Kirche kritisiert documenta

Heftige Kritik am “entgrenzten” Konzept der documenta hat die evangelische Kirche geübt. Der kurhessische Bischof Martin Hein sprach in Hofgeismar von “religiösen Unter- und Obertönen” der Ausstellung und warf ihr mangelnde Toleranz vor.

Der Kunstbegriff der documenta sei seltsam entgrenzt, kritisierte die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bahr am Wochenende auf einem Symposium in Hofgeismar. Zwar kämen alle möglichen Bereiche von der Quantenphysik über die Philosophie bis hin zur Botanik in der Ausstellung vor, die Religionswissenschaft fehle jedoch. Stattdessen gebe es eine Wiederbelebung von animistischen und gnostischen Träumen, ohne dass die aufklärerische Kritik an diesen Phänomenen berücksichtigt werde.

Weiterlesen:

http://www.hr-online.de/website/specials/documenta13/index.jsp?rubrik=72974&key=standard_document_45402321

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  1. #1 von Andreas Moser am 17. Juli 2012 - 09:13

    Diese Art von Kritik ist mir bekannt. Aus dem Iran.

  2. #2 von wackee am 17. Juli 2012 - 09:37

    Schon blöd wenn man das wort “entartet” nicht mehr verwenden darf. Entgrenzt muss doch für jeden Künstler eher wie ein Kompliment klingen. Aber soetwas ist für religiöse wohl nur selten nachvollziehbar.

  3. #3 von rolandw am 17. Juli 2012 - 10:35

    Warum ‘entgrenzt’? Anscheinend ist ja vor der Religion eine saubere Grenze gezogen.

  4. #4 von Noch ein Fragender am 17. Juli 2012 - 10:40

    Hilfe, das Gespenst der “Entgrenzung” geht um!

    - Die “entgrenzte Vernunft” kritisiert unbotmäßig die Kirche und ihre Privilegien

    - die “entgrenzte Rechtswissenschaft” wagt es, 4000 Jahre alte religiöse Traditionen zu humanisieren

    - und jetzt noch die documenta, die mit “entgrenzter Kunst” jenseits der christlichen Religion herumgeistert.

    Glücklicherweise gibt es das “Wächteramt” der EKD Kulturbegrenzungsbeauftragten, die mit nivaeuvollen Prozessen christlicher Aufklärung den gottgefälligen Rahmen vorgibt.

  5. #5 von Skydaddy am 17. Juli 2012 - 10:48

    Wenn einem alles “entgrenzt” vorkommt, sollte man mal den eigenen Horizont hinterfragen.

  6. #6 von M.G. am 17. Juli 2012 - 10:49

    Es muss doch immer wieder eine Religion geben,die sich als Kulturmuffel sich zu erkennen gibt.Ist halt niedriges Niveau.

  7. #7 von Wolfgang am 17. Juli 2012 - 11:11

    Hättense doch den Teufel am Kreuz aufgespiest, schön blutig und kackig mit gelben Fleck, was für eine tolle Kunst!!

  8. #8 von mirlangts am 17. Juli 2012 - 11:19

    Wie festzustellen ist, ist die Spezies Homo Religioticus, eine Unterart des Homo Sapiens, eine der weltweit gefährlichesten Spezies dieses Planeten.
    Der Homo Reliogioticus etwickelt sich aus dem Homo Sapiens, durch Befall mit dem äusserst aggressiven Virus “Religion”,
    Unter bestimmten Umständen mutiiert der Homo Religioticus zum reissenden Raubtier, besonders wenn er auf Grund krankhafter Haluzinationen meint, sein/e Gott/Götter hätten es ihm befohlen.
    Durch Zusammenschluss in Gruppen, sogenannten “Kirchen/Sekten” versucht er zwanghaft und ohne Rücksicht auf Verluste, Andere ebenfalls zu infizieren. Manche dieser Gruppen haben im Laufe der Geschichte schon ganze Völker/Staaten unter ihre Gewalt gebracht.
    Der Befall äussert sich durch Überheblichkeit, Missionierungsdrang, Rechthaberei und Diffamierung sogenannter “Andersgläubiger” denen er vorwirft “falschen Göttern” zu huldigen, ein in seinen Augen oft todeswürdiges Verbrechen, für welches er auch schon mal gern erbitterte Kriege führt.

    Alle Versuche diese Seuche einzudämmen blieben bisher leider weitgehend erfolglos.

  9. #9 von entdinglichung am 17. Juli 2012 - 11:51

    der ideologische wie physische Kampf gegen GnostikerInnen und AnimistInnen gehrt seit dem 4. Jh. u.Z. zum Kernrepertoire der Kirchen (Albigenserkreuzzüge, Heidenmission, etc.)

  10. #10 von mirlangts am 17. Juli 2012 - 11:52

    Mein Text #8 war eigentlich für das Thema Salafisten gedacht ;)

  11. #11 von Hal am 17. Juli 2012 - 11:58

    Die Expertin in Sachen begrenzter “entgrenzter” Vernunft, bezeichnet fehlende Bezüge in der Kunst auf ihren Arbeitgeber und Glauben, Überraschenderweise, als “entgrenzt”.

    Wenn Künstler in/mit ihren Werken andere Themen aufgreifen als monotheistische Glaubensinhalte, bedeutet es nicht zwangsläufig das diese keine gesellschaftliche Relevanz haben – so jetzt können sie ihre entgrenzten Tränen wegwischen und halten sie bitte für ein paar Monate ihre entgrentzte Klappe.

  12. #12 von Hal am 17. Juli 2012 - 12:21

    #10 mirlangts

    Passt aber auch hier :twisted:

  13. #13 von Noch ein Fragender am 17. Juli 2012 - 12:21

    @ #8 mirlangts

    Schmidt-Salomon redet in “Keine Macht den Doofen” statt vom homo sapiens vom homo demens, der insbesondere als Gruppe in übergeordneten Systemen oft unsinniges Verhalten zeigt (Schwarmdummheit). Neben Religioten macht er auch Ökonomioten und Politioten aus.

    Der Einzelne mag sich in dem System “rational” verhalten, gemeinsam bringt das System aber total irrationale Ergebnisse.

  14. #14 von Barkai am 17. Juli 2012 - 12:37

    @wackee,

    jsut das war auch mein erster Gedanke

  15. #15 von M.G. am 17. Juli 2012 - 12:51

    Wolfgang am 17. Juli 2012 – 11:11

    Den teufel malen solche Religiösen lieber vor Angst an die Wand,um ein Druckmittel für die Anhänger zu haben.

  16. #16 von holey spirit am 17. Juli 2012 - 12:55

    Der Jonathan Meese findet laut SPIEGEL-Online die documenta ja auch richtig Scheiße.
    Vielleicht sollte sich Frau Bahr mit ihm zusammentun und ihn zu einer kleinen Hitler-Performance in einer evangelischen Kirche einladen:
    “Die entgrenzte Konst, löbe Parteigönossen, ist Ausgeburt einer entgrenzten Vernonft.”

    PS: Ich glaub ja bis heute, dass es den Meese gar nicht echt gibt. In Wirklichkeit ist das eine Kunstfigur von Helge Schneider.

  17. #17 von M.G. am 17. Juli 2012 - 13:49

    holey spirit am 17. Juli 2012 – 12:55

    Das Video ist hier gespert,aber der Kunstler hat ähnlichkeit mit Rocksängern aus den 60- 70 iger Jahren. Sollte er wirklich z.Z. die Docomenta schlecht finden ?

  18. #18 von Christian Mai am 17. Juli 2012 - 16:22

    Bei fast jeder documenta haben Künstler, die nicht eingeladen wurden, versucht, sich auf andere Weise in Kassel zu präsentieren. Und es waren immer “Stars” der Kunstszene, deren aufgeblasenes Ego es nicht vertragen konnte, auf der Weltkunstausstellung nicht berücksichtigt worden zu sein. In diesem Jahr sind es Balkenhol und Schneider.

    Der Wunsch der documenta-Macher das Konzept der Ausstellung und die Ausstellung zu respektieren wird nun offensichtlich von den Kirchen und den kirchenfreundlichen Medien als Zensur gebrandmarkt. Die Kirchen können es nicht vertragen, wenn ihre Macht schwindet, sei es in der Politik, in der Ethik oder in der Kunst, wir können nur froh sein, das zumindest die christlichen Kirchen sich vom Abschlachten zum Psychoterror “hoch” entwickelt haben (und da da eine Entwicklung ist, könnte ja eventuell vielleicht die Möglichkeit bestehen, dass sie sich auch noch vom Psychoterror weg entwickeln … in den nächsten 500 Jahren …)

    Die Verkündigung, hieß es am Sitz des Bischofs von Fulda, sei Auftrag der Kirche, und die Kunst sei seit jeher ein Mittel der Verkündigung. Der Geschäftsführer der Documenta, Bernd Leifeld, teilte daraufhin mit: „Die künstlerische Leiterin weiß, dass diese Art von Kunst für diese Documenta nicht adäquat ist.“
    http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/das-maennchen-da-oben-kirche-trotzt-zensurversuch-der-documenta-11770229.html

    siehe auch: http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/162694/index.html

  19. #19 von Wolfgang Brosche am 18. Juli 2012 - 17:37

    @holy spirit

    Sei versichert, Jonathan Meese gibt es wirklich, er ist keine Kuntsfigur von Helge Schneider. Ich bin ihm mehrfach begegnet: ein Muttergeschädigter Megalomane, der sich einen der schlimmsten muttergeschädigten Megalomanen des 20. Jahrhunderts als Idol ausgesucht hat. Der ist kein Nazi, das nicht, aber er ist schlichtweg begeistert, von dem, was sich Adolf Hitler alles herausgenommen hat.
    Und offenbar beneidet er den Gröfaz darum. Eine sehr traurige Figur ohne Ideen, ohne Perspektiven, noch nicht einmal zynisch, sondern wirklich ausnehmend blöd!

  20. #20 von holey spirit am 18. Juli 2012 - 18:04

    Weiß ich doch.
    Bisweilen ist der Meese zwar recht witzig, aber in einer Entwicklungsphase gefangen, die wir (Freundeskreis) mit Anfang 20 ausgelebt haben, bis sie uns dann irgendwann zu langweilig wurde.

    Hitler-Performances haben wir einmal bis zum Umkippen (im Wortsinne) betrieben, z.B.:
    “Dör Peenis dös Leguan wiegt fönfhondert Gramm, usw.”
    (Heinz-Sielmann-Zitate in Adolfs Tonfall dargebracht, konnten uns immerhin ein ganzes Wochenende lang beglücken.)

    Und dann wars auch wieder gut damit. Skinheads vermöbeln war befriedigender.

  21. #21 von Hinterfragerin am 18. Juli 2012 - 19:33

    Irhendwie werde ich aus den angesprochenen Kritikpunkten nicht ganz schlau.. ist es schon kritisch, nur Anspielungen auf religiöse Themen zu bringen? Scheint mir ein Sturm im Wasserglas.

    Schallend lachen musste ich aber bei dem Satz:

    “Unter Hinweis auf einen Bibeltext des Apostels Paulus über die Langmütigkeit der Liebe verwies Hein auf die große Toleranz, die bei Paulus durchschimmere.”

    Faszinierend:

    “und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die so nicht gehorsam sind dem Evangelium unsers HERRN Jesu Christi, welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesichte des HERRN und von seiner herrlichen Macht”

    “Die da sündigen, die strafe vor allen, auf daß sich auch die andern fürchten.”

    “So jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unsers HERRN Jesu Christi und bei der Lehre, die gemäß ist der Gottseligkeit, der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern hat die Seuche der Fragen und Wortkriege, aus welchen entspringt Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn”.

    “Denn es sind viel freche und unnütze Schwätzer und Verführer, sonderlich die aus den Juden, welchen man muß das Maul stopfen, die da ganze Häuser verkehren und lehren, was nicht taugt, um schändlichen Gewinns willen. Es hat einer aus ihnen gesagt, ihr eigener Prophet: “Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche.” Dies Zeugnis ist wahr. Um der Sache willen strafe sie scharf, auf daß sie gesund seien im Glauben und nicht achten auf die jüdischen Fabeln und Gebote von Menschen, welche sich von der Wahrheit abwenden.”

    “Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist ihr Sinn sowohl als ihr Gewissen. Sie sagen, sie erkennen Gott; aber mit den Werken verleugnen sie es, sintemal sie es sind, an welchen Gott Greuel hat, und gehorchen nicht und sind zu allem guten Werk untüchtig”.

    Ja, hier schimmert schon eine tiefe Toleranz durch…