Gegen die Diktatur des Relativismus

160 Teilnehmer bei Tagung über “Diktatur des Relativismus” in Heiligenkreuz mit Kardinal Brandmüller – “Wer den Anspruch erhebt, Wahrheit erkannt zu haben, der lebt gefährlich.”

(…)

“Die Diktaturen des 20. Jahrhunderts übten Verbrechen im Namen eines radikalen Relativismus aus”.

(…)

Brague stellte in seinem Referat fest, dass der “ausschließliche Humanismus” schlicht und einfach unmöglich sei. Wenn man ihn in seiner inneren Logik überlasse, müsse er sich selbst zerstören. “Er ist unfähig, eine Grundfrage zu beantworten, die Frage nach der Güte und nach dem Dasein”, so der Philosoph.

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http://www.kath.net/detail.php?id=36817

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  1. #1 von stephancologne am 4. Juni 2012 - 07:42

    “Wer den Anspruch erhebt, Wahrheit erkannt zu haben, der lebt gefährlich.”

    Genau das macht jede der monotheistischen Religionen und gehen dabei soweit, dass abweichende Meinungen nicht selten mit dem Tod bestraft werden.

    Der Anspruch auf Wahrheit liegt bei den Religionen und nicht beim Humanismus !

  2. #2 von Skydaddy am 4. Juni 2012 - 08:20

    Was für eine armselige Veranstaltung!

    Wenn die Kirche wirklich die Wahrheit verkündete, würde man meinen, dass es ihr gelingen sollte, doch zumindest den Großteil der Menschheit davon zu überzeugen.

    Aber das wird nicht einmal ansatzweise versucht. Stattdessen bemüht man sich mit bemerkenswertem Aufwand, anderen Weltanschauungen ihre Unstimmigkeit nachzuweisen.

    Damit sitzen die katholischen Apologeten nicht nur im Glashaus – ihre eigene Lehre ist ja selbst derart absurd, dass es lächerlich ist, wenn sich ausgerechnet katholische Theologen anmaßen, rationale, diesseitige Weltbilder zu kritisieren – sondern ihre Argumentation ist auch völlig nutzlos. Denn selbst, wenn die kritisierten nicht-katholischen Weltanschauungen tatsächlich unhaltbar wären, so würde daraus doch immer noch nicht folgen, dass der Katholizismus wahr ist.

    Abgesehen davon ist der Begriff von der “Diktatur des Relativismus” doch ein Oxymoron. Wer gegen die “Diktatur des Relativismus” ist, will offenbar eine Diktatur seiner eigenen Weltanschauung. Das hat die Katholische Kirche ja in ihrer Geschichte auch gerne praktiziert, wo sie es konnte.

  3. #3 von klafuenf am 4. Juni 2012 - 08:55

    »“Er ist unfähig, eine Grundfrage zu beantworten, die Frage nach der Güte und nach dem Dasein«

    Dafür haben wir die Neurologie.
    Willkommen im Jahr 2012 CE!

  4. #4 von Deus Ex Machina am 4. Juni 2012 - 09:23

    “Wer den Anspruch erhebt, Wahrheit erkannt zu haben, der lebt gefährlich. Er verfällt dem Verdammungsurteil und der harten Intoleranz einer relativistischen Gesellschaft.”

    –> Wer gackert, muss auch legen. Und wer seit 2000 Jahren durch die Welt marodiert und behauptet, die Moral mit Löffeln gefressen zu haben, dabei aber systematisch Kinderficker deckt, über den kann gar kein Urteil gesprochen werden, das hart genug wäre. Da ist die Gesellschaft hundertmal weiter.
    “Relativismus” ist eine so hohle Phrase wie “Christenverfolgung” oder “militanter Atheismus”.

  5. #5 von Michael am 4. Juni 2012 - 09:47

    Hybsch getrollt. Aber es muß heissen: “Wer den Anspruch erhebt, Wahrheit erkannt zu haben, und als empirischen Beweis mit 2000 Jahre alten Texten herumfuchtelt der macht sich zum Kasper.” Demegegenüber haben Aufklärer und Naturwissenschaftler lange Zeit tstsächlich gefährlich gelebt…

    Und Diktaturen – gerade wenn sie richtig totalitär daherkommen – sind alles andere als relativistisch (was immer man im Detail darunter versteht) sondern ihrerseits religiös.

  6. #6 von Hinterfragerin am 4. Juni 2012 - 10:19

    “Die Diktaturen des 20. Jahrhunderts übten Verbrechen im Namen eines radikalen Relativismus aus”.

    Das ist mit Abstand der ignoranteste, absurdeste Satz, den ich seit langem gelesen habe.

    Ich zitiere einfach mal, ganz in Michaels Sinne, Herrn Fest:

    “Aber immer mit im Spiel war das Bedürfnis nach einfachen
    Glaubensgewißheiten. (…) Die Geistfeindschaft
    des Nationalsozialismus, die er darin leidenschaftlich beschwor, konnte indessen die nicht schrecken, die nach so vielen Irrwegen und Ausweglosigkeiten jene unkomplizierten Antworten ersehnten, die das Regime mit seinem barschen Glaubens- und
    Gehorsamsprinzip zu erteilen versprach. Es war ein durchaus metaphysischer Unterwerfungsanspruch,
    den es erhob, und nicht zu Unrecht hat man die großen Totalitarismen
    der Epoche „säkularisierte Religionen” genannt.”

    http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1995_4.pdf

    Relativismus und Totalitarismus sind so weit voneinander entfernt, weiter geht es gar nicht.

  7. #7 von Hinterfragerin am 4. Juni 2012 - 10:59

    “Für die Kirche bleibe die “Macht des Arguments”.”

    ROFLMAO.

    “Dieses Argument sei eine Frage, dazu eine recht utopische Frage. “Wie könnte dieses Europa aussehen? Welche Art von Gesellschaft könnte entstehen, wenn das Europa von morgen das katholische Verständnis von Mensch zu Mensch zugrunde legen würde?”. Brandmüller erinnerte in dem Zusammenhang an den Dekalog und an die Bergpredigt. “Keine Frage, dass eine solche Gesellschaft im Zweifel humaner wäre”, stellte er fest.”

    In der Tat. Insbesondere die Wiedereinführung der Todesstrafe für solch grauselige Delikte wie Sonntagsarbeit und Widerworte gegen die eigenen Eltern, die Wiedereinführung der Sippenhaft und des “Gedankenverbrechens” würden Europa ohne Zweifel sehr viel humaner machen. Wenn man ein bißchen weiterliest sollte man natürlich auch wieder dazu übergehen, Hexen hinzurichten. Und da Gott sehr offensichlich Regeln für dieselbe aufgestellt hat, sollten wir die Sklaverei wieder einführen.

    Man kann sich übrigens, wenn man ganz hartgesotten ist, die Videos der Vorträge reinziehen…

  8. #8 von ichglaubsnicht am 4. Juni 2012 - 11:10

    Der Witz ist ja, dass die Religionen die beliebigsten Werte vertreten und ihre “heiligen Schriften” ständig relativieren und neu auslegen.

    ““Er ist unfähig, eine Grundfrage zu beantworten, die Frage nach der Güte und nach dem Dasein”, so der Philosoph.”

    Also irgendeine vermutlich falsche Antwort soll besser sein, als sich mit offenen Fragen zufrieden zu geben. Da könnte man genauso 42 als Antwort heranziehen.

  9. #9 von Max Headroom am 4. Juni 2012 - 12:09

    Wer den Anspruch erhebt, Wahrheit erkannt zu haben, der lebt gefährlich. (..) dass sich die Kirche stets als “Hüterin der natürlichen Geistesgüter des wahren Guten und Schönen verstanden hat”.

    Aha. Die Wahrheit hat man mit Löffeln gefressen und nun auf die bösen Nichterkenner ausgekotzt. Danke.

    Kann auf einer solchen Grundlage überhaupt ein Europa aufgebaut werden, in dem es sich lohnt zu leben?

    Ja, es geht. Solange das befürchtete Horrorwort (Organhandel, …) nicht jemanden aufgezwungen wird.

    und die Kirche am Naturrecht festhalte

    :D .

    Welche Art von Gesellschaft könnte entstehen, wenn das Europa von morgen das katholische Verständnis von Mensch zu Mensch zugrunde legen würde?

    Es wäre ein Europa, in der das muslimie, buddhistische, hinduistische usw. Verständnis von Mensch zu Mensch nicht anerkannt werden würde, weil sie dem eigenen katholischen Verständnis wohl nicht ausreichend wären. Und umgekehrt. Aber man ist ja im Besitz der absoluten Wahrheit. Wir wissen ja, wie Kenner des Absoluten dann agieren könnten.

    Keine Frage, dass eine solche Gesellschaft im Zweifel humaner wäre

    Sie wäre katholischer. Für Andersreligiöse möglicherweise – weil sie ihrem Verständnis ggf. zuwider läuft – inhumaner. Es sei denn man wisse – siehe oben “Wahrheit” – dass das kath. Verständnis eindeutig unerreichbar wahr und richtig sei. Doch diese “ich weiss es am besten!” Attitüde war nicht immer ein Garant für den Frieden in einer pluralistischen Gesellschaft.

    Heute bestehe auch eine törichte Brandmarkung von Menschen, die eine absolute Wahrheit verbreiteten. Es gäbe eine förmliche Verfolgung in religiösen und auch theologischen Kreisen.

    Man wehrt sich gegen Menschen, die angeblich die “absolute Wahrheit” besitzen – so wie Hitler die absolute Wahrheit kannte – und beschützt das freiheitlich-demokratische Gut. Das ist schlimm! Man sagt sogar offen, dass man solch absolutistisches Gedankengut nicht in seinem/ihrem Land dulden würde, weil man die “Diktatur des behaupteten Absolutheitswissens” befürchtet.

    Dieser sei ein Angriff auf das Wesen der Wahrheit. (..)

    Ich vermute mal, Seifert und andere Kleriker der Gesellschaft sind vollkommend allwissend und haben die komplette Kenntnis vom Universum und darüberhinaus. Darauf basierend können sie abwiegen, was nun die Widersprüche und Fehler im Denken sind und daraus wiederum das “absolut wahre” herauskristallisieren.
    Tolle Fähigkeiten, die solche Menschen intus haben. Andere landen dafür “nur” in eine Irrenanstalt ;) . Wenn sie nicht diesen Anspruch haben, dann sollten sie den Ball lieber flach halten und nicht von absoluten Wahrheiten sprechen. Denn ihr Weltbild wird nicht von allen Menschen der Welt geteilt. Damit müssen sie entweder leben oder die “Gegenstimmen” ausschalten. Viel Spaß an den “Argumentationswaffen”. Aber nicht wundern, wenn ein Anhänger eines nichtkatholischen Weltbildes da anderer Meinung ist und andere (dem Katholizismus unpassende) Argumente bringt. Dann muss es so geregelt werden, dass beide Parteien zufrieden sind. Aber dies geht nicht. Die einen wollen absolute Macht und Kontrolle, denn sie besitzen ja die absolute Wahrheit und damit den Anspruch, alles andere als absolut falsch zu bezeichnen – die anderen sind hingegen nicht davon überzeugt.

    Danach lernen wir, dass ohne die Frage nach der Güte und des Daseins, man zu Staub zerfällt. Der “ausschließliche Humanismus” (verwandt mit dem ausschließlichem Katholizismus?) wird sich selbst vernichten. Alles klar. Absoluter Katholizismus glücklicherweise nicht. Denn der ist vollkommen frei von Gewalt, Brutalität und Zwang. Ganz sicher!!!1111elfelf

    (..) dass ethisch-moralische Fragen keine Abstimmungsmaterie im Staat sein dürfen.

    Schlussendlich überlässt man diese Frage einer (spirituellen) Ideologie. Basta. Keine Richtlinien. Atheisten dürfen XXX und Scientologen YYY. Ganz frei. Grundrechte? Blöd, die sind bloß im jeweiligem Staat “ausgehandelt” worden. Streichen! Sowas darf man nicht. Die einzigste Richtschnur ist das “absolut wahre”, was natürlich nur diese eine Religion bieten kann.
    Und bloß nicht Contra geben! Sonst sind diese Leute gleich verfolgt und bangen um ihr Leben – wenn die Argumente ausgehen.

  10. #10 von Argus7 am 4. Juni 2012 - 14:11

    Wenn es zutrifft, was dieser Kardinal sagt, dass “wer den Anspruch erhebt, Wahrheit erkannt zu haben, der lebe gefährlich,” dann besteht für ihn garantiert keine Lebensgefahr. Schließlich ist er mit seinem Gottglauben der Wahrheit so fern, dass er rein gar nichts zu befürchten braucht.

  11. #11 von Hinterfragerin am 4. Juni 2012 - 15:03

    “Wer den Anspruch erhebt, Wahrheit erkannt zu haben, der lebt gefährlich.”

    Ja wirklich. Er ist – oh Graus – Menschen ausgesetzt, die diesen Anspruch in Frage stellen, und – noch schlimmer! – erwarten, dass Wahrheitsbehauptungen mit rationalen Argumenten und empirischen Belegen untermauert werden. Das ist schon wirklich eine Unverschämtheit. Und auch noch öffentlich!

    Wie schade, dass man jene, die den eigenen Anspruch, die Wahrheit erkannt zu haben, nicht anerkennen, heute nicht mehr so leicht mundtot machen kann. Früher war einfach alles besser.

    Aber Herr Kardinal, wissen Sie, wo Sie mit diesem Ihrem Anspruch tatsächlich gefährlich leben dürften? In jenen Ländern, in denen die, die an der Macht sind, denselben Anspruch erheben, nur bzgl. einer anderen Wahrheit. Oh, diese schlimmen “Radikalrelativisten” im Iran, in Saudi-Arabien, in Nordkorea…

  12. #12 von Christian Mai am 4. Juni 2012 - 15:22

    Im Duden-Herkunftswörterbuch steht unter anderem dass das Wort Gott (gemeingermaisch) das [durch Zauberwort] angerufene Wesen zu verstehen wäre, kann aber auch als das, dem [mit Trankopfer] geopfert wird verstanden werden. Vielleicht haben die vielen Trankopfer den Geist dieses Kardinals so vernebelt, dass er nur noch in Zauberworten redet.

  13. #13 von Noch ein Fragender am 4. Juni 2012 - 17:11

    Diktatur des Relativismus ist der alte Kampfbegriff Benedikts XVI mit dem er die pluralistische Gesellschaft aushebeln und die Demokratie in den Affenkäfig seiner Diktatur der “Wahrheit”, sprich “der Vernunft” des katholischen Naturrechts, einpassen will.

    Glücklicherweise hat unsere Demokratie die Menschenrechte als ethische und rechtliche Basis. Deshalb brauchen wir als Wertefundament auch nicht das katholische Naturrecht, mit dem jahrhundertelang die Sklaverei und Frauenunterdrückung gerechtfertigt wurden und heute noch die Homosexuellen diskriminiert werden.

    Es ist ein geistiges Armutszeugnis des Deutschen Bundestages, dass die Abgeordneten nicht sofort durchschaut haben, welchen alten Ladenhüter BVXI ihnen mit seinem Naturrecht andrehen wollte. Ein Staat, der sein Handeln ständig durch Gerichte an Grundrechtskatalogen überprüfen lässt, braucht sich nicht unterschieben zu lassen, er sei eine “Räuberbande”, wenn er nicht auf dem katholischen Naturrecht beruhe.

    http://hpd.de/node/12025