
Vortrag von Petra Bahr beim Jahresempfang des Karlsruher Foyers Kirche und Recht
(…)
„Treten Sie aus der Kirche aus“, ermuntert mich ein junger Kerl mit rotem T-Shirt. „Gott ist tot“, steht da in den Lettern, die normalerweise Coca-Cola für seine Werbung nutzt, auf seiner Brust. „Die Kirche ist eine Zwangsanstalt. Befreien Sie sich!“, ruft der Knabe den Passanten zu, als sei die Kirchenmitgliedschaft mit Zwängen und der Austritt mit Sanktionen belegt. Dann lädt er noch zur nächsten Party ein und erzählt stolz von den Karfreitagsstöraktionen des letzten Tages. „Heidenspaß statt Todesangst“ heißt
die Bewegung, die im ganzen Bundesgebiet kein anderes Ziel hat, als die Karfreitagsruhe zu torpedieren. Auf meinen Einwand, man könne doch an 350 Tagen im Jahr ungehemmte Heidenfreuden genießen, lacht er schief und sagt: „Aber dann macht es ja keinen Spaß, weil sich keiner ärgert.“ Wie eine echte Ethnologin will ich die Motive dieser antiklerikalen Kampfgenossenschaft genauer verstehen. Und reibe mir die Augen, als mir Worte wie Toleranz und Religionsfreiheit entgegengehalten werden. „Kampf dem Obskurantismus. Es
lebe die Aufklärung.“ (…)
Durch die Wiedervereinigung ist auch der in zwei Diktaturen herangereifte und von oben verordnete Antiklerikalismus mehrheitsfähiger geworden. Zwei Generationen ererbter Gottlosigkeit hinterlassen ihre Spuren nun auch in der Mitte unserer Gesellschaft. (…)
Meistens bleibt die Gewaltbereitschaft nur eine verbale Kraftmeierei, aber spätestens seit den jüngsten Ausschreitungen in Bonn ist die hässliche Fratze dieser militanten Interpretation des Islam augenfällig geworden. (…) Das ist Wasser auf die Mühlen rechtsradikaler Bewegungen und atheistischer Kampagnen. (…)
Vor diesem Hintergrund leuchten die heftigen Attacken der atheistischen, humanistischen und laizistischen Bewegungen in Deutschland auf den ersten Blick sogar ein. Schließlich warnen sie vehement vor den Gewaltpotentialen der Religionen. Aber auch hier gibt es verbale Eskalationsstufen, die mit dem Bedürfnis nach Aufklärung im anspruchsvollen Sinne nur wenig zu tun haben. (…)
Doch die atheistischen und antiklerikalen Bewegungen der Gegenwart haben die Flughöhen der philosophischen Kirchen- und Religionskritik längst verlassen. Ihre theoretische Munition finden sie in einer zur Weltanschauung aufgerüsteten Wissenschaftsgläubigkeit eines Richard Dawkins und anderer. Was die Wissenschaft nicht festgestellt hat, entlarvt sich ihnen als Märchen. Im Grunde geht es den antiklerikalen Aktivisten vor allem darum, Religion und ihre Lebensäußerungen ganz aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Religionsfreiheit ist für sie die Freiheit, die erst da entsteht, wo einen keine Religion mehr
behelligt, weder in der Schule, noch an anderen öffentlichen Orten, auch nicht durch kirchliche Feiertage oder den Rhythmus des Sonntags. Diese antiklerikale Bewegung gibt sich libertär, ist aber nicht liberal, wenn es um die Freiheit anderer geht. Die Intoleranz im Gewand einer kämpferisch-aufklärerischen Weltanschauung ist überraschend etatistisch, erhofft sie sich doch vom Staat und seinen Gerichten die Befreiung von den Zumutungen der Religion. Offene Foren für kontroverse Diskussionen, für Argument und Gegenargument können beglückende Erfahrungen der intellektuellen Auseinandersetzungen sein, sind aber selten. Auch hier entwickelt sich ein geschlossenes Milieu, das für Religionsfreiheit streitet, aber dem Anspruch nach gerade die Neutralität des
Staates gegenüber den religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen seiner Bürger unterläuft. Der Staat soll sich nämlich die laizistische Weltanschauung zu Eigen machen. (…)
Das Christentum habe unsere Kultur geprägt, deshalb müsste es von Staat und Recht auch gegenüber allen anderen Weltanschauungen und Religionen bevorzugt werden, und zwar in der Form der beiden verfassten großen christlichen Kirchen. Wer will bestreiten, dass die Grammatik des Christentums Kultur, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft zutiefst geprägt hat? (…)
Das beste Argument gegen den kämpferischen Laizismus ist ein lebendiges Christentum…
Weiterlesen (PDF):
http://www.ekd.de/kultur/kulturbuero/download/Bahr-Petra-Vortrag-Karlsruhe-20_6_2012.pdf


















































#1 von ichglaubsnicht am 23. Juni 2012 - 11:30
“Durch die Wiedervereinigung ist auch der in zwei Diktaturen herangereifte und von oben verordnete Antiklerikalismus mehrheitsfähiger geworden. Zwei Generationen ererbter Gottlosigkeit hinterlassen ihre Spuren nun auch in der Mitte unserer Gesellschaft.”
Offensichtlich keine Argumente vorhanden, sonst müsste man da nicht mit Godwin kommen. Den Rest des Vortrags muss man da gar nicht mehr lesen.
#2 von Skydaddy am 23. Juni 2012 - 11:30
Ich vermute ja mittlerweile, dass es sich bei Frau Bahr in Wirklichkeit um eine australische Theologin handelt, deren Niveau derartig unterirdisch ist, dass sie in Deutschland wieder rausgekommen ist.
#3 von Skydaddy am 23. Juni 2012 - 11:32
“Bei [der Piratenpartei] ist bislang wenig so klar wie die Tatsache, dass sie das humanistisch-laizistische Programm gekapert haben, mit durchaus stalinistischen Zügen.” [S. 8]
Stalinistische Züge? So einen Vorwurf stellt man ja gern mal einfach in den Raum, ohne ihn zu begründen.
#4 von Yeti am 23. Juni 2012 - 11:43
Der ganze Text dieser Person ist von vorne bis hinten eine Frechheit!
Welche Freiheiten wollen wir militanten Atheisten denn?
Nehmen wir doch mal die mittlerweile ausgelutschte Karfreitags-Argumentation:
Atheist: Ich bin gegen das Verbot am Karfreitag tanzen zu dürfen!
Bahr: Du kannst doch an 350 anderen Tagen im Jahr Tanzen.
Atheist: (was? noch 13 andere Tage an denen nicht gefeiert werden darf?) Es geht um das Verbot, nicht darum, wann ich tanzen will. Ich will mir meine freiheiten nicht von Märchenerzählern einschränken lassen!
Bahr: Welche Freiheit schränken wir Dir denn ein?
Ath.: Die, am Karfreitag tanzen zu dürfen, z.B.
Bahr: Wenn das Karfreitags.Feierverbot wegfällt, schränkt das die Freiheit der Religiösen ungerechtfertigter Weise ein!
A: Welche Freiheiten?
B: Die Freiheit, den Atheisten vorzuschreiben, wann sie zu Feiern haben und wann nicht, z.B.
Yeti: aha! Boah, ey. Diese Frau gehört echt abgeschafft!
#5 von Hal am 23. Juni 2012 - 12:03
Frau Bahr gibt unvoreingenommen
blabla
Und gibt fast zu voreingenommene Polemik zu betreiben – traurig.
Ergo ist die Mehrheit der nicht-Kirchsteuerzahler den hemmungslosen Konsum verfallen. Ein simples, bipolares Weltbild füllt nicht soviel im Bewusstsein, damit schön viel Platz für anderen theologischen Unsinn übrig bleibt.
#6 von polymath am 23. Juni 2012 - 12:49
Wow… Einfach unglaublich wie viel Ignoranz eine “gebildete” Person in einen Vortrag stecken kann. Allein in den hier Zitierten Ausschnitten reiht sich Lüge, an Diffamierung, an Verdrehung, an naiv-kindlicher Unwissenheit, an Widerspruch…
Schon wieder die “Atheisten-Nazis”? Seriously?
Schon wieder die “Wissenschaftsgläubigkeit”?
Prototyp des Oxymorons: Glauben und Wissenschaft sind inkompatibel. Das einzige was bleibt ist ein gut begründetes Vertrauen in die Wissenschaf und die Wissenschaftler. Die moderne Wissenschaft hat in ihren 150-200 Jahren mehr erreicht als alle Religionen der Menschheitsgeschichte zusammen jemals erreicht und erreichen werden.
Geschlossenes Milieu?? LOL. Nur weil Frau Bahr und alle anderen Religiösen sich aus Mangel an Argumenten nicht trauen mit uns zu diskutieren, sind wir noch lange kein geschlossenes Milieu.
Wie jetzt? Staatliche Neutralität oder Bevorzugung?
Und dann die laizistische “Weltanschauung”… Facepalm… Das ist wohl das neue Gewand des “Atheismus als Religion”-Argumentes. Da kann sie ja gleich auch das Konzept der Freiheit als Weltanschauung umdeklarieren.
@Yeti: Genau so hätte ich ihr auch geantwortet.
Dieser Vortrag ist wirklich eine Frechheit. Der HVD oder die gbs sollten Frau Bahr einen offenen Brief als Antwort schicken.
#7 von Deus Ex Machina am 23. Juni 2012 - 13:08
“dass die Grammatik des Christentums Kultur, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft zutiefst geprägt hat? (…)”
–> z.B. Kardinal Schönborn: “Wem verdanken wir die Olympiade, wem den Marathonlauf? Woher stammen das Wort und die Regierungsform der Demokratie? Was wäre Europa ohne die griechischen Dichter und Philosophen, Homer, Platon, Aristoteles? An wen erinnert die Statue der Pallas Athene vor unserem im griechischen Stil erbauten Parlament?”
#8 von klafuenf am 23. Juni 2012 - 13:10
Um mal aus meiner Heimat zu zitieren: »Wer hat der denn ins Gehirn geschissen?«
#9 von holey spirit am 23. Juni 2012 - 13:39
“Auch hier entwickelt sich ein geschlossenes Milieu, das für Religionsfreiheit streitet, aber dem Anspruch nach gerade die Neutralität des Staates gegenüber den religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen seiner Bürger unterläuft. Der Staat soll sich nämlich die laizistische Weltanschauung zu Eigen machen.”
Sie baut eine falsche Dichotomie auf: Laizistische Weltanschauung auf der einen Seite, Religionsfreiheit auf der anderen. Eine Trennung von Staat und Kirche sei nicht mit Religionsfreiheit vereinbar.
Ganz starker Tobak. Perfide und in unlauterer Absicht in Szene gesetzt.
In letzter Konsequenz behauptet sie, nur eine Theokratie, ein Gottesstaat könne Religionsfreiheit garantieren.
Das ist nicht mehr einfacher Obskurantismus, sondern hat die Grenze zur Demagogie überschritten. Es bleibt inständig zu hoffen, dass sich weder Verfassungsrichter noch sonst irgendwer von ihrem aparten Lächeln einlullen lässt und solche vergifteten Kröten unwidersprochen schluckt.
#10 von AMB am 23. Juni 2012 - 14:47
Nur für Rechtsradikale! Wir können Religionen auch ohne Salafismus kritisieren!
Sind diese Spuren schlecht, negativ oder gar verbrecherisch?
Währenddessen haben dutzende Generationen ererbter Gottgläubigkeit nicht nur Spuren, sondern auch Schaden hinterlassen.
LOL Dieses dumme Wort kenne ich sonst nur von Junge-Erde-Kreationisten. Die Wissenschaft lehrt, dass Licht 300.000 kmh schnell ist. Ist das Wissen oder Glaube? Als Laie kann ich das nicht überprüfen. Ich weiß wie seriöse Wissenschaft arbeitet und funktioniert und deshalb ist sie für mich glaubwürdig.
Bei Religion weiß selbst der “Experte” nichts.
Eine Weltanschauung?
Weil es eine Kultur (Mittelalter) geprägt hat, muss es bevorzugt werden? Das ist Religioten-Logik. Hat das Christentum nicht auch Frankreich geprägt, warum gibt es dort Laizismus?
Die Gesellschaft verabschiedet sich immer mehr vom Christentum, aber die Kirchen wollen sich nicht vom staatlischen Busen verabschieden, weil sie sonst noch schneller verschwinden würden. Der Laizismus kommt früher oder später, das lässt sich nicht aufhalten. Die Frage ist nur, ob wir das noch miterleben.
ICH! Das Christentum hat nichts erfunden, was es nicht schon gegeben hat. Und das meiste was sie geprägt hat, war nicht immer positiv!
Beten gegen Laizismus. LOL
@Laizismus
Der Laizismus ist weder eine Weltanschauung die andere Weltanschauungen verdrängen will noch ein Angriff auf die Religionsgemeinschaft, sondern die Voraussetzung dieser. Der Staat garantiert Neutralität und Gleichberechtigung, was die Bevorzugten und Ewiggestrigen nicht akzeptieren wollen. Die großen Kirchen wehren sich vehement von zuhause auszuziehen und auf eigenen Beinen stehen zu müssen.
@Fazit:
Bahr geht mit ihren Irrtümern anscheinend auf großer Deutschland-Tournee, aber wiederholen macht den Unsinn nicht wahrer.
#11 von stephancologne am 23. Juni 2012 - 14:59
Es ist doch immer das gleiche Bild… Dumm und dümmer klopfen sich mit ihrem zusammengelogenen Bild über andere Weltanschauungen gegenseitig auf die Schulter, sind aber bei weitem zu feige, mal einen Atheisten einzuladen.
Aber dann könnten Sie sich nicht weiterhin in ihrer Pipi-Langstrumpf-Welt wohl fühlen, weil sie wie ein Kartenhaus zusammen fällt…
#12 von stephancologne am 23. Juni 2012 - 15:01
Nachtrag:
Und Frau Bahr summt ihr Lied, dass Sie schon ihr Leben lang begleitet:
Dumm dumm dumm, ist alles was ich sage.
Dumm dumm dumm, ist alles was ich bin.
#13 von Wolfgang T. am 23. Juni 2012 - 16:24
Ist bekannt, welche Richter und Angestellte beim Vortrag waren?
#14 von Deus Ex Machina am 23. Juni 2012 - 17:09
Dass da Atheisten im gleichen Atemzug mit Salafisten genannt werden, war wohl nur die Spitze eines Eisbergs der Idiotie gewesen.
Vieles ist schon geschrieben worden, hier mein kleiner Beitrag:
“einer christlich geprägten Religionskultur,die seit fünfzig Jahren auf die kritische Solidarität mit dem demokratisch verfassten Rechtsstaat setzte und umgekehrt bei den staatlichen Institutionen und Verfassungsorganen mit einer gewissen
Selbstverständlichkeit auf wohlwollendes Gehör stoßen konnte”
–> So wie sie vorher eine “kritische Solidarität” mit den faschistischen Regimen Europas pflegte und vorher mit den Monarchien? Diese Religionskultur bidert sich immer dem gerade herrschenden System an und erklärt sich für unverzichtbar für dieses und voll im Einklang. Was für ein Flittchen dieses Christentum doch ist!
Und was kriegt man nun dafür? Sonderprivilegien und Extrawürste noch und nöcher! Selbst Grundrechte kann man unterlaufen – Stichwort Arbeitsrecht und Justiz.
Ich schaffe es vorerst nicht diesen Quark über Seite 4 hinaus zu lesen. Bei dem bis hierhin verzapften Bullshit fürchte ich, dass ich auch Seite 12 angekommen eine Vollglatze habe. So sehr zum Haareraufen ist der Unfug, den diese Frau verzapft.
#15 von Elvenpath am 23. Juni 2012 - 17:29
“Wer will bestreiten, dass die Grammatik des Christentums Kultur, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft zutiefst geprägt hat? (…)”
ICH bestreite das. Der Einfluß des Christentums wird gnadenlos überschätzt. Die Gesetze und Lebensweisen vollkommen christentumferner Gesellschaften unterscheidet sich nicht besonders stark von sogenannten “christlich geprägten” Gesellschaften. Mord, Diebstahl, Lügen, Körperverletzung sind überall gleich geächtet. Eigentum, Arm und Reich, Machtstrukturen, das miteinander Leben, ähneln sich in vielen Kuluren verblüffend, wenn man die Religion ausklammert. Aber auch die Macht der Religionen mit ihren Priestern sind hüben, wie drüben sehr ähnlich.
Und in den letzten Jahrzehnten verwischten sich diese Unterschiede noch immer weiter. In Demokratien (welche übrigens von den Kirchen abgelehnt wurden) hat man fast identische Lebensbedingungen auf der ganzen Welt. Die Moralvorstellungen nähern sich immer mehr an.
Abendländisch-christlich ist nur noch ein Kampfbegriff. Wir leben humanistisch-sekulär. In vielen Ländern der Erde.
#16 von Hal am 23. Juni 2012 - 17:34
@DEM Dass da Atheisten im gleichen Atemzug mit Salafisten genannt werden, war wohl nur die Spitze eines Eisbergs der Idiotie gewesen.
Ich fürchte du unterschätzt Frau Bahr, die Eisberg Analogie ist gut, aber bei Eisbergen macht das ungesehene etwa 90% aus, bei Frau Bahr muss es mehr als 99% sein.
Ich habe den Vortrag komplett gelesen und du musst beim weiter lesen um deine Haarpracht fürchten. Die Frau ist Reif für die Klappse.
#17 von Skydaddy am 23. Juni 2012 - 17:35
“[Die Messerattacke auf zwei Polizisten durch Salafisten] ist Wasser auf die Mühlen rechtsradikaler Bewegungen und atheistischer Kampagnen.”
Gerüchten zufolge arbeitet die Richard-Dawkins-Foundation schon an einer Neuauflage der „Imagine No Religion“- Kampagne, auf der statt der Skyline von New York MIT World Trade Center das Bild eines unversehrten Bonner Polizisten zu sehen sein wird.
#18 von Elvenpath am 23. Juni 2012 - 17:39
Mir ist doch noch ein Aspekt eignefallen, den es in dieser extremen Form nur im Christentum gab: Die Verfolgung einer Minderheit, der Juden. Der Judenhass der Christen hat zu der millionenfachen Vernichtung von Juden geführt. Wenn das die “christlichen-abendländischen Wurzeln” sind, auf die sich Gläubige berufen, dann können wir getrost auf das Christentum verzichten.
#19 von Andreas P am 23. Juni 2012 - 18:22
Putzig.
Wie kann eine Frau, die nur aus Stroh besteht, eigentlich so viele Woerter von sich geben?
Nicht missverstehen: Ich beziehe mich selbstverstaendlich nicht auf die Intelligenz von Frau Bahr, in der Hinsicht bestehen ja keine Zweifel.
Ich beziehe mich darauf, dass jedesmal, wenn wir solche Bischofs-Aeusserungen, die EKD, die der Funktionaer da oeffentlich vertritt, und die Privilegien, die sie als ihr selbstverstaendliches Recht einfordert, kritisieren, zu hoeren kriegen, das waeren alles Strohmaenner.
Oder Strohfrauen.
Oder wenigstens Katholiken, und mit denen habe man gar nichts mehr zu tun…
#20 von Barkai am 23. Juni 2012 - 19:28
hat irgendwer Frau bahr schon auf den AMB2 aufmerksam gemacht?
Hier kann jeder mitdiskutieren und auch einige von Frau bahrs Geschwistern in Christus tun dies mit einer gewissen Regelmäßigkeit.
#21 von Skydaddy am 23. Juni 2012 - 20:21
So, meine (fast) Punkt-für-Punkt-Erwiderung ist fertig: EKDemagogin Peta Bahr
#22 von Andreas P am 23. Juni 2012 - 20:31
@Skydaddy: “Wer sich dadurch gestört fühlt, der dürfte auch ohne solche Veranstaltungen gestört sein.”
… prust – wunderbarer Verriss – Tipp an alle: Waehrend des Lesens Getraenke ausser Reichweite stellen…
#23 von Gelmir am 23. Juni 2012 - 20:51
Hi Skydaddy, im Titel sollte es sicher “Petra” heißen…
#24 von Hinterfragerin am 23. Juni 2012 - 22:19
So..erst mal selber lesen und kommentieren, dann sehen, ob sich meine Eindrücke mit denen Skydaddys decken
.
Ihr habt alle schon viel geschrieben, was ich unterschreibe, deswegen nur einzelne Punkte:
“Natürlich ist mein ethnologisches Experiment deutlich überzeichnet.”
Schön, dieser kleine Satz, der Frau Bahrs hantieren mit Strohmännern und -frauen legitimieren soll. Blöd, dass Frau Bahr anscheinend genau so über ihre Mitbürgerinnen denkt…Denn ihre “Auflösung” der Überzeichnung ist ebenso überzeichnet: Was für ein Bild malt sie von der deutschen Gesellschaft: Einerseits entwurzelte Menschen mit Patchwork-Weltanschauungen, die ihr Fähnlein in den Wind hängen. Andererseits Querulanten und komische Kauze, zwischen irr und gefährlich anzusiedeln. Keine reflektierten Denker, nirgends…außer natürlich Frau Bahr und ihresgleichen, vermute ich.
“Durch die Wiedervereinigung ist auch der in zwei Diktaturen herangereifte und
von oben verordnete Antiklerikalismus mehrheitsfähiger geworden. Zwei
Generationen ererbter Gottlosigkeit hinterlassen ihre Spuren nun auch in der
Mitte unserer Gesellschaft.”
Unsinn. Der zeitgenössische Antiklerikalismus, den man im Übrigen von a, Religionskritik und b, dem politischen Streben nach einem laizistischen Staat klar differenzieren sollte (was Frau Bahr nicht tut) hat meines Erachtens nichts mit dem Antiklerikalismus der Nazis (den ich nicht bestreite) oder dem des real existierenden Sozialismus zu tun. Er ist nicht selten ein Ergebnis schlechter bis traumatischer Erfahrungen (vor allem in der älteren Generation), ein Ergebnis der Medienberichterstattung über die Mißstände, die zu diesen Erfahrungen führten und teils heute noch führen, ein Ergebnis der Reflektion über als undemokratisch erlebte Strukturen vor allem in der RKK – und einer allgemein abnehmenden Autoritätshörigkeit.
Schön auch der Versuch, die “Gottlosigkeit” als “ererbt” abzuqualifizieren – dies von einer Vertreterin einer Kirche, die die Säuglingstaufe praktiziert!
“Nicht jeder, der seine Konfession nicht mehr an eine Mitgliedschaft
binden will, ist ein oberflächlicher, ganz dem materiellen Glanz der
Konsumgesellschaft verfallener Mensch.”
Herzlichen Dank für die Blumen. Implizit steckt darin: Aber die meisten. Und nett auch, dass natürlich in Frau Bahrs Augen nur jene nicht oberflächlich sind, die ihre Kinder in den Kindergottesdienst schicken oder in Krisensituationen leere Kirchen aufsuchen..Als ob es nicht gerade ein Zeichen von Oberflächlichkeit ist, sich bei Bedarf dann doch wieder der Mehrheitskultur anzubiedern, mit der man halt aufgewachsen ist!
“die der Großmutter zur Liebe das Kopftuch tragen und
die Verheiratungsträume des Vaters charmant unterlaufen,”
Allein für den Satz, der ein Schlag ins Gesicht unzähliger junger Muslima ist, möchte ich Frau Bahr gerne.. ich schreibe es lieber nicht.
Allerdings muss ich zugestehen, dass der Abschnitt über die Motive einer Radikalisierung junger Muslime und Konvertiten mir recht ausgewogen und treffend erscheint. Ihre Kritik an Matussek und Co. ebenfalls.
“Das Bild des Christentums wird mit finsteren Farben grundiert. Darüber werden
in grellen Tönen die vermeintlich freiheitsfeindlichen Exzesse der Gläubigen
gemalt”
Ich leugne noch nicht einmal, dass es durchaus undifferenzierte Äußerungen auch aus dieser Ecke gibt. Blöd nur, dass diese Sätze, umformuliert, umgekehrt auch für Frau Bahr gelten – und sie versteht sich als niveauvolle Teilnehmerin dieser Debatte. Nun Frau Bahr, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.. Ich meine das nicht als tu quoque-Argument, ich bin immer für einen differenzierten Diskurs. In allerdings einzufordern, und sich selbst nicht daran zu halten, ist heuchlerisch.
“Die geistige Energie der Gottesverächter (..)”
Schöne Wortschöpfung.
“Im Grunde geht es den antiklerikalen Aktivisten vor allem darum, Religion und ihre
Lebensäußerungen ganz aus der Öffentlichkeit zu verbannen.”
Und hier Exponat 1 zum Thema: “Das Bild des zeitgenössischen Atheismus wird mit finsteren Farben grundiert. Darüber werden in grellen Tönen die vermeintlich freiheitsfeindlichen Exzesse der Ungläubigen gemalt”.
So ein hahnebüchener Unsinn. Und, Frau Bahr, unsereins weiß, dass zwischen Ihnen und der Westboro Baptist Church ein Unterschied besteht. Sie unterstellen aber dem atheistisch-humanistischen Mainstream eine Haltung, die er schlicht nicht vertritt.
“Die Intoleranz im Gewand einer kämpferisch-aufklärerischen
Weltanschauung ist überraschend etatistisch, erhofft sie sich doch vom Staat
und seinen Gerichten die Befreiung von den Zumutungen der Religion.”
Mein Gott, die Atheisten glauben an den deutschen Rechtsstaat und an die FDGO. Entsetzlich!
“das für Religionsfreiheit streitet, aber dem Anspruch nach gerade die Neutralität des
Staates gegenüber den religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen
seiner Bürger unterläuft. Der Staat soll sich nämlich die laizistische
Weltanschauung zu Eigen machen”
Erst setzt Frau Bahr Antiklerikalismus und Religionskritik gleich, nun Laizismus und Atheismus. Frau Bahr, ein laizistischer Staat zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er weltanschaulich neutral ist. Wie Laizismus “stalinistische Züge” haben kann, ist mir nicht klar, denn der Stalinismus war ganz sicher nicht laizistisch oder weltanschaulich neutral…Und wenn der Laizismus eine Weltanschauung wäre, wäre seine Ablehnung nicht ebenfalls eine? Wie kann man glauben, Kreuze in Gerichtssälen und Schulen seien Ausdruck einer weltanschaulichen Neutralität des Staates?
Eigentlich glaube ich, sie weiß, dass sie differenzieren müsste. Dass sie es dennoch nicht tut, lässt tief blicken.
“Meines Erachtens wäre es manchmal ehrlicher und konsequenter, wenn
diese Konflikte politisch ausgetragen würden, aber es gibt eine lange Tradition,
in der das Recht einspringen muss, weil handfeste Religionskonflikte politisch
selten befriedigend ausgetragen werden.”
In der Tat, wie so oft, wenn es vor allem um Minderheitenrechte geht, müssen nicht selten erst die Gerichte entscheiden, damit die Politik handelt. Minderheitenrechte lassen sich nicht politisch verhandeln, Frau Bahr, weil Minderheiten selten die politische Lobby haben, ihre Rechte durchzusetzen. Seien wir froh, dass Religionskonflikte nicht politisch ausgetragen werden! Wo würde das hinführen – doch gerade in die gesellschaftliche Spaltung, die Frau Bahr so beklagt!
“Die innere Affinität zu Menschenwürde und emphatischer Individualität, zu Meinungsund
Gewissensfreiheit sei schon in den biblischen Traditionen zu belegen und
habe sich in den Anfängen des Christentums als verfolgter Minderheitsreligion
im römischen Weltreich ausgebildet. Deshalb garantiere das Christentum dafür,
dass der Horizont unserer Verfassung auch geistig bedeutsam bliebe.”
Komisch, dass diese innere Affinität fast 1700 Jahre lang niemandem aufgefallen zu sein scheint. Ja, das christlich geprägte Europa des Mittelalters und der frühen Neuzeit war schon ein Hort der Werte der FDGO, man kann es nicht anders sagen. Wie Frau Bahr ja selbst schreibt (!). Auch an dieser Stelle zeigt sie, dass sie zu differnzieren durchaus im Stande ist.
Schade, dass sie es nicht immer tut!
#25 von Hinterfragerin am 23. Juni 2012 - 22:45
Soderle. Ich musste ebenfalls schallend lachen bei der Lektüre Deines Textes, Skydaddy.
Und meine Haltung revidieren: Du hast bzgl. der Darstellung der Radikalisierung von jungen Muslimen und bzgl. Frau Bahrs Umgang mit Matussek und Co. Punkte angeschnitten, denen ich zustimme. Dass sie hier also ausgewogen und treffend beschreiben würde, was Sache ist, stimmt tatsächlich nicht. Vielleicht habe ich die Textstellen zunächst zu oberflächlich gelesen…
Meine Highlights:
“Frau Bahr kann es einfach nicht ertragen, wenn jemand sich nicht anspruchsvoll artikuliert. Hoffentlich führt sie keine Selbstgespräche.”
“Was Sie als „Wissenschaftsgläubigkeit“ empfinden, ist der Versuch, Gläubigen zu erklären, wie Wissenschaft funktioniert.
Nun kann man Ihnen ja nicht gerade den Vorwurf machen, Sie beriefen sich auf Argumente, Vernunft oder gar Logik. Viele Apologeten (Religions-Verteidiger) tun aber so oder glauben tatsächlich, sie hätten vernünftige Argumente. Denen muss man halt erklären, wo ihre Denkfehler liegen.”
Mit dieser Analyse könntest Du recht haben!
“„Andersdenkende nicht fürchten müssen“ sieht dann so aus, dass die Andersdenkenden ihre Positionen bitteschön nicht über die Gerichte durchsetzen sollen, es aber auch unschön ist, wenn Politiker ihre Positionen vertreten”.
Grins.
Schade, dass Frau Bahr diesen Text wohl nicht lesen wird. Es wäre zu schön zu erfahren, wie sie sich dazu verhalten würde. Wahrscheinlich würdest du in ihrer nächsten Rede als einer dieser bösartigen Querulanten und Leserbriefschreiber (Diskussion ist gut, aber nicht, wenn Andersdenkende sich einmischen wollen…) auftreten.
#26 von Andreas P am 24. Juni 2012 - 00:02
“Frau Bahr kann es einfach nicht ertragen, wenn jemand sich nicht anspruchsvoll artikuliert. Hoffentlich führt sie keine Selbstgespräche.” ist auch in meinen Zitatenschatz zwecks schamloser Plagiierung eingetuetet worden.
“Was Sie als „Wissenschaftsgläubigkeit“ empfinden, ist der Versuch, Gläubigen zu erklären, wie Wissenschaft funktioniert.” – Oder auch “Seien Sie dankbar dafuer, dass ein paar freundliche Mitmenschen Ihnen das zu erklaeren versuchen, was sie eigentlich selbst wuessten, wenn Sie in der Mittelstufe in Bio und Physik mal aufgepasst haetten.”
#27 von Barkai am 24. Juni 2012 - 00:48
die den Ramadan halten und trotzdem mit Freunden mal
einen Hamburger essen,
Hamburgerbuletten sind doch meistens aus Rindfleisch, oder nicht? Und es würde mich sehr wundern, wenn es für besonders trenge Muslime nicht auch noch Burger mit halalfleisch geben sollte.
Oder verwechselt Frau Bahr gerade die speisegebote der Muslime mit denen der Hindus?
#28 von Hal am 24. Juni 2012 - 00:59
Hmm – Foyer ~ Lobby, die olle Schnepfe Bahr betreibt Lobbyeismus und die feigen und hinterhältigen Kirchenfürsten sind nicht gewillt es der Öffentlichkeit in zeitgemäßer Wortwahl zu offenbaren. Unehrlichkeit ist eben einer der vielen “Tugenden” die bei dem Erhalt verfassungswidriger Privilegien verwendung finden.
Guter Kommentar Skydaddy
#29 von Ezri am 24. Juni 2012 - 02:21
Oh man, Frau Bahr ist einfach nur peinlich
#30 von Andreas P am 25. Juni 2012 - 07:05
Die “Logik” hinter Bahrs Auslassungen ist die klassische aller Religioesen, die sich im Besitz der absoluten Wahrheit waehnen:
Haben sie keine Macht, dann fordern sie, toleriert zu werden, denn es ist das mindeste, was die im Irrtum Befindlichen der Wahrheit schuldig sind.
Haben sie selbst Macht, werden alle Andersglaeubigen so gut es geht verfolgt, unterdrueckt, eingeschraenkt und marginalisiert, denn natuerlich haben die Besitzer der Wahrheit die Pflicht, den Irrtum aus der Welt zu schaffen, ihn zumindest unschaedlich zu machen.
Der Rest folgt daraus.
#31 von Skydaddy am 25. Juni 2012 - 13:09
Beim hpd gibt es jetzt auch einen Artikel von mir dazu. Er ist thematisch aufgebaut und enthält zahlreiche neue Punkte. Lohnt sich also m.E. auch für Leute, die schon den Verriss auf meinem Blog gelesen haben.
Lasst Euch einladen zu einem Erkundungsgang in das bizarre Paralleluniversum der Petra Bahr! (Natürlich vollkommen “ungezielt” und “ohne festgelegte Perspektiven“
)