Katholische Kirche begrüßt Neuregelung der Organspende

So viel Einigkeit ist selten: Mit breiter Mehrheit hat der Bundestag die Entscheidungslösung bei der Organspende beschlossen. Auch Ethikratsmitglied Weihbischof Anton Losinger begrüßt die neue Regelung, besonders, dass es keinen Zwang bei der Entscheidung gebe: “Eine Spende ist nur dann eine Spende, wenn sie frei ist.”

Weiterlesen:

http://www.domradio.de/aktuell/82023/zur-spende-bereit.html

About these ads

, ,

  1. #1 von stephancologne am 25. Mai 2012 - 16:52

    Auf der einen Seite wirklich begrüßenswert.

    Andererseits befürchte ich, dass die RKK in 50 Jahren behauptet, sich doch immer für Organspenden eingesetzt zu haben. Und die RKK hat quasi in letzter Sekunde verhindert, dass der Staat seine Bürger zu Organspenden verpflichten wollte.

    Im übrigen ist die PID auch eine freie Entscheidung !
    Die Religioten sollten viel öfter die Freiheit der eigenen Entscheidung würdigen.
    Die Taufe gehört auch dazu !

  2. #2 von Skydaddy am 25. Mai 2012 - 17:08

    Ratzinger ist übrigens auch Organspender, ich weiß allerdings nicht, ob es da eine Altersbeschränkung gibt.

    Wäre aber cool – man hätte dann später quasi lebende Reliquien – hier jemand mit seiner Niere, dort jemand mit seiner Augen-Hornhaut…

  3. #3 von Max Headroom am 25. Mai 2012 - 17:47

    Wo soll denn ein Problem sein? Es gab doch nirgends einen “Zwang zur Organspende”. Nun wird schlicht gefragt, ob man spenden möchte. Früher wurde ebenfalls gefragt, ob man spenden möchte, nur wurden keine “staatliche Befragung” durchgeführt, sondern mit Kampagnen (wie beim Spenderblut) dafür geworben. Und auch im “worst case” Szenario, wäre es nicht anders geworden als heute – mit dem Unterschied, dass man sich einen “Nichtspendeausweis” hätte besorgen müssen. Es gab ja niemals einen Zwang, gegen den Willen seine Organe spenden zu müssen ;) . Die jetzige Lösung, klar und deutlich JA oder NEIN zu sagen, halte auch ich für eine gute Möglichkeit. Ob kath. Kirchen oder Scientology-Anhänger das begrüßen, ist mir pers. egal, denn was die mit ihren Organen anstellen möchten, ist ihr Bier.

    Aus der Sicht der Kirche hat das ein weiteres positives Signal, nämlich, dass die von uns geforderte Freiheit der Entscheidung gewahrt bleibt.

    Wenn man den Eltern auch klarmacht, dass man das Kind nicht Taufen möchte, weil man es selbst überlassen möchte, ob es sich für oder gegen eine Religionsgemeinschaft (“Freiheit der Entscheidung”) entscheinden kann, hätte ich es den Katholiken vielleicht geglaubt. So aber … :D .

  4. #4 von stephancologne am 25. Mai 2012 - 18:12

    @Skydaddy:

    Da können wir aber froh sein, dass Hirnverpflanzungen (noch) nicht möglich sind ;)

  5. #5 von douya am 25. Mai 2012 - 18:32

    Was ich begrüßen würde, wäre eine Regelung, nach der man nur dann Spenderorgane empfangen kann, wenn man selbst als Organspender eingetragen ist. Nur nehmen wollen, aber nicht geben, sollte nicht toleriert werden.

    Sehr zu begrüßen wären auch, im Stile islamischer Selbstmordattentäter, aber im Gegensatz dazu für einen guten Zweck, christliche Organspendemärtyrer, die für ihre Selbstaufopferung in den Himmel kommen und den Bedürftigen hier auf Erden ihre Organe vermachen. Eine Win-Win-Situation.

  6. #6 von parksünder am 25. Mai 2012 - 18:45

    @Skydaddy
    Ratzinger Organspendeausweis ist angeblich wertlos.

    Zitat:
    “Der polnische Erzbischof Zygmunt Zimowski sagte der italienischen Zeitung „La Repubblica“, die Leiche des Papstes müsse intakt bleiben, da sie der gesamten Kirche gehöre.”

    http://www.derwesten.de/panorama/papst-ist-kein-organspender-mehr-id4246128.html

    http://www.organspende-aufklaerung.de/organspende_news_papst-organspender-02-02-11.html

  7. #7 von Barkai am 25. Mai 2012 - 19:26

    @douya,
    Leute, die bsplw. eine neue leber brauchen, weil sie chronische virale Hepatitis haben, sind nicht als organspender geeignet und deswegen ausgeschlossen.

  8. #8 von Skydaddy am 25. Mai 2012 - 19:50

    @parksünder: “die Leiche des Papstes müsse intakt bleiben, da sie der gesamten Kirche gehöre.”

    Und wann hätte die Kirche jemals etwas freiwillig hergegeben?

    Aber gut, wenn sie ihn unbedingt “intakt” wollen… dann können sie ihn ja auf seinem Rollwägelchen von Gunter von Hagens plastinieren lassen. Vielleicht neben einem Selbstmordattentäter. Den könnte man quasi als “Explosionszeichnung” plastinieren…

  9. #9 von stephancologne am 25. Mai 2012 - 20:23

    @Barkai :

    Eine erkrankte Leber hat ja nichts mit der grundsätzlichen Einstellung zur Organspende zu tun.

    Nur wer selber Spenden “will”, soll auch erhalten. Bei deinem Beispiel handelt es sich um jemanden, der aufgrund einer Krankheit nicht spenden kann !

  10. #10 von Greg am 25. Mai 2012 - 22:15

    Alle feiern diese Entscheidungslösung – ich kann da nicht mitmachen. In anderen Bereichen betonen wir gar nicht so sehr die “freie Entscheidung”: Was ist denn die sog. “Unterlassene Hilfeleistung” anders als ein Zwang zu helfen, wenn das eigene Leben dadurch nicht oder kaum in Gefahr gebracht wird?! Jeder regt sich auf, wenn Leute an einem Unfallort einfach vorbeifahren, aber wenn man die eigenen Organe lieber sinnlos im Grab verroten lässt, als dadurch einem Totkranken OHNE JEDE MÜHE FÜR EINEN SELBST zu helfen, da reden pläötzlich alle von “es muss freiwillig sein” und anderes Blabla. Vielleicht werde ich das nächstemal auch an einem Unfall einfach vorbeifahren und dann sagen “Ich habe eine freie Entscheidung getroffen und niemand darf das schlecht finden”…

  11. #11 von Mreins am 25. Mai 2012 - 23:22

    Ein aus “freien Stücken” ausgefüllter christlicher Organspenderausweis:

    http://s14.directupload.net/images/120525/mlaj9bft.jpg

  12. #12 von Noch ein Fragender am 25. Mai 2012 - 23:48

    Das entgegengesetzte System der Widerspruchslösung wie sie beispielsweise in Österreich gilt, wäre für die Kirche “nicht akzeptabel” gewesen.

    Zur Kirchensteuer wird man ohne seinen Willen durch die Kindertaufe verpflichtet und kann sich nur durch Widerspruch davon befreien. DAS ist für die Kirchen akzeptabel.

  13. #13 von Noch ein Fragender am 25. Mai 2012 - 23:53

    Der größte Organspender aller Zeiten ist natürlich Christus. Er gibt in jeder Messe sein Blut und seinen Leib zur Errettung vieler (im Sinne von aller).

  14. #14 von Andreas P am 26. Mai 2012 - 00:11

    Watt denn, watt denn…

    … die Bundesregierung beschliesst was sinnvolles, hier, letztlich, das “Opt-out”-Modell, und die katholische Kirche begruesst es? Mindestens einer von uns drei hat da was nicht verstanden.

  15. #15 von Andreas P am 26. Mai 2012 - 00:14

    @Max: Der Haken liegt darin, dass Du heute explizit widersprechen musst, statt ausdruecklich zustimmen zu muessen.

    Der Unterschied scheint ‘ne Marginalie zu sein – selbe Entscheidung -, aber macht faktisch einen Riesenunterschied. Organe sind in D Mangelware, in Oesterreich nicht – und das nicht wegen der vielen Skiunfaelle, sondern wegen der Opt-out-Regelung.

    Finde ich sehr ok – wer grundsaetzliche Bedenken hat, bleibt eben aussen vor.

  16. #16 von Wolfgang am 26. Mai 2012 - 07:52

    Sobald ich das Wort “Spenden” höre, überkommt mich ein merkwürdiges Gefühl.

  17. #17 von Argus7 am 26. Mai 2012 - 09:16

    @ douya

    Ich teile die Wertung von “douya”, dass Organempfänger auch ihre Bereitschaft zu einer Organspende erklären müssen.

  18. #18 von AMB am 26. Mai 2012 - 10:37

    @Mreins

    Bei mir steht dasselbe eine Spalte weiter unten. :mrgreen:

  19. #19 von parksünder am 26. Mai 2012 - 14:23

    @Argus7
    @ douya
    Ich teile die Wertung überhaupt nicht. Wer (aus welchen Gründen auch immer) Angst davor hat, dass ihm nach dem festgestellten Hirntod Organe entnommen werden, der soll auch früher sterben. Das ist ja wie in einer 2 Klassen-Gesellschaft. Wer in guten Zeiten vom Kuchen nichts abgibt, der soll auch später nichts zu fressen kriegen.
    So gibt es viele Leute, die sich unschlüssig sind, ob der Hirntod wirklich immer auch den Tod bedeutet. Andere wiederum sagen, dass sie nach dem Tod nicht einfach als Ersatzteillager angesehen und ausgeschlachtet werden wollen.
    Es mag sein, dass nicht jeder diese Argumente versteht. Aber man sollte die Bedenken ernst nehmen und den Menschen nicht sofort das Messer auf die Brust setzen.
    Ich verstehe Deutschland immer noch als Staat, bei dem die Menschenwürde an oberster Stelle steht. Und zur Menschenwürde gehört auch, einem “Nicht-Organspender” kein frühes Ableben zu wünschen. Mal abgesehen davon, dass eine Verweigerung einer Transplantation seitens des Arztes gegen den hippokratischen Eid verstoßen würde.

    Persönlich hätte ich es aber besser gefunden, wenn die Politik sich für eine eindeutigere Lösung entschieden hätte. So bleibt aber alles wie bisher, nur dass man öfter daran erinnert wird, den Organspendeausweis auszufüllen. Im Zweifel stehen nach wie vor die Angehörigen vor einer schweren Entscheidung.

  20. #20 von Ezri am 26. Mai 2012 - 14:35

    Ich bin bei diesem Thema etwas paranoid. Wer sagt denn, daß im Zweifelsfalle ein Organspender nicht einfach sterben gelassen wird, damit man seine Organe weiter reichen kann?
    Szenario: Organspender hat einen schweren Unfall. Er kommt ins Krankenhaus, dort kann man ihn mit entsprechenden Maßnahmen retten, aber zeitgleich wäre er auch der optimale Spender für einen anderen Menschen. Wer stellt nun sicher, daß der Organspender nicht seinen Verletzungen erliegt und der mögliche Empfänger dann einfach Pech hat?
    Menschenleben gegen Menschenleben…

  21. #21 von Yeti am 26. Mai 2012 - 16:14

    @ezri: Auf die Idee wird kein Mediziner kommen, wenn er den Namen verdient hat!

    In meiner Patientenverfügung stehen Bedingungen drin, bei denen ich nicht künstlich am Leben gehalten oder zusammengeflickt werden will. Wenn ich (z.B.) durch einen Motorradunfall vom Hals abwärts gelähmt wieder aufwachen würde, sollen sie bitteschön retten, was noch zu retten ist

    - und *anderen* damit helfen! Amen. und tschüss. Leider ist *das* (noch) nicht erlaubt …

    Das gegeneinander aufzurechnen (willst Du nicht spenden, wirst Du auch kein Empfänger) geht ja wohl gar nicht! Das fände ich vergleichbar mit “wie, Du bist Skigelaufen und hast Dir ein Bein gebrochen? Selbst schuld. Behandelt wird da nichts!” Ich muss doch nicht schon 3 Leute vor dem Hungertod bewahrt haben, um selbst geholfen zu werden, wenn ich mal Hunger habe?!

  22. #22 von Wolfgang am 26. Mai 2012 - 17:02

    Katholische Kirche begrüsst Neuregelung der Organspende: Wieso? Ich denke, wenn sie sowieso nach dem Tode wieder leben, warum dann noch ein gespendetes Organ? Darf es auch von einem Atheisten sein? Merkwürdig, sehr merkwürdig!
    Wahrscheinlich sind sie nicht so ganz davon überzeugt, noch einmal aufzutauchen. Also lieber im Diesseits ne neue Niere, damit der Messwein besser verdaut werden kann???
    Auch möchte ich keine Niere von einem Priester haben, würde mir nur dauernd aufstoßen! Hick!

  23. #23 von Yeti am 26. Mai 2012 - 17:16

    @Wolfgang:

    Llleber! Ddsss Dingg middem – hcks – Allohol heist “Llleber”!

  24. #24 von barkai am 27. Mai 2012 - 17:57

    @Stephan,
    Problem ist halt nur, dass beide Leute die nicht können und Leute, die nicht wollen, keinen Organspenderausweis haben und in Ländern, in denen eine organspenderliste erstellt worden sit bzw aktualisiert wird, fehlen auch beide Leute.

    wenn man Leute, die nicht spenden können, aber gerne wollen, noch auf eine weitere Liste setzen will, erhöht das ganz einfach den bürokratischen Aufwand.
    Wenn man jetzt annimmt, dass chronisch Kranke, deren krankheit sie vom Spenden ausschließt, automatische gerne wollen würden aber ncith dürfen/können, würde man Spendeunwillige die mind. ein ausschlusskriterium erfüllen gegenüber Spendeunwilligen, die keines der Ausschlussmerkmale haben, vorziehen.