Verordnete Stille: Umstrittenes Musikverbot am Karfreitag

Wenn ein Wirt an Karfreitag in seiner Kneipe oder Diskothek Musik spielen lässt, dann verstößt er gegen das bayerische Feiertagsgesetz. Das verbietet an diesem christlichen Feiertag “musikalische Darbietungen jeder Art”. Ein Würzburger Wirt soll nun ein Bußgeld von mehreren hundert Euro zahlen, weil er vor zwei Jahren gegen das Gesetz verstoßen hat. Nicht wenige Menschen empfinden das Karfreitag-Verbot als Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte, andere hingegen plädieren für einen Moment der Stille. Wenn nötig eben auch per Gesetz.

Zum Video…

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  1. #1 von AMB am 9. April 2011 - 13:21

    Wenn, dann sollen sich die Christen daran halten und nicht auch die, denen das scheiß egal ist.

    Nein, der Osterhase gehört nicht zum Karfreitag!! Mit der Methode kann er uns kein schlechtes Gewissen einreden!!

  2. #2 von Noch ein Fragender am 9. April 2011 - 13:24

    Fällt Glockengeläut auch unter “musikalische Darbietung jeder Art”?

  3. #3 von ketam1n am 9. April 2011 - 13:46

    Was für eine faschistische Scheisse … wie als ob ich jemanden brauche der mir vorschreibt wann ich musizieren darf und wann nicht.

  4. #4 von theokratis am 9. April 2011 - 14:02

    Das Tanzverbot beinhaltet auch Sportliche Aktivität und nicht nur in Bayern dürfen die Landesregierungen Anweisungen ausgeben welche Theaterstücke und sonstige Aufführungen erlaubt sind. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Tanzverbot )

    Im nordrhein-westfälischen Essen hatte Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Bündnis 90/ Die Grünen) die Stadt angewiesen, die Aufführung der Oper “Madame Butterfly” an Karfreitag zu untersagen. ( http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=3863 )

    Mich würde interessieren ob in einigen Bundesländern dieses Gesetz überhaupt nicht angewendet wird.
    Ein Tanzverbot passt überhaupt nicht zu Berln und seinen regierenden Partymeister .. es sei den der Arzt verbietet solche Aktivitäten.

  5. #5 von peanut am 9. April 2011 - 14:43

    Man soll die Leute ja nicht provozieren, sonst rennt noch evtl. ein aufgebrachter Bürger in die Kirche und spielt folgenden Song ab.

    http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=6099:extremismus-der-mitte-bayerns-innenminister-r%C3%BCgt-fes-studie&Itemid=840

  6. #6 von peanut am 9. April 2011 - 14:44

    Quatsch lol das war ein Bericht zum bayerischen Innenminister lmao..

    Nun hier der Song für Karfreitag lol

    http://www.myvideo.de/movie/6044664Volbeat – Still Counting – MyVideo

  7. #7 von Barkai am 9. April 2011 - 15:01

    was sind denn Muskidarbietungen jeglicher art? oder in anderen Bundesländern öffentliche Musik- und Tanzeranstaltungen?
    Wenn bsplw. in der Kirche an Karfreitag einige Lieder gesungen werden? Würde das gesetz hier greifen? Würde man sich trauen, den leiter des örtlichen Kinderchores bei Zuwiderhandlung abzumahnen?

    Theokratis zu deiner Frage, wie es in anderen Bundesländern gehandhabt wird: In Trier ist es auch schon dazu gekommen, dass am Karfreitag das angekündigte Konzert ausfallen musste.
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich gerade nciht weiß, ob und wie das in Bremen oder Niedersachsen gehandhabt wird. Aber ich kann mir grad nciht vorstellen, dass eine strikte Handhabung zu Bremen passen würde (es ist immerhin ein Bundesland, in dem lediglich Religionskunde auf dem Lehrplan steht).
    Desweiteren kann ich mir nicht vorstellen, dass Hamburg besonders streng vorgeht.

  8. #8 von Laura am 9. April 2011 - 15:15

    Hab grad den (alten) Artikel zum Thema gefunden: ORF: Bayrische Partygäste am Karfreitag Dann gibt es ja noch die privaten Spanferkelessen.. wenn man nicht gerade Vegetarier ist ;)

  9. #9 von Barkai am 9. April 2011 - 15:25

    gibt’s da keien Beilagen?

  10. #10 von F. M. am 9. April 2011 - 16:17

    >Fällt Glockengeläut auch unter „musikalische Darbietung jeder Art“?<

    Ja! Auch die römisch-katholische Kirche hält sich, zumindest beim Glockengeläut daran. Vom Karfreitag bis Ostersonntag schweigen alle Kirchenglocken.
    In den katholischen, ländlichen Gebieten wie in Bayern oder Oberschwaben, laufen in dieser Zeit der Karwoche die Kinder durchs Dorf und ersetzen die Kirchenglocken mit lauten Rätschen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ratsche#Geschichtlicher_Hintergrund

  11. #11 von AndreasA am 9. April 2011 - 17:02

    Dieser angebliche “Moment der Stille” fungiert als Totschlagargument für das Musik- und Tanzverbot.

    Ich hätte diesen “Moment der Stille” bezüglich der Kirchenglocken gerne das ganze Jahr über.

    Interessant wird es erst, wenn auch die Muslime die Einhaltung ihrer Feiertage von der gesamten Bevölkerung einfordern.

    Wahrscheinlich wird diese Forderung von unseren Religioten noch unterstützt, aber nicht wegen der ach so Großen Toleranz, sondern weil man im Windschatten seine eigenen Privilegien sichern möchte.

  12. #12 von Barkai am 9. April 2011 - 17:37

    kommt drauf an, wenn die Muslime durchsetzen möchten, dass jeder hierzulande Ramadan hält (mit den üblichen Aussnahmen: Reisende, kinder, Schwangere, Kranke und Greise), werden zumindest Lehmann, Marx und Trelle protestieren, es sei denn, dass sie bereits als Greise durchfgehen.

  13. #13 von Andreas P am 9. April 2011 - 22:29

    Wenn ein CSU-Amigo dagegen sich von einer bayrischen Uni Doktorarbeit und -titel kauft und das rauskommt, dann gibt er ihn halt zurueck, und die Sache ist gegessen. Oeffentliches Interesse besteht in Bayern nur an der christgemaessigen Kneipenbeschallung.

    Willkommen im korruptesten Teil Deutschlands.

  14. #14 von Max Headroom am 10. April 2011 - 13:33

    @Barkai

    kommt drauf an, wenn die Muslime durchsetzen möchten, dass jeder hierzulande Ramadan hält (..), werden zumindest Lehmann, Marx und Trelle protestieren, es sei denn, dass sie bereits als Greise durchfgehen.

    Nicht hierzulande. Sondern in deren Ländern. Wenn ein Deutscher in ein muslimisches Land reist und er dort gezwungen wird, den gesamten Tag nichts zu essen, bis die Sonne untergeht, dann haben wir diesen identischen Zustand endgültig erreicht.
    Dieses Aufzwingen religiöser Praktiken – auch für Anders- und Nichtgläubige – dürfte angesichts der Religionsfreiheit wohl Probleme vorbringen. Bei uns hat man das Recht, eine Religion auszuüben … und sie nicht auszuüben. Einem Buddhisten sein Recht auf Freizeitaktivitäten zu nehmen, weil er gefälligst das Nichttanzen/Nichtmeditieren/Nichtlieben/… auszuüben habe wie ein anständiger Christ, würde ungerecht sein. Aber wenn die Politik da ein Äuglein zudrückt, dürfte dieser Mangel an (negativer) religiöser Freiheit unter’m Teppich fallen. Haptsache man verscherzt es sich nicht mit den Wählern :P .

  15. #15 von Barkai am 10. April 2011 - 15:40

    Max,
    soweit ich weiß, ist das in Saudi-Arabien schon der Ist-Zustand. Es herrscht striktes Alkoholverbot (bei Zuwiderhandlung droht Ausspeitschung), Verschleierungspflicht (mind. Hajib, also Koptuch auch für westliche Frauen), ausländische Führerscheine/Fahrerlaubnisse von Frauen werden in Saudi_arabien nicht anerkennt (die der Männer hingegen meist schon), auch ausländerinnen dürfen ncith ohne Begleitung eines Mannes, mit dem sie ncith mehr verheiratet werden können, auf die Straße.

    Eine meiner ehemaligen Lehrerinnen hatte, bevor sie wieder nach Deuthscland kam, eine Stelle an einer ausländischen Schule in Saudi-Arabien. Sie sagte, dass es üblich sei, dass die Sittenpolizisten strikt kontroliierten, mit wem sie auf der STraße unterwegs war (und sie ist groß, blond, blauäugig mit sehr hellem Teint, man kann sie nciht versehentlich für eine Einheimishce halten) und das die Sittenpolizisten auch zB den Müll von Westler kontrollieren, wenn die Ausländer eine Party feiern oder gefeiert haben, um so Alkoholsünder zu ertappen (wor sprechen von Alkoholkonsum in den eigenen 4 Wänden, in die die Sittenpolizisten nicht einfach so eindringen dürfen, es sei denn man läßt die Tür offen stehen), desweiteren fanden diese Schnüffeleien verstärkt zu solchen Zeitpunkten statt, wo ausländische bzw. nicht-muslimische Feste gefeiert werden, da es in Saudi-Arabien verboten ist, Feste zu begehen, die im Sonnenkalendar stehen (eine private Sylvesterparty am 31. Dezember ist strafrechtlich relevant in Saudi-Arabien). Ich glaube, der Besitz und die Einfuhr von nicht-muslimischen religiösen Schriften ist verboten.

    Der Chef eines Freundes von mir ist einmal in Richtugn Thailand gereist und das Flugzeug wurde in Riad noch einmal volgetankt utnerwegs, dabei kommen dann die Beamte oder Staatangestellte in das Flugzeug (er war sich ncith sicher, ob das Vertreter der Sittenpolizei waren) auf jden Fall hatte ein Mitpassagier eine Schachtel alkoholischer Pralinen bei sich. Er musste dann die Herrschaften nach draußen begleiten und als der Mitpassagier wieder ins Flugzeug kam, hatt er es tunlichste vermieden, sich anzulehnen…

  16. #16 von Max Headroom am 10. April 2011 - 16:20

    Exakt. Dies war ja auch mein Punkt. In unserem Land ist eine solche verpflichtende Einhaltung religiöser Gesetze schlicht und ergreifend ein Eingriff in die Privatssphäre und den Menschenrechten. Hierzulande können keine Muslime die Andersgläubigen zu etwas zwingen. Auch Atheisten, Shintoisten und Buddhisten müssen sich der – religiös-neutralen – Gesetze beugen, genauso wie die Nichtraucher und Briefmarkensammler.

    Anders sieht es in einem Land aus, welche unter einer Theokratie – oder theokratienaher Regierung – steht. Dann sind religiös-zusprechende Gesetze kein Konflikt für sie. Das “Gesetz Gottes” steht für sie über allem.

    Im Grunde genommen sollten sogar Kirchenmänner auf die Straße gehen und dieses “erzwungene Nichttanzen” ankreiden! Sie sollten sich für die (tanz-)armen und (feier-)schwachen Menschen einsetzen. Ich vermute, das wird sowieso ihnen am Hinterteil vorbeigehen, wie auch das Sonntags-Nichtarbeitergebot. Zwar schreien sie sich die Seele aus dem Leib, wenn man die Ladenschlusszeiten und -gesetze ankratzt, andererseits wollen sie nicht, dass an einem “arbeitsfreien Sonntag” die Unfallopfer zuhause verbluten, weil kein Krankenwagen und kein Arzt an diesem Tag arbeiten darf :) .

    Das Tanzverbot für Nichtchristen gehört meiner Meinung nach genauso gestrichen, wie das Arbeitsverbot für Nichtsonntagsausschlafer und Nachtaktive. Wer nicht tanzen will, ob aus religiösen oder körperlichen Gründen, der muss dann halt auch nicht :P .

  17. #17 von Barkai am 14. April 2011 - 00:47

    In Hessen das Feierverbot noch wesentlich stregner, da es nicht nur an Karfreitag gilt, sondern auch noch über das gesamte Osterwochenende imemr wieder Feierfreizeiten festlegt.
    Das Ordnungsamt Frankfurt hat jetzt einzelne Diskobesitzer angeschrieben,um sie an das Nichtchristen-Diskriminierungsgebot zu erinnern. und auch Kontrollen angekündigt. Und das, obwohl das Feierverbot in den letzten Jahren in Frankfurt eher lax gehandhabt wurde.
    http://www.fr-online.de/frankfurt/kein-spass–tanzverbot-fuer-osterhasen/-/1472798/8337352/-/index.html