In der Region Stuttgart gibt es ab sofort Plakate die naturalistisch-humanistische Positionen im öffentlichen Personennahverkehr bewerben sollen. Die von der GBS-Stuttgart gesponserten Plakate fahren unter anderem neben christlicher Werbung der Plakatmission in den S-Bahnen des VVS-Verkehrsgebiets.
Vor einigen Jahren wurde im Rahmen der Buskampagne eine derartige Plakatierung mit anderen Slogans noch abgelehnt.


Update: Pressemitteilung der GBS-Stuttgart


















































#1 von Ezri am 28. April 2012 - 22:29
Ein Anfang
#2 von Phelan am 28. April 2012 - 22:45
“Unsere erste Bombe hat eingeschlagen!” .. “…über die ganze Palastwache! Genau 100 Mal in 3 Meter großen Buchstaben!”
#3 von Hinterfragerin am 28. April 2012 - 22:49
Schön. Als nächstes bitte München.
Ich fahre täglich unter einem Poster zur Arbeit, dass mich darauf hinweist, dass der “Prophet” im “Heiligen Koran” darauf verwiesen hätte, dass man Mädchen doch eine gute Bildung zu Teil werden lassen soll. Ich begrüße zwar den Impetus dieser Kampagne einer liberalen muslimischen Gruppierung (ein anderes Plakat zitiert, dass es bzg. Religion “keinen Zwang” geben solle), frage mich aber, wenn eine konkurrierende Gruppe, etwa die Salafisten, Gegenplakate aufhängen lassen würde….
Wenn ich aber in der U-Bahn mit Koranzitaten konfrontiert werden darf, dann doch auch mit anderen weltanschaulichen Hinweisen, oder?.
#4 von Hinterfragerin am 28. April 2012 - 22:51
Ich merke an meinem Geschreibsel, dass ich recht müde bin (spät von der Arbeit gekommen), ich hoffe, ihr könnt den Sinn trotz Fehlern und fehlender Worte rekosntruieren..
#5 von Mreins am 28. April 2012 - 23:09
Vorschlag:
“Fahr mit Gott = 40 Euro”
#6 von Mreins am 28. April 2012 - 23:18
… Kleingedruckt darunter:
Wir kenne alle Ausreden. Schwarzfahren kostet?
#7 von USchu am 28. April 2012 - 23:47
Herrlich, ich glaube ich fahr wieder mehr mit der Straba
#8 von Sheldon Lee Cooper am 29. April 2012 - 00:22
Und das im Ländle! *augenreib*
#9 von na Ich am 29. April 2012 - 01:18
Ich finds doof… die Message soll die Dummen erreichen, ihr macht es ihnen mit den Sätzen da aber viel zu schwer.
#10 von Andreas P am 29. April 2012 - 01:43
Mreins: WIN!
#11 von agnosdicker am 29. April 2012 - 08:44
Die Idee, religiöse Werbung zu kontern, finde ich zwar sehr gut. Die Sprüche im einzelnen jedoch erscheinen mir teilweise wenig geeignet. Die Botschaft bleibt unklar. “Bisher hat mir noch keiner bewiesen, dass es Gott nicht gibt!” stellt zwar ein beliebtes ‘Argument’ von Gläubigen dar, bleibt jedoch ohne weiteren Kommentar ein sinnloses wenn nicht sogar kontraproduktives Statement.
Mein Vorschlag für die nächste Plakataktion: ein paar wirklich bedenkliche Bibelsprüche, jeweils mit dem Zusatz “Taugt die Bibel heute noch als Leitfaden für das Zusammenleben?”
#12 von deradmiral am 29. April 2012 - 09:41
Diese Meldung gibt mir die Hoffnung, dass sich die Gesellschaft langsam an uns “gewöhnt” und die Diskriminierung nachlässt. Wie haben wir das geschafft? Indem wir laut waren!
Also, bitte weiter die Kirchen kritisieren, gotteslästern, Missbräuche anprangern, gleiche Rechte einfordern, Atheistenbuttons und T-Shirts tragen und allen erzählen, dass der Kaiser keine Kleider an hat!
#13 von Lebrac am 29. April 2012 - 11:08
Nun gut, Schopenhauer war wenigstens ein Original.
#14 von anti3anti am 29. April 2012 - 11:28
Vor einigen Jahren hat man den Atheismus überschätzt.
#15 von USchu am 29. April 2012 - 12:20
Wichtiges Signal zumal wenn die faz solche Artikel veröffentlicht:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/religionskritik-was-fuehren-die-atheisten-im-schilde-1512472.html
#16 von AMB am 29. April 2012 - 12:26
Der Troll ist wieder hier…
#17 von USchu am 29. April 2012 - 12:43
Wie steht die Regierung in München zu derartiger Werbung?
#18 von Didi am 29. April 2012 - 13:21
Na endlich setzen die Konfessionsfreien den nichts bedeutenden frommen Sprüchen etwas entgegen und über- lassen das Feld nicht kampflos den verkappten Evangelikalen, die als Süddeutsche Plakatmission hinter den bisherigen Werbesprüchen steckten. Konfesssionsfreie werden sich gestärkt fühlen, dass sie nun offen bekennen können, dass sie die Märchen aus dem Orient nicht mehr glauben. Das wird die Kirchenaustritte noch beschleunigen.
#19 von Max Headroom am 29. April 2012 - 13:30
Nanü? Ist ja komplett an mir vorbeigegangen
. Habe rein gar nichts über eine “Reloaded”-Aktion mitbekommen
. Anyway … Schopenhauers Spruch finde ich gut, während ich den ersten etwas zu bissig finde. Aber ich lese religiöse Sprüche sowieso nicht in ÖPVs, die blendet mein Hirn längst automatisch aus. Daumen hoch dafür
.
#20 von Randifan am 29. April 2012 - 13:42
Das Angebot sollte an aussteigewillige Religiöse aller Art gerichtet sein, ein paar Aphorismen sind vollkommen sinnvoll.
#21 von AMB am 29. April 2012 - 13:51
Die finde ich gut:
#22 von bundesbedenkentraeger am 29. April 2012 - 14:18
“dass sie nun offen bekennen können”
Ja klar, bis gestern stand darauf ja auch die Todesstrafe… Dabei gilt hier nur wie sonst auch: Wer sich öffentlich zu etwas äußert, der braucht nicht zu meckern, wenn darauf (auch kritisch) reagiert wird.
Zu d’Holbach fällt mir auf, daß der ja ausgerechnet 1789 starb und die Morde der atheistischen Jakobiner nicht mehr miterlebte. unter anderem stand ja damals die Todesstrafe für Frauen darauf, sich politisch zu betätigen. Da dürfte der Aufklärer Rousseau nicht ganz wirkungslos gewesen sein: “La femme est faite pour céder à l’homme et supporter ses injustices. Toute son éducation doit être relative aux hommes : leur plaire, leur être utile, les élever, jeunes, les soigner, grands, les conseiller, les consoler, leur rendre la vie agréable et douce.” (aus: Émile, 1762) Aber die Französische Revolution, das waren sicher wieder alles ganz üble Christen…
#23 von deradmiral am 29. April 2012 - 14:32
@BBT
Die Jakobiner waren keine Atheisten! Das ist wieder so eine Lüge. Ich erinnere nur an den Kult des höchsten Wesens, den Robespierre zur Staatsreligion gemacht hat.
#24 von deradmiral am 29. April 2012 - 14:38
Das eigentlich Witzige ist, dass BBTs Weltbild der Religion von Robespierre näher ist als das Gottesbild der damaligen protestantischen Kirchen. Dennoch waren die Jakobiner gegen Atheismus.
Zitat aus http://de.wikipedia.org/wiki/Kult_des_höchsten_Wesens
#25 von bundesbedenkentraeger am 29. April 2012 - 14:40
“Die Jakobiner waren keine Atheisten! Das ist wieder so eine Lüge. Ich erinnere nur an den Kult des höchsten Wesens, den Robespierre zur Staatsreligion gemacht hat.”
Okay, also keine Atheisten, sondern Deisten. Das schwächt dann aber die sonst vertretene Position, daß die Aufklärer die Menschenrechte ohne Religon ersonnen haben. Sonst legt Ihr doch immer so viel Wert darauf, daß die ganzen Jungs eben doch recht atheistisch gedacht haben und daher diese wnderbaren neen Errungenschaften der Menschenrechte gekommen seien. Meinng geändert? Dann kann ich auch d’Holbach von der Schnur lassen. Oder kommt das drauf an, wie es gerade im Diskussionsverlauf genehm ist?
#26 von deradmiral am 29. April 2012 - 14:47
Baron d´Holbach war kein Jakobiner.
#27 von bundesbedenkentraeger am 29. April 2012 - 14:52
“dass BBTs Weltbild der Religion von Robespierre näher ist als das Gottesbild der damaligen protestantischen Kirchen”
Da wär ich an Deiner Stelle vorsichtig. Meine eigene Kirche war zu dem Zeitpunkt sehr stark vom Rationalismus und der frz. Revolution geprägt. Die Pfalz war damals ja französisch, und nr diese Prägung führte daz, daß es 1818 zur Kirchenunion von Lutheranern und Reformierten kam. Der bayrische König hat danach versucht, den Pfälzern dieses liberale Denken (politisch wie religiös) auszutreiben, war aber nur mäßig erfolgreich. Leider führte diese ganze Liberalität dann eben auch zur fast völligen Kritiklosigkeit Hitler gegenüber. Da standen die Bayern besser da, deren Landeskirche intakt blieb. Das ist halt die negative Seite des Liberalismus, daß er zu Hitler geführt hat.
#28 von bundesbedenkentraeger am 29. April 2012 - 14:53
“Baron d´Holbach war kein Jakobiner.”
Hab ich auch nicht behauptet. Wieso bestehst Du so auf dem “Baron”?
#29 von deradmiral am 29. April 2012 - 14:59
Ja, die Kirchen waren im 18. Jahrhundert so progressiv, dass sie langsam das Hexen verbrennen einstellten.
#30 von deradmiral am 29. April 2012 - 15:00
d´Holbach war kein Jakobiner und BBT ist ein Troll.
#31 von Ezri am 29. April 2012 - 15:02
“Bisher hat noch keiner bewiesen, daß es Gott nicht gibt” Ist total missverständlich. Besser wäre gewesen: “Bisher hat noch keiner bewiesen, daß es einen Gott gibt.”
#32 von anti3anti am 29. April 2012 - 15:53
Missverständlich? Wahr!
#33 von Noch ein Fragender am 29. April 2012 - 16:28
Leider führte diese ganze Liberalität dann eben auch zur fast völligen Kritiklosigkeit Hitler gegenüber.
Meinst du damit auch den politischen Liberalismus (National-Liberale) ? Nur zur Klarstellung.
Dass der protestantische Liberalismus zur Kritiklosigkeit gegenüber Hitler geführt hat, ist mir neu. Denkst du an den antisemitischen Dom- und Hofprediger Stoecker? Vielleicht kannst du das noch begründen.
Mir ist eher bekannt, dass das autoritätsgläubige Luthertum mit seiner Zwei-Reiche-Lehre (Jedermann sei untertan der Obrigkeit) viele Protestanten abgeschreckt hat, gegen den nationalsozialistischen Staat (der Staat ist ja von Gott eingesetzt) zu arbeiten. Selbst bei der Bekennenden Kirche hat ja Bonhoeffer auf Granit gebissen, als er ein aktives politisches Handeln der Kirche gegen die Diskriminierung und Verfolgung der Juden forderte („dem Rad selbst in die Speichen fallen“) Statt dessen nahm die Bekennende Kirche eine weitgehend unpolitische Haltung ein.
http://www.ekir.de/bonn/08/tri/pdf/Facharbeit_JohannesNiemeier.pdf
#34 von bundesbedenkentraeger am 29. April 2012 - 17:50
@NeF:
Der politische Liberalismus wohl weniger, aber dazu kenn ich mich mit den politischen Verhältnissen der Weimarer Republik zu wenig aus. Weil Du aber Stoecker nennst, über den ich grad meine Examensarbeit scheib (wenn es da auch nicht um den Antisemitismus geht sondern um seine Einstellung zur Gleichberechtigung der Frau), so war der zwar einerseits Antisemit, andererseits hat er sich aber auch gegen den Rassenantisemitismus abgegrenzt, weil dieser ihm zu liberal (sic!) war. Für Stoecker war ein getaufter Jude kein Jude mehr. Auch hab ich den Eindruck gewonnen, daß seine antisemitischen Reden vor allem antiliberal sind und den Antisemitismus lediglich um der Stimmen willen bedienen. Aber das ist nicht mein Thema, deshalb konnte ich das leider nicht vertiefen. (wenn Du ne entgegengesetzte Meinung lesen willst, mußt Du Dich an Brakelmann wenden)
Die Zwei-Reiche Lehre ist dafür verantwortlich, daß aus dem Luthertum (vor allem, aber viel besser waren die Reformierten auch nicht) kaum Widerstand gegen Hitler kam, das stimmt. Aber die Zwei-Reiche Lehrehat seinen Aufstieg auch nicht begünstigt. Das war eher die liberal-theologische Einstellung, die Religion und Kultur in eins setzen wollte und folglich sowohl im Ersten Weltkrieg als auch im Aufstieg Hitlers ein handeln Gottes sah, um Deutschland und die Welt zu retten. (interessanter Weise hat der sonst antiliberale Stoecker in ein ähnliches Horn gestoßen bei den Kriegen von 1866 und 1870/1). Konservativere Stimmen sind meist eher zurückhaltend, wenn es um die Offenbarung Gottes in der Geschichte geht. Die liberale Theologie hatte allerdings durch die Rationalisierung von Bibel und Tradition nicht mehr viel übrig gehabt, um nationale Euphorie von göttlicher Offenbarung zu trennen. Was die liberale Theologie verloren hatte, und woran Barth, der später selbst zur BK kam Kritik äußerte, ist das Bewußtsein um das Kommen von Gott her aller Gottesrede. Die Theologie war ihm zu anthropozentrisch geworden. Diese Konzentration auf den Menschen macht dann auch die Unterscheidung zwischen einem echten und einem falschen Propheten recht schwer (wobei wir freilich nicht anders als menschlich denken können, aber wir sollen es wenigstens reflektieren). Das eigentliche Problem liegt wohl in dem rundgedanken, daß es eine Entwicklung zum Besseren gebe, daß die Gesellschaft auf dem Weg dazu sei, sich immer stärker ethisch zu verbessern, wie man ja auch davon ausging, auch durch die moderne Quellenkritik immer mehr über die Bibel und Jesus zu erfahren (-> Der historische Jesus). Im Ersten Weltkrieg bekam die ganze Denke einen gewaltigen Dämpfer, weil man sehen konnte, daß sich nichts zum Guten, sondern alles zum Schlechten entwickelt hatte. Letzte Hoffnungen einer nun entgültigen Verbesserung setzte man auf Hitler… Konservativere Menschen konnten das Ganze etwas distanzierter betrachten, sind sie doch allgemein zurückhaltender mit der Ausrufung neuer Propheten. Während Konservative alles vor die Hunde gehen sehen, sehen Liberale, wie alles immer besser wird. Die Wahrheit liegt wohl irendwo dazwischen.
Allerdings meine ich, auch schon einmal die These vernommen zu haben, nach der der politische Liberalismus für Hitler und Stalin verantwortlich seien. Ich möchte das hier aber nicht vertreten, weil ich die Argumentation nicht (mehr?) kenne. Ich erinnere mich lediglich an die These.
Die Bekennende Kirche war sicherlich nicht die unbeugsame Kämpferin gegen Unterdrückung und Gewalt. Da waren viele (entsprechend der Gesellschaftsschichten, aus denen sie sich rekrutierten) stramm deutschnational eingestellt. Allerdings sammelten sich diejenigen, die dann wirklich Widerstand leisteten, eher in der BK als bei den DC, so wie eben der von den Nazis ermordete Bonhoeffer oder der lange im KZ einsitzende Niemöller. Das gibt dann auch nen wichtigen aber ernüchternden Hinweis, wie weit Kirchenstrukturen sich dazu eignen, eine Revolution vom Zaun zu brechen. Wenn sie Verbesserungen nicht verhindern, ist der Idealfall erreicht. Aber irgendwie organisieren muß man sich…
#35 von finn am 29. April 2012 - 21:24
Die GBS ist immer viel zu akademisch, argumentiert mit Philosphen, die entweder keiner der religiösen “Schafe” kennt, oder sie von vornherein ablehnt.
Akademiker werden immer mehr als “Klugscheißer” gesehen, die Bildung in diesem unserem Lande erlebt sowieso eine Fahrt in Untiefen.
Deshalb: einfache Sätze, einfache Gedanken!! Das nützt der guten Sache Atheismus viel mehr!!!
#36 von Sheldon Lee Cooper am 29. April 2012 - 21:38
@anti3anti
Wahr? Irrelevant! That which can be asserted without evidence, can be dismissed without evidence.
#37 von wirsindlaessig am 29. April 2012 - 21:48
Sehr schön!:D
#38 von anti3anti am 29. April 2012 - 21:55
Do you exist?
#39 von Hinterfragerin am 29. April 2012 - 22:18
@ BBT
Könntest Du d`Holbach nach seinen Texten und Äußerungen bewerten, nicht nach Deinen historisch uninformierten Assoziationen? Und wie wäre es mit ein bisserl Differenzierung? Rousseau war Deist. d`Holbach war Atheist. Beide waren sich übrigens nicht besonders grün..
Unter den “Revolutionären” gab es beide Gruppierungen. Und dass es unter den Revolutionären in der Tat gewalttätige Antiklerikale – Atheisten und Deisten – gab, bestreitet niemand. Nur: Daraus Menschen, die zwar den Unglauben, nicht aber die politische Haltung teilten, einen Strick drehen zu wollen, ist schon ein bisserl infam.
Schlimm, gell, Geschichte ist so komplex…und das Ganze wird nicht besser dadurch, dass man damals atheistische oder religionskritische Texte am besten noch unter Pseudonym veröffentlichte, da man schon für´s Lesen gerne mal auf den Galeeren landete..und wegen Blasphemie noch in übler Weise hingerichtet werden konnte. Manchmal weiß man also nicht wirklich, ob jemand Atheist oder Deist war. Ja, damals war es noch gefährlich, sich offen zum Unglauben zu bekennen, was meinst Du, warum sogar d´Holbach unter Pseudonym veröffentlichte?
“Allerdings meine ich, auch schon einmal die These vernommen zu haben, nach der der politische Liberalismus für Hitler und Stalin verantwortlich seien.”
DIE Argumentation würde mich jetzt mal interessieren. Was genau verstehst Du unter “verantwortlich”?
#40 von Hinterfragerin am 29. April 2012 - 22:20
@ BBT
In einem aber hast Du recht: d`Holbach hat sich in diesem Punkt (siehe Zitat) getäuscht. Leider.
#41 von Sheldon Lee Cooper am 29. April 2012 - 22:24
@antianti
Ich fürchte, wenn ich darauf antworte wird die Diskussion früher oder später in existenzphilosophische Faselei abgleiten. Aber da ich fehlerfrei CAPTCHAs beantworten kann ist meine Existenz evident. Wer der Aussage, die Nichtexistenz Gottes wäre nicht bewiesen irgendeine Bedeutung (“da ist was wahres dran”) zukommen lässt, ist vom logischen Nihilismus nicht weit entfernt.
#42 von Noch ein Fragender am 30. April 2012 - 00:38
@ #34 BBT
Danke für deine ausführliche Stellungnahme.
Da ich in Eile bin, antworte ich nur kurz:
Stoecker und die Frauenfrage ist bestimmt ein interessantes Thema, aber auch anspruchsvoll, da es viele Quellen zu Stoecker gibt, die erst mal aufgearbeitet sein wollen. Wünsche dir bei deiner Arbeit viel Erfolg und gutes Gelingen!
Für mich ist Albert Schweitzer einer der großen liberalen Theologen. Insofern würde ich die liberale Theologie doch etwas positiver sehen wollen. Auf den Schock des 1. Weltkriegs (als Deutscher wurde er in Lambarene von der dortigen französischen Kolonialmacht als “Feind” interniert) hat er mit seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben reagiert. Für mich eine überzeugendere Antwort als die der dialektischen Theologie mit ihrer Unterscheidung von (echtem christlichen) Glauben und Religion (z. B. Kulturprotestantismus), die ja wohl religionswissenschaftlich nicht haltbar ist.
Ein andermal mehr.
#43 von anti3anti am 30. April 2012 - 10:50
@Sheldon Lee Cooper
… ist meine Existenz evident.
Philosophie ist keine Faselei. Die Frage ” Do you exist?” kann nur bejaht werden. Ein Nein wäre das Ende jeglicher Kommunikation. Somit ist eine Evidenz nicht notwendig. Sie ist auch nicht vorhanden, was einer längerer Erklärung bedarf, die hier als Faselei verstanden wird. Somit:
That which can be asserted without evidence, can be dismissed without evidence.
Sheldon Lee Cooper und Gott bewiesen! Oder beide widerlegt.
#44 von stephancologne am 30. April 2012 - 11:21
Sheldon kommuniziert hier. Du kannst Fragen stellen und er antwortet. Du kannst mit ihm telefonieren, ein Bierchen trinken und er hilft dir beim Schuhe zu binden. Du kannst ihn sogar (falls er das zulässt) anfassen, da er aus Fleisch und Blut ist.
Was kann denn Gott von diesen Dingen ?
#45 von Hinterfragerin am 30. April 2012 - 11:52
@ anti
Ich muss meine Existenz nicht behaupten, da sie für mein Gegenüber und mich im Augenblick der direkten Kommunikation evident ist.
Dein Vergleich hinkt, da durchaus auch die Existenz von Personen bestritten werden kann, wenn für diese eben keine Belege existieren. Nicht ohne Grund gibt es in den historischen Wissenschaften teils Kontroversen darüber, ob eine Person xy eine reale historische Figur war oder der Fiktion/ Mythologie zuzuordnen ist. Oder ob bestimmte Eigenschaften einer Person xy hstorisch real waren oder fiktiv.
Auch bei indirekter, und manchmal gar bei vordergründig direkter Kommunikation kann man bezweifeln, ob die “Entität”, mit der man es vordergründig zu tun zu haben scheint, die Person ist, die sie vorgibt zu sein – oder überhaupt existiert. Meine Großmutter unterhielt sich gerne mal mit Personen, die nur in ihrem Kopf existierten – für sie aber sehr real waren. Sie war psychisch krank. Über´s Internet mag man oft mit “Personen” im ursprünglichen Wortsinne zu tun haben, die mit der realen Person dahinter wenig zu tun haben. Oder Texte könnten computergeneriert sein, wie etwa in einem Computerspiel.
Sorry, klang tiefsinnig, war es aber nicht..
#46 von bundesbedenkentraeger am 30. April 2012 - 13:17
Ja, auch diese Möglichkeit besteht. Hier bewerte ich ihn aber nach der Darstellung der gbs auf der U-Bahn Werbung. Wenn Du diese Darstellung für verkürzend hältst, beschwer Dich bei der gbs, nicht bei mir.
Moment, d’Holbach (wie er hier zitiert wird) dreht den Menschen, die den Glauben teilen einen Strick. Oder was ist die Aussage einer gbs Werbung mit eben jenem Zitat sonst? Mensch, sei Atheist, sonst vernebelt Dein Verstand und Du stellst Dich hinter Gewalttaten. Anders kann ich diese Werbung nicht deuten. Und sie passt so auch zu den sonstigen Verlautbarungen der “neuatheistischen” Medien (also gbs, HPD et al, Du weißt was ich mein).
Ich habe mich nirgends i der Weise ausgesprochen, daß ich derlei positiv fände. Ich find das genau so schrecklich wie Du. Ich kann aber auch verstehen, daß man sich mal aufregen kann, geht mir ja nicht anders.
Wie gesagt, ich kann mich daran nicht mehr erinnern. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß es das auch gibt. Da ich die Argumentation selbst nicht kenne (und sie mich auch nicht groß interessiert), vertrete ich sie nicht.
Und das ist das, wo ich mich ein wenig geärgert hab, daß die gbs das trotzdem unkommentiert bringt, obwohl sie es besser weiß…
Daß wir uns nicht falsch verstehen: Die liberale Theologie war gut und wichtig. Sie hat die Theologie nachhaltig geprägt, nicht zuletzt geht die ganze historische Kritik auf sie zurück. Sie hat nach der Betonung des Dogmas die Ethik wieder stark gemacht. Darauf folgte ganz logisch mit der Dialektischen Theologie Barths wieder eine stärkere Betonung des Dogmas (auch wenn Barth reformiert war und Dogma da ne etwas andere Bedeutung hat). Ich sag ja, man muß zusehen, den Mittelweg zu gehen. Klare Überzeugungen, und trotzdem die (darauf aufbauende) Ethik ernst nehmen. Das ist nicht immer einfach, aber einfach ist ja auch langweilig…
Zu Schweitzer weiß ich leider zu wenig was die Entstehung seiner “Ehrfurcht vor dem Leben” angeht. Und daß Barth nicht überall Recht hatte, sollte auch klar sein. Daß aber der Kulturprotestantismus weitgehend unsensibel für nationalistisches und völkisches Unrecht war, ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen, oder?
#47 von Hinterfragerin am 30. April 2012 - 14:08
@ BBT
Deinen Ärger in diesem Punkt verstehe ich erst einmal. Ja, das Zitat erscheint für eine solche Kampagne zumindest vordergründig unpassend. Zumindest wenn man es so versteht, dass die gbs diese “Behauptung” teilt und aufstellt. Und dies zu vermuten liegt nahe, wenn man das Zitat “unbedarft” liest. Wie wohl die meisten Fahrgäste..
Der Satz vor dem plakatierten lautet:
“Wenn ein Atheist richtig geurteilt und seine Natur zu Rate gezogen hat, so hat er Prinzipien, die zuverlässiger und immer menschlicher sind als die des Abergläubischen, der durch eine finstere oder schwärmerische Religion entweder zur Torheit oder zur Grausamkeit geführt wird.”
Darin steckt einerseits, dass auch der Atheist (antürlich, möchte man sagen) falsch urteilen kann, und andererseits eine Einschränkung bzgl. der von Dir monierten Generalisierung bzgl. der Gläubigen.
Andererseits:
Kann solch ein Zitat nicht einfach auch als Denkanstoss verstanden werden?
Man kommt dann auf: OK, er irrte sich damit. Nicht nur religiöse, sondern auch politische Ideologien sind fähig, Menschen zu Torheit und Grausamkeit zu führen, während sie zugleich denken, gut zu handeln.
“Bisher hat mir noch keiner bewiesen, dass es Gott nicht gibt!” geht ja auch eher in Richtung Denkanstoss..
Lies mal, was die gbs dazu schreibt:
http://gbs-stuttgart.de/P_12_020
Meine Meinung: Interessantes, zu diskutierendes Zitat, das ich für eine solche Kampagne nicht ausgewählt hätte, weil es für sich allein genommen sehr mißverständlich ist.
Andere Plakate finde ich besser:
http://gbs-stuttgart.de/sites/default/files/was_ist_ketzerei_560px.png
http://gbs-stuttgart.de/sites/default/files/die_groesste_suende_gegen_260px_0.png
http://gbs-stuttgart.de/sites/default/files/auch_wenn_alle_einer_meinung_sind_260px.png