Luxemburg: Handfeste Proteste gegen die Meinungsfreiheit

LUXEMBURG. (hpd) Eine Woche nach dem Start der Buskampagne in Luxemburg mehren sich die Unmutsäußerungen religiöser Vertreter bis hin zu Boykottdrohungen gegenüber den Busunternehmen. Darauf folgten wehrhafte parlamentarische Anfragen in der Deputiertenkammer, während Busunternehmer die Aufkleber wieder abreißen. Ein Bericht von Fiona Lorenz

Die Buskampagne der Luxemburger „Allianz vun Humanisten, Atheisten an Agnostiker“ (AHA!) erregt großes Interesse. Vergangene Woche Montag startete die Kampagne “Nicht religiös? Steh dazu!”, die einfach dazu auffordert, zu seiner Meinung zu stehen, wenn man nicht religiös ist. Fünf Busse fuhren mit dieser Aufforderung durch die Stadt und über das Land.

Es begann damit, dass das „Wort“, die größte Luxemburger Tageszeitung, sich am 13.04.2011 in einem kleinen Artikel darüber beschwerte, nicht im Vorfeld über die Kampagne informiert worden zu sein. Mit der Behauptung, „AHA startet Kampagne gegen Religiosität”, wurden etliche Parlamentsmitglieder namentlich aufgeführt, welche die Kampagne unterstützen. Beleidigt wirkt die Aussage: „Wir weisen unsere Leser darauf hin, dass wir bereits gestern im LW über diese Aktion berichtet hätten, wenn man uns zur Vorstellung der Kampagne am Montag eingeladen hätte.“ Soweit nachvollziehbar. Allerdings hatte sich das Luxemburger Wort bis zu diesem Datum nicht im mindesten an irgendeiner der bisherigen AHA-Aktionen interessiert gezeigt. Dazu muss man wissen, dass das „Wort“ der katholischen Kirche in Luxemburg gehört und ihre Berichterstattung entsprechend anpasst. Über unliebsame Themen pflegt man gar nicht oder, wenn es sein muss, sehr tendenziös zu berichten.

Weiterlesen auf:
http://hpd.de/node/11481

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  1. #1 von DerHammer am 22. April 2011 - 12:20

    jetzt haben die schon angst vor einer harmlosen buskampagne die anregen will das man zu seinen ansichten steht ……..! arm ,sehr arm im geiste .

  2. #2 von deradmiral am 22. April 2011 - 13:05

    Aufruf zum Landfriedensbruch. Jetzt zeigt sich die Toleranz und Leidensfähigkeit der Christen. Ich glaube es war Voltaire, der gesagt hat, dass eine Tugend, die nie geprüft worden ist, keine ist (oder war es Oscar Wilde?)

    Wir nehmen den ganzen religiösen Firlefanz das ganze Jahr über hin und zerstören weder Plakate, Gebäude oder sonst was. Und wenn der erste Bus mit sehr harmlosen Sprüchen losfährt, dann bricht das christliche Abendland zusammen.

  3. #3 von Deus Ex Machina am 22. April 2011 - 13:09

    Ich lach mich tot! Die gläubige Fraktion muss ja in Luxemburg ganz gewaltige Zweifel an der Beständigkeit ihrer Position haben, wenn sie schon gegen so eine Kampagne wettert. “Nicht gläubig – steh dazu!” heißt es, kein – auch noch in seiner Aussagekraft aufgeweichtes – “Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott”. Also ein Slogan, der nur dazu animieren soll, zu seinen Überzeugungen zu stehen. Aber schon das verängstigt einige offenbar sehr.
    Soviel zum Recht, seine Meinung zu äußern und dazu zu stehen . Ich wette, dass wenn die Kampagne beendet ist, 10mal mehr Busse, und auch private Wagen, mit dem Slogan “Christlich/Gläubig? – steh dazu!” durch Luxemburg fahren.

  4. #4 von AMB am 22. April 2011 - 13:32

    Die Aktion ist nicht mal missionierend und trotzdem wird sie scharf attackiert! Christen haben im alten Blog behauptet, dass die Kirchen (Deutschland und Österreich) nichts damit zu tun hätten, dass die Buskampagne von den Öffis abgelehnt wurde. Tz tz tz…

  5. #5 von Wildbetta am 22. April 2011 - 15:30

    @Admiral: Ja, aber wir sind natürlich pöhse pöhse Krawallatheisten. Es riecht schon wieder nach “Christenverfolgung”.

  6. #6 von DerHammer am 22. April 2011 - 15:52

    @AMB

    die kirche hat ja auch nie was mit den politiker zu tun ……nie und nimmer nicht *gg

  7. #7 von Barkai am 22. April 2011 - 16:12

    muss man sich jetzt auch in Luxembrug auf die ersten Bombendrohungen gefasst machen?

  8. #8 von foundnoreligion am 22. April 2011 - 17:51

    @Barkai, man muss sich nicht auf Bombendrohungen gefasst machen.

  9. #9 von Max Headroom am 22. April 2011 - 19:51

    Wie es scheint, hatten etliche Pfarrverbände sowie Privatpersonen gegen die Kampagne protestiert, gar den Unternehmen, welche die Anzeigen spazieren fahren, mit Boykott gedroht.

    Geschah in Deutschland genauso. Und geschieht noch heute so, wenn man sich das Hasenfest und die Werbung dazu genau anschaut ;) .

    Er sollte darüber befinden, ob der Kampagnen-Slogan „Net reliéis ? Stéi dozou !” diskriminierende Werte transportiere, welche den Abbruch der Kampagne rechtfertigten.

    Diskriminierende Werte finden sich auch in den Spruch: “Gib AIDS keine Chance” oder “Kein Jude? Steh dazu!”. Bei “Nicht Religiös? Steh dazu!” erkenne ich keine Diskriminierung einer bestimmten Religion, sondern eine Form der Meinungsfreiheit. Man sollte dazu stehen,wenn man nicht religiös ist. Und da “Religion” nciht klar definiert ist, so wie “Nicht Rauchend? Steh dazu!”, wird man hier keine klare Gruppe benennen können. Bleibt für mich nur der Nachweis einer Benachteiligung übrig. Aber wer wird in seiner Freiheit damit eingeschränkt?

    Wir akzeptieren ja auch, wenn Leute gegen unsere Kampagne sind. Aber wenn sie mit Boykott drohen und die Buskampagne stoppen wollen, dann müssen wir etwas tun.

    Wie die kleine Karikatur (“.. polier dir die Fresse ..”) es ausdrückt, wird das Recht auf eine Meinung und die Freiheit der Gedanken – solange sie nicht freiheitseinschränkend sind – mit Füßen getreten bzw. mit Händen abgerissen. Und ja … wenn Freiheiten eingeschränkt werden, verlangt dies nach klarer Aufklärung.
    Das sich Busunternehmen aus Sorge um ihre zahlende Kundschaft gegen solche Werbung wenden, zeigt die Dummheit dieser Religion. Werbung über “unangenehme” Stromunternehmen, Kleiderfirmen oder Autohersteller, wird hingenommen und einfach bei Nichtgefallen ignoriert. Doch mit “Religionsfreien” kann man ja biblisch-begründet angehen. Da besteht die Pflicht, die In-Group zu schützen. Halleluja.

    Kopf hoch! Die Menschen finden es keinesfalls “brutal” oder gefährlich und unterstützen diese Aktion durch simples nichtabreissen und tolerieren der Meinung. Und wenn die Religioten es nicht verstehen wollen, dann müssen sie es eben lernen :) .