Christliche Sichtweise: Nein zur Organspende

Das Wort zum Sonntag am 23.6.2012

gesprochen von Dr. Adelheid Ruck-Schröder (ev.)

(…)

Ich zögere. Stimme ich für diesen Fall einer Spende zu? Ich tendiere zum Nein.

(…)

Mir geht aber noch ein anderer Gedanke durch den Kopf, auch aus christlicher Sicht: Ich sehe mich als Geschöpf Gottes: einmalig und unverwechselbar mit meinen Organen und Gliedern. Bei der Organspende kann nun ein Körper zerlegt werden in einzelne Organe, die als Ersatzteile für andere Personen dienen. Ich tue mich schwer, diese – ich sage einmal – natürliche Grenze meiner Person zu überschreiten.

Und noch etwas macht mir zu schaffen: Der christliche Glaube lehrt uns, für das Leben zu kämpfen, aber unsere Sterblichkeit zu akzeptieren. Die Organspende spielt sich im Grenzbereich zwischen Leben, Sterben und Tod ab.

Weiterlesen:

http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/wort-zum-sonntag/sendung/2012/ruck-schroeder-23062012-100.html

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  1. #1 von Andreas P am 27. Juni 2012 - 22:42

    Atheismus ist keine “Weltsicht” und basiert i. A. auch nicht auf “Vermutungen”. Atheismus ist das Nichtteilen einer Weltsicht – des Theismus -, ueblicherweise aus der Einsicht, dass diese letztlich nur auf nicht weiter belegten, waghalsigen Vermutungen basiert.

    Das Nichtteilen einer Ideologie ist keine Ideologie.

  2. #2 von Barkai am 27. Juni 2012 - 23:34

    @VT
    ernstzunehmende Literatur zum thema “rückführ(ungs)therapie”. Da habe ich kaum was brauchbares gefunden..

    Davon ist hier meist eher wenig zu bemerken. Auf Christen, Moslems und anderen wird eifrig geschimpft, verhöhnt, nur beim Judentum da sagt ihr nichts
    echt? lies doch noch mal im Kommentarthread zu den artikeln “Langericht stellt religiöse beschneidung unter strafe” und “Beschneidungsverbot: angriff auf die religionsfreiheit” und “Israel: Ein Land zwischen Ultra-Orthodoxen und “militanten” Atheisten”. Nur mal so als Beispiele.

    Falls Du dir ein ehrliches Bild machen wolltest, müsstest Du vermutlich ein wenig mehr recherchieren, worum es ging.
    er ist imermhin rechtskräftig verurteilt worden.

  3. #3 von stephancologne am 27. Juni 2012 - 23:36

    @Violet :

    Atheismus ist keine Ideologie und schon gar keine Religion.
    Aber vielleicht möchtest Du uns ja mitteilen, was deiner Meinung nach eine Ideologie zu einer Ideologie macht.

    “”Auf Christen, Moslems und anderen wird eifrig geschimpft, verhöhnt, nur beim Judentum da sagt ihr nichts”"

    Das Judentum schreibt uns keine Tanzverbote vor.
    Vom Judentum sind keine Angriffe mit Messern auf deutsche Polizisten bekannt.
    Die Juden verteilen keine Märchenbücher in unseren Städten….

    etc…etc…etc..

    Warum sollten wir also über das Judentum schimpfen ?

  4. #4 von Barkai am 27. Juni 2012 - 23:54

    @stephan,
    was die Haredim in Israel abziehen (körperliche Angriffe auf schulmädchen, die nicht züchtig genug gekleidet sind, Morddrohungen gegen Lesben und schwule im rahmen der Regenbogenparade in Jerusalem etc). ist hier auf AMB2 zu recht bereits kritisiert worden.
    es ist halt nur so, dass die religiösen-jüdischen gemeinschaften sich außerhalb israels nicht so stark fühlen und sich deswegen nicht so weit aus dem fenster lehnen und weil es eine zahlenmäßig kleine Gemeinschaft ist, gibt es auch tendenziell weniger Krachmacher als in anderen Religionen. Deswegen kommen Berichte über haredim seltener vor und werden bei VT den Eindruck hinterlassen haben, dass wir das Verhalten der religiösen (oft orthodoxen) juden nicht kritisieren.

  5. #5 von Sheldon Lee Cooper am 27. Juni 2012 - 23:59

    @VT
    “…nur beim Judentum da sagt ihr nichts…”

    Ich würde das jetzt selektive Wahrnehmung deinerseits nennen.

    “…da könnte man ja schnell verurteilt werden.”

    Was völliger Quatsch ist. Berechtigte Kritik ist immer erlaubt.

  6. #6 von AMB am 28. Juni 2012 - 07:05

    @VT

    Auf Christen, Moslems und anderen wird eifrig geschimpft, verhöhnt, nur beim Judentum da sagt ihr nichts da könnte man ja schnell verurteilt werden. Aber gut so, damit bleibt wenigstens ein Gruppe von dem Blog verschont.

    Das Judentum wurde in 105 Artikeln “verschont”:

    http://blasphemieblog2.wordpress.com/category/judaismus/

    (Eine kleine Religion kommt seltener vor als große!)

  7. #7 von Wacke am 28. Juni 2012 - 08:36

    Ah, VT ein merkwürdiger Vorwurf ist das, siehe auch die Entgegnungen oben. Aber hast Du schon einmal etwas von positivem Antisemitismus und seinen Spielarten gehört? Oder pflegst Du Deine Ressintiments anders zu verstecken?

  8. #8 von Hinterfragerin am 28. Juni 2012 - 19:42

    @ VT

    “Gebe mich insofern geschlagen, als in mich auf deine Ausführungen einigermaßen verlasse, wobei man aber gerade mit solchen Bezeichnungen und Begriffsdefinitionen auch viel zur Verwirrung beitragen kann.”

    WTF?
    Verwirrung entsteht dann, wenn man Ausdrücke nutzt, ohne klar zu definieren, welche Bedeutung man aktualisiert. Insbesondere, wenn es darum geht, Kategorisierungen vorzunehmen.
    Wenn Du Atheismus als Ideologie bezeichnest, dann wirst Du – vielleicht auch eher unbewusst – eine Ideologiedefinition im Hinterkopf haben. Ohne diese zu kennen ist es schwer, sich mit dieser Deiner Einschätzung auseinanderzusetzen.

    Eigentlich ganz einfach…
    Du hast mir Deine Definition aber leider immer noch nicht genannt.

    “Scheinbar ist das Wort Ideologie negativ besetzt und somit will man nicht, dass Atheismus als Ideologie bezeichnet wird.”

    Ja und nein. Der Ideologiebegriff wird in den Sozialwissenschaften mit den unterschiedlichsten Bedeutungen verwendet, die meist auch in bestimmten theoretischen Vorstellungen wurzeln. Diese sind zunächst zumindest zum Teil deskriptiv, nicht wertend. In der Alltagssprache ist der Ausdruck tatsächlich klar negativ besetzt und wird meist für die Haltungen politischer oder weltanschaulicher “Gegner” verwandt, also pejorativ. Ideologisch sind also immer die anderen :-) .

    Ich meine, dargelegt zu haben, dass eine solche alltagssprachliche Begriffsverwendung nicht besonders zielführend ist, weil sie im Diskurs nicht weiterführt..Ideologie wird hier zum reinen “Kampfbegriff”.

    Aber da Du nicht offenlegst, was Du unter Ideologie verstehst, obgleich Du den Ausdruck verwendest, kann ich nicht bewerten, ob dies die von Dir aktualisierte Bedeutung ist. Falls ja, wäre es heuchlerisch zu schreiben “scheinbar ist das Wort ..negativ besetzt”.

    Für mich ist auch Ideologie in der von mir bevorzugten Definition negativ zu werten, weil ich geschlossene Weltbilder für poblematisch halte. Aber “meine” Definition (bzw. die von Arnold) hat den Vorteil, dass sich auf ihrer Basis Eigenschaften ausweisen lassen, die eine Weltanschauung bzw. die Art und Weise, wie sie vertreten wird, zur Ideologie machen.

    Dies ermöglicht es mir etwa, auch bzgl. Inhalten, die ich teile, zugeben zu können, wenn diese in manchen Kontexten den Charakter von Ideologemen annehmen, oder als Teil des gesellschaftlichen Diskurses ideologisch kommuniziert werden. Dies widerlegt dann nicht die Inhalte, lässt mich aber die Art und Weise, wie sie vermittelt werden, und das übergeordnete Weltbild, in das sie an dieser Stelle eingebaut werden, kritisch hinterfragen.

    “Gut, du darfst mir einen Begriff vorschlagen, aus dem hervorgeht, dass es sich um eine auf Vermutungen basierende Weltsicht handelt.”

    Ah.. ist dies Deine Definition von Ideologie? Könntest Du hier präziser werden? Was meinst Du hier mit “Vermutungen”? Die Annahme, dass ein Argument logisch kohärent sein sollte, oder dass eine Behauptung durch intersubjektiv übeprüfbare Daten untermauert werden sollte? Oder bewegt sich “Vermutungen” für Dich auf einer anderen Ebene?

    Und welche Vermutungen meinst Du ganz konkret – auf welchen “Vermutungen” beruht Deiner Ansicht nach der Atheismus? Wohlgemerkt: Ich sehe diesen nicht als Weltsicht, er ist, ich wiederhole mich, zunächst einmal lediglich die Zurückweisung einer Existenzbehauptung..

    “Jedenfalls aber kann man sagen, dass der faktische Eindruck, den man durch zb diesen Blog und seinen Kommentaren erhält, das Bild deiner definierten Form einer Ideologie sehr stark entspricht. Dann aber immer zu sagen, dass es keine Religion und keine Ideologie ist, erscheint mir auch absurd.”

    S.o.: Man sollte einzelne Behauptungen, die Weltsicht in die sie unter Umständen eingebaut werden, und die Art und Weise, wie sie kommuniziert werden, unterscheiden. Du vermischt hier die drei Ebenen munter.

    Wird hier teilweise ideologisch kommuniziert? Ja, das bestreite ich nicht, aber ganz überwiegend nicht, und meist ernten derartige Kommentare Kritik.

    Hat für einzelne Kommentatoren hier der Atheismus Ideologemcharakter? Kann ich nicht abschließend beurteilen, in den meisten Fällen würde ich sagen: Nein. Aber auch dies würde den Atheismus nicht zu einer Ideologie machen, nur, in diesem Kontext, eben zu einem Ideologem (einem Teil einer Ideologie, also einer geschlossenen, unhinterfragten Weltsicht) – s.o.

    Selbst wenn alle hier einen dogmatischen Atheismus vertreten würden (ich habe ja bereits geschrieben, dass es dies, als Teil von übergeordneten Weltanschauungen, durchaus gab und wohl auch noch gibt) würde dies allerdings Atheismus nicht “an sich” zum Ideologem machen.

    Die überaus meisten zeitgenössischen atheistischen Autoren stellen die Offenheit ihres Weltbildes (in dem Atheismus nur ein Teilaspekt ist) für neue Daten, für Argumente, heraus – und halten sich auch daran. Für diese Menschen ist Atheismus ganz offensichtlich kein Ideologem.

    Religion ist wieder so ein Ausdruck, der in Alltagssprache und sozialwissenschaftlicher Forschung sehr unterschiedlich definiert wird. Auch hier solltest Du Deine Definiton nennen, bevor Du eine Kategorisierung vornimmst.

    Ich gehe jetzt mal ganz banal von den im Duden angegebenen Bedeutungen aus, die ja den Sprachgebrauch widerspiegeln, also die alltagssprachliche Bedeutung widergeben:

    Religion = “(meist von einer größeren Gemeinschaft angenommener) bestimmter, durch Lehre und Satzungen festgelegter Glaube und sein Bekenntnis; gläubig verehrende Anerkennung einer alles Sein bestimmenden göttlichen Macht; religiöse Weltanschauung”

    Bedeutung zwei passt schon einmal offensichtlich nicht, und auch Bedeutung 1 passt nicht, da Atheismus als bloße Zurückweisung einer Existenzbehauptung mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Weltanschauungen verbunden werden kann. Es gibt schlicht keine Lehre und keine Satzungen.

    Vielleicht wird deutlicher, was ich sage, wenn ich hinzufüge, dass auch “Theismus” in so genereller Form noch keine Ideologie und keine Religion ist, wenn man obigen Definitionen folgt. Spezifische Ausprägungen des Theismus sind es, die Religionscharakter und Ideologiecharakter haben.

    Religionswissenschaftliche Definitionen gibt es ebenfalls viele, es hängt hier vor allem vom Erkenntnisinteresse ab, wie man Religion definiert – man muss nur klarstellen, wovon man redet. Eine funktionale und substanzielle Bestimmungsmerkmale verbindende Definition ist etwa diese, von Wunder vorgeschlagene:

    “Religion ist ein 1, Kommunikationszusammenhang, der durch ein 2, anthropozentrisch und 3, anthropomorph strukturiertes 4, Symbolsystem vermittelt, 5, durch einen Mythos verbürgt und durch 6, Evidenzerlebnisse persistent gehalten wird, wobei 7, die von den Subjekten perzipierte Kontingenz der lebenspraktisch relevanten Erscheinungswelt des Bezugsproblem bildet, welches 8, durch eine symbolische Dopplung der Wirklichkeit und 9, eine darauf aufbauende Kosmisierung der Welt bearbeitet wird, mit dem Ziel 10, der Identitätsstiftung und des 11, Managements der Lebensführung” (Wunder, Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft, S. 49).

    Die einzelnen Ausdrücke (wie Kosmisierung sozusagen als “Sinnaufladung” der Welt) sind vor Ort genauer erklärt, sie stammen aus dem religionswissenschaftlichen Sprachgebrauch. Würde hier zu weit führen. In dieser Definition stecken einige Punkte, die es verunmöglichen, “Atheismus” aus Religion zu verstehen. Wunder stellt aber z.B. anhand einer Anwendung auf diesen dar, dass nach dieser Definition der Marxismus-Leninismus eine Religion ist :-) .

    Um es kurz zu machen :-) : Diskussionen darüber, ob x zu Kategorie y gehört, machen nur Sinn, wenn man Kategorie y definiert, und klar darlegt, auf Basis welcher Eigenschaften man x dieser Kategorie zuordnet.

  9. #9 von Violet Teki am 28. Juni 2012 - 19:52

    @barkai:

    Literaturhinweise habe ich nun als Kommentar in dem von mir geposteten Artikel angeführt.

    Und im Folgekommentar ein paar informative Links über den Fall “Trutz Hardo” solltest du oder auch andere sich ein reales Bild dazu machen wollen.

    @Wacke:

    Das ist genau die Art dieses Spiel zu spielen: du kannst mir glauben, dass ich auf Grund meiner Weltsicht gegenüber niemanden Ressentiments habe, ich achte alle Menschen, unabhängig von Ihrer Religion, Farbe, Rasse, Weltsicht.

  10. #10 von Violet Teki am 29. Juni 2012 - 18:11

    @Hinterfragerin:

    Deine Antworten sind immer so umfangreich, dass ich es unhöflich finde, nicht darauf einzugehen. Umfangreich bedeutet aber immer auch Arbeit :)

    Nachdem Du mit den Definitionen angefangen hast, stütze ich mich ganz simpel auf Wikipedia, das da sagt :

    Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Ideologie ein System von Ideen, Vorstellungen, Werturteilen und Begriffen und kann synonym zu „Weltanschauung“ Verwendung finden

    Somit ist Atheismus nach Deiner Definition keine Ideologie, nach der Definition des allgemeinen Sprachgebrauchs möglicherweise primär auch nicht, das Problem liegt aber für mich definitiv in der Praxis.

    Wenn Atheismus bedeutet “Es gibt (für mich) keinen Gott. Basta” dann ist es wohl keine Ideologie, genauso wenig das oft hier zitierte Briefmarkensammeln als Hobby. Klar, wenn ich keine Briefmarken sammle, übe ich nicht das Hobby des Nichtbriefmarkensammelns aus. Klar. ok. Wenn ich mich aber beginne für Briefmarken zu interessieren, alles darüber weiss, aber sie bewusst nicht sammle, dann beginnt es irgendwie ein Hobby des Nichtbriefmarkensammelns zu werden.

    Und wnnn aber Atheismus wie hier auftritt und in einer Gruppierung tagtäglich Artikel postet, die ja mit Wertungen verbunden sind, dann baut sich darum herum eine Ideologie auf, ein System von Ideen, Vorstellungen, Werturteilen. Da nützen keine langen Erklärungen und Definitionen.

    Die Artikel hier werden ja nicht gepostet, weil man es neutral sieht, man kämpft ja vehement gegen die vorgefallenen Aussagen, Geschehnisse an bis hin zu Gerichtsprozessen. Und das Argument, jeder macht selbst was draus, gilt dann nicht mehr. Viele Atheisten werden ja wohl auch in Vereinen, Gruppen, oder zumindest auf lockerer Ebene organisiert sein, es gibt ja sogar Atheistentage und es baut sich eine (aus meiner Sicht sogar sehr starke, militante) Ideologie rundherum auf.

    Und welche Vermutungen meinst Du ganz konkret – auf welchen “Vermutungen” beruht Deiner Ansicht nach der Atheismus? Wohlgemerkt: Ich sehe diesen nicht als Weltsicht, er ist, ich wiederhole mich, zunächst einmal lediglich die Zurückweisung einer Existenzbehauptung.

    Der Atheismus beruht auf der Vermutung, dass es keinen Gott gibt.

    Durch dein “zunächst einmal lediglich” unterstützt Du meine Sicht. Zunächst einmal ist es lediglich die Zurückweisung einer Existenzbehauptung. Meiner Meinung ist es selbst dann eine Weltanschauung, aber für viele Atheisten, die hier schreiben dreht sich ja das halbe Leben um das Thema, irgendwelche Dummheiten von Gläubigen, Kirchen, Priestern “aufzudecken”, ja gegen Esoteriker, Heiler, Alternativmedizinier, allem was eben nicht in ihre Weltanschauung passt, zu wettern.

    Letzendlich ist es müßig um Begriffe zu definieren. Ich empfinde es als beänstigend, bin aber guter Dinge, dass es eine Randerscheinung bleiben wird und die Zukunft der Spiritualität gehört – in der Form dann eigentlich auch zunächst keine Ideologie :) )

  11. #11 von Andreas P am 29. Juni 2012 - 19:59

    “die Zukunft der Spiritualität gehört”

    Das finde ich beruhigend: Da VT bislang bei so ziemlich allem falsch lag…

  12. #12 von Barkai am 29. Juni 2012 - 20:05

    Viele Atheisten werden ja wohl auch in Vereinen, Gruppen, oder zumindest auf lockerer Ebene organisiert sein, es gibt ja sogar Atheistentage und es baut sich eine (aus meiner Sicht sogar sehr starke, militante) Ideologie rundherum auf.
    Soll auch den ein oder anderen schwulen, die ein oder andere Lesbe und eingie Bisexuelle geben, die sich auch in vereinen organisieren und die Regenbogenparaden/Christopher Sreet day paraden organisieren und in größeren Städten, die eine große LGBT Szene haben (zB Köln, Berlin) können davor noch schwulesbische Kulturtage kommen.

    Ist das jetzt aus deiner Sicht auch eine strake und militante Ideologie?!

  13. #13 von Andreas P am 29. Juni 2012 - 20:10

    Barkai,

    Du kommst hier schon wieder mit voellig unspiritueller Logik und total materialistischer Gehirnbenutzung.

    Die richtig wahre Antwort wissen nur die feinstofflichen Feen, die muss man freischwingend erfuehlen. :-)

  14. #14 von Hinterfragerin am 29. Juni 2012 - 21:05

    @ VT

    Danke für die Antwort – ich weiß, kurzfassen ist nicht meine Sträke :-) .

    “Somit ist Atheismus nach Deiner Definition keine Ideologie, nach der Definition des allgemeinen Sprachgebrauchs möglicherweise primär auch nicht, das Problem liegt aber für mich definitiv in der Praxis.

    Wenn Atheismus bedeutet “Es gibt (für mich) keinen Gott. Basta” dann ist es wohl keine Ideologie, genauso wenig das oft hier zitierte Briefmarkensammeln als Hobby.”

    Da sehen wir uns weitgehend einig, auch wenn ich und andere nun denke ich oft genug betont haben, dass die Formulierung eher so lautet, wie oben rechts: “Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott”, oder, noch eher “wir sehen keine Belege für die Existenz eines Gottes/ von Göttern, und weisen deswegen diese Existenzbehauptungen zurück”. Ich finde es merkwürdig, dass Du trotz allen versuchst, einen gewissermaßen “dogmatischen Atheismus” als den Regelfall darzustellen.

    “Wenn ich mich aber beginne für Briefmarken zu interessieren, alles darüber weiss, aber sie bewusst nicht sammle, dann beginnt es irgendwie ein Hobby des Nichtbriefmarkensammelns zu werden.

    Und wnnn aber Atheismus wie hier auftritt und in einer Gruppierung tagtäglich Artikel postet, die ja mit Wertungen verbunden sind, dann baut sich darum herum eine Ideologie auf, ein System von Ideen, Vorstellungen, Werturteilen. Da nützen keine langen Erklärungen und Definitionen.”

    Ich gebe Dir auch hier teilweise Recht, sofern man Ideologie ganz wertfrei mit Weltanschauung gleichsetzt. Für viele hier – ich spreche aber vorsichtshalber mal nur für mich – ist die Zurückweisung der Existenzbehauptung bzgl. Gott/ Göttern nur Teil eines umfassenderen, naturalistisch-materialistisch geprägten Weltbildes, oft verbunden mit einer säkular-humanistischen Ausrichtung.
    Ich halte es aber für wenig zielführend, dieses Weltbild als “atheistisch” zu definieren. Nicht nur, weil der Atheismus in diesem Kontext eine Folge bestimmter Grundhaltungen (Rationalismus, Evidenzbezug etc.) ist, nicht der Ausgangspunkt der betreffenden Weltsicht. Diese baut sich nicht “um den Atheismus herum” auf. Vielmehr ist der Atheismus nur ein Teilaspekt derselben, Konsequenz einer bestimmten Denkweise, nicht Ursache derselben. Zudem gibt es genug Atheisten, die keine Naturalisten/ Humanisten etc. sind.

    Was Du schreibst, geht noch einmal in eine ein bisserl andere Richtung: Du beziehst Dich eher auf den gesellschaftlich-politischen Aspekt. Ich verstehe mich als Materialistin-Naturalistin (bin aber dennoch offen für eine Widerlegung dieser Sicht) und als säkulare Humanistin. Auf Basis der von mir vertretenen Werte be-werte ich gesellschaftliche und politische Vorgänge. Ich sehe die kritische Auseinandersetzung mit religiösen Ideologien und ihren gesellschaftlichen Folgen als Teil meiner generellen kritischen Auseinandersetzung mit Ideologien aller Art. Letztlich ist in diesem Zusammenhang aber nicht der Atheismus ausschlaggebend (ich hatte als Deistin weitgehend ähnliche Haltungen), sondern die Ablehnung ideologisch-totalitären Denkens und Handelns, von Menschenrechtsverletzungen etc. Diese teile ich sicher mit einer ganzen Reihe gläubiger Menschen: Es gibt genug Gläubige, die Religionskritik und die Kritik an negativen Folgen religiöser Denkweisen und Handlungsleitlinien durchaus nachvollziehen können.

    “Die Artikel hier werden ja nicht gepostet, weil man es neutral sieht, man kämpft ja vehement gegen die vorgefallenen Aussagen, Geschehnisse an bis hin zu Gerichtsprozessen. Und das Argument, jeder macht selbst was draus, gilt dann nicht mehr. Viele Atheisten werden ja wohl auch in Vereinen, Gruppen, oder zumindest auf lockerer Ebene organisiert sein, es gibt ja sogar Atheistentage und es baut sich eine (aus meiner Sicht sogar sehr starke, militante) Ideologie rundherum auf.”

    Dies speist sich eben aus den als gefährlich wahrgenommenen politischen und sozialen Konsequenzen von Religion. Mit der Frage nach der Existenz oder Nichtexistenz von Göttern hat das wenig zu tun, auch wenn ich plausibel finde, dass viele Probleme, die Religionen nach sich ziehen, aus ihnen inhärenten Grundeigenschaften abgeleitet werden können, etwa dem meist starken Autoritätsbezug, der Betonung des “Glaubens” (auch ohne Belege), von Emotionalität, nicht selten von Nichthinterfragbarkeit etc.

    Ich sehe friedliches (!) politisches Engagement gegen wahrgenommene politisch-soziale Mißstände und ideologiekritische Diskursbeiträge nicht als negativ an. Ich finde sie im Gegenteil wichtig und richtig. Bitte definiere deshalb, was Du in diesem Zusammenhang unter Militanz verstehst. In der Bedeutung “herausfordernd” würde ich mich durchaus als militant bezeichnen lassen, in den Bedeutungen “gewalttätig” und “streitsüchtig” nicht.

    “Der Atheismus beruht auf der Vermutung, dass es keinen Gott gibt.”

    Also mein Atheismus (und der vieler anderer mir bekannter Autoren) beruht meines Erachtens eher auf der empiriebasierten Feststellung, dass es für die Existenz von Göttern keinerlei Belege gibt, und dass gegen die Existenz einer ganzen Reihe spezifischer Götter vorliegende Belege sprechen. Das ist keine “Vermutung”, das ist eine Schlußfolgerung aus einer Auseinandersetzung mit der vorliegenden Beweislage und vorgebrachten Argumenten. Ich sehe da einen wesentlichen Unterschied.

    “Durch dein “zunächst einmal lediglich” unterstützt Du meine Sicht. Zunächst einmal ist es lediglich die Zurückweisung einer Existenzbehauptung. Meiner Meinung ist es selbst dann eine Weltanschauung”

    Eine “Gesamtheit von Anschauungen, die die Welt und die Stellung des Menschen in der Welt betreffen”? Dazu reicht aber die Zurückweisung einer Existenzbehauptung nicht aus, VT. Ist die Ablehnung des Marxismus-Leninismus eine Weltanschauung? Nein, sie ist doch wohl eher die Konsequenz aus einer solchen, die wiederum, wenn es gut läuft :-) , empirisch und argumentativ unterfüttert werden kann.

    “aber für viele Atheisten, die hier schreiben dreht sich ja das halbe Leben um das Thema, irgendwelche Dummheiten von Gläubigen, Kirchen, Priestern “aufzudecken”, ja gegen Esoteriker, Heiler, Alternativmedizinier, allem was eben nicht in ihre Weltanschauung passt, zu wettern.”

    Diese “Dummheiten” haben Auswirkungen auf das Leben von Menschen, sie verursachen Leid, sie bringen in manchen Fällen Menschen sogar um – und sie beeinflussen über die Politik auch unser Leben, meine Rechte als Frau etwa, die Rechte homosexueller Freunde etc. Das “Wettern” ist kein Selbstzweck, sondern Teil der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit von uns als problematisch eingestuften Handlungsweisen und Denkweisen. INatürlich muss das Engagement, soll es wirksam sein, über den Austausch hier hinausgehen.

    “Letzendlich ist es müßig um Begriffe zu definieren.”

    Im Gegenteil, Begriffe zu definieren ist der Ausgangspunkt gelingender Kommunikation!

    “Ich empfinde es als beänstigend, bin aber guter Dinge, dass es eine Randerscheinung bleiben wird und die Zukunft der Spiritualität gehört – in der Form dann eigentlich auch zunächst keine Ideologie :) )”

    Warum beängstigend? Niemand will Gläubigen das Recht nehmen, zu glauben, nach was ihnen der Sinn steht! Freie Bürger haben dieses Recht. Und andere freie Bürger haben das Recht, diese Vorstellungen zu kritisieren. Eigentlich ganz einfach.

    Warum meinst Du, die Zukunft gehört der Spiritualität?

    Ich sehe momentan eher drei Trends: Einerseits den hin zu fundamentalistisch-radikalen religiösen Ideologien, zum zweiten den hin zu einer Art Do-It-Yourself-Religiösität, drittens den zum Unglauben bzw. zur religiösen Indifferenz.

    Um es mal ganz klar zu sagen: Wenn Du mit Spiritualität “Do-It-Yourself” meinst,würde ich mich freuen, wenn diese auf Kosten der radikal-fundamentalistischen Strömungen wachsen würde, weil ich sie für wesentlich weniger gefährlich halte. Sie hat den Vorteil, eher individuell zu sein – und was z.B. meine Schwiegermutter sich in stillen Kämmerlein aus diversen Religionen und Esoterikschulen so zusammenmischt und glaubt, stört mich zunächst einmal wenig.

  15. #15 von Andreas P am 29. Juni 2012 - 21:59

    Der Unterschied, der hier besteht, ist, dass HF Gruende, Fakten, Argumente abwaegt, wahrend VT irgendwas ins Blaue hinein glaubt und dann, weil beides ja letztlich “Meinungen” sind, dafuer gleiche Anerkennung will.

    Das scheint mir der klassische Irrtum zu sein: Dass die Meinungsfreiheit gedanklich vermengt wird mit der seltsamen Vorstellung, alle Ansichten seien auch gleich-wertig.

    Asimov hat das mal pointierter formuliert:

    “Anti-intellectualism has been a constant thread winding its way through our political and cultural life, nurtured by the false notion that democracy means that ‘my ignorance is just as good as your knowledge.’”

    Nope, VT, das ist es eben nicht.

  16. #16 von Wacke am 29. Juni 2012 - 22:13

    @VT
    Erst mal schön zu hören, dass Du von Dir behauptest keine Ressentiments zu pflegen.

    Nun, warum unterstellst Du uns dann allerdings, dass wir eifrig auf Christen, Moslems schimpfen und wir sie verhöhnen (eigener Opferstatus), beim Judentum uns aber nichts trauen. Selbst Dein Smiley ändert erst mal nichts dran und ist auch nur Kaschierung.

    Nach Deiner Logik muss also Kritik auch Gruppen einschließen, die der Kritisierte selbst in den Focus rückt, die aber nicht zwingend mit dem Gegenstand der Kritik etwas zu tun hat.
    Dass wird damit begründet, dass in dieser Gruppe ja auch so richtig etwas zu kritisieren sei. Das dient einmal der Ablenkung und mit dem Hinweis auf “ihr traut euch nicht / man wird doch noch mal sagen dürfen” der Verdoppellung der Opferrolle “Wir Christen, aber die Juden nicht”.
    Und zudem ist es immer eine gute Ablenkung, den Kritikführenden zu unterstellen, er hätte da jemanden vergessen. Auch wenn der erst einmal gar keine Rolle spielt. Und umso besser ist es, wenn da noch ein vermeintliches Tabu scheinbar angekratzt wird.

    Ich vermute mal, wie das eben so bei uns Menschen mit der Eigenwahrnehmung ist, dass Du zwar öffentlich schnell behaupten kannst, dass Du keine Ressentiments pflegst und auch bestimmt gut Beispiele nennen kannst (bei Dir vielleicht: Ich bete für den Frieden in Nahost), aber voller Ressentiments steckst. Und eines richtig gut und modern kultiviert hast – den Antisemitismus. Und Antisemitismus ist weitaus mehr, als der geschichtlich gemeinhin bekannte Judenhass.

    Kannst Dich jetzt aufregen. Die Sätze “… aber die Juden … die auch” sind ein guter Indikator.

  17. #17 von Hinterfragerin am 29. Juni 2012 - 22:58

    @ AP

    Ohne dies auf Kommentatoren hier beziehen zu wollen, nur als Beobachtung, die ich immer wieder mache, und die von Russell wunderbar getroffen wurde:

    “The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.”

  18. #18 von Andreas P am 30. Juni 2012 - 04:46

    @Hinterfragerin: Wobei die Gegenhaltung die dogmatischer Skepsis ist, nach der Menschen allesamt ueberhaupt nichts wissen, alles gleichermassen zweifelhaft ist, und man sich folglich die Muehe des Nachdenkens komplett sparen kann, weil das Ergebnis nicht weniger zweifelhaft ist als jedes blinde Raten. =)

    Wer dann auch noch zu argumentieren anfaengt, ist sowieso nur ein finsterer, intoleranter “Ideologe”, der sogar noch duemmer ist, weil er nicht verstanden hat, dass laengst bewiesen ist, dass man nichts wissen kann.

    Und das weiss doch nun wirklich eigentlich jeder! :-)