ganz richtig, das Sein bestimmt das Bewußtsein. Blind sind sie allerdings mit Sicherheit nicht. Vielleicht eher so etwas wie Schwarz-Weiß-Fernseher:
“Little data exists on pre- and post-circumcision sensation except for a study on men circumcised as adults, which did find diminished penile sensitivity in all subjects after circumcision. However, there have also been anecdotal reports. For example, Goldman cited letters from men who described orgasm after circumcision thus, “…like sight without color,” or from a man circumcised at age 30, “there are feelings you’ll just never have without a foreskin.”
[aus: Gillian A. Bensley and Gregory J. Boyle. "Physical, Sexual and Psychological Effects of Male Infant Circumcision: an Exploratory Survey" Understanding Circumcision: A Multi-Disciplinary Approach to a Multi-Dimensional Problem (2000).
http://epublications.bond.edu.au/cgi/viewcontent.cgi?article=1016&context=greg_boyle ]
#7 von holey spirit am 23. Juli 2012 - 13:52
ad NinoF
???
Da spricht Kretschmann, nicht Käsmann.
#8 von ambreader am 23. Juli 2012 - 13:57
Herr Kretschmann befindet sich im rechten Flügel der Partei. Daher ist es nicht besonders verwunderlich, dass er sich so zum Thema äußert, auch wenn ich die Logik dahinter überhaupt nicht nachvollziehen kann, dass bei der einen Art von Beschneidung die Grenze zu Genitalverstümmelung überschritten sei und bei der anderen nicht.
#9 von NinoF am 23. Juli 2012 - 14:23
#7 von @holey spirit
Sorry….)
LOL
Hab gerade gesehen das er ja Winfried Kretschmann heisst, also vermutklich doch ein Mann ist (in Bayern bekommt man nicht unbedingt mit wer wo in Südschweden Ministerpräsident its
Aber mal echt…. Das soll ein Amn gesagt haben? Nee…. irgendwie nicht zu glauben…..
#10 von holey spirit am 23. Juli 2012 - 14:34
Kretschmann ist ein tiefgläubiger, stock-katholischer Grüner…wie so viele.
#11 von mein name? am 23. Juli 2012 - 14:43
@ 4 runde Tische sind immer so endlos und ziellos. Oder jeder am Tisch verfolgt seine Ziele. Wer darf alles mit reden? Wer darf sicher nicht mit reden? Was muss dort besprochen und verhandelt werden?
Ist Beschneidung Körperverletzung?
Durften nach dem Beschneidungsverbot von Mädchen noch 50 beschnitten werden?
#12 von Jan am 23. Juli 2012 - 15:00
@mein Name?: Es gibt übrigens in Deutschland auch kein Beschneidungsverbot für Mädchen, sondern nur die Einschätzung der naziatheistischen Justiz, dies als gefährliche Körperverletzung zu verfolgen. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Beschneidung_weiblicher_Genitalien#Deutschland
#13 von NinoF am 23. Juli 2012 - 15:09
Es gibt soviele religiöse Sonderwünsche die bei uns aus diversen Gründen nicht erlaubt sind. Sonderwünsche die teilweise nicht so schwerwiegend sind wie die Beschneidung.
Bei der Beschneidung handelt es sich doch eindeuitig um irreversieble Körperverletzung.
Wozu daher die ganze Aufregung?
Wozu noch ein runder Tisch?
Ich kann den Bedarf für ganze Palaver einfach nicht verstehen.
Verbietet es doch einfach nur. Aus und Fertig.
PS: Es wird doch auch sooooo oft von genau den gleichen Politikern über die Integration geredet. Handelt es sich bei der Beschneidung nicht auch primär um einen Versuch zweier Minderheiten sich von der Mehrheit im Land abzusetzen und die Integration der männlichen Kinder zu erschweren oder gar zu verhindern? Auch das spricht gegen eine Sonderregel und ein Verbot im Interesse des Kindeswohl.
Beschneidung war schon immer ein Versuch die Integration der beschneidenden Minderheit zu vermeiden. (der zweite Grund war wohl, das beschnittene Soldaten sich schwerer bei einem unbeschnittenen Feind verstecken konnten und daher eher bis zum Tod gekämpft haben wie unbeschnittene die untertauchen und sich anpassen konnten. Dazu kam dann später der Versuch Mastrubation zu erschweren und den Sex etwas abzustummen) Das mit der “Tradition” ist doch nur eine Ausrede.
#14 von deradmiral am 23. Juli 2012 - 15:13
@holey spirit
Grüße aus Südschweden!
#15 von Barkai am 23. Juli 2012 - 16:08
@admiral
gruesst du ncith eher Nino?
@Nino,
volker Beck (der ebenso ein mann ist) sagt auch nur lauter sinnfreie Dinge diesbezueglich. Oder S.Korn oder Dieter Graumann…. oder der Mohel, dessen HP hier jemand vor ein paar Tagen gefunden/verlinkt hatte…
Eine Fuerther Sozialdemorkatin soll Beck allerdings widersprochen haben. Die geschlechterfronten sind hier also nicht so kalr getrennt, wie man(n)(?) annimmt.
#16 von Barkai am 23. Juli 2012 - 16:19
@nino
bei der Beschneidung nicht auch primär um einen Versuch zweier Minderheiten sich von der Mehrheit im Land abzusetzen (…) der zweite Grund war wohl, das beschnittene Soldaten sich schwerer bei einem unbeschnittenen Feind verstecken konnten
Nach dem Rundfunkbeitrag, den ich leider nicht gehoert habe, aber skydaddy bsplw., gehen deutsche Rebben davon aus, dass viele Juden in Deutschland, insbesondere, wenn sie aus ehem. sozialisitschen Gebieten kommen, nicht beschnitten sind. Diese Juden scheinen weder das beduerfnis anch brit noch nach Abgrenzung zu haben.
Bzgl der Abgrenzung: die kaschrut (Speisegebote) scheinen eher fuer eine alltaegliche Trennung zu sorgen als brit. die juedische Orthodoxie ist ja sehr kleinlich, was als koscher durchgeht und was nicht. Die liberalen juden essen aber bsplw. in normalen Restaurants und von daher scheint hier auf liberaler Seite auch kein beduerfnis nach Abgrenzung zu sehen zu sein.
Die brit wird auch in Israel praktiziert, wo Juden die Mehrheit stellen. Von wem wollen sie sich da abgrenzen? Von der muslimischen Minderheit, die ebenso beschneidet?
Spaetestens mit dem Aufkommen des Islams liessen sich juedische nicht mehr von muslimischen Soldaten anhand des Vorhautstatus unterscheiden.
In Afrika wird auch unter Animisten oder Christen beschnitten. Damit kann man innerhalb Afrikas anhand des geschlechtsteils nicht mehr unterscheiden, ob Christ, Animist, Muslim oder Jude.
#17 von Skydaddy am 23. Juli 2012 - 17:54
@Barkai:
Bei einem jahrtausendealten Brauch kommt es doch nicht darauf an, ob er HEUTE Sinn macht, sondern ob er früher Sinn gemacht hat.
Beschneidung und Speisevorschriften zwecks Abgrenzung finde ich recht überzeugend.
#18 von deradmiral am 23. Juli 2012 - 19:17
@Barkai
Richtig. Ganz schön warm hier in Südschweden.
@holey Spirit
Grüße aus dem Breisgau
@ninoF
Grüße aus Südschweden.
#19 von holey spirit am 23. Juli 2012 - 19:25
ad Barkai
Bei uns in Nordschweden ist es nicht ganz so warm.
ad deradmiral
Grüße aus dem Rhein-Neckar-Dreieck.
ad ninoF
Grüße nach Ostsibirien.
#20 von Ezri am 23. Juli 2012 - 19:26
Hier in “Norditalien” ists auch schon hübsch warm… sorry für off topic
#21 von Wolfgang am 24. Juli 2012 - 16:21
Und wieder einmal ist bewiesen, Religion verhindert eigenes Denken und schützt die Dummheit. Staatlich geschützt.