Beschneidungsverbot: Angriff auf die Religionsfreiheit?

Christen, Juden und Muslimen haben mit Empörung auf das Gerichtsurteil zur Strafbarkeit von religiös begründeten Beschneidungen von Jungen reagiert. Wissenschaftler warnen vor einer Kriminalisierung der Religionen.

(…)

Der Zentralrat der Juden bewertet das Urteil als „beispiellosen und dramatischen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften“. In jedem Land der Welt werde dieses religiöse Recht respektiert – ausgerechnet in Deutschland nicht.

Der Zentralrat der Muslime protestiert mit fast gleichlautenden Worten und rügt den Richterspruch als „eindimensional“. Seit Jahrhunderten sei die Beschneidung ein zentraler Bestandteil muslimischer Tradition.
Kritik der Kirche

Auch die deutschen Bischöfe finden kritische Worte. Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff erklärt: „Das Verbot der Beschneidung im Kindesalter ist ein schwerwiegender Eingriff in die Religionsfreiheit und das Erziehungsrecht der Eltern.“

(…)

Die Beschneidung ist für Juden kein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, sondern „ein göttliches Gebot“, erklärt Hollender. „Es steht in der Bibel, Genesis 17. Dieses Gebot kann man nicht brechen.

Weiterlesen:

http://www.derwesten.de/politik/christen-muslime-und-juden-begehren-gegen-beschneidungsverbot-auf-id6816610.html

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  1. #1 von Ezri am 27. Juni 2012 - 19:19

    Ach Quatsch “göttliches Gebot”. Hier greift wohl das Pippi Langstrumpf Gesetz: Widdewiddewidd ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt, denn wenns denn Religioten in den Kram paßt, ignorieren sie auch gern ihre selbstgebastelten Gebote.
    Die sind doch echt alle irre. Die Unversehrtheit des Kindes sollte an allererster Stelle stehen und nicht dieser peinliche Phantasiekram, der sich Religion nennt. Was sind das nur für Eltern… *koppschüttel*

  2. #2 von Wolfgang Klosterhalfen am 27. Juni 2012 - 19:20

    Knaben soll man nicht beschneiden, weil sie dabei ziemlich leiden.
    Unbedingt ist zu vermeiden das Beschneiden von den Scheiden.

  3. #3 von AMB am 27. Juni 2012 - 19:27

    Die Beschneidung ist für Juden kein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, sondern „ein göttliches Gebot“, erklärt Hollender.

    Wo ist jetzt der Widerspruch??

    Dieses Gebot kann man nicht brechen.

    Können schon, aber nicht wollen. Ein paar Seiten weiter steht das Gebot, dass man Schwule töten soll, warum wird dieses Gebot gebrochen?

    Auf idea wird wieder übertrieben:

    Nach Ansicht des Rabbiners ist es kaum vorstellbar, dass sich messianisch-jüdische Gemeinden an das Verbot halten werden. Pikman hält es für möglich, dass eines Tages auch das Taufen von Säuglingen verboten werde, um es den Kindern zu ermöglichen, später ihre Religion frei zu wählen.

    Schon schlimm, wenn das Kind seine Religion selbst aussucht. Das kann niemals Religions-Freiheit sein.

  4. #4 von Barkai am 27. Juni 2012 - 19:54

    Die Beschneidung ist für Juden kein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, sondern „ein göttliches Gebot“, erklärt Hollender.

    And more: according to halachic law, an adult who was not circumcised when young for any reason must be circumcised. After he heals from the wound of circumcision he must bless “Hagomel” as thanks for being saved from danger. Only one who was at risk of death must bless “Hagomel.” That is, circumcision is halachically defined as a risk of death

    Das mit dem göttlichen Gebot wollen wir dann mal so stehen lassen…

    Dieses Gebot kann man nicht brechen
    Doch, kann man! Außerdem, das sollte den jüdischen beschneidungsbefürwortern doch zu denken geben.

    This might sound odd, but Jewish halacha considers one who desecrates the Sabbath in public more severely than a Jew who was never circumcised! Thus was ruled in the Shulchan Aruch, laws of Shechita, paragraph 2, that ritual slaughter by one who desecrates the Sabbath is disallowed, while that by one who has not been circumcised is kosher. That is, if a ritual slaughterer desecrated the Sabbath, one is forbidden from eating the animal, as he is considered as a Gentile, but one may eat what was slaughtered by an uncircumcised Jew

    (Quelle: http://www.daatemet.org/articles/article.cfm?article_id=19&LANG=en)

  5. #5 von Hinterfragerin am 27. Juni 2012 - 20:14

    Was ist denn das für ein Argument – das ist ein religiöses Gebot und war schon immer so? Warum sollte es damit kein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit mehr sein?

    Mit dem Argument könnte man auch die Beschneidung von Mädchen rechtfertigen – es ist eine religiös begründete bzw. aufgeladene Tradition und war schon immer so. Man wird doch die Buchreligionen nicht bevorzugen wollen, indem man orale Traditionen nicht anerkennt – oder?

    Oder die Beschneidung, wie sie bei manchen Aborigine-Stämmen in Australien praktiziert wird, und bei der Penis längs aufgechnitten wird.

    Oder die Verlängerung des Halses schon von Kindern durch Metallringe (Tradition!). Oder oder oder…

    Oder letztlich JEDEN Eingriff, so gefährlich er auch sein mag, wenn man ihn nur religiös begründet und/ oder wenn er eine lange Tradition hat.

    Eltern haben natürlich das Recht, in im weitesten Sinne medizinischen Fragen für ihre Kinder zu entscheiden, solange diese noch klein sind. Aber eben nur dann, wenn es sich um medizinisch notwendige Eingriffe handelt oder der Eingriff (etwa Ohrringschießen – wobei ich damit auch warten würde) so klein ist, dass die Gefahren vernachlässigbar sind, ebenso wie die Folgen. Dies müssen letztliche Mediziner entscheiden.

    Ab einem bestimmten Alter sind Menschen frei, sich für die Selbstverstümmelung zu entscheiden – ob es Extrempiercing ist, oder eine Beschneidung, oder Branding, oder was auch immer. Warum von den Religionen nicht erwarten, dass sie sich hieran anpassen, und den jungen Menschen die Möglichkeit geben, sobald sie alt genug sind, selbst zu entscheiden, ob sie die betreffenden Rituale der Religion ihrer Eltern vollziehen wollen?

  6. #6 von omnibus56 am 27. Juni 2012 - 20:21

    @#3

    “Pikman hält es für möglich, dass eines Tages auch das Taufen von Säuglingen verboten werde, um es den Kindern zu ermöglichen, später ihre Religion frei zu wählen.”

    Na hoffentlich! Mit der Taufe fängt der religiotische Kindesmissbrauch ja schon an.

    Die Religionsfreiheit (für die ich auch und gerade als Atheist eintrete) an die Eltern zu delegieren, ist ein kaum wieder gut zu machender Fehler. Die jahrelange religiotische Indoktrination zu überwinden hat mich z. B. auch über 40 Jahre (von der Religionsmündigkeit, die zu dem Zeitpunkt eben keine Religionsfreiheit (mehr) war, an) gekostet.

    Und manche schaffen es nie sich davon zu befreien. Die Angst (Drohungen gehören zu den theistischen Religionen dazu) ist sehr stark, wenn sie früh eingeimpft und lange “gepflegt” wird…

  7. #7 von raskalnikow am 27. Juni 2012 - 20:28

    #2 – Ob die Knaben leiden oder nicht ist doch völlig egal… Es ist schlicht ethisch verwerflich an fremden Körpern – ohne deren Einwilligung – herumzuschnippeln. So einfach ist das.

    In meiner hypothetischen Religion spitzen wir den Säuglingen die Ohrmuscheln zu – das ist völlig harmlos (nicht am intimsten Körperteil wie bei der Beschneidung…) aber dafür offen sichtbar. Vermutlich würde so etwas wegen der Sichtbarkeit gar nicht erst geduldet.

    Bei Hunden ist das Kupieren der Ohren überigens in nahezu ganz Europa verboten. Ergo: Hunde werden vom Gesetzgeber besser geschützt als menschliche Säuglinge.

  8. #8 von Tenoch am 27. Juni 2012 - 20:46

    Dieses Urteil ist kein Beschneidungsverbot. Jeder Jude oder Muslim oder wer sonst noch Bock darauf hat, kann sich beschneiden lassen, nur eben nicht als unmündiges Kind und nicht auf Kosten der Allgemeinheit ( Krankenkassen). Und wenn man jetzt noch die Taufe an unmündigen Kindern verbieten würde, dann wäre wirklich Recht gesprochen.

  9. #9 von sputnic am 27. Juni 2012 - 21:23

    @raskalnikow: Sehr guter Vergleich

  10. #10 von Swilly am 27. Juni 2012 - 21:23

    Relativierende Arktikel zur Rechtfertigung der Beschneidung auch bei der taz:

    http://www.taz.de/Urteil-zu-Beschneidung-in-Deutschland/!96227/

    http://www.taz.de/Urteil-zu-Beschneidungen/!96209/

  11. #11 von Ezri am 27. Juni 2012 - 21:55

    @raskalnikow: Bei Hunden ist das Kupieren der Ohren überigens in nahezu ganz Europa verboten. Ergo: Hunde werden vom Gesetzgeber besser geschützt als menschliche Säuglinge. <— kann man nicht oft genug wiederholen

  12. #12 von Hinterfragerin am 27. Juni 2012 - 22:14

    Zitat aus dem FAZ-Artikel, von Graumann:

    “Juristisch möge das Kölner Urteil mit seiner Berufung auf das im Grundgesetz garantierte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit womöglich eine gewisse Fundiertheit besitzen, doch: „Das Leben besteht nicht nur aus Juristerei.“ Mit der Lebenswirklichkeit habe dieser Richterspruch wenig zu tun. Korn wies darauf hin, dass aller medizinischen Erkenntnis zufolge das Schmerzempfinden von Babys in den ersten drei Lebensmonaten kaum ausgeprägt sei. Die Kinder würden also unter dem Eingriff nicht leiden.”

    WTF?

    Grundrechte können auch mal verletzt werden, weil das Leben nicht nur aus Juristerei besteht???
    Das Schmerzempfinden ist letztlich irrelevant, wenn es rein um die körperliche Unversehrtheit geht, aber da scheint Herr Korn nicht auf dem neuesten Stand zu sein:

    “Die Intensität von Schmerzen kann nicht direkt gemessen, sondern nur indirekt beschrieben werden, was die Erfassung umso schwieriger macht, je jünger die Patienten sind. Bis vor wenigen Jahren hat man wegen fehlender offensichtlicher Schmerzäußerungen angenommen, dass Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder weniger Schmerzen als Erwachsene empfinden würden. Dies hat sich jedoch als ein Irrtum herausgestellt, der umso gravierender wird, je mehr über Prozesse der Schmerzsensibilisierung und den Aufbau eines Schmerzgedächtnisses bekannt wird.”

    (Der Schmerz, Volume 18, Number 1 (2004), 61-74, DOI: 10.1007/s00482-003-0266-2)

    P. Krumpholz (Schmerztherapie in der Pflege 2009, Part 3, 147-158, DOI: 10.1007/978-3-211-72328-9_15) spricht von einem “Irrtum”, einem “Mythos”…

  13. #13 von Hinterfragerin am 27. Juni 2012 - 22:14

    Ähem, Korn, nicht Graumann..

  14. #14 von Andreas P am 27. Juni 2012 - 22:25

    “Keiner spricht mehr vom Lehrer Harald
    Der ein Kind erwuergte und entfloh.
    Denn das Kind war hoechstens sieben Jahr alt,
    In dem Alter merkt man’s noch nicht so.”
    (Georg Kreisler, “Als der Zirkus in Flammen stand”)

  15. #15 von Michael am 27. Juni 2012 - 22:47

    Die Beschneidung ist für Juden kein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit</quote

    Ist das so? Dann irren sie sich. So einfach ist das.

  16. #16 von Elvenpath am 27. Juni 2012 - 23:56

    Endlich wird mal aufgedeckt, dass Religionen eben die Stützpfeiler unserer Moral sind, sondern genau das Gegenteil: Wenn man unvoreingenommen analysiert, vermitteln Religionen Wertevorstellungen, die einfach nur erschreckend und unrealistisch sind, oder im besten Fall banal.

  17. #17 von Elvenpath am 27. Juni 2012 - 23:57

    Tippfehler: NICHT die Stützpfeiler

  18. #18 von herr mister am 28. Juni 2012 - 02:21

    wow da tun sich die mit größten religionen zusammen um einen riesigen haufen dünnschiss zu produzieren.

    wenn ich so nen quatsch lese werd ich echt aggressiv.
    da wird kleinen jungen ein teil von ihrem PENIS abgeschnitten, weil es TRADITION ist.

    das is so ultra bescheuert. das is echt nich in worte zu fassen wie abgrundtief blöd und falsch das ist.

    es is also okay wenn kleinen jungen ein teil vom penis abgeschnitten wird, aber es is nich okay wenn sich zwei gleichgeschlechtliche partner küssen?
    WHAT THE F#CK ???

  19. #19 von Linus Heilig am 28. Juni 2012 - 11:04

    Und die christliche Taufe so schnell wie möglich nach der Geburt, wegen der Erbsünde und der Gefahr der ewigen Verdammnis.

  20. #20 von Noch ein Fragender am 28. Juni 2012 - 12:20

    jedes Knäblein, wenn‘s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen.“

    Wir wissen ja aus der Diskussion um den Schöpfungsbericht, dass Tagesangaben in der Heiligen Schrift nicht wörtlich zu interpretieren sind.

    Danach bedeutet 8. Tag “die Schöpfung ist fertig und läuft jetzt selbständig weiter”. Auf das Individuum bezogen ist also der 8. Tag der Beginn der Volljährigkeit. Das Gebot des HERRN lautet recht verstanden: Mit Volljährigkeit sollt ihr die männlichen Nachkommen beschneiden.

    Wär das nicht eine schriftgemäße Möglichkeit, um archaische Sitten an heutige ethische Standards anzupassen?

  21. #21 von Noch ein Fragender am 28. Juni 2012 - 12:29

    Um Missverständnisse zu vermeiden, dass ich deistische Vorstellungen in die Interpretation einschmuggeln wollte, schlage ich folgende Klarstellung vor:

    Der 8. Tag bedeutet: “die Schöpfung ist fertig und wird in die Selbständigkeit entlassen”.

    Das Entlassen in die Selbständigkeit ist beim Individuum die Volljährigkeit.

  22. #22 von klauswerner am 28. Juni 2012 - 14:34

    Hmm, wie weit geht denn dieses “Recht” zur Beschneidung, habe da was gefunden, das ist in Australien üblich und hilft, das die Frau ohne Pille auskommen könnte, weil es weniger Baby gibt. Also im Sinne der Katholiken, oder?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Subinzision

    Ist das auch noch ok? Wer setzt den hier wem wann welche Grenze? Ab wann ist es eine strafbare Körperverletzung und bis wo hin NUR eine religiöse???

  23. #23 von Linus Heilig am 28. Juni 2012 - 14:40

    Empörung, Jesus war gar kein Jude. Siehe Kommentar #109:
    http://www.kreuz.net/article.15433.html
    Wieviel jesuitische Vorhäute sind noch mal weltweit erfasst?

  24. #24 von Elvenpath am 28. Juni 2012 - 20:30

    “Dieses Gebot kann man nicht brechen.”
    Das wird er noch erleben, dass man das Gebot brechen kann!

  25. #25 von raskalnikow am 29. Juni 2012 - 14:21

    Ich habe einige Tweets und Blogartikel zum Beschneidungsurteil gesammelt: http://storify.com/ath_nikow/das-beschneidungsverbot-von-koln